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Mit Epo gegen Covid-19

Das als Dopingmittel bekannte Erythropoietin könnte möglicherweise schwere COVID-19 Verläufe abschwächen

Erythropoietin ist eigentlich ein Medikament gegen Blutarmut. Forschenden des Max-Planck-Instituts für experimentelle Medizin in Göttingen zufolge könnte das in der Öffentlichkeit vor allem als Dopingmittel bekannte Epo auch bei Covid-19 wirksam sein. Der Wachstumsfaktor könnte schwere Krankheitsverläufe abschwächen und Patienten vor neurologischen Spätfolgen schützen, wenn das SARS-Cov-2-Virus das Gehirn angreift. Nachdem erste Fallstudien bereits auf eine positive Wirkung von Epo deuten, planen die Forscher nun eine randomisierte klinische Studie, um die Effekte der Epo-Behandlung bei Covid-19-Patienten systematisch zu untersuchen.

Ende März wurde ein Patient mit schweren Covid-19-Symptomen in ein iranisches Krankenhaus eingeliefert. Da er zudem schlechte Blutwerte hatte, verschrieben die Ärzte auch den blutbildenden Wachstumsfaktor Epo. Sieben Tage nach Beginn der Behandlung konnte der Patient das Krankenhaus wieder verlassen.

Ein weiterer Hinweis auf eine schützende Rolle von Epo bei Covid-19 kommt aus Südamerika. Dort sind schwere Erkrankungen in höher gelegenen Regionen seltener als im Flachland – möglicherweise, weil Menschen in Höhenlagen mehr Epo bilden, daher mehr rote Blutkörperchen besitzen und somit besser an Sauerstoffmangel angepasst sind. Könnte Epo zu der schnellen Heilung des iranischen Patienten beigetragen haben und auch die Erklärung für die unterschiedliche Häufigkeit der Erkrankung in Südamerika sein?

Milderer Krankheitsverlauf dank Epo?



SARS-Cov-2 schädigt die Lunge und damit die Sauerstoffaufnahme. Epo könnte dem entgegenwirken und auf diese Weise schwere Krankheitsverläufe mildern.

© Pixabay/Gerd Altmann
SARS-Cov-2 schädigt die Lunge und damit die Sauerstoffaufnahme. Epo könnte dem entgegenwirken und auf diese Weise schwere Krankheitsverläufe mildern.
© Pixabay/Gerd Altmann

Hannelore Ehrenreich hält das für möglich. Die Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin erforscht seit mehr als dreißig Jahren die Wirkung des körpereigenen Wachstumsfaktors und vermutet einen Zusammenhang zwischen der Gabe von Epo und den milden Krankheitsverläufen. „Wir haben beispielsweise beobachtet, dass Dialyse-Patienten Covid-19 auffällig gut überstehen – und genau diese Patienten erhalten im Rahmen ihrer Dialyse regelmäßig Erythropoetin“, sagt Ehrenreich.

Epo wird als natürliche Reaktion auf Sauerstoffmangel ausgeschüttet. Das Molekül stimuliert die Bildung roter Blutkörperchen und verbessert so die Sauerstoffversorgung von Gehirn und Muskeln. Diesen Effekt machen sich auch Sportler zunutze, die künstlich hergestelltes Epo als Dopingmittel einnehmen. Epo wirkt jedoch nicht nur stimulierend auf Blutzellen, sondern auch auf viele andere Gewebe.

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Bindehautinfektion durch SARS-CoV-2 unwahrscheinlich

Keine Entwarnung bei medizinischen Schutzvorkehrungen

Forscher*innen des Universitätsklinikums Freiburg untersuchen mögliche Augenbeteiligung bei COVID-19 / keine Entwarnung bei medizinischen Schutzvorkehrungen / Studie im Journal of Medical Virology veröffentlicht

 Immunhistochemische Aufnahmen zeigen vorhandene Proteine in Gewebeproben mithilfe von Antikörpern. Die Probe der Bindehautzellen (links) zeigt keine relevanten Mengen an ACE-2-Protein, während bei der Probe des Nierengewebes (rechts) Antikörper an das vorhandene ACE-2-Protein binden.
Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg
 Immunhistochemische Aufnahmen zeigen vorhandene Proteine in Gewebeproben mithilfe von Antikörpern. Die Probe der Bindehautzellen (links) zeigt keine relevanten Mengen an ACE-2-Protein, während bei der Probe des Nierengewebes (rechts) Antikörper an das vorhandene ACE-2-Protein binden.
Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 nutzt bestimmte Proteine auf der Oberfläche menschlicher Zellen als Türöffner, um in die Zellen einzudringen und sich zu vermehren. Vereinzelt wurde auch über Patient*innen mit Entzündungen der Bindehaut des Auges bei COVID-19-Erkrankung berichtet. Bislang war unklar, ob Bindehautzellen für das neue Virus empfänglich sind und damit ein potenzieller Einfallsort für SARS-CoV-2-Viren sein könnten. Forscher*innen des Universitätsklinikums Freiburg zeigen nun in einer Studie, dass Infektionen der Bindehaut durch SARS-CoV-2 unwahrscheinlich sind. Die Ergebnisse wurden am 6. Mai 2020 in der Fachzeitschrift Journal of Medical Virology veröffentlicht.

