Archiv des Autors: Patientenkompetenzteam

„Project One World“ erhält den Freiburger Integrationspreis 2020

Das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg bietet maßgeschneiderte und individuelle Deutschsprachkurse für Patient*innenfamilien, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind

Am Freitag, 4. Dezember 2020 wurde das „Project One World“ des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg mit dem Integrationspreis der Stadt Freiburg ausgezeichnet. Seit 2019 bietet das Projekt maßgeschneiderte Sprachkurse für Eltern, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und deren Kinder mit schweren akuten oder chronischen Erkrankungen im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin behandelt werden. Viele der Eltern haben bedingt durch die Krankheit ihres Kindes keine Möglichkeit, anderweitig einen Deutschkurs zu besuchen. Im „Project One World“ vermitteln ihnen professionelle Deutschlehrer*innen die nötigen Sprachkenntnisse, um in Alltagssituationen in der Klinik kommunizieren zu können. Derzeit findet der Unterricht ausschließlich online statt.  „Wir erhalten regelmäßig positive Rückmeldungen von den Eltern, die für diese unkomplizierte Unterstützung sehr dankbar sind“, berichten Kunsttherapeutin Wendy Zähringer-Hardy und Sozialpädagogin Kerstin Handloser vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin,die das mit Spenden unterstützte Projekt entwickelt haben und leiten.

Sprache als Schlüssel zur Genesung

Im Klinikalltag ist die Sprachbarriere bei Patient*innen und ihren Familien seit vielen Jahren eine große Herausforderung. Nicht zuletzt Familien mit Fluchterfahrung benötigen besondere Unterstützung, wenn sie zusätzlich zu traumatisierenden Erlebnissen in ihrer Heimat und auf der Flucht auch noch mit der Erkrankung eines Kindes umgehen müssen. „Die Sprache ist ein wichtiger Schlüssel zur Genesung, zu einer gelingenden Beziehung zwischen Patient*in und Behandler*in“, sagt Prof. Dr. Charlotte Niemeyer, Ärztliche Direktorin der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Freiburg. „Nur wenn ich meine Patient*innen und ihre Angehörigen verstehe, kann ich ihre Geschichte einordnen und das nötige Vertrauen entwickeln, um auch schwierige Phasen in einer Behandlung gemeinsam durchzustehen.“

Vielfältige Unterstützungsangebote

Die große Sprachenvielfalt im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin zeigte sich bereits 2016 in einer an drei unterschiedlichen Tagen durchgeführten Erhebung: 32 Prozent der Eltern hatten Deutsch nicht als Muttersprache erlernt, 15 Prozent hatten so geringe Deutschkenntnisse, dass eine verbale Kommunikation im Klinikalltag nur mithilfe von Dolmetscher*innen möglich war. Insgesamt wurden 36 verschiedene Sprachen als Muttersprache von Eltern und behandelten Kindern angegeben. Dieser Sprachenvielfalt trägt das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Rechnung, indem im Klinikalltag häufig Präsenzdolmetscher*innen eingesetzt werden. „Für die Behandlungsqualität und die Sicherheit unserer Patient*innen ist es sehr wichtig, dass wir rechtzeitig Dolmetschunterstützung einschalten“, weiß PD Dr. Torsten Langer, Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums am Universitätsklinikum Freiburg. „Selbst wenn jemand bei Alltagsgesprächen gut zurecht kommt, kann das nötige Vokabular für Gespräche über medizinische Inhalte fehlen. Dessen müssen wir uns als Behandelnde bewusst sein.“

Präsenzdolmetscher*innen können jedoch nur geplant eingesetzt werden. Im klinischen Alltag ist der nötige Vorlauf oft nicht möglich. Wenn ein Kind nachts plötzlich Bauchschmerzen bekommt, müssen sich Pflegende, Kind und Eltern schnell verständigen können. Dafür wurde 2016 als Ergebnis des Kooperationsprojekts „Fit für den Umgang mit Vielfalt im Krankenhaus“ zwischen der Stadt Freiburg und dem Universitätsklinikum ein zusätzlicher Videodolmetschdienst eingerichtet. Seitdem können rund um die Uhr ausgebildete Dolmetscher*innen per Video ins Behandlungszimmer dazugeschaltet werden. „Das Project One World ist nun ein weiterer Baustein, um die Kommunikation mit den Eltern unserer kleinen Patientinnen und Patienten zu erleichtern“, erläutert Niemeyer. „Die Auszeichnung mit dem Integrationspreis der Stadt Freiburg ist eine tolle Anerkennung für unser stetiges Engagement, um sprachliche Differenzen zu überwinden.“

