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Aus dem Gleichgewicht

Ursachen, Symptome & Therapien bei Schwindel

Aktuell findet eine bundesweite Studie zur Sturzprophylaxe statt. Auch hier spielt Schwindel eine große Rolle. Die Teilnehmenden wurden in 3 Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe macht 1 Jahr lang Heileurythmie, die 2. Gruppe Thai Chi und die 3. Gruppe ist die Kontrollgruppe, die keine Aktivitäten durchführt. Unter der Leitung des Universitätsklinikums Freiburg wird erforscht, ob Bewegungstherapien das Sturzrisiko senken können. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein.

Hier wird die Untersuchung des Innenohrs gezeigt. Bildquelle: Schwindelambulanz Sinsheim, Behandlungsbild Dr. Schiffmann
Bildquelle: Schwindelambulanz Sinsheim, Behandlungsbild Dr. Schiffmann

Sinsheim im Februar 2020. Wer unter Schwindel leidet, gehört längst nicht mehr zu den Einzelfällen. Jeder vierte Deutsche hatte in seinem Leben bereits schon mal das Gefühl von Schwindel. In der Regel geht dieses schnell vorüber. Doch in einigen Fällen bleiben Beschwerden. „Bei wiederkehrenden Schwindelproblemen liegen häufig bestimmte Erkrankungen im Innenohr oder Störungen des Gleichgewichtszentrums im Gehirn zugrunde. Aber auch psychische Leiden kommen infrage“, erklärt Dr. Bodo Schiffmann, Schwindelexperte, HNO-Arzt und Leiter der Schwindelambulanz Sinsheim.

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Senken Tai Chi und Eurythmie-Therapie das Sturzrisiko bei älteren Menschen?

Universitätsklinikum Freiburg leitet bundesweite Studie.

In Freiburg werden insgesamt 180 Teilnehmer*innen von insgesamt 550 bundesweit gesucht. Die Badische Zeitung meldet, dass bereits 30 Teilnehmer*innen gefunden wurden.

Jeder dritte ältere Mensch stürzt einmal im Jahr. Das Sturzrisiko erhöht sich, wenn die Menschen an chronischen Erkrankungen leiden. Umgekehrt beugen Bewegung und körperliche Fitness vielen Erkrankungen vor und erleichtern den Umgang mit ihnen. Jetzt wird in einer bundesweiten Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg erforscht, ob Bewegungstherapien wie Tai Chi oder Eurythmie-Therapie das Sturzrisiko senken können. Für diese Studie (genannt: ENTAiER-Studie), werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab 65 Jahren mit mindestens einer chronischen Krankheit gesucht, die in ihren Bewegungen unsicher geworden sind. Sie erhalten ein halbes Jahr lang regelmäßig Tai Chi, Eurythmie-Therapie oder die übliche Regelversorgung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die ENTAiER-Studie für vier Jahre mit rund zwei Millionen Euro.

„Eine wirksame Sturzprävention hebt die Lebensqualität und senkt die Kosten aufgrund gesundheitlicher Folgen enorm“, sagt Studienleiterin Dr. Gunver Kienle, Ärztin am Zentrum für Naturheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg. „Wenn die Betroffenen wieder Sicherheit in der Bewegung verspüren, dürften sie auch weniger Angst vor Stürzen haben und sich selbständiger im Alltag bewegen. Das wäre eine deutliche Entlastung.“

In der ENTAiER-Studie (Multizentrische, randomisierte, kontrollierte klinische Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Tai Chi und Eurythmie-Therapie bei älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen und einem erhöhten Sturzrisiko) wird untersucht, ob diese Übungen einen Einfluss auf die Balance, die Mobilität und das Risiko zu stürzen haben. Weiterhin wird analysiert, wie sich die Übungen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität, die Stimmung und die Kognition auswirkt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen bereit sein, während der Studienzeit regelmäßig zu den Therapiestunden zu kommen und zu Hause zu üben. Sie werden monatlich telefonisch befragt und bei einer Eingangsuntersuchung und drei weiteren Vor-Ort-Terminen im Studienzentrum untersucht. Die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer sollten selbstständig zum Studienzentrum und gegebenenfalls zu den Therapiestunden kommen können. Die Teilnahme ist jederzeit freiwillig und kostenlos.

Interessierte können sich informieren unter https://www.uniklinik-freiburg.de/entaier-studie.html oder unter der Telefonnummer 0761 270-83260 (Frau Dr. S. Schulz).