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Die Mayo Clinic meldet COVID-19 Register

VIRUS: erstes COVID-19-Register zur Nachverfolgung der globalen Erfahrung von Intensivstationen, um Trends bei der Versorgung schwerkranker Patienten aufzuzeigen

MOUNT PROSPECT, Illinois — Die Society of Critical Care Medicine (SCCM, Gesellschaft für Intensivmedizin) und Mayo Clinic haben sich zusammengetan, um das erste globale COVID-19-Register einzuführen, das Muster bei der Versorgung auf Intensivstationen und in Krankenhäusern in Echtzeit aufzeigt. Das von der SCCM-Abteilung Discovery gegründete Critical Care Research Network (Forschungsnetzwerk für Intensivpflege) wird eine Studie durchführen, die Allgemeine Studie für Virusinfektionen und Krankheiten der Atemwege (Viral Infection and Respiratory Illness Universal Study (VIRUS)), die Variationen in der Praxis aufzeigt und eine breite Datenbank für die Erforschung effektiver Behandlungen und Pflege darstellen wird. 

Das Register, das täglich wächst, verfügt über ein Dashboard mit Daten von mehr als 3.400 Patienten aus 110 Gesundheitsversorgungsstandorten in acht Ländern. Das regelmäßig aktualisierte Dashboard verfolgt Daten zu Trends wie Dauer der mechanischen Beatmung, Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation, Details der Entlassung aus der Intensivstation und Art der medizinischen Betreuung, die Patienten bekommen, sowie demografische Daten der Patienten: Geschlecht, Alter und ethnische Zugehörigkeit.

„Die COVID-19-Pandemie hat Gesundheitsversorgungssysteme in aller Welt vor noch nie erlebte Herausforderungen gestellt, aber wir leben in einer immer stärker miteinander verbundenen Welt, und wir müssen zusammenarbeiten und aus unseren gegenseitigen Erfahrungen lernen, um zu versuchen, die Schwere der Auswirkungen zu verringern“, sagte Dr. Rahul Kashyap, M.B.B.S., M.B.A., ein Forscher bei Mayo Clinic und Prüfarzt des VIRUS COVID-19-Registers. „Die zeitnahe Verbreitung des in einer einzigen Datenbank versammelten Wissens ist bei Studien der vergleichbaren Wirksamkeit von großer Bedeutung. Das wird bahnbrechend sein.“

Die Open-Access-Beobachtungsstudie und das Register schließen anonymisierte klinische Daten von Kindern und Erwachsenen ein, die aufgrund von COVID-19 ins Krankenhaus eingewiesen wurden, wobei das REDCap-Datenerfassungssystem verwendet wird, eine sehr sichere Datenbank von Mayo Clinic. Standorte haben jederzeit Zugang zu ihren eigenen Daten und können dem Lenkungsausschuss von SCCM Discovery Begleitforschungsprojekte vorschlagen, bei denen die VIRUS-Daten zur Forschung genutzt werden.

Das Register ist infolge der Erkenntnis entstanden, dass die globale Gesundheits-Community nicht in der Lage war, während des Ebola-Ausbruchs 2014 zeitnah Konsensdaten zu erfassen.

„Als die Zahlen der COVID-19-Pandemie stiegen, wurde schnell offensichtlich, dass sich mit dem Virus auch eine auf Anekdoten und Meinungen basierende Medizin ausbreitete“, sagte Dr. Allan J. Walkey, außerordentlicher Professor für Medizin, Boston University, und einer der Prüfärzte der VIRUS-Studie. „Wir erkannten, dass ein dringender Bedarf an zuverlässigen Daten besteht, die als Entscheidungshilfe bei der Behandlung dieses Anstiegs an schwerkranken Patienten verwendet werden könnten.”

Das Register zeigt, wie schnell wesentliche Daten erfasst werden können, wenn der Wille zur Zusammenarbeit gegeben ist. Vier Tage, nachdem die Weltgesundheitsorganisation COVID-19 zur Pandemie erklärte, besprachen Dr. Vishakha Kumar, M.B.A., Prüfarzt und amtierender Forschungsleiter bei SCCM Discovery, und Dr. Kashyap die Notwendigkeit zu einem Register. Vier Tage später, an einem Sonntag, twitterte Dr. Walkey: „Baut irgendjemand ein COVID-Register auf?“ und am Ende des Tages hatte die Gruppe einen Plan für die Durchführung.