Computeralgorithmus erlaubt präzisere Brustchirurgie

Methode ermöglicht natürlicheres Ergebnis nach Brustkrebs-OP

Forscher des Universitätsklinikums Freiburg haben ein neues Verfahren entwickelt, mit dem das Brustvolumen vor einer Operation besser als bisher ermittelt werden kann

Bei Patientinnen, bei denen aufgrund von Brustkrebs ein Teil oder das gesamte Brustgewebe entfernt werden musste, stellt der plastisch-chirurgische Wiederaufbau der Brust einen integralen Bestandteil der Behandlung dar. Um ein möglichst natürliches Aussehen zu erreichen, sollte sich das Volumen der gesunden und der rekonstruierten Brust möglichst gleichen. Nun haben Ärzte des Universitätsklinikums Freiburg ein neues Computermodell entwickelt, mit dem das Volumen der Brüste wesentlich präziser als bisher ermittelt werden kann. Dadurch können die Ärzte die Operation besser planen, der Eingriff dauert kürzer und das Ergebnis entspricht noch mehr einem natürlichen Aussehen. Die zugrundeliegende Studie erschien am 25. November 2020 im Fachmagazin PLOS One.

„Für viele Frauen ist es ein wichtiger Schritt, nach einer Brustkrebsbehandlung wieder ihr natürliches Aussehen zurückzugewinnen. Mit der neuen Methode können wir diesen Wunsch noch besser erfüllen“, sagt PD Dr. Filip Simunovic, Oberarzt an der Klinik für Plastische und Handchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg. Aber auch Frauen mit Fehlbildungen der Brüste oder mit Brüsten ungleicher Größe können von dem Verfahren profitieren.

Um das Volumen zu schätzen, wird ein 3D-Streifenlichtoberflächenscan der Brüste gemacht. Bisher war es allerdings lediglich ungenau möglich, aus diesem 3D-Datensatz das Volumen präzise zu berechnen, weil die hintere Begrenzung der Brust, die Brustwand, im 3D-Scan nicht erfasst wird.

Dieses Problem konnte Michael Göpper im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Klinik für Plastische und Handchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg lösen. Er etablierte eine Methode, welche auf statistischen Formenmodellen beruht und eine Schätzung der Brusthinterwand ermöglicht. „Mit Hilfe dieser Methode erhalten wir eine zuverlässige und präzise Messung des Brustvolumens bei unseren Patientinnen“, sagt Prof. Dr. Björn Stark, Ärztlicher Direktor der Klinik für Plastische und Handchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg. „Mit der Veröffentlichung können jetzt plastische Chirurgen weltweit das Verfahren einsetzen und so das Behandlungsergebnis der Patientinnen verbessern“, so Stark.

Originaltitel der Studie: Improved accuracy of breast volume calculation from 3D surface imaging data using statistical shape models

DOI: 10.1371/journal.pone.0233586

Link zur Studie: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0233586

Nachrichten aus dem Vereinigten Königreich zur Impfstoff-Zulassung

BioNTech und Pfizer erhalten für ihren Impfstoff gegen COVID-19 erste Zulassung im Vereinigten Königreich
Heute haben die beiden Unternehmen BioNTech und Pfizer für ihren mRNA-basierten COVID-19-Impfstoffkandidaten BNT162b2 eine Notfallzulassung erhalten. Die Zulassung wurde von der britischen Arzneimittel-Agentur Medicines and Healthcare products Regulatory Agency erteilt und gilt für das Vereinigte Königreich. Dazu erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek:

„Wir haben heute Morgen eine wichtige Nachricht erhalten. Der erste Impfstoff gegen COVID-19 ist in Großbritannien zugelassen worden. Es ist der mRNA-basierte Impfstoff von BioNTech und Pfizer. BioNTech wird aktuell durch das Bundesforschungsministerium zur Beschleunigung seiner Forschung und Entwicklung von Impfstoffen gegen COVID-19 mit insgesamt 375 Millionen Euro gefördert.