Die Feldenkrais-Methode sorgt für mehr Beweglichkeit

„Wenn du weißt, was du tust, kannst du tun, was du willst“: die Feldenkrais-Methode

Es gibt viele Methoden und Konzepte, um etwas für Körper und Seele, kurz für das Wohlbefinden insgesamt zu tun. Eine landläufig weniger bekannte, von Kennern jedoch sehr geschätzte Art von Übungen, die helfen sollen, krank machende Bewegungs- und Verhaltensmuster aufzuspüren und zum Positiven zu verändern, ist die Feldenkrais-Methode. Diese von dem Physiker und Judolehrer Moshé Feldenkrais entwickelte und nach ihm benannte Therapie versteht sich eigentlich nicht als eine Behandlungsform, sondern mehr als eine Art Unterricht. Deshalb ist bei Feldenkrais auch nicht von Patienten die Rede, sondern von Schülern. Sie sollen sich ihrer eigenen Bewegungen bewusst werden und sie so zu verbessern lernen.

Doch der Feldenkrais-Ansatz greift noch weiter: Er will erreichen, dass die Schüler durch Veränderung der eigenen Wahrnehmung, also des Bildes, das sie sich im Laufe ihres Lebens von sich selbst gemacht haben, in die Lage versetzt werden, ihr Verhalten zu korrigieren und so neue Lösungen für Probleme in ihrem Leben zu finden. Dieses Konzept mag auf den ersten Blick recht esoterisch erscheinen, doch Feldenkrais wollte es so nicht verstanden wissen. Er sah in seiner Methode vielmehr eine pädagogische Bewegungstherapie, um Erkrankungen zu lindern bzw. vorzubeugen, die mit einer falschen Körperhaltung einhergehen. Dieser schädlichen Bewegungsmuster sollen sich die Feldenkrais-Schüler bewusst werden, sie durch „Umlernen“ gezielt verbessern und sich auf diese Weise neue körperliche Fähigkeiten erschließen. Allerdings meint Feldenkrais ein sehr umfassendes „Lernen“, ein „organisches Lernen“, wie er es nennt – so wie Kinder beim Entwickeln ihrer Bewegungsfähigkeiten lernen.

Es geht also um ein nicht-akademisches Lernen, bei dem Bewegung als Medium dient. Dabei sollen jedoch nicht nur schädliche Bewegungsmuster durch bessere ersetzt, sondern gleichzeitig auch geistige Fähigkeiten weiterentwickelt werden, etwa um die negativen Folgen von schlechten Angewohnheiten oder Zwängen zu erkennen, ihnen entgegenzuwirken und dabei zugleich die eigenen Grenzen zu erweitern.

Die Feldenkrais-Übungen zielen darauf ab, durch das Aufzeigen von Alternativen zu nachteiligen Bewegungs- (und Verhaltens-)mustern die Beweglichkeit von Körper und Geist gleichermaßen zu optimieren. Denn Feldenkrais geht davon aus, dass Bewegung Ausdruck einer gesamten Person ist und daher der geeignetste Ansatz für Verbesserungen: Sprich, wer seine Bewegungsdefizite erkennt und gezielt daran arbeitet, erlangt durch die Fähigkeit zur Selbstreflexion ebenfalls mehr Bewusstheit über sein Denken, Fühlen, Wahrnehmen und Handeln. Im Wesentlichen ist es die Anleitung zur Verbesserung der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit, welche die Feldenkrais-Methode von anderen Körpertherapieformen, wie etwa Pilates oder Yoga, unterscheidet. Getreu dem Motto ihres „Erfinders“: „Wenn du weißt, was du tust, kannst du tun, was du willst!“

Konkret wird die Feldenkrais-Methode zur Behandlung von Haltungsschäden aller Art eingesetzt sowie von orthopädischen Defiziten, speziell von Rückenleiden. Die Übungen haben sich jedoch auch als Therapie bei Nervenleiden, bei chronischen Schmerzen sowie zum Stressabbau bewährt. Wobei erwähnt werden muss, dass es für die Wirksamkeit der Feldenkrais-Übungen bislang keinerlei wissenschaftliche Belege gibt. Doch aus Sicht seiner Schüler geben die positiven Erfahrungen mit der Methode dem „Therapeuten“ recht. Zudem fußt das Konzept auf den nachgewiesenen Erkenntnissen von Gehirnforschern zu der untrennbaren Verbindung zwischen Körper und Geist: Deshalb kann das Gehirn auch durch Bewegungsabläufe beeinflusst werden.

