Archiv der Kategorie: Forschung

Bindehautinfektion durch SARS-CoV-2 unwahrscheinlich

Keine Entwarnung bei medizinischen Schutzvorkehrungen

Forscher*innen des Universitätsklinikums Freiburg untersuchen mögliche Augenbeteiligung bei COVID-19 / keine Entwarnung bei medizinischen Schutzvorkehrungen / Studie im Journal of Medical Virology veröffentlicht

 Immunhistochemische Aufnahmen zeigen vorhandene Proteine in Gewebeproben mithilfe von Antikörpern. Die Probe der Bindehautzellen (links) zeigt keine relevanten Mengen an ACE-2-Protein, während bei der Probe des Nierengewebes (rechts) Antikörper an das vorhandene ACE-2-Protein binden.
Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg
 Immunhistochemische Aufnahmen zeigen vorhandene Proteine in Gewebeproben mithilfe von Antikörpern. Die Probe der Bindehautzellen (links) zeigt keine relevanten Mengen an ACE-2-Protein, während bei der Probe des Nierengewebes (rechts) Antikörper an das vorhandene ACE-2-Protein binden.
Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 nutzt bestimmte Proteine auf der Oberfläche menschlicher Zellen als Türöffner, um in die Zellen einzudringen und sich zu vermehren. Vereinzelt wurde auch über Patient*innen mit Entzündungen der Bindehaut des Auges bei COVID-19-Erkrankung berichtet. Bislang war unklar, ob Bindehautzellen für das neue Virus empfänglich sind und damit ein potenzieller Einfallsort für SARS-CoV-2-Viren sein könnten. Forscher*innen des Universitätsklinikums Freiburg zeigen nun in einer Studie, dass Infektionen der Bindehaut durch SARS-CoV-2 unwahrscheinlich sind. Die Ergebnisse wurden am 6. Mai 2020 in der Fachzeitschrift Journal of Medical Virology veröffentlicht.

„Nach unserer Forschung ist es unwahrscheinlich, dass SARS-CoV-2 eine Bindehautinfektion auslösen kann“, sagt Prof. Dr. Günther Schlunck, Forschungsgruppenleiter an der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg. Bisherige Studien legen nah, dass SARS-CoV-2 mehrere Organe infizieren kann. Türöffner-Proteine wie der Rezeptor ACE-2 und das Enzym TMPRSS2, über die das Coronavirus in menschliche Zellen eindringen kann, wurden unter anderem bereits in der Leber, im Magen sowie in den Atemwegen infizierter Menschen nachgewiesen. Prof. Schlunck, Prof. Dr. Clemens Lange und weitere Wissenschaftler*innen der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg haben nun untersucht, ob diese Proteine auf Bindehautzellen vorhanden sind. „Momentan herrscht noch viel Unsicherheit, wie das neuartige Coronavirus Menschen infiziert. Hier wollten wir zur Klärung beitragen“, sagt Prof. Lange, Erstautor der Studie.

Hierfür analysierten die Forscher*innen Gewebeproben der Bindehaut von 46 Patient*innen, die nicht an COVID-19 erkrankt waren. Mit einer RNA-Sequenzierung prüften die Augenärzt*innen, ob Vorläufermoleküle (mRNA), die der Herstellung der Türöffner-Proteine dienen, in den Gewebeproben vorhanden waren. Ergänzend wurden durch immunhistochemische Färbungen in den Proben vorhandene Proteine mithilfe von markierten Antikörpern sichtbar gemacht.

In keiner der Proben wurden relevante Mengen von ACE-2 oder TMPRSS2 festgestellt. Dies macht eine Infektion der Bindehaut durch SARS-CoV-2 über eine Bindung an ACE-2 sehr unwahrscheinlich. „Es ist jedoch möglich, dass Viren in den Tränenfilm geraten und über die ableitenden Tränenwege und die Nasenschleimhaut in die oberen Atemwege gelangen, wo sie eine Infektion auslösen können“, sagt Prof. Schlunck.

Obwohl eine Infektion der Bindehaut mit SARS-CoV-2-Viren unwahrscheinlich ist, sind umfassende Hygiene- und Schutzmaßnahmen weiterhin angebracht. „Ärzt*innen mit engem Kontakt zu COVID-19-Erkrankten sollten trotzdem darauf achten, Mund, Nase und gegebenenfalls auch die Augen wirksam zu schützen“, sagt Prof. Lange.

Original-Titel der Studie: Expression of the COVID‐19 receptor ACE2 in the human conjunctiva
DOI: https://doi.org/10.1002/jmv.25981
Link zur Studie: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/jmv.25981

Nicht immer lässt sich SARS-CoV-2 über einen Abstrich nachweisen

Der Nachweis der Virusgene über einen Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum ist derzeit der Goldstandard

fzm, Stuttgart, Mai 2020 – Auch bei einer bestehenden COVID-19-Erkrankung kann die Analyse eines standardmäßig durchgeführten Abstrichs aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum negativ ausfallen. Das zeigt ein aktueller Fallbericht in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2020). Bei einem Patienten, dessen radiologischen Befunde sowie Entzündungswerte eine COVID-19-Erkrankung nahelegten, konnten keine entsprechenden Virusgene über einen Rachenabstrich nachgewiesen werden. Die Autoren empfehlen daher die Analyse weitere Biomaterialen wie Stuhl oder tiefer Atemwegssekrete, wenn der übliche Abstrich trotz begründetem Verdacht auf COVID-19 wiederholt negativ ausfällt.

Der 46-jährige Patient stellte sich im Universitätsklinikum Freiburg mit Husten und Fieber vor. Die Symptome bestanden zu diesem Zeitpunkt bereits eine Woche lang. Fünf Tage zuvor hatte sein Hausarzt wegen des Verdachts auf eine Lungenentzündung mit einer Antibiotikabehandlung begonnen, die aber zu keiner Besserung führte. Daraufhin überwies ihn der Hausarzt ins Freiburger Universitätsklinikum.