Bei der Entscheidung der britischen Regulierungsbehörde handelt es sich um eine sogenannte Notfallzulassung auf Grundlage des britischen Rechts. Die heutige Entscheidung ist keine Entscheidung für Europa. Aber die Genehmigungsbehörde in Großbritannien hat ebenfalls strenge Maßstäbe, wie wir wissen. Und dennoch unterscheidet sich das Recht.

Insofern kann ich sagen: Diese Notfallzulassung ist sicher ein weiteres positives Zeichen für die Entwicklung eines Impfstoffs, der in absehbarer Zeit auch in Deutschland eingesetzt werden könnte. Die Prüfungen der Europäischen Arzneimittel-Agentur über die Zulassung in Europa laufen ja bereits. Der Antrag auf Zulassung ist von BioNTech und Pfizer auch dort gestellt.

Wir sollten nun das Genehmigungsverfahren durch die Europäische Arzneimittel-Agentur in Ruhe abwarten. Die Agentur hat gestern angekündigt bis zum 29. Dezember über eine Zulassung zu entscheiden. Am 11. Dezember soll es eine öffentliche Anhörung geben.

Es ist mir wichtig zu sagen: Der Impfstoff muss sicher und wirksam sein. Dies muss für Europa und damit auch für Deutschland in dem hier üblichen Verfahren festgestellt werden. Wir haben immer betont, dass auch im Fall eines COVID-19-Impfstoffes keine gesonderten Abkürzungen vorgenommen werden. An den üblichen Anforderungen an einen Impfstoff werden keine Abstriche gemacht.

Nur so können wir das Vertrauen in der Bevölkerung in den Impfstoff weiter ausbauen. Die Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs muss gewährleistet sein und ich bin mir sicher: Sie wird gewährleistet sein!“

Hintergrund:

Zur Beschleunigung der Impfstoffentwicklung gegen SARS-CoV-2 ist vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein nationales Sonderprogramm aufgelegt werden. Hiermit sowie mit weiteren Fördermaßnahmen zur Erforschung von COVID-19 reagierte das BMBF unmittelbar auf die Fragestellungen des Umgangs und der Bekämpfung von COVID-19.

Mit dem Sonderprogramm werden gefördert:

  • die klinische Impfstoffentwicklung der Phasen I-III,
  • die frühzeitige Ausweitung der Produktions- und Abfüllkapazitäten,
  • die Ausweitung der Kapazitäten der klinischen Prüfung in Deutschland.

Geförderte Projekte, Fördersummen (gerundet)

Der Screenshot zeigt die von der Bundesregierung geförderten Covid-19-Impfstoff-Projekte

Analyse zu Notfällen in der ersten Lockdown‐Phase: Mehr Todesfälle bei Schlaganfall‐Patienten

Qualitätsmonitor 2020: Keine Hinweise auf verminderte Qualität der stationären Notfallbehandlung im Frühjahr

Bereits im Juni hatte das WIdO über alarmierende Rückgange von Herzinfarkt‐ und Schlaganfall‐Patienten während der ersten Lockdown‐Phase berichtet. Die aktuellen Auswertungen bestätigen nun: Im Frühjahr 2020 ist insbesondere die Zahl von Notfall‐Patienten mit leichten oder unspezifischen Symptomen zurückgegangen. So wurden wegen einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA), bei der es für höchstens 24 Stunden zu Schlaganfall‐Symptomen kommt, 35 Prozent weniger Patienten behandelt als im Vorjahr. Demgegenüber gingen die Behandlungen schwerer, durch Hirninfarkt oder Hirnblutung ausgelöster Schlaganfälle im gleichen Zeitraum um 15 Prozent zurück

Besonders starker Fallzahl‐Rückgang bei Notfällen mit leichteren Symptomen

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Herzinfarkt. Die Zahl der Behandlungen von schweren Herzinfarkten mit komplettem Verschluss eines großen Herzkranzgefäßes und charakteristischen EKG‐Veränderungen (STEMI) ist im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 24 Prozent zurückgegangen. Stärker ausgeprägt war der Rückgang mit minus 29 Prozent bei sogenannten NSTEMI, also leichteren Herzinfarkten, bei denen die Gefäße oft nicht komplett verschlossen sind und die damit geringere Schäden am Herzen verursachen. Dazu Jürgen Klauber: „Die Angst vor einer Covid‐19‐Infektion könnte gerade Patienten mit leichteren Beschwerden davon abgehalten haben, sich ins Krankenhaus zu begeben. Diese Sorge muss den Patienten genommen werden, denn bei der Behandlung von Herzinfarkt und Schlaganfall zählt wirklich jede Minute.“