Die Feldenkrais-Bewegungsmuster können im Einzel- oder Gruppenunterricht erlernt und geübt werden. Die Übungen sind nicht anstrengend und daher von jedermann gut erlernbar.

 

Studie zu Essstörungen, Bewegung und Befinden

Universitätsklinikum Freiburg sucht Probandinnen mit Anorexie oder Bulimie

Wie sich körperliche und sportliche Aktivität auf das Befinden von Menschen mit Essstörungen auswirkt, untersucht derzeit die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Almut Zeeck, Expertin für Essstörungen an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Dafür werden Frauen gesucht, die an einer Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa leiden und über 18 Jahre alt sind.

Die Studienteilnehmerinnen tragen eine Woche lang Bewegungssensoren und werden mehrmals täglich aufgefordert, per Smartphone ihr Befinden zu dokumentieren. Insbesondere Stimmung, Körpererleben, bulimische Impulse sowie ein möglicher Schlankheitsdruck und Motive zum Sporttreiben werden abgefragt. Bei insgesamt drei Terminen in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie werden ein diagnostisches Gespräch sowie eine Geräteeinführung durchgeführt und es erfolgt eine Blutabnahme. Die Aufwandsentschädigung beträgt 40 Euro.

„Patienten mit Magersucht oder Bulimie haben oft einen ungesunden Umgang mit Sport. In dieser Studie möchten wir untersuchen, wie Bewegung, Körpererleben und Wohlbefinden bei Patienten mit Essstörungen miteinander in Zusammenhang stehen. Mit diesem Wissen können wir dann neue Therapieansätze entwickeln“, sagt Prof. Zeeck. Die Studie wird von der Schweizerischen Anorexia Nervosa Stiftung gefördert. Interessentinnen können sich noch bis 21. Oktober 2016 für die Studie anmelden.

Kontakt für Studienteilnahme:
Friederike Jagau
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Universitätsklinikum Freiburg

riederike.jagau@uniklinik-freiburg.de

Gleich klappt’s – gleich klappt’s nicht

Verfahren ermöglicht anhand von Gehirnsignalen eine Prognose, ob Menschen eine Bewegung präzise ausführen werden

Ob eine Türe aufschließen oder nach einem Gegenstand greifen: Selbst einfache, oft ausgeübte Bewegungsaufgaben lösen Menschen nicht immer gleich gut – mal sind sie schneller, mal langsamer, mal genauer, mal weniger präzise. Ein Teil dieser von Forscherinnen und Forschern als Leistungsvariabilität bezeichneten Schwankungen ist auf Unterschiede in der Gehirnaktivität zurückzuführen. Eine fächerübergreifende Nachwuchsforschungsgruppe des Exzellenzclusters BrainLinks-BrainTools der Universität Freiburg um den Informatiker Dr. Michael Tangermann hat einen selbstlernenden Algorithmus entwickelt, der es erlaubt, kurz vor der Ausführung einer motorischen Aufgabe deren Präzision vorherzusagen. Das Verfahren könnte zukünftig eingesetzt werden, um sportwissenschaftliche Trainingsmethoden sowie die Rehabilitation von Patientinnen und Patienten nach einem Schlaganfall zu verbessern. Die Studie ist im Fachjournal „Frontiers in Human Neuroscience“ erschienen.

Mithilfe der Elektroenzephalografie (EEG) wurden im Gehirn bereits vor Jahrzehnten Aktivitätsmuster entdeckt, die einer motorischen Handlung vorausgehen. Die Studie aus Freiburg basiert ebenfalls auf der Auswertung von EEG-Signalen. Die Forschenden untersuchten dazu 20 gesunde Probandinnen und Probanden im Durchschnittsalter von 53 Jahren. Diese versuchten, durch wiederholtes Drücken eines Kraftsensors einem vorgegebenen Pfad auf dem Computerbildschirm zu folgen. Vor und während der Übungen wurde ihre Gehirnaktivität aufgezeichnet. Ein Algorithmus lernte, innerhalb der komplexen Gehirnsignale wichtige Merkmale zu erkennen, mit deren Hilfe vorhersagbar ist, wie gut der Proband die motorische Übung bewältigen wird. Solche Verfahren des maschinellen Lernens werden oft im Zusammenhang mit hochdimensionalen Daten und großen Datenmengen verwendet, etwa zur Verbesserung von Suchmaschinen. Basierend auf vielen Einzelbeispielen lernt der Algorithmus eine Vorschrift, die es ihm erlaubt, auch zukünftige, unbekannte Datensätze zu entschlüsseln.