„Es ist erstaunlich, wie schnell die globale medizinische Community bei der Bemühung zusammenkam, Daten zu teilen und dieses neue Virus zu verstehen, um dadurch die Behandlung von Patienten zu verbessern“, sagte Dr. Greg Martin, M.S., FCCM, gewählter Präsident von SCCM und exekutiver Divisionsleiter, Lungen-, Allergie, Intensivpflege- und Schlafmedizin, Emory University School of Medicine. „Ärzte an der Front dieser Pandemie stellen die Daten in ihrer Freizeit bereit. Die Informationen, die sie erfassen, helfen nicht nur bei der Versorgung der derzeitigen COVID-19-Patienten, sondern geben auch vor, wie wir Patienten bei zukünftigen Ausbrüchen betreuen. Je mehr Zentren in aller Welt teilnehmen, desto bessere Daten werden wir alle zur Verfügung haben.“

Das Register wurde am 31. März eröffnet, und sechs Wochen später wurden mehr als 3.400 Fälle eingegeben. Jeder Standort erfasst die Eigenschaften der Patienten, Behandlungsstrategien und Ergebnisse, die anonymisiert werden, d.h., dass Namen und sonstige identifizierende Informationen nicht in die Datenbank aufgenommen werden.

Alle Zentren, die COVID-19-Patienten behandeln, werden zur Teilnahme aufgefordert.

Das von der Gordon and Betty Moore Foundation finanzierte, ein Jahr lang dauernde Projekt wird Daten für zukünftige Studien zu COVID-19 bereitstellen. Die Ergebnisse von VIRUS werden besonders hilfreich für das Patientenmanagement bei einer möglichen zweiten Welle der Pandemie sein. Die Datenbank richtet auch eine Infrastruktur für eine schnelle Datenerfassung, Analyse und Verbreitung ein, die bei zukünftigen Ausbrüchen eine schnelle Reaktion ermöglicht. Die Gordon and Betty Moore Foundation fördert bahnbrechende wissenschaftliche Entdeckungen, Umweltschutz, Verbesserung der Patientenbetreuung und Bewahrung des besonderen Charakters der Bay-Region.

Im Jahr 2016 gründete das SCCM Discovery, um eine zentrale Ressource für die Verknüpfung von Forschern der Intensivpflege bereitzustellen, um die Forschung zu Krankheiten und Verletzungen der Intensivpflege zu erweitern. Dabei werden zentralisierte Netzwerke und konkrete Ressourcen wie Datenspeicherung und -verwaltung, statistische Unterstützung und andere Anforderungen bereitgestellt.

Weitere Informationen finden Sie unter Discovery VIRUS COVID-19 Registry.

Über Mayo Clinic
Mayo Clinic ist eine gemeinnützige Organisation, die sich der Innovation in der klinischen Praxis, Bildung und Forschung und der Bereitstellung von Mitgefühl, Know-how und Antworten für alle verschrieben hat, die Heilung benötigen. Besuchen Sie das Mayo Clinic News Network um weitere Neuigkeiten zur Mayo Clinic zu erhalten und gewinnen Sie einen Einblick in die Mayo Clinic, um sich ein noch besseres Bild über deren Arbeit zu machen.

Die Society of Critical Care Medicine (Gesellschaft für Intensivmedizin)
Die Society of Critical Care Medicine (SCCM) ist die größte gemeinnützige medizinische Organisation, welche die Exzellenz und Einheitlichkeit der Praxis der Intensivpflege fördert. Mit Mitgliedern in mehr als 100 Ländern ist SCCM die einzige Organisation, die alle beruflichen Komponenten des Intensivpflegeteams vertritt. Die Gesellschaft bietet eine Reihe von Aktivitäten, welche die Qualität der Patientenpflege, der Ausbildung, Forschung und Förderung sicherstellen. SCCMs Mission besteht darin, die höchste Qualität bei der Pflege aller schwerkranken oder schwer verletzten Patienten zu gewährleisten. Besuchen Sie sccm.org für weitere Informationen. Folgen Sie @SCCM oder besuchen Sie uns auf Facebook.

Strategien zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie

Eine Stellungnahme der Präsidenten der außeruniversitären Forschungsorganisationen auf Basis von mathematischen Analysen der Datenlage

Diese Illustration, die in den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) erstellt wurde, zeigt die ultrastrukturelle Morphologie, die Koronaviren aufweisen. Man beachte die Stacheln, die die äußere Oberfläche des Virus zieren und die bei elektronenmikroskopischer Betrachtung das Aussehen einer das Virion umgebenden Korona vermitteln. Ein neuartiges Coronavirus namens SARS-CoV-2 (Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2) wurde als Ursache für den Ausbruch einer Atemwegserkrankung identifiziert, die erstmals 2019 in Wuhan, China, festgestellt wurde. Die durch dieses Virus verursachte Krankheit wurde Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) genannt.

Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAMS
Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAMS
Diese Illustration, die in den Centers for Disease Control
and Prevention (CDC) erstellt wurde, zeigt die
ultrastrukturelle Morphologie, die Koronaviren aufweisen.