Dort ließen die Ärzte umgehend einen SARS CoV-2-PCR-Test durchführen. Dabei wird über einen Abstrich Sekret aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum entnommen. Es kann Erbgut des Virus enthalten, das durch einen empfindlichen molekularen Test nachgewiesen werden kann. Dieses Verfahren bezeichnen Labormediziner als Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR). Im Fall des Patienten fiel das Ergebnis für den Rachenabstrich negativ aus. Andere Laborbefunde, wie verschiedene erhöhte Entzündungsparameter, legten jedoch den Verdacht nahe, dass eine SARS-CoV-2-Infektion vorlag. Doch auch ein zweiter Abstrich zwei Tage nach der Aufnahme erbrachte keinen Hinweis auf Virusgene.

In einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs waren zu dieser Zeit bereits Anzeichen einer atypischen Lungenentzündung zu erkennen, wie es häufig bei COVID-19 beobachtet wird. Die am nächsten Tag durchgeführte Computertomografie (CT) erhärtete den Verdacht weiter. In beiden Lungen war vor allem an den Rändern eine milchglasartige Trübung zu sehen. Die Radiologen werteten dies als deutlichen Hinweis auf COVID-19. Doch auch im dritten Rachenabstrich fand sich kein SARS-CoV-2-Erbgut.

Am sechsten Tag schließlich wiesen die Mediziner die Virusgene in ausgehusteten Atemwegssekreten, dem sogenannten Sputum, nach. In einer Stuhlprobe waren die Viren dagegen nicht nachweisbar. Zu diesem Zeitpunkt war der Patient bereits ohne Beschwerden. Obwohl er mit Übergewicht, Bluthochdruck, hohen Blutfettwerten und einem erhöhten Blutzucker gleich mehrere Risikofaktoren aufwies, hatte er die Infektion ohne größere Komplikationen überstanden. Zwei Tage später konnte er nach Hause entlassen werden – nachdem ein weiterer Rachenabstrich negativ ausgefallen war. Eine Quarantäne wurde nicht für notwendig erachtet, da der Patient offensichtlich keine Viren ausschied.

Der Nachweis der Virusgene über einen Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum ist derzeit der Goldstandard für die Diagnose von COVID-19. „Zwischenzeitlich mehren sich jedoch Hinweise auf Limitationen hinsichtlich der Sensitivität dieser Untersuchung“, schreiben Dr. Daniel Hornuß von der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Freiburg und Kollegen in ihrem Fallbericht. Wenn Laborwerte und die Befunde im CT auf COVID-19 hinweisen, sollte der Gentest an anderen Biomaterialen wie Sputum, tiefen Atemwegssekreten oder Stuhl versucht werden, raten die Experten.

D. Hornuß et al.:
COVID-19-assoziierte Pneumonie trotz persistierend negativen PCR-Tests aus oropharyngealen Abstrichen
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2020; online erschienen am 13.5.2020

COVID-19-Studie zur Virusverbreitung bei Kindern: Universitätsklinikum Freiburg sucht weitere Familien

Im zweiten Teil der Studie soll die Verbreitung des Corona-Virus innerhalb von Familien erforscht werden / Gesucht werden Familien mit mindestens einer nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektion

In einem ersten Studienteil haben Wissenschaftler*innen des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg gemeinsam mit anderen Unikliniken in Baden-Württemberg untersucht, wie viele Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren aus rund 2.000 Haushalten nachweislich in Kontakt mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 gekommen sind. Die Ergebnisse dieses Studienteils werden derzeit für die Veröffentlichung aufbereitet.

In einem zweiten Schritt soll nun im Detail untersucht werden, wie SARS-CoV-2 in Familien gelangt und sich innerhalb der Familie verbreitet. „Dieser Teil der Untersuchung ist sehr bedeutsam um aufzuklären, welche Rolle Familien in der Pandemie spielen und wie sie geschützt werden können“, erläutert Prof. Dr. Philipp Henneke, Leiter der Sektion für Pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. „Die Studie soll dabei helfen, in Zukunft gezielt auf Infektionshäufungen reagieren zu können.“

Wie läuft die Studienteilnahme ab?

Für den zweiten Teil der Studie werden ganze Familien gesucht, bei denen bei mindestens einem Familienmitglied per Nasen- und/oder Rachenabstrich eine SARS-CoV-2-Infektion nachgewiesen wurde. Teilnehmende Familien müssen ihren Wohnsitz in Baden-Württemberg haben, mindestens ein Mitglied muss unter 18 Jahren alt sein. Die Teilnehmer*innen dürfen keine schweren Grunderkrankungen haben. Interessierte Familien können sich per E-Mail an corona.kinderstudie@uniklinik-freiburg.de melden. Weitere Informationen finden sie auf der Webseite www.corona-kinderstudie.de

Die Studie wird in der Woche vom 25. bis 29. Mai 2020 in der neuen Messe Freiburg durchgeführt. Die Teilnehmer*innen beantworten einen Fragebogen unter anderem zur familiären, beruflichen und Wohn-Situation sowie zu Gesundheitszustand, Betreuung in Kitas, Kindergärten und Schulen. Anschließend werden bei allen Teilnehmer*innen ein Nasen-/Rachenabstrich sowie eine Blutprobe entnommen. Die Abstriche dienen zum Nachweis von SARS-CoV-2-Erregern, während die Blutproben auf Antikörper gegen das Virus und auf spezifische Immunzellen untersucht werden. Das Ergebnis wird den Teilnehmer*innen im Nachgang mitgeteilt.

Die Untersuchungen haben keinen Einfluss auf den Gesundheitszustand der Studienteilnehmer*innen und es findet keine Nachbeobachtung statt. Insgesamt beträgt der studienbedingte Zeitaufwand für die Teilnehmer*innen etwa 45 Minuten plus individuelle Anfahrt. 

Weitere Informationen:

www.corona-kinderstudie.de

Anmeldung per E-Mail an corona.kinderstudie@uniklinik-freiburg.de

Die Mayo Clinic meldet COVID-19 Register

VIRUS: erstes COVID-19-Register zur Nachverfolgung der globalen Erfahrung von Intensivstationen, um Trends bei der Versorgung schwerkranker Patienten aufzuzeigen

MOUNT PROSPECT, Illinois — Die Society of Critical Care Medicine (SCCM, Gesellschaft für Intensivmedizin) und Mayo Clinic haben sich zusammengetan, um das erste globale COVID-19-Register einzuführen, das Muster bei der Versorgung auf Intensivstationen und in Krankenhäusern in Echtzeit aufzeigt. Das von der SCCM-Abteilung Discovery gegründete Critical Care Research Network (Forschungsnetzwerk für Intensivpflege) wird eine Studie durchführen, die Allgemeine Studie für Virusinfektionen und Krankheiten der Atemwege (Viral Infection and Respiratory Illness Universal Study (VIRUS)), die Variationen in der Praxis aufzeigt und eine breite Datenbank für die Erforschung effektiver Behandlungen und Pflege darstellen wird. 