Im nächsten Schritt wollen die Forscher beleuchten, inwieweit sich derartige Vorhersagemodelle praktisch nutzen lassen. Für die motorische Rehabilitation von Schlaganfallpatienten könnte es etwa hilfreich sein, den Start einer Bewegungsaufgabe kurzzeitig zu verzögern, bis ein geeigneter Hirnzustand vorliegt. Diesen Trainingseffekt will das Team gemeinsam mit Forschern des Universitätsklinikums Freiburg in einer Studie untersuchen.

Originalveröffentlichung:
Meinel, A./Castaño-Candamil, S./Reis, J./Tangermann, M. (2016): Pre-Trial EEG-Based Single-Trial Motor Performance Prediction to Enhance Neuroergonomics for a Hand Force Task. In: Frontiers in Neuroscience.
DOI: 10.3389/fnhum.2016.00170
URL: http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fnhum.2016.00170/full

Diabetes: Schon vier Wochen gesunde Ernährung senken den Blutzucker

Interview mit Prof. Dr. Detlev Ganten zum Weltgesundheitstag 2016

Diabetes ist eine der größten Volkskrankheiten unserer Zeit: Rund 350 Millionen Menschen sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit betroffen, fast zwei Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen. Sie können von Herzkreislaufproblemen über Nierenversagen bis sogar zur Erblindung reichen.

90% aller Diabetes-Fälle sind der sogenannte Typ 2, der eine Unempfindlichkeit gegenüber Insulin bewirkt und vor allem durch Übergewicht und ungesunder Lebensführung verursacht wird.

Prof. Dr. Detlev Ganten ist Präsident des World Health Summit, dem weltweit führenden strategischen Forum für Gesundheitsfragen. Außerdem ist er Facharzt für Pharmakologie und Experte für Bluthochdruck, Evolutionäre und Molekulare Medizin.

1.    Warum verbreitet sich Diabetes weltweit so sehr – leben wir so ungesund?

In der Hauptsache: ja. Wir ernähren uns seit Jahrzehnten immer schlechter: Industrienahrung mit zu viel Zucker, Salz und Fett bestimmt das Bild anstatt natürlicher, gesunder Kost z.B. direkt vom Bauern oder vom Wochenmarkt. Wir bereiten unser Essen viel zu oft nicht mehr selber zu, sondern verlassen uns zu sehr auf Industrienahrung, die produziert wird wie ein Fernseher oder Computer – mit strenger Kostenoptimierung, Kundenanalyse und viel Marketing.

Dass wir als Konsumenten so darauf anspringen, ist evolutionär bestimmt. In der Steinzeit waren Zucker, Fett und Salz ein Mangel und hochbegehrt als Energielieferanten bei schwerer körperlicher Arbeit. Die heutigen Bilder von Pizza, Chips und Softdrinks versprechen hohe Energie- und Elektrolytdichte und erzeugen Appetit. Die guten Vorsätze werden vergessen. Womit wir schon beim nächsten Problem sind.

2.    Nämlich?

Die meisten Menschen haben diese guten Vorsätze gar nicht, weil sie nicht ausreichend über den Zusammenhang von gesunder Ernährung, Bewegung und hohem Blutzucker Bescheid wissen. Das gilt vor allem für Kinder, die diesen Zusammenhang noch nicht verstehen. Wenn dann Familie, Schule und das soziale Umfeld nicht helfen oder helfen können, entsteht schon im frühen Alter ein Teufelskreis. Diesen ungesunden Lebensstil exportieren wir auch noch weltweit.

