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Psychologe ist nur, wer Psychologie mit Bachelor und Master studiert hat

Psychologe ist nur, wer Psychologie mit Bachelor und Master studiert hat

BDP freut sich über Urteil zum Titelschutz

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) hat erneut ein Gerichtsverfahren gegen einen angeblichen Wirtschaftspsychologen gewonnen, das Urteil des LG München ist allerdings noch nicht rechtskräftig (Urteil vom 27.10. Az.: 17 HK O 19533/15).
In diesem Fall hatte ein Professor, der in seinem Magisterstudium Psychologie in einem geringen Umfang studierte, die Berufsbezeichnung „Wirtschaftspsychologe“ geführt. Er verwies darauf, dass auf der Urkunde Psychologie als zweites Hauptfach bezeichnet wurde und auf Berufserfahrung im Bereich der Wirtschaft, konnte damit aber das Landgericht nicht überzeugen. Dieses folgte den Argumenten des Berufsverbands zum erforderlichen Kompetenzprofil von Psychologen. Der Beklagte darf sich unter der Androhung einer Geldstrafe von 250.000 Euro nicht mehr als Wirtschaftspsychologe titulieren.
Der BDP hob hervor, dass nicht nur Verbraucher, sondern auch Kunden in der Wirtschaft mit der Berufsbezeichnung „Psychologe“ – und dies auch in Wortkombinationen wie „Wirtschaftspsychologe“ – das Absolvieren eines umfangreichen Psychologiestudiums erwarten, entweder mit Diplom-Abschluss oder äquivalent mit Bachelor- und Master-Abschluss jeweils im Hauptfach Psychologie.
BDP-Präsident Prof. Dr. Michael Krämer hält fest: „Damit wird bestätigt, dass Klienten und Kunden bei der Beauftragung eines Psychologen das Qualifikationsniveau eines abgeschlossenen vollwertigen Psychologiestudiums erwarten dürfen.“
Aus der Urteilsbegründung:
„Die angesprochenen Verkehrskreise verstehen unter der Berufsbezeichnung Wirtschaftspsychologe einen Psychologen, welcher eine besondere Spezialisierung im Bereich der Wirtschaft erlangt hat. Die angesprochenen Verkehrskreise erwarten von einem Wirtschaftspsychologen einen ausreichend ordnungsgemäß ausgebildeten Psychologen und damit eine Person, die ihr psychologisches Studium entweder mit dem Diplom bzw. mit dem Bachelor und einem darauf aufbauenden Masterstudium absolviert hat. Die angesprochenen Verkehrskreise erwarten von einem Wirtschaftspsychologen zunächst einmal, dass es sich um einen Psychologen handelt, so dann, dass es sich um einen Psychologen mit dem Schwerpunkt im Bereich der Wirtschaft handelt, der durch eine Schwerpunktsetzung im Psychologiestudium, oder durch eine Zusatzausbildung zum regulären Psychologiestudium oder auch im Rahmen der praktischen Tätigkeit als Psychologe erworben hat.“

Schweigepflicht unabdingbar im Heilungsprozess

BDP: Keine Einschnitte beim Geheimnisschutz

Im Vorfeld der angekündigten Aufweichung der Schweigepflicht auch für Psychologen mahnt der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) einen rationalen Umgang der Politik mit der Terrorgefahr an. „Einschränkung der Schweigepflicht bei Gefährdungen des Klienten oder Dritter bestehen schon lange“, erklärt BDP-Präsident Prof. Dr. Michael Krämer. „Für psychologische, psychotherapeutische und ärztliche Tätigkeiten ist der grundsätzliche Schutz persönlicher Geheimnisse ein unabdingbarer Wert. Nur dann öffnen sich die Menschen und ihre Probleme können aufgegriffen und bearbeitet werden.“
Bereits jetzt gibt es einen ausreichenden Schutz für die Bevölkerung. In ethischer Hinsicht sind Berufsgeheimnisträger, wie Psychologen, bereits heute bei Gefährdungen gehalten aktiv zu werden. Rechtlich besteht keine Verpflichtung zum Geheimnisschutz bei Gefahrenabwehr, bei schweren Straftaten und der Vorbereitung eines Angriffskrieges.
Die aktuelle Diskussion stört das Vertrauensverhältnis und birgt das Risiko, dass gesundheitliche Dienstleistungen gar nicht erst in Anspruch genommen werden. Wichtiger als ein Eingriff in das Vertrauensverhältnis ist die Bereitstellung von professionellen Dienstleistungen in ausreichender Zahl.
Aktionistisch geprägte Vorschläge im Anschluss an Terroranschläge führen zu erhöhter medialer Aufmerksamkeit, schränken die Freiheit in der Gesellschaft weiter ein und dienen somit den Zielen der Täter.
Psychisch angeschlagene Menschen benötigen unsere Hilfe und Solidarität. Vorschläge, die sie grundsätzlich als Gefährder erscheinen lassen, stigmatisieren und sind kontraproduktiv.
Prävention von Gewalt muss einen höheren Stellenwert als bisher bekommen. Psychologische Unterstützung in Schulen, für Eltern, die einen Rückzug und eine Radikalisierung ihrer Kinder erleben sowie in Flüchtlingsunterkünften kann wirksam Verzweiflungstaten verhindern. Es ist wichtig, dass wir frühzeitig die Ursachen erkennen, die Einzelne zu einer Gefahr für sich selbst oder andere werden lassen könnten. Nur dann kann man gegensteuern. Daneben kann jeder in seinem Umfeld dazu beitragen, dass Konflikte ohne Gewalt gelöst werden, und damit zeigen, dass wir trotz der Bedrohung handlungsfähig bleiben.