Das Register, das täglich wächst, verfügt über ein Dashboard mit Daten von mehr als 3.400 Patienten aus 110 Gesundheitsversorgungsstandorten in acht Ländern. Das regelmäßig aktualisierte Dashboard verfolgt Daten zu Trends wie Dauer der mechanischen Beatmung, Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation, Details der Entlassung aus der Intensivstation und Art der medizinischen Betreuung, die Patienten bekommen, sowie demografische Daten der Patienten: Geschlecht, Alter und ethnische Zugehörigkeit.

„Die COVID-19-Pandemie hat Gesundheitsversorgungssysteme in aller Welt vor noch nie erlebte Herausforderungen gestellt, aber wir leben in einer immer stärker miteinander verbundenen Welt, und wir müssen zusammenarbeiten und aus unseren gegenseitigen Erfahrungen lernen, um zu versuchen, die Schwere der Auswirkungen zu verringern“, sagte Dr. Rahul Kashyap, M.B.B.S., M.B.A., ein Forscher bei Mayo Clinic und Prüfarzt des VIRUS COVID-19-Registers. „Die zeitnahe Verbreitung des in einer einzigen Datenbank versammelten Wissens ist bei Studien der vergleichbaren Wirksamkeit von großer Bedeutung. Das wird bahnbrechend sein.“

Die Open-Access-Beobachtungsstudie und das Register schließen anonymisierte klinische Daten von Kindern und Erwachsenen ein, die aufgrund von COVID-19 ins Krankenhaus eingewiesen wurden, wobei das REDCap-Datenerfassungssystem verwendet wird, eine sehr sichere Datenbank von Mayo Clinic. Standorte haben jederzeit Zugang zu ihren eigenen Daten und können dem Lenkungsausschuss von SCCM Discovery Begleitforschungsprojekte vorschlagen, bei denen die VIRUS-Daten zur Forschung genutzt werden.

Das Register ist infolge der Erkenntnis entstanden, dass die globale Gesundheits-Community nicht in der Lage war, während des Ebola-Ausbruchs 2014 zeitnah Konsensdaten zu erfassen.

„Als die Zahlen der COVID-19-Pandemie stiegen, wurde schnell offensichtlich, dass sich mit dem Virus auch eine auf Anekdoten und Meinungen basierende Medizin ausbreitete“, sagte Dr. Allan J. Walkey, außerordentlicher Professor für Medizin, Boston University, und einer der Prüfärzte der VIRUS-Studie. „Wir erkannten, dass ein dringender Bedarf an zuverlässigen Daten besteht, die als Entscheidungshilfe bei der Behandlung dieses Anstiegs an schwerkranken Patienten verwendet werden könnten.”

Das Register zeigt, wie schnell wesentliche Daten erfasst werden können, wenn der Wille zur Zusammenarbeit gegeben ist. Vier Tage, nachdem die Weltgesundheitsorganisation COVID-19 zur Pandemie erklärte, besprachen Dr. Vishakha Kumar, M.B.A., Prüfarzt und amtierender Forschungsleiter bei SCCM Discovery, und Dr. Kashyap die Notwendigkeit zu einem Register. Vier Tage später, an einem Sonntag, twitterte Dr. Walkey: „Baut irgendjemand ein COVID-Register auf?“ und am Ende des Tages hatte die Gruppe einen Plan für die Durchführung.

„Es ist erstaunlich, wie schnell die globale medizinische Community bei der Bemühung zusammenkam, Daten zu teilen und dieses neue Virus zu verstehen, um dadurch die Behandlung von Patienten zu verbessern“, sagte Dr. Greg Martin, M.S., FCCM, gewählter Präsident von SCCM und exekutiver Divisionsleiter, Lungen-, Allergie, Intensivpflege- und Schlafmedizin, Emory University School of Medicine. „Ärzte an der Front dieser Pandemie stellen die Daten in ihrer Freizeit bereit. Die Informationen, die sie erfassen, helfen nicht nur bei der Versorgung der derzeitigen COVID-19-Patienten, sondern geben auch vor, wie wir Patienten bei zukünftigen Ausbrüchen betreuen. Je mehr Zentren in aller Welt teilnehmen, desto bessere Daten werden wir alle zur Verfügung haben.“

Das Register wurde am 31. März eröffnet, und sechs Wochen später wurden mehr als 3.400 Fälle eingegeben. Jeder Standort erfasst die Eigenschaften der Patienten, Behandlungsstrategien und Ergebnisse, die anonymisiert werden, d.h., dass Namen und sonstige identifizierende Informationen nicht in die Datenbank aufgenommen werden.

Alle Zentren, die COVID-19-Patienten behandeln, werden zur Teilnahme aufgefordert.

Das von der Gordon and Betty Moore Foundation finanzierte, ein Jahr lang dauernde Projekt wird Daten für zukünftige Studien zu COVID-19 bereitstellen. Die Ergebnisse von VIRUS werden besonders hilfreich für das Patientenmanagement bei einer möglichen zweiten Welle der Pandemie sein. Die Datenbank richtet auch eine Infrastruktur für eine schnelle Datenerfassung, Analyse und Verbreitung ein, die bei zukünftigen Ausbrüchen eine schnelle Reaktion ermöglicht. Die Gordon and Betty Moore Foundation fördert bahnbrechende wissenschaftliche Entdeckungen, Umweltschutz, Verbesserung der Patientenbetreuung und Bewahrung des besonderen Charakters der Bay-Region.

Im Jahr 2016 gründete das SCCM Discovery, um eine zentrale Ressource für die Verknüpfung von Forschern der Intensivpflege bereitzustellen, um die Forschung zu Krankheiten und Verletzungen der Intensivpflege zu erweitern. Dabei werden zentralisierte Netzwerke und konkrete Ressourcen wie Datenspeicherung und -verwaltung, statistische Unterstützung und andere Anforderungen bereitgestellt.