3.    Was kann man denn machen, um sich vor Diabetes zu schützen?

Gesundes Essen und viel Bewegung! In Deutschland leben schon heute über fünf Millionen Menschen mit Diabetes. Das ist zu viel! Sport senkt den Blutzuckergehalt deutlich. Dazu eine ausgewogene Ernährung wie zum Beispiel die mediterrane Küche mit vielen ungesättigten Fettsäuren und pflanzlichen Ölen, sowie frischem Obst und Gemüse. Schon vier Wochen gesunde Ernährung verbessern die Wirkung des Insulins, während vier Wochen ungesunde Ernährung diese messbar verschlechtern. Selbst nach einem Herzinfarkt zeigt eine Ernährungsumstellung eine deutliche Reduktion von Herzinfarkten und plötzlichem Herztod. Zu spät ist es nie.

(Quelle: World Health Summit)

Der World Health Summit findet vom 9.-11. Oktober 2016 im Auswärtigen Amt in Berlin statt. Er steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident François Hollande und dem Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker. Der WHS gilt als das wichtigste strategische Forum für weltweite Gesundheitsfragen.

Kunst und Wissenschaft treffen aufeinander

Das Projekt „Störung/Ha-fra-ah“ bringt Bewegung ins Labor und Erkenntnisse über Morbus Parkinson ins Theater

Das Wissenschafts- und Tanzprojekt "Störung/Ha-fra-ah" behandelt die Themen Bewegung und Bewegungsstörung. Foto: Levin Sottru

Das Wissenschafts- und Tanzprojekt „Störung/Ha-fra-ah“ behandelt die Themen Bewegung und Bewegungsstörung. Foto: Levin Sottru

Das Verständnis von Krankheit hinterfragen, verschiedene Formen der Forschung reflektieren: Das deutsch-israelische Projekt „Störung/Ha-fra-ah“ ließ Kunst und Wissenschaft aufeinander treffen. Entstanden sind Choreografien, Installationen, Workshops und ein Dokumentarfilm, aber auch neue Ansätze zur Messung und zum Verständnis der Wirkung von Tanz auf die Parkinson’sche Krankheit – eine Erkrankung der Bewegungssteuerung. Bei einem zweitägigen Kongress sind die Ergebnisse nun in Freiburg vorgestellt worden. Die Kulturstiftung des Bundes, das Deutsch-Israelische Zukunftsforum und die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördern das Projekt.

Seit dem 20. Februar 2015 trafen sich in Freiburg jede Woche junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Albert-Ludwigs-Universität, Tänzerinnen und Tänzer des Theaters Freiburg und an Morbus Parkinson erkrankte Menschen. Sie diskutierten, bearbeiteten gemeinsame Forschungsfragen zum Thema Bewegung und Bewegungsstörung und tanzten. Zeitgleich trafen sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Israel. Das Projekt des Exzellenzclusters BrainLinks-BrainTools der Albert-Ludwigs-Universität und des Theaters Freiburg verband auf diese Weise subjektive Erfahrungen mit objektiv-wissenschaftlichen Perspektiven auf die Krankheit – Morbus Parkinson ist ein Forschungsschwerpunkt am Exzellenzcluster.

Die Parkinson’sche Krankheit entsteht, wenn Zellen in bestimmten Hirnbereichen absterben. Charakteristische Symptome sind Rigor, also die zunehmende Steifheit der Bewegungen, und bei manchen Patientinnen und Patienten Tremor, ein Zittern. Menschen, die an der Parkinson’schen Krankheit leiden, berichten, dass Tanz ihre Symptome lindere. Diese Effekte sind aber für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schwer zu erfassen. Das Projekt wollte neue Denkanstöße zwischen Tänzern und Forschern schaffen.

Nachwuchswissenschaftler in Freiburg und Tel Aviv testeten die Wirkung von Tanz auf Parkinson, von Musik auf Empathie oder von Rhythmus auf Bewegung. Die Freiburger Forscher Johannes Erhardt und Dr. Juan Ordonez sowie die Künstlerin Mathilde Bonte entwickelten einen Sensor, der mit einem Beschleunigungsmesser das Symptom Tremor erfasst. Julie Philpott bereitete im Projekt ihre medizinische Doktorarbeit zum Effekt von Musik auf rhythmische Bewegungen in der funktionellen Magnetresonanztomografie vor. In Israel entwickelten zwei Teilnehmer einen neuen Messansatz für Parkinsonsymptome namens „Moveinteraction“. Die psychologischen Interviews und Messungen zeigten in ersten Ergebnissen, dass Patienten sich nach dem Besuch der Tanzstunden stärker sozial eingebunden und sicherer fühlten. Eine weitere Gruppe erfand ein Computerspiel und eine Tanzaufgabe, um zu testen, was im Gehirn passiert, wenn Menschen miteinander interagieren.

