Dein Stress ist auch mein Stress

Allein das Beobachten stressiger Situationen kann eine körperliche Stressantwort auslösen

Stress ist ansteckend. Es kann ausreichen, eine andere Person in einer stressigen Situation zu beobachten, damit der eigene Körper das Stresshormon Kortisol ausschüttet. Zu diesen Ergebnissen kommen Wissenschaftler in einem groß angelegten Kooperationsprojekt zwischen den Abteilungen von Tania Singer am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und Clemens Kirschbaum von der Technischen Universität Dresden. Empathischer Stress trat besonders häufig auf, wenn Beobachter in einer Paarbeziehung zu der gestressten Person standen und das Geschehen direkt über eine Glasscheibe verfolgen konnten. Aber auch wenn fremde Personen lediglich auf einem Bildschirm zu sehen waren, versetzte das einige Menschen in Alarmbereitschaft. In unserer von Stress geprägten Gesellschaft ist dieser empathisch vermittelte Stress ein nicht zu vernachlässigender Faktor für das Gesundheitswesen.

Stress ist heutzutage einer der wichtigsten Krankheitsauslöser. Er verursacht verschiedene psychische Probleme wie Burn-out, Depression oder Angstzustände. Selbst wer ein relativ entspanntes Leben führt, kommt ständig mit gestressten Personen in Berührung. Ob bei der Arbeit oder im Fernsehen: Irgendwer hat immer gerade Stress, und dieser kann auf die Umwelt abfärben. Nicht nur gefühlt, sondern auch körperlich messbar als erhöhte Konzentration des Stresshormons Kortisol.

„Dass wir diesen empathischen Stress in Form einer bedeutsamen Hormonausschüttung wirklich messen konnten, war schon erstaunlich“, sagt Veronika Engert, eine der Erstautorinnen der Studie. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es in vielen Untersuchungen nicht gelingt, das Stresssystem mittels direkt erlebtem Stress zu aktivieren. Empathische Stressreaktionen konnten unabhängig („stellvertretender Stress“) oder proportional („Stressansteckung“) zu den Stressreaktionen der aktiv gestressten Probanden sein. „Es scheint also eine Möglichkeit der Übertragung zu geben, die abhängig vom Empfinden anderer eine Stressantwort bei uns auslöst.“

Beim Stresstest mussten die Probanden mit schwierigen Kopfrechenaufgaben und Vorstellungsgesprächen kämpfen, während zwei vermeintliche Verhaltensanalysten ihre Leistung beurteilten. Nur fünf Prozent der direkt gestressten Probanden ließen sich nicht aus der Ruhe bringen, alle anderen zeigten eine physiologisch bedeutsame Erhöhung des Kortisol-Spiegels.

Insgesamt zeigten 26 Prozent Beobachter, die selbst keinerlei Stress ausgesetzt waren, einen physiologisch bedeutsamen Anstieg von Kortisol. Der Effekt war besonders stark, wenn Beobachter und gestresste Person eine partnerschaftliche Beziehung verband (40 Prozent), aber auch bei völlig fremden Menschen sprang der Stress immerhin noch auf zehn Prozent der Beobachter über. Emotionale Verbundenheit ist demzufolge keine Voraussetzung für empathischen Stress.

Konnten die Beobachter das Geschehen direkt verfolgen, reagierten 30 Prozent gestresst. Aber selbst wenn der Stresstest nur auf dem Bildschirm flimmerte, reichte das aus, um bei 24 Prozent der Beobachter die Kortisol-Spiegel in die Höhe zu treiben. „Das bedeutet, dass selbst Fernsehsendungen, die mich mit dem Leid anderer konfrontieren, den Stress auf mich übertragen können“, sagt Engert. „Stress hat ein enormes Ansteckungspotential.“

Ein Problem ist Stress vor allem dann, wenn er chronisch wird. „Eine hormonelle Stressreaktion hat evolutionär natürlich auch einen Sinn. Wenn sie einer Gefahr ausgesetzt sind, dann wollen sie auch, dass ihr Körper mit einem Anstieg des Stresshormons reagiert“, erklärt Engert. „Aber konstant erhöhte Kortisol-Werte sind nicht gut. Auf Dauer leiden darunter z.B. das Immunsystem und die Nervenzellen.“ Von potenziell schädlichen Konsequenzen empathischen Stresses sind daher besonders Menschen in Helferberufen oder Angehörige dauergestresster Personen betroffen. Wer ständig direkt mit dem Leid und Stress anderer konfrontiert wird, der hat ein erhöhtes Risiko auch selbst darunter zu leiden.