Die Grafik zeigt den Rückgang stationärer Behandlungsfälle bei Schlaganfall und Herzinfarkt

Schlaganfall: mehr Komplikationen und höhere Sterblichkeit

Trotz der deutlichen Fallzahl‐Rückgänge stieg die Zahl der Patienten, die innerhalb von 30 Tagen nach einem

Hirninfarkt oder einer Hirnblutung verstarben, von 714 im Frühjahr 2019 auf 740 im Frühjahr 2020 (Abbildung 2). Dieser Anstieg ist nicht durch Covid‐19‐Patienten erklärbar, denn diese wurden bei der Betrachtung der Sterblichkeit nicht berücksichtigt. Besonders ins Auge fällt der Sterblichkeits‐Unterschied bei den Frauen über 80 Jahren: Während der ersten Lockdown‐Phase vom 16. März bis zum 5. April 2020 starben in dieser Altersgruppe 368 Frauen innerhalb von 30 Tagen, ein Jahr zuvor waren es im Vergleichszeitraum nur 327 Frauen. Der genauere Blick auf die Schlaganfall‐Behandlungen aus der ersten Lockdown‐Phase zeigt zudem: Die Patienten mit Hirninfarkt oder Hirnblutung, die in dieser Phase in den Kliniken ankamen, wiesen im Schnitt signifikant häufiger halbseitige Lähmungen sowie Sprechstörungen und Schluckbeschwerden auf. „In der aktuellen Situation kann man angesichts dieser Ergebnisse aus der ersten Infektionswelle nur an die Menschen appellieren: Wählen Sie den Notruf und lassen Sie sich im Krankenhaus behandeln, wenn Sie Symptome eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls haben“, betont Klauber. „Die Gefahr einer Infektion im Krankenhaus ist sicher wesentlich geringer als die Folgen eines nicht oder zu spät behandelten Herzinfarktes oder Schlaganfalls.“

Zügigere Interventionen und kürzere Verweildauern

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Analyse für den Qualitätsmonitor: Die Notfallversorgung im Krankenhaus hat in der Frühphase der Pandemie unverändert funktioniert und die Behandlungsprozesse in der Klinik liefen zum Teil schneller. Wichtige – und zeitkritische – Behandlungen zur Wiedereröffnung verschlossener Blutgefäße fanden im Frühjahr 2020 bei einem höheren Anteil von Herzinfarkt‐ und Hirninfarkt‐Patienten bereits am Tag der Klinikeinweisung statt (Abbildung 3). „Der Grund hierfür sind möglicherweise die besseren Anfahrts‐ und Transportbedingungen für den Rettungsdienst in der Lockdown‐Phase, aber auch die frei gewordenen Kapazitäten für solche dringlichen Eingriffe aufgrund der Absage vieler planbarer Operationen“, vermutet Klauber. Die durchschnittliche Liegedauer war sowohl bei Schlaganfällen als auch bei Herzinfarkten signifikant kürzer als 2019. „Insgesamt haben wir keine Hinweise auf eine verminderte Qualität der stationären Notfallbehandlung im Frühjahr gefunden, sondern im Gegenteil eher schnellere und glattere Prozesse“, betont Klauber. 

Notfälle landen zu oft in Kliniken mit mangelhafter Ausstattung

Auch während der Pandemie bestand allerdings weiter das Problem, dass Patienten in Kliniken ohne die von medizinischen Fachgesellschaften empfohlene Ausstattung zur Behandlung von Schlaganfall und Herzinfarkt aufgenommen wurden. Insgesamt 13 Prozent der Patienten mit Hirninfarkt oder Hirnblutung wurden im Betrachtungszeitraum des Lockdowns in einer Klinik ohne eine spezielle Schlaganfallstation (Stroke Unit) versorgt. Im Jahr 2018 betraf dies 17 Prozent der Patienten, wie eine vertiefende Auswertung zur Behandlungsstruktur deutscher Kliniken im „Qualitätsmonitor 2020“ zeigt. Besonders ausgeprägt war das Problem im Viertel der Kliniken mit den wenigsten versorgten Patienten (unter 20 pro Jahr). 99 Prozent dieser Kliniken verfügten nicht über eine