„Auch Künstlerinnen und Künstler forschen. Sie beschäftigen sich mit der subjektiven Erschließung der Erfahrungswelt“, erklärt Privatdozent Dr. Oliver Müller, Leiter des Projekts an der Universität und Nachwuchsgruppenleiter bei BrainLinks-BrainTools. Die zehn Freiburger Teilnehmenden aus Ingenieurswissenschaften, Medizin, Biologie und Psychologie lernten, wie Tänzer zum Beispiel Bewegungsabläufe in ihre Komponenten aufgliedern und Stück für Stück nachvollziehen. Umgekehrt bekamen die sechs Tänzer Einblicke in die Neurowissenschaften.

Bluthochdruck gilt als „stiller Killer“

Bluthochdruck: Was Ur-Ozean, unsere Gene, Salz und Fett mit dem „stillen Killer“ zu tun haben

Interview mit dem Bluthochdruck-Experten Prof. Dr. Detlev Ganten zum Welt Hypertonie Tag am 17. Mai 2015

20 bis 30 Millionen Menschen haben allein in Deutschland einen zu hohen Blutdruck – das ist fast jeder dritte. An den Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall  sterben laut Weltgesundheitsorganisation WHO jedes Jahr weltweit über neun Millionen Menschen. Das große Problem: Die meisten wissen nicht einmal, dass sie bereits erkrankt sind. Bluthochdruck (Hypertonie) gilt als „stiller Killer“.

Dabei ist es einfach, Bluthochdruck zu erkennen, zu behandeln und sogar zu vermeiden. Was jeder Einzelne tun kann, erklärt Professor Dr. Detlev Ganten. Er ist weltweit einer der führenden Bluthochdruck-Forscher, Facharzt für Pharmakologie und Molekulare Medizin, sowie Experte für Evolutionäre Medizin. Außerdem ist er Präsident des World Health Summit, der jährlichen internationalen Weltgesundheitskonferenz in Berlin.

Professor Ganten, Bluthochdruck ist zu einem weltweiten Gesundheitsproblem geworden. Wie konnte dies geschehen? Mediziner forschen doch seit Jahrzehnten zu diesem Thema.

Es stimmt: Wir befassen uns seit Jahren mit der Erforschung des Herz-Kreislauf-Systems und den medizinischen Zusammenhängen von Bewegung, Gesundheit und Bluthochdruck. Auch die Bedeutung unserer genetischen Erbanlagen wird immer wichtiger. Die Antwort allerdings liegt in unserer evolutionären Entwicklung: Wir Menschen sind auf Salz, Fett und Zucker fokussiert. Fett gab unseren Vorfahren Reserven für schlechte Zeiten, Zucker schnelle Energie in Gefahrensituationen und Salz ist für den Blutkreislauf essenziell. Wir leben bis heute mit diesem System, das auf ein Leben und Überleben als Jäger und Sammler ausgerichtet ist. Allerdings passt das überhaupt nicht mehr in unsere moderne Welt, in der die Hälfte aller Menschen in Städten leben und wir uns viel zu wenig bewegen. Wir nehmen heute deutlich mehr Salz, Zucker und Fett zu uns, als wir verbrauchen. Das treibt den Blutdruck in die Höhe. An den Folgeerkrankungen sterben jedes Jahr Millionen Menschen.

Die genaue Wechselwirkung von Bluthochdruck und Salz ist bis heute ein Geheimnis für die Wissenschaft: Warum treibt Salz bei dem einen den Blutdruck in die Höhe, bei dem anderen nicht?

Auch hier kommt die Antwort aus der Evolution: Beim Gang an Land, vor etwa 400 Millionen Jahren, als Amphibien, Reptilien und später auch unsere näheren Vorfahren entstanden, entwickelte sich ein Organ, dessen Konstruktionspläne auch heute noch den Blutdruck regulieren: Das Filterorgan Niere. Es sorgt dafür, dass überschüssiges Salz mit dem Urin aus dem Körper geschwemmt wird. Unsere Zellen sind aber bis heute an die Konzentration der Salze im Ur-Ozean angepasst. Unablässig befördern kleine Pumpen auf der Zellmembran Salze nach innen und wieder hinaus. Das  wird durch unsere Gene geregelt, die aber bei jedem Menschen ein wenig anders sind. Darum reagieren die einen mehr und die anderen weniger empfindlich auf Salz.