Mit einem anderen Vorurteil räumen die Ergebnisse hingegen auf: Männer und Frauen reagierten gleich häufig mit empathischem Stress. „Auf Fragebögen schätzen Frauen sich als empathischer ein, als Männer dies tun. Bisher konnte das jedoch noch in keinem Experiment, das objektive biologische Marker verwendete, nachgewiesen werden.“ Zukünftige Studien sollen zeigen, wie genau der Stress übertragen wird und was getan werden kann, um den negativen Einfluss von Stress auf die Gesellschaft zu verringern.

Dr Harald Rösch Wissenschafts- und Unternehmenskommunikation

Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Originalpublikation:
Engert, V., Plessow, F., Miller, R., Kirschbaum, C., & Singer, T.
Cortisol increase in empathic stress is modulated by social closeness and observation modality.
Psychoneuroendocrinology, 17. April 2014

Erweiterte Information zum Arzneimittel-Diebstahl in Italien

PRESSEMITTEILUNG
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
17.04.2014
 
 
Erweiterte Information zum Arzneimittel-Diebstahl in Italien:
Nach neuen Erkenntnissen sind auch Chargen der Arzneimittel Alimta und Humatrope betroffen
 
 
Unter den in Italien gestohlenen und möglicherweise gefälschten Arzneimitteln befinden sich auch Chargen der Arzneimittel Alimta und Humatrope. Alimta enthält den Wirkstoff Pemetrexed und wird in Krankenhäusern und onkologischen Fachpraxen zur Behandlung von zwei Lungenkrebsarten verwendet. Humatrope enthält den Wirkstoff Somatropin, der u.a. zur Behandlung von Wachstumshormonstörungen eingesetzt wird. Nach derzeitiger Kenntnis sind bei Alimta die Chargen C134092E, C021161E und C160908C betroffen, bei Humatrope die Charge C165977C. Ob und wie diese Chargen manipuliert und in den Handel gebracht wurden, ist bislang nicht bekannt.
 
Das BfArM weist Anwender zum Schutz der Patientinnen und Patienten darauf hin, Ampullen vorsorglich auf Manipulationen zu untersuchen und Verdachtsfälle dem BfArM zu melden. Hinweise auf Manipulationen können sein:
 
• Die auf den Fläschchen aufgedruckten Chargennummern und das Verfallsdatum stimmen nicht mit denen auf der sonstigen Verpackung überein.
• Gummistöpsel, Bördelkappe oder Deckel wurden erkennbar manipuliert.
 
Das BfArM steht in engem Kontakt mit der EMA und den Landesbehörden, die in Deutschland für die Überwachung des Verkehrs mit Arzneimitteln zuständig sind. Sobald weitere Informationen vorliegen, wird das BfArM unverzüglich darüber informieren.
 
 
Über das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM):
Das BfArM gehört als selbstständige Bundesoberbehörde zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Seine Aufgabe ist die Abwehr von Gesundheitsgefahren durch kontinuierliche Verbesserung der Sicherheit von Arzneimitteln, Risikoüberwachung von Medizinprodukten, Überwachung des Betäubungsmittel- und Grundstoffverkehrs sowie eigene unabhängige Forschung zu diesen Themen. Im BfArM arbeiten daran rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Ärzte, Apotheker, Chemiker, Biologen, Juristen, technische Assistenten und Verwaltungsangestellte.

Tamiflu & Relenza: how effective are they?