Stroke Unit.  Ein ähnliches Bild zeigt sich für den Herzinfarkt. Während der ersten Pandemie‐Phase wurden sieben Prozent aller STEMI‐ und NSTEMI‐Patienten in Kliniken ohne Herzkatheterlabor behandelt, das für die Versorgung von akuten Herzinfarkten der Standard sein sollte. Die Analyse für das Jahr 2018 zeigt, dass zehn Prozent aller Herzinfarkte in Kliniken ohne Herzkatheterlabor versorgt wurden. Von dem Problem betroffen waren knapp

21.000 Herzinfarkt‐Patienten. Auch hier fehlten adäquate Strukturen zur Akutversorgung von Herzinfarkt‐Patienten insbesondere im Viertel der Kliniken mit den wenigsten Behandlungsfällen (unter 25 pro Jahr). Insgesamt 87 Prozent dieser Kliniken verfügten nicht über ein Herzkatheterlabor (Abbildung 4). „Die Ergebnisse bestätigen den Befund früherer Auswertungen“, so WIdO‐Geschäftsführer Jürgen Klauber. Sein Fazit: „Wir brauchen eine stärkere Konzentration der Notfallversorgung auf Kliniken mit entsprechender Ausstattung und Erfahrung. Dieses Problem besteht unabhängig von der Covid‐19‐Pandemie weiter.“

Klinikliste mit Qualitätskennzahlen zu drei Notfall‐Behandlungen

Die aktuelle Ausgabe des Qualitätsmonitors vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO), der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) und dem Verein Gesundheitsstadt Berlin liefert für die drei Notfall‐Indikationen Herzinfarkt, Schlaganfall und Hüftfrakturen detaillierte Daten zu Fallzahlen und Qualitätskennzahlen der deutschen Krankenhäuser. In einer Klinikliste werden die Ergebnisse von insgesamt 1.576 Krankenhäusern bundesweit dargestellt, in denen 2018 eine dieser Behandlungen dokumentiert worden ist. Außerdem beleuchtet der Sammelband weitere Aspekte des Schwerpunkt‐Themas „Notfallversorgung“. Unter anderem geht es im Qualitätsmonitor um die Defizite bei der Digitalisierung der Notfallversorgung in Deutschland. Einheitliche Systeme zur digitalen Unterstützung des Rettungsdienstes wie das Programm IVENA (Interdisziplinärer Versorgungsnachweis), das bisher in 75 der über 200 Leitstellen zur Zuweisung in rund 500 Kliniken implementiert ist, können die medizinische Versorgung aus Sicht der Autoren nachhaltig verbessern.

Mehr Informationen zum „Qualitätsmonitor 2020“ und Link zum E‐Book: https://wido.de/publikationen‐produkte/buchreihen/qualitaetsmonitor/2020/

Wegweiser zur Robotik für Menschen mit Behinderung (DigitalDialog)

Live-Start der interaktiven Webseite zur Mensch-Roboter-Kollaboration

Die Zusammenarbeit mit Leichtbau-Robotern war für Menschen mit Behinderung lange Zeit tabu. Unklar war unter anderem, wie die Sicherheit angesichts unterschiedlichster Einschränkungen durch Behinderung gewährleistet werden kann. Das Projekt AQUIAS hat nun seine Erkenntnisse zur Einführung von Mensch-Roboter-Kollaboration in einem Wegweiser für Werkstätten für Menschen mit Behinderung und Inklusionsunternehmen zusammengefasst. Eine interaktive Webseite stellt die Ergebnisse unterhaltsam dar und wird im DigitalDialog freigeschaltet

Die Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) galt bisher als »Wissenschaft für sich«, die komplexe technische, rechtliche und arbeitsgestalterische Expertise erfordert. Damit auch Einsteiger*innen aus der Inklusionsbranche schnell einen Überblick über die relevanten Erfolgsfaktoren gewinnen, hat das Projektteam von »AQUIAS« Handlungsempfehlungen zur Mensch-Roboter-Kollaboration veröffentlicht.