Wie kann man einen so individuellen Zusammenhang eindeutig erforschen?

Die einfachste Methode besteht darin, einer Gruppe von Menschen Salz zu essen zu geben und dann den Blutdruck zu messen. Bei den salzempfindlichen Menschen steigt er an, bei den unempfindlichen bleibt er normal. Wenn man jetzt die Gene untersucht, findet man Veränderungen in der salzempfindlichen Gruppe – diese Gene müssen verantwortlich sein für den Anstieg des Blutdrucks. Bluthochdruck und Salzempfindlichkeit sind also zum Teil über die Gene vererbbar. Das kann man heute in der Forschung gut nachvollziehen.

Das klingt relativ einfach. Ist ein Durchbruch im Kampf gegen Bluthochdruck in Sicht?

Der Ansatz mag einfach klingen, die Forschung an diesem Thema ist allerdings hochkomplex. Obwohl es schon viele gute Ergebnisse und hervorragende Medikamente gibt, sollte man sich nicht auf eine medizinische Lösung verlassen. Viel wichtiger ist, dass wir noch mehr an der Aufklärung der Menschen arbeiten, denn Bluthochdruck und seinen Folgen kann hervorragend vorgebeugt werden: Selber Blutdruck messen und bei Werten deutlich über 140/90 mmHg zum Arzt gehen, mehr auf gesunde Ernährung achten und sich mehr bewegen. Anstatt zu warten, bis wir krank werden um dann zum Arzt zu gehen, sollten wir es lieber gar nicht erst so weit kommen lassen. Das ist nicht nur gesünder, sondern macht das Leben auch deutlich lebenswerter!

(Quelle: World Health Summit)
www.worldhealthsummit.org

Vom 11. – 13. Oktober 2015 findet der siebte World Health Summit im Auswärtigen Amt in Berlin statt. Er steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident François Hollande und dem Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker.

Experten aus über 80 Ländern werden Themen des G7 Gipfels im Juni in Elmau fortsetzen und auf die United Nations Climate Change Conference (COP 21) im Dezember  in Paris vorbereiten. Bestätigte Sprecher sind unter anderem die Nobelpreisträger Ada Yonath (2009, Israel) und Thomas C. Südhof (2013, Deutschland), sowie Debra Jones (USA), Direktorin und UN Repräsentantin von Save the Children.

Gesunder Lebensstil schützt vor grünem Star

Bluthochdruck, Übergewicht und Schlaf-Apnoe schaden den Augen

Berlin – Gefäßverkalkung, Übergewicht, Nikotin und Schlafapnoe schädigen nicht nur das Herzkreislaufsystem, sondern auch die Augen. So zeigt eine Untersuchung, dass jeder zweite Glaukom-Patient an Bluthochdruck, jeder dritte an einem erhöhten Blutfettspiegel oder Diabetes leiden. Gesunde Ernährung und Bewegung sollten demnach auch ein Rezept gegen Augenleiden sein, rät die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Laufen oder Fahrradfahren kann den Augeninnendruck vorübergehend senken und somit das Risiko für einen fortschreitenden Sehnervenschaden vermindern.

In Deutschland leiden rund 800.000 Menschen an einem grünen Star, auch Glaukom genannt. Bisher galt ein Augeninnendruck ab 21 mmHg auf der Quecksilbersäule als einzig bekannter Risikofaktor für die Augenerkrankung. Doch die Forschung der vergangenen Jahre hat ergeben, dass Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Übergewicht, Nikotingenuss und Diabetes mellitus Typ 2 offenbar ebenfalls die Entwicklung eines Glaukoms fördern können. „Diese Faktoren schädigen erwiesenermaßen die Gefäße und können zu einer Fehlregulation der Gefäße führen“, erläutert Professor Dr. med. Johann Roider, Kongresspräsident der DOG. „Und damit vermutlich auch die Gefäße, die den Sehnerv und die Netzhaut versorgen.“ In der Folge steigt der Augeninnendruck, und die Sehkraft schwindet.