The BMJ and Cochrane call on government and health policy decision makers to review guidance on use of Tamiflu in light of most recent evidence

Tamiflu (the antiviral drug oseltamivir) shortens symptoms of influenza by half a day, but there is no good evidence to support claims that it reduces admissions to hospital or complications of influenza. This is according to the updated Cochrane evidence review, published today by The Cochrane Collaboration, the independent, global healthcare research network and The BMJ. Evidence from treatment trials confirms increased risk of suffering from nausea and vomiting. And when Tamiflu was used in prevention trials there was an increased risk of headaches, psychiatric disturbances, and renal events. Although when used as a preventative treatment, the drug can reduce the risk of people suffering symptomatic influenza, it is unproven that it can stop people carrying the influenza virus and spreading it to others.

The latest updated Cochrane Review: Neuraminidase inhibitors for preventing and treating influenza in healthy adults and children, is based on full internal reports of 20 Tamiflu (oseltamivir) and 26 Relenza (zanamivir) trials. These trials involved more than 24,000 people and the findings challenge the historical assumption that neuraminidase inhibitors are effective in combating influenza. The evidence also suggests there are insufficient grounds to support the use of Tamiflu in preventing person-to-person spread of influenza. This raises further questions about the most effective way to support drug regulation and public health policy decision-making. Claims about the effectiveness of Tamiflu against complications were a key factor in decisions made by governments around the world to stockpile these drugs in case of a pandemic. The US has spent more than $1.3 billion buying a strategic reserve of antivirals, while in the UK the government has spent almost £424 million for a stockpile of about 40 million doses*.

In 2009, a lack of access to available trial data hampered the efforts of the Cochrane researchers to verify the safety and effectiveness of Tamiflu – and led to questions over decisions to stockpile the drug while the risks and benefits remained uncertain. Today, The BMJ and Cochrane issue a joint call to government and health policy decision makers the world over, asking in light of the latest findings from the Cochrane Review, would you make the same recommendations today, choosing to stockpile Tamiflu?

Compared with a placebo, taking Tamiflu led to a quicker alleviation of influenza-like symptoms of just half a day (from 7 days to 6.3 days) in adults, but the effect in children was more uncertain. There was no evidence of a reduction in hospitalisations or serious influenza complications; confirmed pneumonia, bronchitis, sinusitis or ear infection in either adults or children. Tamiflu also increased the risk of nausea and vomiting in adults by around 4 percent and in children by 5 percent. There was a reported increased risk of psychiatric events of around 1 percent when Tamiflu was used to prevent influenza. Evidence also suggests that Tamiflu prevented some people from producing sufficient numbers of their own antibodies to fight infection.

The worldwide use of Tamiflu, has increased dramatically since the outbreak of H1N1 virus (Swine Flu) in April 2009. It was initially believed that it would reduce hospital admissions and complications of influenza, such as pneumonia, during influenza pandemics. However, the original evidence presented to government agencies around the world was incomplete. The Cochrane Review has benefited from access to more complete reports of the original research, now made available by the manufacturers, Roche and GlaxoSmithKline. Although the review has confirmed small benefits on symptom relief, there is little to justify any belief that it reduces hospital admission or the risk of developing confirmed pneumonia. Along with the evidence of harms from the medication, it raises the question of whether global stockpiling of the drugs is still justifiable given the lack of reliable evidence to support the original claims of its benefits.

Dr David Tovey, Editor-in-Chief, Cochrane, said: “We now have the most robust, comprehensive review on ‘neuraminidase inhibitors’ that exists. Initially thought to reduce hospitalisations and serious complications from influenza, the review highlights that Tamiflu is not proven to do this, and it also seems to lead to harmful effects that were not fully reported in the original publications. This shows the importance of ensuring that trial data are transparent and accessible.”

