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Nicht immer lässt sich SARS-CoV-2 über einen Abstrich nachweisen

Der Nachweis der Virusgene über einen Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum ist derzeit der Goldstandard

fzm, Stuttgart, Mai 2020 – Auch bei einer bestehenden COVID-19-Erkrankung kann die Analyse eines standardmäßig durchgeführten Abstrichs aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum negativ ausfallen. Das zeigt ein aktueller Fallbericht in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2020). Bei einem Patienten, dessen radiologischen Befunde sowie Entzündungswerte eine COVID-19-Erkrankung nahelegten, konnten keine entsprechenden Virusgene über einen Rachenabstrich nachgewiesen werden. Die Autoren empfehlen daher die Analyse weitere Biomaterialen wie Stuhl oder tiefer Atemwegssekrete, wenn der übliche Abstrich trotz begründetem Verdacht auf COVID-19 wiederholt negativ ausfällt.

Der 46-jährige Patient stellte sich im Universitätsklinikum Freiburg mit Husten und Fieber vor. Die Symptome bestanden zu diesem Zeitpunkt bereits eine Woche lang. Fünf Tage zuvor hatte sein Hausarzt wegen des Verdachts auf eine Lungenentzündung mit einer Antibiotikabehandlung begonnen, die aber zu keiner Besserung führte. Daraufhin überwies ihn der Hausarzt ins Freiburger Universitätsklinikum.

Dort ließen die Ärzte umgehend einen SARS CoV-2-PCR-Test durchführen. Dabei wird über einen Abstrich Sekret aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum entnommen. Es kann Erbgut des Virus enthalten, das durch einen empfindlichen molekularen Test nachgewiesen werden kann. Dieses Verfahren bezeichnen Labormediziner als Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR). Im Fall des Patienten fiel das Ergebnis für den Rachenabstrich negativ aus. Andere Laborbefunde, wie verschiedene erhöhte Entzündungsparameter, legten jedoch den Verdacht nahe, dass eine SARS-CoV-2-Infektion vorlag. Doch auch ein zweiter Abstrich zwei Tage nach der Aufnahme erbrachte keinen Hinweis auf Virusgene.

In einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs waren zu dieser Zeit bereits Anzeichen einer atypischen Lungenentzündung zu erkennen, wie es häufig bei COVID-19 beobachtet wird. Die am nächsten Tag durchgeführte Computertomografie (CT) erhärtete den Verdacht weiter. In beiden Lungen war vor allem an den Rändern eine milchglasartige Trübung zu sehen. Die Radiologen werteten dies als deutlichen Hinweis auf COVID-19. Doch auch im dritten Rachenabstrich fand sich kein SARS-CoV-2-Erbgut.

Am sechsten Tag schließlich wiesen die Mediziner die Virusgene in ausgehusteten Atemwegssekreten, dem sogenannten Sputum, nach. In einer Stuhlprobe waren die Viren dagegen nicht nachweisbar. Zu diesem Zeitpunkt war der Patient bereits ohne Beschwerden. Obwohl er mit Übergewicht, Bluthochdruck, hohen Blutfettwerten und einem erhöhten Blutzucker gleich mehrere Risikofaktoren aufwies, hatte er die Infektion ohne größere Komplikationen überstanden. Zwei Tage später konnte er nach Hause entlassen werden – nachdem ein weiterer Rachenabstrich negativ ausgefallen war. Eine Quarantäne wurde nicht für notwendig erachtet, da der Patient offensichtlich keine Viren ausschied.

Der Nachweis der Virusgene über einen Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum ist derzeit der Goldstandard für die Diagnose von COVID-19. „Zwischenzeitlich mehren sich jedoch Hinweise auf Limitationen hinsichtlich der Sensitivität dieser Untersuchung“, schreiben Dr. Daniel Hornuß von der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Freiburg und Kollegen in ihrem Fallbericht. Wenn Laborwerte und die Befunde im CT auf COVID-19 hinweisen, sollte der Gentest an anderen Biomaterialen wie Sputum, tiefen Atemwegssekreten oder Stuhl versucht werden, raten die Experten.

D. Hornuß et al.:
COVID-19-assoziierte Pneumonie trotz persistierend negativen PCR-Tests aus oropharyngealen Abstrichen
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2020; online erschienen am 13.5.2020

COVID-19-Studie zur Virusverbreitung bei Kindern: Universitätsklinikum Freiburg sucht weitere Familien

Im zweiten Teil der Studie soll die Verbreitung des Corona-Virus innerhalb von Familien erforscht werden / Gesucht werden Familien mit mindestens einer nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektion

In einem ersten Studienteil haben Wissenschaftler*innen des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg gemeinsam mit anderen Unikliniken in Baden-Württemberg untersucht, wie viele Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren aus rund 2.000 Haushalten nachweislich in Kontakt mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 gekommen sind. Die Ergebnisse dieses Studienteils werden derzeit für die Veröffentlichung aufbereitet.

In einem zweiten Schritt soll nun im Detail untersucht werden, wie SARS-CoV-2 in Familien gelangt und sich innerhalb der Familie verbreitet. „Dieser Teil der Untersuchung ist sehr bedeutsam um aufzuklären, welche Rolle Familien in der Pandemie spielen und wie sie geschützt werden können“, erläutert Prof. Dr. Philipp Henneke, Leiter der Sektion für Pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. „Die Studie soll dabei helfen, in Zukunft gezielt auf Infektionshäufungen reagieren zu können.“

Wie läuft die Studienteilnahme ab?

Für den zweiten Teil der Studie werden ganze Familien gesucht, bei denen bei mindestens einem Familienmitglied per Nasen- und/oder Rachenabstrich eine SARS-CoV-2-Infektion nachgewiesen wurde. Teilnehmende Familien müssen ihren Wohnsitz in Baden-Württemberg haben, mindestens ein Mitglied muss unter 18 Jahren alt sein. Die Teilnehmer*innen dürfen keine schweren Grunderkrankungen haben. Interessierte Familien können sich per E-Mail an corona.kinderstudie@uniklinik-freiburg.de melden. Weitere Informationen finden sie auf der Webseite www.corona-kinderstudie.de

Die Studie wird in der Woche vom 25. bis 29. Mai 2020 in der neuen Messe Freiburg durchgeführt. Die Teilnehmer*innen beantworten einen Fragebogen unter anderem zur familiären, beruflichen und Wohn-Situation sowie zu Gesundheitszustand, Betreuung in Kitas, Kindergärten und Schulen. Anschließend werden bei allen Teilnehmer*innen ein Nasen-/Rachenabstrich sowie eine Blutprobe entnommen. Die Abstriche dienen zum Nachweis von SARS-CoV-2-Erregern, während die Blutproben auf Antikörper gegen das Virus und auf spezifische Immunzellen untersucht werden. Das Ergebnis wird den Teilnehmer*innen im Nachgang mitgeteilt.

Die Untersuchungen haben keinen Einfluss auf den Gesundheitszustand der Studienteilnehmer*innen und es findet keine Nachbeobachtung statt. Insgesamt beträgt der studienbedingte Zeitaufwand für die Teilnehmer*innen etwa 45 Minuten plus individuelle Anfahrt. 

Weitere Informationen:

www.corona-kinderstudie.de

Anmeldung per E-Mail an corona.kinderstudie@uniklinik-freiburg.de