Weitere Informationen finden Sie unter Discovery VIRUS COVID-19 Registry.

Über Mayo Clinic
Mayo Clinic ist eine gemeinnützige Organisation, die sich der Innovation in der klinischen Praxis, Bildung und Forschung und der Bereitstellung von Mitgefühl, Know-how und Antworten für alle verschrieben hat, die Heilung benötigen. Besuchen Sie das Mayo Clinic News Network um weitere Neuigkeiten zur Mayo Clinic zu erhalten und gewinnen Sie einen Einblick in die Mayo Clinic, um sich ein noch besseres Bild über deren Arbeit zu machen.

Die Society of Critical Care Medicine (Gesellschaft für Intensivmedizin)
Die Society of Critical Care Medicine (SCCM) ist die größte gemeinnützige medizinische Organisation, welche die Exzellenz und Einheitlichkeit der Praxis der Intensivpflege fördert. Mit Mitgliedern in mehr als 100 Ländern ist SCCM die einzige Organisation, die alle beruflichen Komponenten des Intensivpflegeteams vertritt. Die Gesellschaft bietet eine Reihe von Aktivitäten, welche die Qualität der Patientenpflege, der Ausbildung, Forschung und Förderung sicherstellen. SCCMs Mission besteht darin, die höchste Qualität bei der Pflege aller schwerkranken oder schwer verletzten Patienten zu gewährleisten. Besuchen Sie sccm.org für weitere Informationen. Folgen Sie @SCCM oder besuchen Sie uns auf Facebook.

Strategien zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie

Eine Stellungnahme der Präsidenten der außeruniversitären Forschungsorganisationen auf Basis von mathematischen Analysen der Datenlage

Diese Illustration, die in den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) erstellt wurde, zeigt die ultrastrukturelle Morphologie, die Koronaviren aufweisen. Man beachte die Stacheln, die die äußere Oberfläche des Virus zieren und die bei elektronenmikroskopischer Betrachtung das Aussehen einer das Virion umgebenden Korona vermitteln. Ein neuartiges Coronavirus namens SARS-CoV-2 (Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2) wurde als Ursache für den Ausbruch einer Atemwegserkrankung identifiziert, die erstmals 2019 in Wuhan, China, festgestellt wurde. Die durch dieses Virus verursachte Krankheit wurde Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) genannt.

Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAMS
Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAMS
Diese Illustration, die in den Centers for Disease Control
and Prevention (CDC) erstellt wurde, zeigt die
ultrastrukturelle Morphologie, die Koronaviren aufweisen.

Angesichts der großen öffentlichen Bedeutung einer objektiven Faktenlage zum Infektionsgeschehen haben sich unsere Forschungsorganisationen – Fraunhofer- Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft und Max-Planck- Gesellschaft – entschlossen, gemeinsam zur Datenlage Stellung zu nehmen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Organisationen, die sich mit der mathematischen Analyse der Ausbreitung der COVID-19-Erkrankungen und der Vorhersage der weiteren Entwicklung beschäftigen, haben ihre Ergebnisse zusammengetragen, eine gemeinsame Analyse der Situation verfasst und mögliche Bewältigungsstrategien aus Sicht der Modellierung vorgelegt. Detailliertere Informationen sind in der gemeinsamen Stellungnahme der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Anhang zu diesem Dokument zu finden, die wichtigsten Aussagen sind im Folgenden knapp zusammengefasst:

  • Unterschiedliche und voneinander unabhängige Modelle verschiedener Gruppen zur Ausbreitung von SARS-CoV-2 kommen zu konsistenten Ergebnissen. Die Reproduktionszahl R lag seit Ende März leicht unter 1.
  • Der klare Rückgang der Neuinfektionen N, den wir derzeit beobachten, ist der gemeinsame Effekt aller im März eingeführten Maßnahmen und der Verhaltensanpassungen der Bevölkerung.
  • Die Situation ist nicht stabil, selbst eine nur kleine Erhöhung der Reproduktionszahl würde uns zurück in eine Phase des exponentiellen Wachstums führen. Daher muss die Reproduktionszahl bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffs unter 1 gehalten werden. Der am 28. April 2020 vom RKI berichtete neue R-Wert nahe 1 verdeutlicht, dass in dieser Phase weiterhin konsequente Kontakteinschränkungen erforderlich sind.
  • Der Wert von R in Antwort auf eine veränderte Maßnahme kann erst mit einer Verzögerung von zwei bis drei Wochen geschätzt werden.
  • Das Erreichen einer „Herdenimmunität“ würde nach den bisher vorliegenden Daten einen Zeitraum von einigen Jahren erfordern, wenn das Gesundheitssystem nicht überlastet werden soll. Einschränkende Maßnahmen müssten bei einer solchen Strategie über den gesamten Zeitraum aufrechterhalten werden.
  • Aus Sicht der Modellierung erscheint folgende zweiphasige Strategie als sinnvoll: In der ersten Phase werden die Neuinfektionen weiter reduziert, bis eine effektive Kontaktverfolgung möglich ist. In der zweiten Phase schließt sich eine adaptive Strategie auf der Basis niedriger Zahlen von Neuinfektionen an.

Dazu sind folgende Maßnahmen erforderlich:

  • Etablierung bzw. Weiterführung hygienischer Maßnahmen
  • Ausbau von Testing- und Tracing-Kapazitäten
  • Adaptive Steuerung von flankierenden kontakteinschränkenden
  • Maßnahmen.

Bei politischen Entscheidungen über das weitere Vorgehen sind natürlich weitere Faktoren in Betracht zu ziehen, wie psychologische und weitere gesundheitliche Belastungen der Bevölkerung, die wirtschaftliche Entwicklung und internationale Vernetzung, um nur einige zu nennen. Die oben skizzierten und in der ausführlichen Stellungnahme der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler detaillierter dargestellten Zusammenhänge gelten aber unabhängig von solchen Faktoren, sodass alle Entscheidungen vor diesem Hintergrund getroffen werden müssen. Neue Gegebenheiten, wie die Verfügbarkeit eines Medikaments oder einer Vakzine, effizienteres Contact Tracing durch eine App, flächendeckendes Testen, spezifische Antikörper-Tests oder anderes würden in einem adaptiven Szenario die Nachsteuerung kontakteinschränkender Maßnahmen erlauben.