Dr Tom Jefferson, Dr Carl Heneghan, Dr Peter Doshi, authors of the review, Cochrane Neuraminidase Inhibitors Review Team, said: “Drug approval and use cannot be based on biased or missing information any longer. We risk too much in our population’s health and economy. This updated Cochrane review is the first time a Cochrane systematic review has been based only on clinical study reports and regulator’s comments. It is the first example of open science in medicine using full clinical study reports available without conditions. And therefore the conclusions are that much richer. We urge people not to trust in published trials alone or on comment from conflicted health decision makers, but to view the information for themselves.”

The review clearly recommends that guidance on the use of both neuraminidase inhibitors (oseltamivir and zanamivir) in the prevention or treatment of influenza should be revised to take account of the evidence of small benefit and increased risk of harms.

Dr Fiona Godlee, Editor-in-Chief, British Medical Journal, said: “This review is the result of many years of struggles to access and use trial data, which was previously unpublished and even hidden from view. It highlights with certainty that future decisions to purchase and use drugs, particularly when on a mass scale, must be based on a complete picture of the evidence, both published and unpublished. We need the full data from clinical trials made available for all drugs in current use. With the new European Clinical Trials Directive bringing in rules for future drugs, it highlights the enormous challenge we face. We need the commitment of organisations and drug companies to make all data available, even if it means going back 20 years. Otherwise we risk another knee-jerk reaction to a potential pandemic. And can we really afford it?”

*Reference: HHS spent nearly a quarter of the funds (about $1.30 billion) on activities related to developing and stockpiling antiviral drugs. GAO report www.gao.gov/assets/330/320181.html

The Department of Health spent £424 million on stockpiling Tamiflu. http://thetyee.ca/News/2014/04/28/BMJ2.pdf

Feldenkrais Aktionswoche in Freiburg

Feldenkrais-WocheMit Feldenkrais Bewegung neu entdecken, so lautet das Motto der Feldenkrais Aktionswoche in Freiburg vom 6. bis 10. Mai 2014.

Mitmachen und ausprobieren. Die Teilnahme ist kostenlos.

Die Stadt Freiburg erlaubt leider keine Veranstaltungen im „Öffentlichen Raum“. Schade, denn in anderen Städten ist das erlaubt. Gesundheit zählt wohl hier nicht zu den obersten Prioritäten.

Infos zu den bundesweiten Angeboten: www.feldenkrais.de

Schmerzhafter Ausschlag mit Tücken

Gürtelrose:

Schmerzhafter Ausschlag mit Tücken

Der Begriff Gürtelrose ist nicht etwa der Name für eine bestimmte Rosensorte – er steht für eine Viruserkrankung, die schmerzhafte Hautausschläge verursacht. Typischerweise ziehen die Bläschen und Rötungen einseitig gürtelförmig um den Rumpf. Allerdings kann der Ausschlag auch an anderen Körperstellen auftreten – häufig betrifft das eine Gesichtshälfte oder die Kopfhaut. Kristin Sporbeck hat sich bei Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband, über die Erkrankung informiert.

Fußballfans – Wie gefährlich ist Gelbfieber?

FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2014

Eine Milliarde Erkrankungen jährlich – Wie gefährlich sind
Gelbfieber und andere durch Mücken übertragene Krankheiten für
Fans?

(Weltgesundheitstag) 200.000 Menschen erkranken laut
Weltgesundheits-organisation WHO jedes Jahr an Gelbfieber, bis zu
30.000 sterben an der durch Mücken übertragenen Krankheit – und
Brasilien gehört zu den gefährdeten Regionen. Fußballfans sollten
sich daher unbedingt beraten lassen, bevor sie mit ihrer Mannschaft
zur WM 2014 reisen.