Angesichts der großen öffentlichen Bedeutung einer objektiven Faktenlage zum Infektionsgeschehen haben sich unsere Forschungsorganisationen – Fraunhofer- Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft und Max-Planck- Gesellschaft – entschlossen, gemeinsam zur Datenlage Stellung zu nehmen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Organisationen, die sich mit der mathematischen Analyse der Ausbreitung der COVID-19-Erkrankungen und der Vorhersage der weiteren Entwicklung beschäftigen, haben ihre Ergebnisse zusammengetragen, eine gemeinsame Analyse der Situation verfasst und mögliche Bewältigungsstrategien aus Sicht der Modellierung vorgelegt. Detailliertere Informationen sind in der gemeinsamen Stellungnahme der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Anhang zu diesem Dokument zu finden, die wichtigsten Aussagen sind im Folgenden knapp zusammengefasst:

  • Unterschiedliche und voneinander unabhängige Modelle verschiedener Gruppen zur Ausbreitung von SARS-CoV-2 kommen zu konsistenten Ergebnissen. Die Reproduktionszahl R lag seit Ende März leicht unter 1.
  • Der klare Rückgang der Neuinfektionen N, den wir derzeit beobachten, ist der gemeinsame Effekt aller im März eingeführten Maßnahmen und der Verhaltensanpassungen der Bevölkerung.
  • Die Situation ist nicht stabil, selbst eine nur kleine Erhöhung der Reproduktionszahl würde uns zurück in eine Phase des exponentiellen Wachstums führen. Daher muss die Reproduktionszahl bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffs unter 1 gehalten werden. Der am 28. April 2020 vom RKI berichtete neue R-Wert nahe 1 verdeutlicht, dass in dieser Phase weiterhin konsequente Kontakteinschränkungen erforderlich sind.
  • Der Wert von R in Antwort auf eine veränderte Maßnahme kann erst mit einer Verzögerung von zwei bis drei Wochen geschätzt werden.
  • Das Erreichen einer „Herdenimmunität“ würde nach den bisher vorliegenden Daten einen Zeitraum von einigen Jahren erfordern, wenn das Gesundheitssystem nicht überlastet werden soll. Einschränkende Maßnahmen müssten bei einer solchen Strategie über den gesamten Zeitraum aufrechterhalten werden.
  • Aus Sicht der Modellierung erscheint folgende zweiphasige Strategie als sinnvoll: In der ersten Phase werden die Neuinfektionen weiter reduziert, bis eine effektive Kontaktverfolgung möglich ist. In der zweiten Phase schließt sich eine adaptive Strategie auf der Basis niedriger Zahlen von Neuinfektionen an.

Dazu sind folgende Maßnahmen erforderlich:

  • Etablierung bzw. Weiterführung hygienischer Maßnahmen
  • Ausbau von Testing- und Tracing-Kapazitäten
  • Adaptive Steuerung von flankierenden kontakteinschränkenden
  • Maßnahmen.

Bei politischen Entscheidungen über das weitere Vorgehen sind natürlich weitere Faktoren in Betracht zu ziehen, wie psychologische und weitere gesundheitliche Belastungen der Bevölkerung, die wirtschaftliche Entwicklung und internationale Vernetzung, um nur einige zu nennen. Die oben skizzierten und in der ausführlichen Stellungnahme der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler detaillierter dargestellten Zusammenhänge gelten aber unabhängig von solchen Faktoren, sodass alle Entscheidungen vor diesem Hintergrund getroffen werden müssen. Neue Gegebenheiten, wie die Verfügbarkeit eines Medikaments oder einer Vakzine, effizienteres Contact Tracing durch eine App, flächendeckendes Testen, spezifische Antikörper-Tests oder anderes würden in einem adaptiven Szenario die Nachsteuerung kontakteinschränkender Maßnahmen erlauben.

Die einschlägigen Forschungseinrichtungen und Expertinnen und Experten der beteiligten Organisationen haben ihre Aktivitäten früh der Untersuchung des Coronavirus aus verschiedenen Fachperspektiven gewidmet und insbesondere die Autorinnen und Autoren der vorliegenden Stellungnahme werden selbstverständlich weiter an der Modellierung und deren Datengrundlage arbeiten, um die Vorhersage der Ausbreitung zu verbessern und die Entwicklung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie zu unterstützen.

Helden ohne Schutzschild

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) schlägt Alarm

Professor Felix Walcher (Foto), Generalsekretär der DIVI und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Magdeburg.
Foto: Universitätsklinikum Magdeburg

Intensivbetten sind genügend vorhanden, die Patienten derzeit alle medizinisch gut versorgt. Jetzt geht es um die eigenen Teams, die Pflegekräfte und Ärzte. Sie müssen mit allen Erlebnissen der vergangenen Wochen alleine fertig werden. Denn: In den meisten deutschen Krankenhäusern gibt es keine psychologischen Versorgungsstrukturen für das eigene Personal! „Diese müssen jetzt dringend aufgebaut werden“, fordert Professor Felix Walcher (Foto), Generalsekretär der DIVI und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Magdeburg. „Wenn die Wirtschaft einen Rettungsschirm von mehr als 150 Mrd. Euro bekommt, braucht das medizinische Personal wenigstens einen Schutzschild!“

So haben sich innerhalb der DIVI drei Arbeitsgruppen – die Sektion Perspektive Resilienz, Pflegeforschung und Pflegequalität sowie Psychologische Versorgungsstrukturen – verständigt und gemeinsame fachliche Empfehlungen zum Thema Mitarbeitergesundheit im Rahmen der COVID-19-Pandemie verfasst und heute veröffentlicht. Sie wollen damit Kollegen kurzfristig helfen. Aber vor allem eine Debatte anstoßen: Es geht JETZT darum, ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen und LANGFRISTIG Strukturen zu etablieren. In jeder Klinik. Deutschlandweit.