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Warum sich ein Beitragsentlastungstarif für die private Krankenversicherung nicht lohnt

Verbraucherzentrale rät von Zusatztarifen ab

Mehrere Versicherungsunternehmen haben angekündigt, ihre Beiträge für private Krankenversicherungen (PKV) zum 1. Januar 2021 deutlich zu erhöhen. Manche Privatversicherte werden durch die hohen monatlichen Prämien in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Insbesondere ältere Menschen sind davon betroffen. Mit sogenannten Beitragsentlastungstarifen, die die Krankenversicherer ihren Kunden anbieten, sollen sich Versicherte vor den Beitragssteigerungen im Alter schützen können. Die Patientenberatung der Verbraucherzentrale Hamburg rät vom Abschluss solcher Zusatztarife ab.

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Immunologisches Gedächtnis nach ausgeheilter Sars-CoV-2-Infektion

Erkenntnisse machen Hoffnung für Impfstoff-Entwicklung

Studie von Wissenschaftler*innen des Universitätsklinikums Freiburg in Nature Medicine erschienen

Bisher war unklar, ob eine überstandeneSARS-CoV-2-Infektion beziehungsweise eine COVID-19-Erkrankung zu einem anhaltenden immunologischen Gedächtnis führt und dies somit vor einer erneuten Infektion schützen kann. So hatten mehrere Studien gezeigt, dass SARS-CoV-2-spezifische Antikörper bei vielen Menschen mit überstandener COVID-19-Erkrankung nur über wenige Monate nachweisbar sind und daher möglicherweise auch nur einen zeitlich begrenzten Schutz vor einer erneuten Infektion bieten können. Ein Forscherteam am Universitätsklinikum Freiburg um Dr. Maike Hofmann, Dr. Christoph Neumann-Haefelin und Prof. Dr. Robert Thimme konnte jetzt zeigen: Nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion werden Immunzellen gebildet, die im Körper erhalten bleiben und bei einer erneuten Infektion eine schnelle Immunantwort vermitteln könnten. Die Freiburger Studie wurde am 12. November 2020 in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.

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Seele, Körper und Geist im Fokus

Psychosomatisches Dienstagskolloquium „Seele – Körper – Geist“ des Universitätsklinikums Freiburg startet am 10. November 2020

Interessierte können sich bei der Online-Vortragsveranstaltung über verschiedene Themen aus der Psychosomatik informieren

Wie hängen Seele, Körper und Geist zusammen? Diese übergeordnete Fragestellung verbindet die Vorträge des Psychosomatischen Dienstagskolloquiums der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Unter anderem stehen in diesem Jahr die Themen „Klima, Psyche und Psychotherapie“, „Empathie und Achtsamkeit“ und „Hypnosystemische Psychosomatik: Wie der Organismus und Symptome für die Gesundung genutzt werden können“ im Fokus.

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Digitalisierung und Homeoffice

DAK-Gesundheitsreport 2020 erschienen

Titelseite des DAK Gesundheitsreports 2020

05.11.2020 In der Corona-Krise wurde die Bedeutung der Dienstleistungsarbeit besonders in den systemrelevanten Bereichen in unserer Gesellschaft erstmalig mit anderen Augen wahrgenommen. Die Dienstleistungsarbeit, die oft personenbezogen ist, bringt schon in normalen Zeiten Belastungen ganz eigener Art mit sich. Was bedeutet der ständige Umgang mit Kund*innen, Klienten*innen und Patienten*innen für die Beschäftigten? Inwiefern gehen bestimmte Belastungen und Anforderungen mit personenbezogener Dienstleistungsarbeit einher? Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat es, wenn Beschäftigte sich hohen Erwartungen und häufiger Kritik ausgesetzt sehen? 

Der „DAK-Gesundheitsreport 2020“ analysiert erstmalig aus einer gesundheitlichen Perspektive und mit den Daten einer Krankenkasse zur Arbeitsunfähigkeit und ambulanten Versorgung solche Beanspruchungen und deren Folgen.
Für die Untersuchung hat das IGES Institut in Berlin die Daten von 2,4 Millionen erwerbstätigen DAK-Versicherten ausgewertet. Zudem wurden rund 7.000 erwerbstätige Frauen und Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren durch das Forsa-Institut befragt und zahlreiche Experten*innen eingebunden.