Die einschlägigen Forschungseinrichtungen und Expertinnen und Experten der beteiligten Organisationen haben ihre Aktivitäten früh der Untersuchung des Coronavirus aus verschiedenen Fachperspektiven gewidmet und insbesondere die Autorinnen und Autoren der vorliegenden Stellungnahme werden selbstverständlich weiter an der Modellierung und deren Datengrundlage arbeiten, um die Vorhersage der Ausbreitung zu verbessern und die Entwicklung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie zu unterstützen.

Eine App für Covid-19-Studien

CoroNotes hilft mit anonymen Gesundheitsdaten, die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus besser zu verstehen

Für die Covid-19-Forschung kann CoroNotes eine große Hilfe sein. Denn mit der App lassen sich dringend benötigte Daten zu Infektionen mit Sars-CoV-2 schnell und effizient erheben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Tübingen AI Center, einer gemeinsamen Einrichtung der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme, haben die App zusammen mit Medizinern der Universitätsklinik Tübingen entwickelt. Ziel des Projekts ist es, mit freiwilligen und anonymen Angaben medizinische und wissenschaftliche Studien zum neuartigen Coronavirus zu unterstützen und damit wichtige Einblicke in die Ausbreitung und Verläufe der durch das Sars-CoV-2 hervorgerufenen Krankheit Covid-19 zu gewinnen. Die kostenlose App ist ab sofort im GooglePlay verfügbar. In Kürze wird sie auch im Apple App-Store veröffentlicht.

Das Foto zeigt verschiedene Apps auf einem Smartphone
In Kürze auch im App Store von Apple erhältlich
Stand 17.04.2020

„Mit CoroNotes haben wir eine Plattform geschaffen, die Nutzern die Möglichkeit bietet, jeden Tag an der Erforschung des Virus teilzuhaben“, sagt Bernhard Schölkopf, Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und Co-Direktor des Tübinger AI Center. Die Nutzer bleiben dabei völlig anonym. Sie brauchen täglich nur ein paar Fragen zu ihrem Gesundheitszustand und zu eventuellen Symptomen zu beantworten. Aus diesen Daten können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann Rückschlüsse auf Krankheitsverläufe ziehen, die im Zusammenhang mit Covid-19 stehen könnten. „So können alle User einen Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung dieses Virus leisten,“ sagt Schölkopf. „Wir hoffen, mithilfe der erfassten Daten zur Beantwortung wichtiger Fragestellungen beitragen zu können – beispielsweise, welche Behandlungen am wirksamsten sind, wie möglichst zuverlässige Diagnosen gestellt werden können, oder auch wie die Immunität gegen das Virus nachgewiesen werden kann.“

Hoffnung auf bessere Frühindikatoren für schwere Krankheitsverläufe

Anhand eines einfachen Fragebogens, den die Nutzerinnen und Nutzer der App täglich in weniger als einer Minute auf ihrem Smartphone oder Tablet ausfüllen, werden wichtige Informationen über die Covid-19 Pandemie gewonnen. Zum Beispiel, ob sie sich an dem jeweiligen Tag wohl fühlen oder aber Kopf- und Gliederschmerzen haben, eventuell sogar Fieber. Jeder Tag zählt, auch wenn sie sich gesund fühlen. Die Forschenden hoffen, mit den Daten bessere Frühindikatoren für schwere Krankheitsverläufe identifizieren zu können, oder geeignete Personen für medizinische Studien ansprechen zu können, die einen besonders großen Erkenntnisgewinn für den Umgang mit Covid-19 versprechen. Auch sollen die Daten helfen, Epizentren der Pandemie früher ausfindig zu machen.

Die Plattform soll in Zukunft auch anderen Forschenden und Medizinerinnen und Medizinern zur Verfügung stehen, um in Studien Hypothesen zum Beispiel zum Einfluss bestimmter Medikamente oder den Zusammenhang mit bestimmten Vorerkrankungen zu überprüfen. Dafür können bei Bedarf zusätzliche Informationen abgefragt und mit der bisher erfassten Gesundheitshistorie zusammengeführt werden. Dieses Zusammenspiel erlaubt es, bestimmte Fragestellungen innerhalb sehr kurzer Zeit beantworten zu können.

„Die Covid-19-Pandemie entwickelt sich sehr dynamisch. Damit die Wissenschaft möglichst schnell Lösungen entwickeln kann, ist die Verfügbarkeit von Daten entscheidend,“ sagt Matthias Bethge, Professor für Computational Neuroscience und Machine Learning der Universität Tübingen und Co-Direktor des Tübingen AI Center. Sein Spezialgebiet ist es, aus vielen Daten Muster und Zusammenhänge zu erkennen. „Es zählen also die Beiträge jedes Einzelnen. Daher hoffen wir, dass viele Menschen CoroNotes herunterladen und nutzen,“ so Bethge.

Nutzer teilen Daten freiwillig und bleiben anonym

Er betont: „Besonders wichtig ist uns dabei, dass die Nutzer der App keine unnötigen Daten preisgeben, die sie nicht preisgeben möchten.“ CoroNotes wird den strengen Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gerecht. Zum einen erhebt CoroNotes nur Daten von Nutzern, die sich aktiv zum Teilen gewisser Daten entscheiden – Daten werden nicht automatisch erfasst. CoroNotes ist keine Tracking- oder Tracing-App, und erfasst keine Bewegungsprofile oder Kontakte mit anderen Personen. Darüber hinaus bekommen Nutzer bei der Anmeldung ein zufällig ausgewähltes Pseudonym und müssen weder Telefonnummer noch Emailadresse angeben. Damit bleiben sie anonym und die App erhebt ausschließlich die selbst angegebenen Gesundheitsdaten. Nutzerinnen und Nutzer können jederzeit ihre eigenen Daten herunterladen oder nachträglich löschen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilen diese anonymisierten Daten mit in Europa ansässigen öffentlichen Gesundheitsorganisationen, akademischen Forschungseinrichtungen oder gemeinnützigen Organisationen – wiederum unter Einhaltung den strengen Datenschutzrichtlinien der DSGVO. Die Daten dürfen dabei ausschließlich für Forschungs- und Analyseprojekte mit direktem Bezug zu Covid-19 verwendet werden.