„Die Situation ist dramatisch“, sagt Walcher in seiner Funktion als Sprecher der DIVI-Sektion Perspektive Resilienz. Er spricht auch stellvertretend für zahlreiche Kollegen verschiedenster Fachgebiete der Akutmedizin, die große Teams führen, und damit Verantwortung tragen. Sie machen sich Sorgen um die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter.

Vor allem Pflegekräfte sind betroffen

Speziell die Intensivpflegenden stellen in den Kliniken die unmittelbare Schnittstelle zwischen schwerkranken Patienten, deren Angehörigen und dem medizinischen Versorgungssystem dar. „Und genau an dieser Schnittstelle sind es die psychischen, moral-ethischen und sozialen Aspekte, die sehr häufig zu auftretenden Belastungsspitzen führen“, weiß Tilmann Müller-Wolff, Sprecher der Sektion Pflegeforschung und Pflegequalität. Viele Erfahrungen der außerklinischen Krisenintervention müssten dringend auch in den Kliniken und hier für die Mitarbeiter zur Anwendung kommen.

Peer-Support erste mögliche Lösung

„Langfristig müssen dringend Standards für die innerklinische Krisenhilfen für Beschäftigte entwickelt werden“, fordert deshalb Dr. Teresa Deffner, Sprecherin der DIVI-Sektion Psychologische Versorgungsstrukturen in der Intensivmedizin. Die Stationspsychologin an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Jena beschäftigt sich seit vielen Jahren mit belastenden Grenzsituationen von Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern auf der Intensivstation. „Das Konzept eines Peer-Support, wie wir ihn in einigen wenigen Kliniken etablieren konnten, wäre für Pflegepersonal und Ärzte eine große Hilfe“, erläutert Dr. Dominik Hinzmann von der TU München und dem Ärztlichen Rettungsdienst der Stadt München.

Für die Teams der Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr gibt es bereits langjährig etablierte Unterstützungsstrukturen. Bei keinem soll sich ein potenzielles Trauma verfestigen, die Menschen weiter arbeitsfähig bleiben. „Sie haben im Gegensatz zu uns Mitarbeitern im Krankenhaus bereits Konzepte und Strukturen. Aber auch wir sind mitten drin! Wir brauchen diese auch“, so Hinzmann.

Gesetzliche Vorgaben für ein Durchhalten in der Krise unzureichend

Das Arbeitsschutzgesetz gibt für Klinikmitarbeiter derzeit nur einen übergeordneten Rahmen. Daher spricht sich die DIVI dafür aus, Vertreter von Bundesbehörden, Kammern, Fachverbänden, der Krankenhausgesellschaft und Kostenträger sowie ausgewiesene Wissenschaftler und erfahrene Akteure im klinischen Feld langfristig zu einem gemeinsamen Abstimmungsprozess zusammenzubringen. Das Ziel: gestufte und an die Bedürfnisse der Menschen angepasste innerklinische Krisenhilfen.

Felix Walcher appelliert deshalb an sein skizziertes Bild: „Mit Applaus kommen die zu Helden unserer Zeit stilisierten Pflegekräfte und Ärzte in der Akutmedizin und auf den Intensivstationen nicht wirklich weit. Aber mit einem guten Schutzschild – damit können man es schaffen!“

Corona-Apps und Europäischer Datenschutz (cepAdhoc)

Ein cepAdhoc erläutert den EU- Rahmen für den Datenschutz

cep – Centrum für europäische Politik: Details

Apps zur Identifizierung von Kontaktpersonen sollen eine wichtige Rolle im Kampf gegen das Coronavirus spielen. Ein cepAdhoc erläutert den EU- Rahmen für den Datenschutz, dem solche Apps unterliegen.

Apps, die lediglich epidemiologisch relevante Kontakte aufzeichnen, sind eine datenschutzfreundlichere Alternative zu Apps, die Ortsdaten erfassen. Solche Apps können ohne personenbezogene Daten arbeiten, sodass die damit verbundene Datenverarbeitung nicht in den Anwendungsbereich der Datenschutzgrundverordnung fällt. Dennoch setzt die E-Privacy-Richtlinie auch in diesem Fall die Einwilligung der Nutzer voraus. Die Einwilligung muss „frei gegeben“ werden, weshalb Mitgliedstaaten die Nutzung der Apps nicht zur Bedingung machen können, Kontaktsperren aufzuheben.