„In ländlichen Gebieten wie dem Amazonas gibt es viele Mücken,“
erklärt Professor Marcos Boulos, Direktor der Klinik für Infektions-
und parasitäre Krankheiten an der Unversität São Paulo. „So lange
die Fans in den Städten bleiben, ist das Risiko, an Malaria oder
Gelbfieber zu erkranken aber ausgesprochen gering. In der Gegend von
Manaus, die für deutsche und englische Fans durchaus interessant ist,
sieht das aber schon wieder anders aus. Dort ist eine Impfung absolute
Pflicht.“

Zwei Monate vor dem Start der WM steht Brasiliens größte Stadt São
Paulo ganz im Zeichen der Weltgesundheit: Vom 6. bis 8. April findet
der zweite regionale World Health Summit statt. Auf dem Programm des
„WHS Regional Meeting Latin America“ stehen die drängendsten
Gesundheitsthemen der Region, unter anderem das Leben in Mega-Cities,
die Herausforderungen einer umfassenden Gesundheitsversorgung und die
sogenannten Vektor-übertragenen Krankheiten wie Malaria, Denguefieber
und Gelbfieber. Vektoren wie Mücken verursachen nach Schätzungen der
WHO jedes Jahr rund eine Milliarde Krankheitsfälle weltweit. Der
Weltgesundheitstag am 7. April 2014 steht daher unter diesem Thema.

„Wer sich impfen lässt, ein gutes Moskito-Spray benutzt, Dschungel
und Gewässer meidet, ist ziemlich sicher,“ beruhigt Boulos, einer
der über 150 Experten des WHS Regional Meeting Latin America.

Save the date:

Vom 19. – 22. Oktober 2014 findet der sechste World Health Summit im
Auswärtigen Amt in Berlin statt. Er steht traditionell unter der
Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs
Staatspräsident Hollande.

Weitere Informationen zu Themen, Sprechern und Tickets:
http://phplist.charite.de/lists/lt.php?id=Z0gADkQAAx8KBVo

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie kritisiert ZDF-Sendung

Wer selbst an Jodmangel leidet, der oder die weiß, dass man sich auf die Aussagen der Ärzte leider auch nicht immer verlassen kann, Wer hier nun Recht hat oder nicht, das können wir  von Patientenkompetenz nicht in letzter Konsequenz sagen. Fest steht, dass in sehr vielen Lebensmitteln Jod enthalten ist. Ob das gesundheitsschädlich für Menschen ist, die gar nicht an Jodmangel leiden, sollte bewiesen sein, ehe man das Jod in die Lebensmittel packt. Manche Menschen bekommen auch Hautaussschläge davon. die miesten Ärzte behaupten, dass dies nichts mit der Überversorgung von Jod zu tun habe. Patienten, die das so nicht hinnehmen wollen, werden schon mal gerne als „Idioten“ hingestellt. Da auch Journalisten nicht immer Recht haben, hier die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Wir werden das Thema weiter im Blick haben. Weiterlesen

Prostatakrebs – Neue Technik erspart überflüssige Gewebeproben

Wie Ultraschall und computergestützte Netzwerk-Analyse (ANNA) die Diagnose von Prostatakrebs erleichtern

Bonn – Die computergestützte Ultraschallanalyse ANNA/C-TRUS kann Männern mit Verdacht auf Prostatakrebs viele schmerzhafte Gewebeentnahmen aus der Prostata ersparen. Das in Deutschland entwickelte System findet zunehmend auch im Ausland Beachtung: So werten Urologen hierzulande digitale Ultraschallbilddaten von Kollegen aus China aus. Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) stellen die Methode  am 9. April 2014 in Berlin vor.

Erhöhte Blutwerte des nur in der Prostata vorkommenden „prostataspezifischen Antigens“ (PSA) können Ärzte auf gut- und bösartige Veränderungen in der Prostata aufmerksam machen. Um dann zu klären, ob es tatsächlich zum Wachstum eines bösartigen Tumors gekommen ist, entnehmen die Mediziner in der Regel zehn bis zwölf Gewebeproben. Diese untersucht der Pathologe unter dem Mikroskop auf Krebszellen.

„Je früher ein Karzinom erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf eine Heilung“, erklärt Professor Dr. Tillmann Loch, Chefarzt der Urologischen Klinik am Universitätslehrkrankenhaus DIAKO in Flensburg. „Entscheidend für die Wahl der richtigen Behandlung ist aber eine exakte Bestimmung der Aggressivität und des Tumorstadiums in der Diagnostik“.