Bei Kälte Hautausschlag: Neue Erbkrankheit entdeckt

Hautausschläge, Kopf- und Gelenkschmerzen, sobald die Temperaturen unter 15 Grad sinken

An diesen Symptomen leiden Patientinnen und Patienten mit angeborener Kälte-Urtikaria. Eine Forschungsgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat jetzt eine bisher unbekannte Form dieser entzündlichen Hauterkrankung entdeckt. Ihre Erkenntnisse erklären, warum herkömmliche Wirkstoffe bei manchen Betroffenen nicht helfen, und zeigen, was stattdessen wirksam sein könnte. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Nature Communications*veröffentlicht.

Wenn niedrige Temperaturen juckende Quaddeln auf der Haut entstehen lassen, spricht man von Kälte-induzierter Nesselsucht (Kälte-Urtikaria). Bei vielen Patienten tritt die Erkrankung – aus bisher ungeklärten Gründen – spontan auf und ebbt nach einigen Jahren auch wieder ab. Einige wenige Betroffene jedoch erben die Krankheit von ihren Eltern. Bei ihnen sorgt ein Gendefekt dafür, dass das Immunsystem auf kalte Temperaturen reagiert. Die Folge sind nicht nur Hautausschläge, sondern auch Zeichen einer körperweiten Entzündungsreaktion, beispielsweise Fieber oder Gelenkschmerzen. Unter Leitung von Privatdozentin Dr. Karoline Krause von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Campus Charité Mitte haben Forschende jetzt eine neue erbliche Form der Kälte-Urtikaria entdeckt, die auf einer bisher unbekannten Mutation des sogenannten Faktor-XII-Gens beruht. Für die neue Erbkrankheit schlagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Namen „FACAS“ (Faktor-XII-assoziiertes Kälte-induziertes autoinflammatorisches Syndrom) vor.

„Bei uns in der Klinik hat sich eine Familie vorgestellt, in der mindestens eine Person in jeder Generation von Geburt an über dieselben Symptome klagte“, erklärt Privatdozentin Dr. Krause: „Wenn die Betroffenen eine halbe Stunde lang einer Temperatur von unter 15 Grad ausgesetzt waren, entwickelte sich ein brennender Hautausschlag, der besonders stark bei windigem und feuchtem Wetter ausgeprägt war und erst Stunden nach der Rückkehr in wärmere Räume zurückging.“ Zusätzlich beschrieben die Patientinnen und Patienten Symptome wie Schüttelfrost, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Abgeschlagenheit. Im Gegensatz zu Menschen, die eine Kälte-Urtikaria spontan entwickeln, reagierten diese Patienten jedoch nicht auf den sogenannten Eiswürfel-Test. Ihre Symptome ließen sich außerdem nicht mit Antihistaminika behandeln, die bei spontaner Kälte-Urtikaria normalerweise helfen. „Die Symptome dieser Familie wiesen eindeutig auf eine angeborene Form der Kälte-Urtikaria hin“, sagt die Dermatologin. „Wir suchten daher in der Erbinformation der betroffenen Familienmitglieder nach Mutationen, die wir bereits als Ursache für die erbliche Variante der Erkrankung kennen – allerdings vergeblich. Stattdessen fanden wir einen bisher nicht beschriebenen Defekt im Faktor-XII-Gen.“

Die Forschungsgruppe konnte zeigen, dass dieser Defekt über eine Aktivierung des sogenannten Kontaktsystems zur Freisetzung entzündlicher Botenstoffe führt – und so schließlich die Nesselsucht auslöst. „Interessanterweise kennen wir Fehler im Faktor-XII-Gen eigentlich als Ursache für eine ganz andere Erkrankung, nämlich das hereditäre Angioödem“, erklärt Privatdozentin Dr. Krause. Beim hereditären Angioödem kommt es zu anfallsartigen und sehr schmerzhaften Hautschwellungen in tiefliegendem Gewebe. „Während die FACAS-Betroffenen also über Symptome einer angeborenen Kälte-Urtikaria klagen, sind die zugrunde liegenden Mechanismen ganz andere. Deshalb kommen für diese Patientinnen und Patienten Medikamente infrage, die wir normalerweise beim hereditären Angioödem verwenden.“ Tatsächlich verschwanden bei einer FACAS-Patientin die Kälte-induzierten Symptome weitgehend, sobald ihr der Wirkstoff Icatibant verabreicht wurde, der beim hereditären Angioödem im Akutfall eingesetzt wird.

Die aktuellen Studienergebnisse könnten dazu beitragen, die Krankheitsursache in bisher ungeklärten Fällen aufzudecken: Menschen mit angeborener Kälte-induzierter Urtikaria, bei denen bisher keine Ursache für die Erkrankung gefunden werden konnte und denen herkömmliche Medikamente wie Antihistaminika nicht helfen, können sich auf FACAS genetisch untersuchen lassen. „Zusätzlich planen wir eine kleine klinische Studie, um zu untersuchen, ob der Wirkstoff Lanadelumab den uns bekannten erwachsenen FACAS-Betroffenen nachhaltig Linderung verschafft“, erläutert die Studienleiterin. Lanadelumab ist ein Antikörper, der nicht nur im Akutfall, sondern auch über einen längeren Zeitraum beim hereditären Angioödem verabreicht werden kann.

*Scheffel et al. Cold-induced urticarial autoinflammatory syndrome related to factor XII activation. Nat Commun 11, 179 (2020). https://doi.org/10.1038/s41467-019-13984-8

Mayo Clinic entwickelt Test zur Erkennung einer COVID-19-Infektion

Kürzere Bearbeitungszeiten für SARS-CoV-2-Testergebnisse

Dies ist eine Pressemitteilung der Mayo Clinic 

ROCHESTER, Minnesota (USA) ― Mayo Clinic hat einen Test entwickelt, mit dem das SARS-CoV-2-Virus in klinischen Proben erkannt werden kann. Das SARS-CoV-2-Virus verursacht COVID-19.

Der Test „Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus-2 (SARS CoV-2), Molecular Detection“ (Molekulare Erkennung des schweren akuten respiratorischen Syndroms Coronavirus-2 [SARS CoV-2]) wurde in vollem Umfang validiert. Die Testdaten werden bei der Food and Drug Administration (FDA) zur Prüfung und für die Zulassung für die Anwendung in Notfallsituationen eingereicht.