Corona-Apps und Europäischer Datenschutz (cepAdhoc) (veröff. 21.04.2020)

Covid-19-Genesene können helfen

Aufruf des Universitätsklinikums Freiburg zur Plasmaspende

Das Universitätsklinikum Freiburg ruft Menschen zur Plasmaspende auf, die nachweislich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert waren und wieder gesundet sind. „Das Plasma von ehemals Infizierten kann ein wichtiger Therapiebaustein für Patient*innen sein, die akut an Covid-19 erkrankt sind“, sagt Prof. Dr. Toni Cathomen, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin und Gentherapie am Universitätsklinikum Freiburg. Plasma ist der flüssige Anteil des Bluts. Nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 enthält das Plasma Antikörper gegen das neuartige Coronavirus. Erhält ein Covid-19-Erkrankter das Plasma einer Person, die bereits Antikörper gebildet hat, so gibt es starke Hinweise darauf, dass die Antikörper das Abwehrsystem des Kranken darin unterstützen, das Virus zu bekämpfen.

Das von der Blutspendezentrale gesammelte Plasma von Covid-19-Genesenen kann in Einzelfällen schwerkranken Patientinnen und Patienten direkt ins Blut gegeben werden, um das Immunsystem dieser Schwererkrankten bei der Virusabwehr zu unterstützen. Ein Teil des gespendeten Plasmas kann auch an Plasma-verarbeitende Unternehmen weitergeleitet werden, die aus den gesammelten Spenden ein reines Antikörper-Präparat für Covid-19-Erkrankte herstellen.

Covid-19-Plasmaspender müssen zwei Voraussetzungen erfüllen

Wer mit Plasmaspenden schwererkrankten Covid-19-Patient*innen helfen möchte, muss zwei Voraussetzungen erfüllen: Die Erkrankung muss seit mindestens vier Wochen ausgeheilt sein und es muss ein positiver Nachweis auf SARS-CoV-2 vorliegen. Wer diese beiden Kriterien erfüllt, kann sich unter der Mailadresse blutspende@uniklinik-freiburg.de mit dem Betreff „Covidplasma“ unter Angabe des Vor- und Nachnamens, des Geburtsdatums sowie einer persönlichen Telefonnummer melden. Die Blutspendezentrale des Universitätsklinikums wird anschließend mit den Interessierten Kontakt aufnehmen, um Termine für die Voruntersuchung und die Plasmaspende zu vereinbaren. Plasmaspenden können für die Dauer von etwa zwei bis vier Monaten im wöchentlichen Abstand durchgeführt werden.

Eine App für Covid-19-Studien

CoroNotes hilft mit anonymen Gesundheitsdaten, die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus besser zu verstehen

Für die Covid-19-Forschung kann CoroNotes eine große Hilfe sein. Denn mit der App lassen sich dringend benötigte Daten zu Infektionen mit Sars-CoV-2 schnell und effizient erheben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Tübingen AI Center, einer gemeinsamen Einrichtung der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme, haben die App zusammen mit Medizinern der Universitätsklinik Tübingen entwickelt. Ziel des Projekts ist es, mit freiwilligen und anonymen Angaben medizinische und wissenschaftliche Studien zum neuartigen Coronavirus zu unterstützen und damit wichtige Einblicke in die Ausbreitung und Verläufe der durch das Sars-CoV-2 hervorgerufenen Krankheit Covid-19 zu gewinnen. Die kostenlose App ist ab sofort im GooglePlay verfügbar. In Kürze wird sie auch im Apple App-Store veröffentlicht.

Das Foto zeigt verschiedene Apps auf einem Smartphone
In Kürze auch im App Store von Apple erhältlich
Stand 17.04.2020

„Mit CoroNotes haben wir eine Plattform geschaffen, die Nutzern die Möglichkeit bietet, jeden Tag an der Erforschung des Virus teilzuhaben“, sagt Bernhard Schölkopf, Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und Co-Direktor des Tübinger AI Center. Die Nutzer bleiben dabei völlig anonym. Sie brauchen täglich nur ein paar Fragen zu ihrem Gesundheitszustand und zu eventuellen Symptomen zu beantworten. Aus diesen Daten können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann Rückschlüsse auf Krankheitsverläufe ziehen, die im Zusammenhang mit Covid-19 stehen könnten. „So können alle User einen Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung dieses Virus leisten,“ sagt Schölkopf. „Wir hoffen, mithilfe der erfassten Daten zur Beantwortung wichtiger Fragestellungen beitragen zu können – beispielsweise, welche Behandlungen am wirksamsten sind, wie möglichst zuverlässige Diagnosen gestellt werden können, oder auch wie die Immunität gegen das Virus nachgewiesen werden kann.“

Hoffnung auf bessere Frühindikatoren für schwere Krankheitsverläufe

Anhand eines einfachen Fragebogens, den die Nutzerinnen und Nutzer der App täglich in weniger als einer Minute auf ihrem Smartphone oder Tablet ausfüllen, werden wichtige Informationen über die Covid-19 Pandemie gewonnen. Zum Beispiel, ob sie sich an dem jeweiligen Tag wohl fühlen oder aber Kopf- und Gliederschmerzen haben, eventuell sogar Fieber. Jeder Tag zählt, auch wenn sie sich gesund fühlen. Die Forschenden hoffen, mit den Daten bessere Frühindikatoren für schwere Krankheitsverläufe identifizieren zu können, oder geeignete Personen für medizinische Studien ansprechen zu können, die einen besonders großen Erkenntnisgewinn für den Umgang mit Covid-19 versprechen. Auch sollen die Daten helfen, Epizentren der Pandemie früher ausfindig zu machen.