Die üblichen, systematisch räumlich nach dem „Schiffeversenkenmuster“ aufgeteilten Gewebeentnahmen der Prostata beruhen auf dem zufälligen Treffen eines Tumors. „Das ist vergleichbar mit einem Lotteriespiel, bei dem es einem Hauptgewinn entspricht, wenn man einen Tumor in seiner größten Ausdehnung und an der Stelle seiner höchsten Aggressivität trifft“, sagt Loch. Das schlimmste Szenario sei, einen großen aggressiven Tumor nur am Rand zu treffen und dadurch fälschlicherweise zu glauben, es wäre nur ein kleiner Tumor.

Statt sich auf den Zufall zu verlassen, plädiert der Experte dafür, gezielt die Regionen, in denen der Krebs stecken könnte, mittels moderner Ultraschalluntersuchungen einzugrenzen. Loch, der bei der DEGUM die Sektion Urologie leitet, setzt hierbei auf die transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS) – so genannt, weil sie vom Enddarm (Rektum) aus erfolgt. Deren Ergebnisse wertet er mit der computergestützten „Artifiziellen Neuronalen NetzwerkAnalyse“ (ANNA /C-TRUS) aus: Das System vergleicht die aktuellen Ultraschallbilder mit Befunden von bereits erkanntem Prostatakrebs, die durch Pathologen bestätigt wurden. „Unsere Datenbank enthält über 1000 Befunde“, erklärt Loch. Finden sich auf neuen Ultraschallbildern Ähnlichkeiten mit bereits gefundenem Krebs, markiert das Programm diese rot. Krebsverdächtige Areale können dann gezielt überprüft werden. „Die gezielte Punktion der Verdachtsregionen erhöht die Trefferquote und senkt die Zahl der notwendigen Stanzbiopsien“, sagt Loch. Auch Wiederholungen der für die Patienten schmerzhaften Untersuchungen ließen sich dadurch in vielen Fällen vermeiden.

Mittlerweile kann das Verfahren ANNA/C-TRUS – für dessen Entwicklung Tillmann Loch unter anderem mit dem Maximilian Nitze Preis der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) ausgezeichnet wurde –  online genutzt werden. „Teilnehmen können alle Urologen, deren Ultraschallgerät in der Lage ist, die Bilder digital zu speichern“, sagt Loch. Kollegen könnten die Bilder in das Analysezentrum schicken, wo der Computer dann die verdächtigen Regionen ermittelt. Die Ergebnisse werden den Ärzten digital übermittelt. Diese können dann die Biopsien vor Ort gezielt durchführen. Anfragen aus dem Ausland haben Loch hierzu schon erreicht: Inzwischen werden in Flensburg auch Ultraschall-Daten aus China ausgewertet.

BrainDance – Open Practice

„Tanz – Parkinson – Wissenschaft“ am 03.04.2014

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Ein Projekt von Choreografinnen, Wissenschaftlern und Menschen mit Parkinson. Es schafft eine Verbindung zwischen Erfahrungen tänzerischen Wissens und Fragen zu Bewegungsstörungen. Im Rahmen der in der Tanzsparte des Theater Freiburgs bereits etablierten “Open Practice” (offenen Probe) erhält die Öffentlichkeit Einblicke in die Arbeitsprozesse.

  • Was: Offene Probe
  • Wann: 03.04.2014, 20:00 Uhr bis 21:30 Uhr
  • Wo:
    Theater Freiburg
    Bertoldstraße 46
    Kammerbühne
    79098 Freiburg
  • Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten.
  • Veranstalter: Exzellenzcluster BrainLinks-BrainTools und Theater Freiburg
  • Kontaktinformationen: Gunnar Grah,  + 49 (0) 761/203-67722
  • Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
  • Der Eintritt ist kostenlos.
  • Die Vortragssprache ist Deutsch und Englisch.
  • Weitere Informationen finden Sie hier.