So zeigt eine Fallstudie aus Taiwan, in der Daten von mehr als 76.000 Glaukompatienten analysiert wurden, dass jeder zweite unter Bluthochdruck und jeder dritte an einem erhöhten Blutfettspiegel oder Diabetes leidet. „Das bedeutet nicht, dass Betroffene zwangsläufig ein Glaukom entwickeln“, sagt Professor Dr. med. Anselm Jünemann, Direktor der Klinik für Augenheilkunde der Universitätsmedizin Rostock. „Aber wenn Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Übergewicht zusammentreffen, ist eine Glaukom-Vorsorgeuntersuchung ab dem 40. Lebensjahr ratsam.“

Auch Schlaf-Apnoe gilt als Risikofaktor für den grünen Star – jeder zweite schnarchende Glaukom-Patient leidet am Schlaf-Apnoe-Syndrom, fanden Wissenschaftler heraus. Bei dieser Form des Schnarchens kämpfen die Betroffenen mit nächtlichen Atem-Aussetzern. „Der Sauerstoffmangel, der bei den Atemstillständen entsteht, scheint den Augen zu schaden“, erklärt Jünemann. „Ärzte sollten ihre Glaukompatienten deshalb fragen, ob sie schnarchen und womöglich tagsüber unter Müdigkeit leiden.“ Ob ein Schlaf-Apnoe-Syndrom vorliegt, das in jedem Fall mitbehandelt werden sollte, zeigt ein Test im Schlaflabor. Gegen die Atemaussetzer helfen Atemtherapiegeräte, Unterkieferschienen, aber auch Musizieren mit einem Blasinstrument und der Abbau von Übergewicht mit regelmäßiger Bewegung.

Damit wird körperliche Aktivität zu einem wichtigen Element auch in der Glaukomtherapie. Studien haben zeigen können, dass Sport den Augeninnendruck senkt. „Laufen oder Fahrradfahren kann den Augeninnendruck bei Glaukompatienten um bis zu 13 mmHg reduzieren“, so Jünemann. Zwar steigt der Druck anschließend wieder an. „Aber der Wiederanstieg ist um bis zu 50 Prozent verlängert“, erläutert Jünemann. Auch zügiges Gehen über 20 Minuten vermag den Augeninnendruck vorübergehend um 1,5 mmHg zu senken. Zum Vergleich: Ein Anstieg um einen mmHg erhöht das Risiko für einen Gesichtsfeldschaden um zehn Prozent. „Jeder Millimeter Absenkung zählt also“, betont Jünemann.

„Durch einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, Nikotinverzicht und regelmäßiger Bewegung können sich Risikopatienten womöglich nicht nur vor einem Herzinfarkt, sondern auch vor grünem Star schützen“, bilanziert DOG-Präsident Roider.

Gesunde Ernährung

Gesunde Ernährung – Was Unternehmen leisten können

Das Gesundheitsmagazin veranschaulicht den Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit bei der Arbeit. Beschäftigte können sich über die richtige Ernährung bei der Arbeit informieren und Arbeitgeber erhalten Tipps, wie sie Einfluss auf die Qualität der Ernährung ihrer Beschäftigten nehmen können. Der Film berücksichtigt sowohl die spezifischen Belange von großen Unternehmen mit eigenen Kantinen als auch die der kleineren Betriebe mit Mikrowelle in der Teeküche.

Dieses Video finden Sie bei der Verwaltungsberufsgenossenschaft – VBG:

Gesunde Ernährung 2Gesunde Ernährung ist auch in Unternehmen kein „Hexenwerk“. Meist mangelt es am Willen der Verantwortlichen. Dass sich die Unternehmen damit selbst schaden, ist leider auch noch nicht bis in die obersten Chefetagen vorgedrungen. Denn ernährungsbedingte Krankheiten sind auf dem Vormarsch. Und Krankheit bedeutet Ausfallzeit, aber das ist eigentlich eine Binsenweisheit.

Es ist schade, dass die VBG in ihrem Akademiehotel in Dresden diese wichtigen Erkenntnisse nicht in der Lage ist, umsetzen zu lassen. Den VBG-Seminarteilnehmer mutet man in Dresden vom Frühstück bis zum Abendessen Speisen zu, die alles andere als gesund und schmackhaft sind. Lediglich das frische Obst, das man hin und wieder in den Pausen vorfindet, ist teilweise genießbar. Und der Kaffee hat sich in den letzten Jahren verbessert. Die alten Thermoskannen sind neuen Kaffeeautomaten gewichen. Es gibt also Hoffnung. Es bleibt jedoch die zu befürchten, dass weitere Verbesserungen noch einige Jahre auf sich werden warten lassen.