„Dieser Test sollte dazu beitragen, die derzeit sehr stark belasteten „Centers for Disease Control and Prevention“ (Zentren zur Krankheitskontrolle und Vorbeugung) sowie die Laboratorien in öffentlicher Hand zu unterstützen“ sagt William Morice II, M.D., Ph.D., President der Mayo Clinic Laboratories. „Wir tun alles, um in diesen Zeiten die Belastung zu mindern und Patienten hier in Rochester und auf der ganzen Welt mit Antworten zur Seite zu stehen.“

Mit dem Echtzeit-Polymerase-Kettenreaktionstest (PCR) kann SARS-CoV-2 aus verschiedenen klinischen Proben identifiziert werden. Das PCR-Assay wurde für Testzwecke von respiratorischen Proben validiert, die Patienten mit einem Verdacht auf COVID-19 entnommen wurden, einschließlich nasopharyngealen Abstrichen, Sputum- und Rachenabstrichen, bronchoalveolären Lavagen und BAL-Proben.

Mayo Clinic befolgt die empfohlenen Richtlinien des CDC (Center for Disease Control and Prevention) für das Testen auf SARS-CoV-2, sodass US-amerikanische Gesundheitsdienstleister die Tests direkt an die Mayo Clinic senden können. Bestehenden Kunden von Mayo Clinic Laboratories wird das SARS-CoV-2-Assay in den USA und im Ausland angeboten.

Kürzere Bearbeitungszeiten für SARS-CoV-2-Testergebnisse

„Eine Person kann die Ergebnisse ihres SARS-CoV-2-Tests nun bereits innerhalb von 24 Stunden erhalten“, so Matthew Binnicker, Ph.D., ein klinischer Mikrobiologe und Direktor des Clinical Virology Laboratory (Klinisches Virologielabor) bei der Mayo Clinic in Rochester.

Durch die Zusammenarbeit mit Klinikern bei der Mayo Clinic und mit Gesundheitsdienstleistern weltweit stellen die subspezialisierten Labore der Mayo Clinic eine kritische Komponente der Patientenpflege dar. „Wir haben die fachliche Erfahrung, Tests wie diesen zu erstellen, und wir verstehen es als unsere Verpflichtung, das CDC und die öffentlichen Gesundheitslabore in diesen Zeiten zu entlasten“ sagte Dr. Binnicker.

Mayo Clinic steht in engem Kontakt mit Mitarbeitern des Minnesota Department of Health (Gesundheitsministerium des US-Bundesstaates Minnesota) und des CDC. Alle positiven Proben werden zwecks angemessener Nachtests und Bestätigung an das Minnesota Department of Health oder das CDC gesendet. Die Ergebnisse werden dann gemäß der jeweiligen Richtlinien an die öffentlichen Gesundheitsbehörden weitergeleitet.

Was Gesundheitsdienstleister wissen müssen

Laut CDS sind die am häufigsten auftretenden Symptome von COVID-19 Fieber, Husten und Atemnot. Der Schweregrad der COVID-19-Symptome erstreckt sich von leicht bis schwerwiegend. Der Zeitraum zwischen dem Kontakt mit dem COVID-19-Virus und dem Einsetzen von Krankheitssymptomen beträgt in der Regel zwischen zwei Tagen und zwei Wochen.

Weitere Informationen zu COVID-19

Es ist derzeit nicht geklärt, wie ansteckend COVID-19 tatsächlich ist. Es scheint sich zwischen Personen, die in nahem Kontakt zueinander stehen, auszubreiten. Es kann sich durch Tröpfchen beim Husten oder Niesen einer angesteckten Person verbreiten. Es gibt keinen Impfstoff gegen COVID-19.

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Immunwächter im menschlichen Gehirn neu vermessen

Verschiedenste Erscheinungsformen von Immunzellen im menschlichen Gehirn erstmalig identifiziert

Besondere Subform der Immunwächter bei Hirntumoren entdeckt / Studie im Fachmagazin Nature Neuroscience erschienen

Einzelzellanalyse von Mikrogliazellen: Jeder Punkt zeigt eine Zelle und die Farben signalisieren verschiedene Gruppen von Mikrogliazellen, wie sie im menschlichen Gehirn vorkommen.
Bildrechte: Roman Sankowski / Universitätsklinikum Freiburg
Einzelzellanalyse von Mikrogliazellen: Jeder Punkt zeigt eine Zelle und die Farben signalisieren verschiedene Gruppen von Mikrogliazellen, wie sie im menschlichen Gehirn vorkommen.
Bildrechte: Roman Sankowski / Universitätsklinikum Freiburg

Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg, des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie und Epigenetik Freiburg sowie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, hat das hirneigene Immunsystem des Menschen im gesunden und erkrankten Gehirn neu vermessen. Dabei fanden die Forscherinnen und Forscher überraschend viele unterschiedliche Erscheinungsformen von Immunzellen, Mikroglia genannt. Mit neuartigen, hochauflösenden Techniken untersuchte das Team aus Freiburg und Berlin die Bausteine und den Stoffwechsel einzelner Immunzellen im Hirngewebe. So wiesen sie detailliert nach, wie sich das menschliche Immunsystem bei Hirntumoren verändert, was für zukünftige Therapieansätze von Bedeutung sein dürfte. Die Studie erschien am 18. November 2019 im Fachmagazin Nature Neuroscience

„Wir waren sehr überrascht zu sehen, in wie vielen unterschiedlichen Erscheinungsformen Mikrogliazellen im menschlichen Gehirn zu finden sind. Der Zustand der Zellen wird offensichtlich stark durch Faktoren wie Altern, Tumoraktivität und umgebende Zellen beeinflusst“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Marco Prinz, Ärztlicher Direktor des Instituts für Neuropathologie am Universitätsklinikum Freiburg und Mitglied im Exzellenzcluster CIBBS – Centre for Integrative Biological Signalling Studies der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. „Die Vielfalt der Immunzellen eröffnet neue Therapieansätze gegen Hirntumoren oder neurodegenerative Erkrankungen“, fasst Prinz zusammen. Für ihre Studie werteten die Forscher Gewebeproben von 15 Patienten aus, bei denen aufgrund einer Epilepsie oder eines Tumors Hirngewebe entnommen werden musste. Frühere Studien an Nagergehirnen waren zu dem Schluss gekommen, dass Mikroglia nur wenige unterschiedliche Aktivitätszustände einnehmen können. 