Die Plattform soll in Zukunft auch anderen Forschenden und Medizinerinnen und Medizinern zur Verfügung stehen, um in Studien Hypothesen zum Beispiel zum Einfluss bestimmter Medikamente oder den Zusammenhang mit bestimmten Vorerkrankungen zu überprüfen. Dafür können bei Bedarf zusätzliche Informationen abgefragt und mit der bisher erfassten Gesundheitshistorie zusammengeführt werden. Dieses Zusammenspiel erlaubt es, bestimmte Fragestellungen innerhalb sehr kurzer Zeit beantworten zu können.

„Die Covid-19-Pandemie entwickelt sich sehr dynamisch. Damit die Wissenschaft möglichst schnell Lösungen entwickeln kann, ist die Verfügbarkeit von Daten entscheidend,“ sagt Matthias Bethge, Professor für Computational Neuroscience und Machine Learning der Universität Tübingen und Co-Direktor des Tübingen AI Center. Sein Spezialgebiet ist es, aus vielen Daten Muster und Zusammenhänge zu erkennen. „Es zählen also die Beiträge jedes Einzelnen. Daher hoffen wir, dass viele Menschen CoroNotes herunterladen und nutzen,“ so Bethge.

Nutzer teilen Daten freiwillig und bleiben anonym

Er betont: „Besonders wichtig ist uns dabei, dass die Nutzer der App keine unnötigen Daten preisgeben, die sie nicht preisgeben möchten.“ CoroNotes wird den strengen Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gerecht. Zum einen erhebt CoroNotes nur Daten von Nutzern, die sich aktiv zum Teilen gewisser Daten entscheiden – Daten werden nicht automatisch erfasst. CoroNotes ist keine Tracking- oder Tracing-App, und erfasst keine Bewegungsprofile oder Kontakte mit anderen Personen. Darüber hinaus bekommen Nutzer bei der Anmeldung ein zufällig ausgewähltes Pseudonym und müssen weder Telefonnummer noch Emailadresse angeben. Damit bleiben sie anonym und die App erhebt ausschließlich die selbst angegebenen Gesundheitsdaten. Nutzerinnen und Nutzer können jederzeit ihre eigenen Daten herunterladen oder nachträglich löschen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilen diese anonymisierten Daten mit in Europa ansässigen öffentlichen Gesundheitsorganisationen, akademischen Forschungseinrichtungen oder gemeinnützigen Organisationen – wiederum unter Einhaltung den strengen Datenschutzrichtlinien der DSGVO. Die Daten dürfen dabei ausschließlich für Forschungs- und Analyseprojekte mit direktem Bezug zu Covid-19 verwendet werden.

COVID-19 Symptom Tracker App hilft Forschung

Hinweise zum besseren Verständnis der Coronavirus-Erkrankung

Am Universitätsklinikum Freiburg entwickelte App soll auf Grundlage täglicher Fragebögen wichtige Hinweise zum besseren Verständnis der Coronavirus-Erkrankung geben

Über die Datensicherheit können wir hier an dieser Stelle leider nichts aussagen. Diese Information ist eine Pressemitteilung der Uniklinik Freiburg.

Bild zeigt die Startseite der App für Covid 19

Noch ist vieles unverstanden am Coronavirus und der damit verbundenen Erkrankung. Hier soll die neue App „COVID-19 Symptom Tracker“, die am Universitätsklinikum Freiburg mitentwickelt wurde, Klarheit schaffen und eine bessere Diagnostik ermöglichen. Nach Erfassung von anonymen Daten der Nutzer*innen und deren Vorerkrankungen wird mithilfe von täglichen Fragebögen der Gesundheitszustand der Nutzer*innen dokumentiert. Ergeben sich daraus Hinweise, die stark für eine COVID-19-Erkrankung sprechen, erhalten die Nutzer*innen einen entsprechenden Hinweis. Selbstverständlich ersetzt die App nicht den Arztkontakt und kann eine Infektion nicht mit letzter Sicherheit bestätigen oder ausschließen. Jedoch können die Freiburger Forscher*innen mithilfe der anonymisierten Daten den Verlauf, die Häufigkeit und die zeitliche Abfolge bestimmter Beschwerden sowie Hinweise auf Risikofaktoren auswerten. „Die App ermöglicht eine neue Dimension bei der Datenerfassung. Sie kann damit wichtige Hinweise auf den Verlauf von COVID-19 liefern und möglicherweise sogar helfen, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und somit die Ausbreitung zu verhindern“, sagt Prof. Dr. Frederik Wenz, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Freiburg.

