Arthrose verursacht zu viele Arbeitsausfälle

Wie Patienten Berufsleben und Alltag erfolgreich meistern

Von Vorteil ist, wenn man rechtzeitig mit vorbeugenden Maßnahmen anfängt. Eine sehr erfolgreiche Methode ist die „Feldenkrais-Methode“. Der Körper verändert Bewegungsmuster, wenn Schmerzen auftreten, die länger anhalten oder immer wieder kehren. Mit der Feldenkrais-Methode führt man den Körper wieder an gesunde Bewegungsmuster heran. Einmal die Woche eine Stunde üben hilft schon sehr viel. Wer bereits Rückenprobleme oder gar Arthrose hat, kann natürlich auch dann noch viel Gutes mit dieser Methode für sich und den eigenen Bewegungsapparat tun.

Arthrose verursacht jährlich mehr als sieben Milliarden Euro direkte Krankheitskosten. Das belastet nicht nur das deutsche Gesundheitssystem. Auch vielen Arbeitgebern gehen Arbeitsstunden und -jahre wegen Fehlzeiten und Frühberentung ihrer Mitarbeiter verloren. Gleichzeitig sinkt die Lebensqualität der Betroffenen dramatisch. Orthopäden raten Arthrose-Patienten zu einer individuellen Therapie und täglichem Training für die Gelenke. So können sie Schmerzen reduzieren und ihr Berufsleben trotz Krankheit bewältigen. Im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU), der vom 28. bis 31. Oktober in Berlin stattfindet, erläutern Experten, wie tägliches Training, Tapes und Schuheinlagen den Alltag von Arthrose-Patienten erleichtern.

„Jährlich gehen 70 000 verlorene Erwerbstätigkeitsjahre und 10 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage auf das Konto der häufigsten Gelenkerkrankung Arthrose“, betont Dr. med. Johannes Flechtenmacher, Kongresspräsident des DKOU 2014. Dabei sei die häufigste Ursache die Kniegelenksarthrose. Um Betroffenen ein längeres Berufsleben zu ermöglichen, sei es besonders wichtig, Risiko-Patienten schnell zu identifizieren und ihnen eine geeignete, auf ihren Lebensstil angepasste Therapie anzubieten, erklärt der niedergelassene Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. „Nur der frühe Einsatz einer Kombination aus medikamentösen sowie nicht-medikamentösen Therapieverfahren gewährleistet, dass akute Beschwerden seltener auftreten und Patienten so wenig wie möglich in ihrem Alltag und Berufsleben eingeschränkt sind.“

Der wichtigste Aspekt für den Therapieerfolg ist die Beratung des Patienten, wie Studien zeigen. Daher hat die Kommunikation mit dem Betroffenen in der Arthrose-Behandlung besondere Bedeutung. „Der behandelnde Arzt muss den Patienten umfassend informieren – über die Erkrankung, ihren möglichen Verlauf, die Medikation und über Möglichkeiten, selbst Einfluss auf den Krankheitsverlauf nehmen zu können“, fordert Flechtenmacher.

Um Schmerzen und Immobilität zu reduzieren, empfehlen Orthopäden und Unfallchirurgen die Physiotherapie: „Gezieltes Training stärkt die Muskulatur um das von Arthrose geschädigte Gelenk. Das erhält die Beweglichkeit“, erklärt Professor Dr. med. Johannes Stöve, Chefarzt der Orthopädischen und Unfallchirurgischen Klinik am St.-Marienkrankenhaus Ludwigshafen. „Zu Beginn sollte das Training unter professioneller Anleitung erfolgen. Anschließend muss es aber unter Eigenregie konsequent im Alltag fortgesetzt werden.“

Viele Patienten profitieren auch von Wärme- und Kältetherapie oder der Orthopädietechnik, wie Tapes und Schuheinlagen. „Hier ist die Studienlage allerdings noch unzureichend, um objektive Empfehlungen auszusprechen“, betont Stöve. Wärme wird zumeist im nicht akuten Stadium zur besseren Durchblutung und Muskelentspannung eingesetzt. Die Kältetherapie hingegen lindert Schmerzen, ebenso Gehstützen und Gehhilfen sowie Schuheinlagen. Sie verbessern zudem die Funktion, beispielsweise des Kniegelenks. Auch das alleinige Tapen eines arthrotischen Kniegelenks oder das Tragen von Knieorthesen verringert bereits Schmerzen.

Welche weiteren Methoden Menschen mit Arthrose helfen, Alltag und Berufsleben schmerzfrei und mit mehr Mobilität zu bewältigen und worauf sie bei ihrer Therapie achten sollten, erklären Orthopäden und Unfallchirurgen auf einer Pressekonferenz am 29. Oktober 2014 anlässlich des DKOU in Berlin, der von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädischen Chirurgie (DGOOC) sowie dem Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) ausgerichtet wird.

Literatur:
OARSI recommendations for the management of hip and knee osteoarthritis, Part II: OARSI evidence-based, expert consensus guidelines, Zhang W, Moskowitz RW, Nuki G, Abramson S, Altman RD, Arden N, Bierma-Zeinstra S, Brandt KD, Croft P, Doherty M, Dougados M, Hochberg M, Hunter DJ, Kwoh K, Lohmander LS, Tugwell P. Osteoarthritis Cartilage. 16:137-62, 2008

Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 54 Arthrose, Robert Koch Institut, Statistisches Bundesamt, Juni 2013

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