Mikroglia, die Immunwächter im Gehirn, übernehmen während der Hirnentwicklung wie auch im gesunden und kranken Erwachsenengehirn viele verschiedene Aufgaben, von der Ernährung bis hin zur Gewebereparatur. In den letzten Jahren wird diesen hirneigenen Immunwächtern zunehmend auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung zahlreicher degenerativer Hirnerkrankungen wie Alzheimer, Parkinson aber auch bei entzündlichen Erkrankungen wir Multipler Sklerose und bei Hirntumoren zugeschrieben. Daher sind Wissenschaftler weltweit sehr daran interessiert, Mikrogliazellen detaillierter zu verstehen, um diese zukünftig gezielt therapeutisch verändern zu können.

Eine Manege voll von verschiedenen Immunwächtern bei Hirntumoren

Detailliert verglichen die Forscher um Prinz und Dr. Dominic Grün, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, gemeinsam mit den Erstautoren der Studie, Dr. Roman Sankowski vom Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Freiburg, und Dr. Chotima Böttchervon der Charitè  Universitätsmedizin Berlin, die unterschiedlichen Zustände der Mikrogliazellen in menschlichen Hirntumoren. Bislang wurde angenommen, dass es vor allem im Blut zirkulierende Immunzellen sind, die in Hirntumoren zu finden sind. Sankowski konnte zeigen, dass es im Hirntumorgewebe speziell aktivierte hirneigene Mikrogliazellen gibt. Diese Zellen unterscheiden sich von anderen Mikroglia in zellulärer Ausstattung und Zellstoffwechsel. „Wir haben die Hoffnung, dass jetzt neue zellspezifischere und nebenwirkungsarme Therapieansätze entwickelt werden können, mit denen sich Tumorerkrankungen besser behandeln lassen“, sagt Sankowski.

Mit Laser und Molekularanalyse die Zelle erforschen

Die Untersuchung wurde dank neu entwickelter Einzelzell-Analysen (englisch single cell analyses) möglich. Damit ermittelten die Forscher anhand von RNA-Analysen die Genaktivität und mittels Lasermessung die Proteinausstattung einzelner aus dem Hirngewebe extrahierter Zellen. „Mit diesen Methoden erhalten wir ein wesentlich präziseres zelluläres Bild von sehr komplexen Geweben wie dem Hirn und darin stattfindende Veränderungen“, sagt Grün einer der Entwickler dieser Technik. „Deshalb dürften die Methoden ein enormes Potenzial für die medizinische Diagnostik haben“, so Grün.

Bildunterschrift: Einzelzellanalyse von Mikrogliazellen: Jeder Punkt zeigt eine Zelle und die Farben signalisieren verschiedene Gruppen von Mikrogliazellen, wie sie im menschlichen Gehirn vorkommen. 
Bildrechte: Roman Sankowski / Universitätsklinikum Freiburg

Originaltitel der Studie: Mapping microglia states in the human brain through the integration of high-dimensional techniques.

DOI: 10.1038/s41593-019-0532-y

Link zur Studie: https://www.nature.com/articles/s41593-019-0532-y

Sorgen Schlafstörungen für Gefühlschaos?

Ob Menschen mit Schlafstörungen ihre Gefühle schlechter regulieren können als Normalschläfer, untersuchen Forscher des Universitätsklinikums Freiburg in einer Studie / Teilnehmer gesucht

Verarbeiten Menschen mit chronischen Schlafstörungen Emotionen anders als Gesunde? Da Menschen mit Schlafproblemen öfter an Depressionen erkranken, ist diese Frage besonders relevant. Nun wird sie erstmals im Rahmen einer Studie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg erforscht. Dafür werden jetzt Probanden mit und ohne Schlafstörungen gesucht. Bei den Teilnehmern wird fünf Tage lang die körperliche Aktivität gemessen und der Gemütszustand erfragt. Am Ende der Woche wird die Gefühlsregulation der Probanden noch einmal im Labor in Freiburg untersucht. Dafür müssen sie kurze Filmsequenzen ansehen und bewerten, eine Übernachtung im Schlaflabor ist nicht nötig. Die Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung von 150 Euro, Fahrtkosten können nicht erstattet werden. Die Studie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.

„Sollte sich bestätigen, dass Menschen mit Schlafstörungen ihre Gefühle schlechter regulieren können, könnte man den Betroffenen mit einer passenden Therapie gezielt helfen“, sagt Prof. Dr. Dieter Riemann, Leiter der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychophysiologie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Bislang gibt es keine Studien zur Frage, ob Betroffene mit Schlaflosigkeit andere Strategien der Gefühlsregulation als gesunde Schläfer nutzen. Die Arbeitsgruppe von Riemann, in der die Studie durchgeführt wird, erforscht seit mehr als 20 Jahren Diagnostik, Verbreitung, Ursachen und therapeutische Möglichkeiten bei Schlaflosigkeit.

Nach einer Voruntersuchung zur Überprüfung des Gesundheitszustands erhalten die Probanden einen Brustgurt, der die Bewegungsaktivität, den Schlaf-Wach-Rhythmus sowie die Herzfrequenz registriert. „Mit einer Smartphone-App befragen wir die Probanden außerdem zu vier zufälligen Zeitpunkten zu ihrem Gemütszustand“, sagt Studienleiterin Dr. Chiara Baglioni, Wissenschaftlerin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Am Ende der Woche werden bei den Probanden physiologische Reaktionen wie Herzaktivität, Hirnströme und Gesichtsmimik gemessen, während sie emotionale Filmsequenzen betrachten; zunächst ohne und dann unter Verwendung einer zuvor erlernte Strategie zur Emotionsregulation.

Teilnehmen können Männer und Frauen ab 18 Jahren, die gute oder schlechte Schläfer sind. Eine Psychotherapie sollte innerhalb der letzten 3 Jahre nicht stattgefunden haben. Interessenten an dieser am Universitätsklinikum Freiburg durchgeführten Studie können sich für weitere Informationen bei Dr. Chiara Baglioni per E-Mail an schlafstudie@uniklinik-freiburg.de oder telefonisch unter: 0761 270-65891 melden.