Geht die Anzahl der ADHS Erkrankungen zurück?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) meldet:

Erstmals seit 20 Jahren kein Anstieg beim Methylphenidat-Verbrauch

Infografik: Erwerb von Methylphenidat durch Apotheken in Form von Fertigarzneimitteln 1993 - 2013 Quellenangabe: BfArM

Infografik:
Erwerb von Methylphenidat durch Apotheken in Form von Fertigarzneimitteln 1993 – 2013
Quellenangabe: BfArM

Der Verbrauch von Methylphenidat ist in Deutschland erstmals seit 20 Jahren nicht weiter angestiegen. Das zeigt eine aktuelle Statistik des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Danach wurden 2013 bundesweit 1803 kg Methylphenidat verbraucht. 2012 waren es noch 1839 kg. In den zehn Jahren zuvor hatte sich der Verbrauch verdreifacht. Arzneimittel mit dem Wirkstoff Methylphenidat sind zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) zugelassen.
 
„Von einer echten Abwärtstendenz können wir derzeit sicherlich noch nicht sprechen. Gleichwohl werten wir diesen ersten leichten Rückgang nach dem massiven Anstieg der vergangenen 20 Jahre als ein positives Signal, das möglicherweise auf einen kritischeren Umgang mit Methylphenidat hindeutet“, sagte Prof. Dr. Walter Schwerdtfeger, Präsident des BfArM.
 
Am größten war der Anstieg gegenüber dem Vorjahr mit 91 % im Jahr 2000. Bis 2008 stieg der Verbrauch dann jährlich um durchschnittlich 17 %, seit 2009 nur noch um etwa 3 %. 2013 sank der Verbrauch erstmals leicht um rund 2 %.
 
Die Hintergründe für den stetigen Verbrauchsanstieg von Methylphenidat sind vielfältig und auch unter Fachleuten umstritten: Neben verbesserten Diagnosemöglichkeiten bei ADHS und einer früher einsetzenden Therapie im Kindesalter, können auch Fehl- und Übertherapie als Ursache des Anstiegs nicht ausgeschlossen werden. ADHS ist eine psychische Störung, die meist durch Symptome wie Unaufmerksamkeit und Überaktivität bzw. Impulsivität auffällt. Die Krankheit beginnt im Kindesalter und besteht häufig bis ins Erwachsenenalter fort. Die Anwendung von Methylphenidat erfolgt stets im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie, wenn sich andere therapeutische Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben. Sie muss unter Aufsicht eines Spezialisten für Verhaltensstörungen durchgeführt werden.
Die Ausweitung der Zulassung von Methylphenidat auf die Behandlung Erwachsener mit ADHS in 2011 hat nicht zu einem außergewöhnlichen Verbrauchsanstieg geführt. Ärztinnen und Ärzte haben jedoch seither mehr Handlungssicherheit bei der Verordnung bekommen, da die Anwendung bei Erwachsenen zuvor nur „off-label“ möglich war.
 
Die Verbrauchsmengen, die das BfArM ermittelt, beziehen sich auf den Erwerb von Methylphenidat durch Apotheken in Form von Fertigarzneimitteln. Dieser Erwerb wird zur Überwachung des Betäubungsmittelverkehrs vom BfArM registriert. Die Verordnungszahlen sowie die Anzahl der mit Methylphenidat behandelten Kinder und Erwachsenen werden dabei nicht durch das BfArM erfasst. Gleichwohl spiegelt die mengenmäßige Veränderung beim Erwerb die Zunahme der ärztlichen Verordnungen zur Behandlung von ADHS wider.
Über das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM):
Das BfArM gehört als selbstständige Bundesoberbehörde zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Seine Aufgabe ist die Abwehr von Gesundheitsgefahren durch kontinuierliche Verbesserung der Sicherheit von Arzneimitteln, Risikoüberwachung von Medizinprodukten, Überwachung des Betäubungsmittel- und Grundstoffverkehrs sowie eigene unabhängige Forschung zu diesen Themen. Im BfArM arbeiten daran rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Ärzte, Apotheker, Chemiker, Biologen, Juristen, technische Assistenten und Verwaltungsangestellte.