Schritte aus der Gewalt

BDP fordert Politik und Medien auf, Wege aus der Gewaltspirale zu suchen

Angesichts der gehäuften Gewalttaten in den vergangenen Tagen mahnt der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) an, dass wir nicht hilflos zuschauen sollen: „Wir als Gesellschaft, Politiker und Medien und auch als Psychologen können uns entscheiden, wie wir auf diese Ereignisse individuell und als Gruppe(n) reagieren“, erklärt BDP-Präsident Prof. Dr. Michael Krämer und stellt Folgendes zur Diskussion:
1. Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Jeder Einzelne muss einen Weg finden, mit der aktuellen Bedrohungslage umzugehen. Ängste sind Schutzmechanismen und insofern berechtigt. Angst muss jedoch nicht zur Panik führen, sondern kann auch in überlegtes Handeln münden. Sich vorsichtig zu verhalten und sich um seine Angehörigen zu sorgen, ist richtig und wichtig. Dies bedeutet aber nicht, dass wir uns verkriechen.
2. Die intensive Darstellung von Gewalt bewirkt ein Abstumpfen gegenüber Gewalt. Die ständige Beschäftigung mit Gewalt kann eine Senkung der Hemmschwellen bewirken, bei denen, die Gewalt ausüben, oder auch bei denen, die Gewaltdarstellungen sehen. Machen wir uns diesen Zusammenhang bewusst, können wir uns fragen, ob wir in einer Welt voller Gewalt leben wollen, oder dem ein anderes Verhalten entgegensetzen.
3. Es gibt mehr Nachahmungseffekte, wenn der Abbildung von Gewalt in den Medien sehr viel Platz eingeräumt wird. Die besondere ethische Verantwortung liegt hier bei den Medien wie auch den politischen Akteuren. Gewalttaten können Anlass sein, sie für andere Zwecke zu instrumentalisieren.
4. Eine eng an den Fakten orientierte Diskussion kann einer überzogenen Emotionalisierung der öffentlichen Diskussionen entgegenwirken. Schwarz-Weiß-Malerei darf nicht das Bild bestimmen.
5. Der Staat hat das Gewaltmonopol, und die vorhandenen Gesetze sind ausreichend und zu beachten, um der Bedrohung entgegenzutreten.
6. Welche Folgen es hat, wenn Gewalt mit Gewalt vergolten wird, wenn demokratische Rechte weitgehend außer Kraft gesetzt werden und wenn Andersdenkende massiv unterdrückt werden, ist in anderen Teilen der Welt beobachtbar.
7. Prävention von Gewalt muss einen höheren Stellenwert als bisher bekommen. Psychologische Unterstützung in Schulen, für Eltern, die einen Rückzug und eine Radikalisierung ihrer Kinder erleben, in Flüchtlingsunterkünften kann wirksam Verzweiflungstaten verhindern. Es ist wichtig, dass wir frühzeitig die Ursachen erkennen, die Einzelne zu einer Gefahr für sich selbst oder andere werden lassen könnten. Nur dann kann man gegensteuern. Daneben kann jeder in seinem Umfeld dazu beitragen, dass Konflikte ohne Gewalt lösbar sind, und damit zeigen, dass wir trotz der Bedrohung handlungsfähig bleiben.

Über den Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP):

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) vertritt die beruflichen und politischen Interessen der niedergelassenen, angestellten und beamteten Psychologen und Psychologinnen aus allen Tätigkeitsbereichen. Diese sind unter anderem: Gesundheitspsychologie, Klinische Psychologie, Psychotherapie, Schulpsychologie, Rechtspsychologie, Verkehrspsychologie, Wirtschaftspsychologie, Umweltpsychologie und Politische Psychologie. Der BDP wurde 1946 gegründet und ist Ansprechpartner und Informant für Politik, Medien und Öffentlichkeit. Rund 11500 Mitglieder sind im BDP organisiert.
Besuchen Sie den BDP im Internet:
www.bdp-verband.de