„Unser Ausgangspunkt ist, dass wir über die Symptomverläufe bei COVID-19 relativ wenig wissen“, sagt Studienleiter Dr. Dr. Martin Zens (Universitätsklinikum Freiburg und Klinikum Füssen). Neben häufig geschilderten Symptomen wie Husten und Fieber treten auch Durchfall, Atemnot, Kopfschmerzen und andere Beschwerden als Anzeichen einer Infektion mit dem Coronavirus auf. „Das ist insbesondere für Hausärzt*innen oder Ärzt*innen in Notaufnahmen nicht einfach. Diese sehen Patient*innen mit positivem Abstrich, die in die häusliche Quarantäne entlassen werden. Es verbleibt ein ungutes Gefühl, da unklar ist, wie sich die Erkrankung weiterentwickelt“, so Dr. Dr. Zens.

Der Screenshot zeigt den Basisfragebogen an.

„Ein wichtiger Aspekt ist die hohe Dunkelziffer an Corona-infizierten Menschen, die nicht erkannt oder getestet werden. Wir wollen wichtige Daten gewinnen, um die Krankheit und deren Ausbreitung besser zu verstehen“, ergänzt der stellvertretende Studienleiter Dr. Dr. Fabian Duttenhöfer aus der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Freiburg. „Wir hoffen, mit der App und der dazugehörigen wissenschaftlichen Studie einen kleinen Beitrag zu leisten, damit die Corona-Pandemie bestmöglich bewältigt werden kann.“

Die App ist für iOS verfügbar, eine Android-Version folgt in wenigen Tagen. Aktuell existiert eine Sprachunterstützung für Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Die App basiert auf der Plattform für mobile Studien Eureqa.io, deren zugrundeliegende Technologie gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg und der DESIGN-IT GmbH entwickelt sowie durch das Land Baden-Württemberg gefördert wurde. Sämtliche Daten werden anonymisiert und verschlüsselt auf einem Server in Deutschland abgelegt.

Teilnehmen können alle Erwachsenen ab 18 Jahren. Eine Einladung ist nicht erforderlich. Bei unklaren Krankheitssymptomen, nach Kontakt zu Corona-positiv getesteten Patient*innen oder bei Unsicherheit kann die App heruntergeladen werden. Nach einem Basisfragebogen, welcher etwa fünf Minuten in Anspruch nimmt, erfragt die App täglich die aktuellen Symptome. Der Aufwand liegt bei etwa drei Minuten am Tag. „Gut investierte Zeit!“ findet Dr. Dr. Zens. „Die Erkenntnisse werden umso valider, je mehr Menschen mitmachen.“

Große Lieferung an Schutzmasken jetzt in Freiburg angekommen

Gemeinsames Notfallvorsorgeamt von Stadt und Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald arbeitet unter Hochdruck an der Beschaffung von Schutzausrüstungen und Desinfektionsmitteln

Oberbürgermeister Martin Horn und Landrätin Dorothea Störr-Ritter haben sich vor Ort ein Bild über eine Lieferung von Schutzmasken für die Stadt Freiburg und den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gemacht.
Schutzmasken gg Corona
Oberbürgermeister Martin Horn und Landrätin Dorothea Störr-Ritter haben sich vor Ort ein Bild über eine Lieferung von Schutzmasken für die Stadt Freiburg und den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gemacht.
Bildquelle: Albert J. Schmidt

Zu Beginn der Corona-Krise ist das städtische Notfallvorsorgeamt aktiviert worden. In der aktuellen Krise prüft es sämtliche Möglichkeiten, große Mengen an Schutzausrüstungen, wie Masken, Kittel, Handschuhe oder Desinfektionsmittel, in Deutschland, Europa oder weltweit zu beschaffen.
Seit Anfang April haben sich die Stadt und der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald mit ihren beiden Notfallvorsorgeämtern zusammengeschlossen und arbeiten jetzt in einem gemeinsamen Team. Unter Hochdruck werden dort die Bedarfserhebung und Beschaffung von dringend notwendigen Schutzmaterialien vorgenommen Auch die zentrale Koordination und Verteilung an die Kliniken und Pflegeheime erfolgt dort gemäß medizinischer Notwendigkeit in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt.
Eine große Lieferung von so genannten FFP2-Masken ist jetzt in Freiburg angekommen, die das gemeinsame Notfallvorsorgeamt der Stadt Freiburg und des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald bestellt haben.

Oberbürgermeister Martin Horn und Landrätin Dorothea Störr-Ritter haben sich über die erste Lieferung gefreut: „In dieser schwierigen Krise ist es notwendig, alle Kräfte zu bündeln. Unsere beiden Notfallvorsorgeämter koordinieren deshalb zentral die Beschaffung und Verteilung von dringend notwendigen Schutzausrüstungen. Unser Ziel war es, das Osterwochenende zu sichern.“