Wirkungslose ärztliche Leistungen kosten sehr viel Geld

Überversorgung und Behandlungskosten vermeiden

Ärzte verordnen immer wieder Leistungen, die unnötig oder manchmal sogar schädlich für Patienten sind, weil Patienten das zum Teil einfordern, vor allem aber weil es Geld bringt. Dazu zählen auch die IGeL Angebote, die von Ärzten erbracht, aber von den gesetzlichen und vielen privaten Krankenkassen nicht bezahlt werden.

Inzwischen ist ein funktionierender Markt rund um diese Leistungen entstanden. Hier ein Beispiel:

Beispiel für IGeL - Vermarktung in der Arztpraxis

Beispiel für IGeL – Vermarktung in der Arztpraxis

Mit Hilfe von TV-Spots und Videoclips sollen Patienten im Wartezimmer auf die Notwendigkeit der IGeL Leistungen eingestimmt werden. Für Ärzte ist es dann ein Leichtes diese Leistungen ihren Patienten zu verkaufen, obwohl die Ärzte sehr genau wissen, dass viele IGeL Leistungen völlig unnütz sind.

Man darf sich also getrost fragen, ob eine Negativliste nicht eher dazu beiträgt, dass Leistungen, die bislang von den Krankenkassen übernommen wurden, in den Bereich der IGeL Leistungen abgedrängt werden. Für die Ärzte wäre das ein gutes Zusatzgeschäft, könnten sie so die Preise erhöhen. Man schimpft gemeinsam auf die Kassen und schafft auch noch eine Vertrauensbasis der besonderen Art. Im Grunde bleibt dann alles beim alten für die Ärzte. Und die Patienten dürfen am Ende die ganze Zeche selbst bezahlen.

Viel Geld könnten die Krankenkassen sparen, wenn sie das Mammogrphiescreening abschaffen würden. Es hat sich nicht als derart sinnvoll erwiesen, wie es einst verkündet wurde. Frauen, die keine Mammaographie wollten, wurden immer wieder bedrängt, zum Screening zu gehen, obwohl in vielen Fällen eine Ultraschalluntersuchung ausreichend gewesen wäre. Mit der Angst vor Brustkrebs lassen sich gute Geschäfte machen. Wer übernimmt die Verantwortung, wenn profitorientierte Ärzte derartige Ängste schamlos ausnutzen? Die Einführung des Screening wurde mit viel Geld beworben. Eine Abschaffung würde wahrscheinlich eher lautlos vor sich gehen.

121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)18. bis 21. April 2015, Congress Center Rosengarten Mannheim

DGIM fordert Benennung unnötiger medizinische Leistungen

Wiesbaden – Nicht immer ist medizinisches Handeln am Patienten sinnvoll und notwendig. Mit diesem Hinweis veröffentlicht die US-amerikanische Ärzte-Initiative „Choosing wisely“ seit 2012 Listen mit ärztlichen Leistungen, die sich als wirkungslos oder sogar schädlich erwiesen haben. Eine ähnliche Liste veröffentlichten Schweizer Internisten im Mai 2014. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) sieht in diesen Initiativen ein Vorbild für Deutschland, um Überbehandlung zu vermeiden und damit auch Kosten zu senken. Mit einer neuen Task Force möchte die DGIM hierzulande mehr Bewusstsein für das Problem schaffen.

„Verschreiben Sie keine Antibiotika gegen Atemwegsinfekte. Wiederholen Sie eine Darmspiegelung nur alle zehn Jahre, sofern die Resultate unauffällig sind. Machen Sie kein Osteoporose-Screening bei Frauen unter 65 Jahren, wenn kein erhöhtes Risiko vorliegt.“ Dies sind drei Beispiele für medizinische Leistungen, die die amerikanische und die Schweizer Initiative infrage stellen. „Viele medizinische Eingriffe bedeuten auch eine Belastung für den Patienten“, sagt der DGIM-Vorsitzende Professor Dr. med. Michael Hallek aus Köln. „Als Ärzte ist es nicht nur unsere Pflicht zu behandeln, sondern auch Behandlungen zu unterlassen, wenn sie dem Patienten nichts nützen oder ihm sogar schaden könnten.“

Bei vielen Leistungen auf diesen Listen handelt es sich um lang etablierte Methoden, die nicht mehr dem heutigen Kenntnisstand entsprechen. Denn nicht immer handelten Ärzte nach dem neuesten Stand der Erkenntnis, sondern nutzen Methoden, die sie aus eigener Erfahrung kennen, so Hallek: „Erfahrung ist zwar extrem wichtig, doch wenn nicht regelmäßig ein Abgleich mit der medizinischen Entwicklung stattfindet, hängt veraltetes Wissen als Ballast an uns und den Patienten und bindet auch Mittel, die an anderer Stelle fehlen“, so der Internist. Problematisch sei zudem, dass das Gesundheitssystem zuweilen falsche ökonomische Anreize setze. Für das Gespräch mit dem Patienten etwa oder das bewusste Unterlassen von Behandlungen bekommt ein Arzt wenig erstattet, so der Direktor der Klinik für Innere Medizin I der Universität zu Köln: „Das Gespräch mit dem Patienten ist eine wichtige ärztliche Tätigkeit, die künftig besser honoriert werden muss, auch wenn der Arzt anschließend keine weitere Untersuchung anordnet oder kein Medikament verschreibt.“

Die neue Task Force „Unnötige Leistungen“ der DGIM will für diese Problematik sensibilisieren. „Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass ein Zuviel an medizinischer Fürsorge ähnlichen Schaden anrichten kann, wie das Unterlassen einer nötigen Leistung“, sagt Task-Force-Leiter Professor Dr. med. Gerd Hasenfuß aus Göttingen, der ebenfalls dem Vorstand der DGIM angehört. Die amerikanischen Empfehlungen seien dafür eine sehr gute Hilfe, aber nicht ohne weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragbar. Deswegen arbeitet die DGIM an eigenen Empfehlungen. „Ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit medizinischer Maßnahmen kann nicht nur eine Qualitätssteigerung, sondern auch eine sinnvolle Kosteneinsparung für das Gesundheitswesen bedeuten“, betont Hallek. Im Rahmen der Eröffnungs-Pressekonferenz am Samstag, den 18. April 2015 anlässlich des 121. Internistenkongresses in Mannheim diskutieren Experten die Initiative „Choosing wisely“ aus der Perspektive verschiedener internistischer Fachbereiche.

Terminhinweise:

Plenarvortrag „Die ärztliche Kunst des Seinlassens“
Referent: Prof. Giovanni Maio, Freiburg
Termin: Samstag, 18. April 2015, 11.45 bis 12.15 Uhr
Ort: Congress Center Rosengarten, Mannheim, Saal 4
Adresse: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim
 
Klinisches Symposium „Choosing Wisely – Klug Entscheiden“
Vorsitz: Prof. Michael Hallek, Köln
Termin: Sonntag, 19. April 2015, 10.00 bis 11.30 Uhr
Ort: Congress Center Rosengarten, Mannheim, Saal 4
Adresse: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

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