Ein zentrales Ergebnis des Reportes ist, dass die Wahrnehmung der Digitalisierung als eine Stressbelastung bei vielen Beschäftigten während der Corona-Pandemie deutlich abgenommen hat. Während vor der Pandemie nur etwa jeder Dritte die zunehmende Digitalisierung bei der eigenen Arbeit ausschließlich als Entlastung wahrnahm, ist es im Lockdown annähernd jeder Zweite. „Arbeitnehmer empfinden das Homeoffice als Entlastung – und zwar in weit größerem Maße als vermutet“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit.

Gewürze, die wie Arzneien wirken

Nicht nur Liebe geht durch den Magen. Richtiges Essen kann helfen, viele Gesundheitsprobleme unserer Zeit zu vermeiden

Das Foto zeigt eine bunte Palette von Gewürzen.
Foto von Shantanu Pal von Pexels

Regensburg (obx-medizindirekt) Vor allem eine Vielzahl von Gewürzen sind wahre Naturarzneien – die auch noch schmecken und kulinarischen Genüssen die richtige Würze verleihen. Einige Beispiele:

Kardamom: Wussten Sie, dass Bohnenkaffee durch eine winzige Prise Kardamom verträglicher wird? Aber das ist längst nicht alles. Die Samen, die man wegen ihrer Empfindlichkeit immer in den Kapseln kaufen sollte, regen Appetit und Verdauung an, würzen sowohl Gebäck, Kompotte und Süßspeisen, als auch Blutwurst, Kochschinken und kalten Braten.
Kümmel: Wer zum Gänsebraten ein gut mit Kümmel gewürztes Sauerkraut reicht, hat für die Verdauung schon eine Menge getan. Kraut gilt als „Darmbesen“, der auch fette Speisen durchfegt. Und Kümmel unterstützt die Gallentätigkeit und verhütet Blähungen. Er passt natürlich auch zu allen anderen Braten, zu Kartoffel- und Gemüsegerichten. Wer nicht so gerne auf Kümmelkörner beißt, kann entweder gemahlenen Kümmel verwenden oder Kümmel in einem Leinensäckchen mit in den Kochtopf geben.
Lorbeer: Er krönte nicht nur antike griechische Dichter. Heute ist er wegen seiner Bitterstoffe und ätherischen Öle eine Verdauung fördernde, aromatische Zutat zu Sauerkraut, Bratensoße, Kartoffeleintöpfen und Gemüsesuppen.
Majoran: Das Gewürz ist eine gute Verdauungshilfe bei fetten Fleischgerichten, Leberwurst, Bratkartoffeln, Hackbraten oder weißen Bohnen.
Nelken: Da Nelken den Appetit anregen, Blähungen vertreiben und selbst bei Magengeschwüren gut verträglich sind, können sie als gesundes Würzmittel für Fisch, Wild, Gulasch, Eierspeisen, ja selbst für Pizzas eingesetzt werden. Nelken gibt es auch als Pulver.
Pfeffer: Ob weißer, grüner oder schwarzer Pfeffer: Er erhöht den Speichelfluss und verbessert die Verdauung, er hilft sogar schädliche Bakterien zu vernichten. Weil sich sein Aroma beim Kochen schnell verflüchtigt, sollte Pfeffer immer erst kurz vor dem Anrichten zugegeben werden. Pfeffer passt zu fast allem – deshalb heißt es heute noch im Englischen „Allspice“.
Rosmarin: Ein Gewürz, das über die Anregung des Gallenflusses die Fettverdauung unterstützt. Es passt gut zu Schweinefleisch, fettem Geflügel, Kohlgerichten und Kartoffelspeisen. Rosmarin können Sie als ganze Nadeln (im Gewürzsäckchen) mitkochen oder gemahlen zusetzen.
Zimt: Wer kennt das nicht: Zimtsterne oder Grießbrei mit Zucker und Zimt? Aber die an Zimtaldehyd und Trans-Zimtsäure reiche gemahlene Rinde des Zimtbaums aus Sri Lanka oder Madagaskar wird im Orient auch als Gewürz zu Fleischgerichten geschätzt. Zimt passt gut zu Hackfleischrezepten, Geflügelfüllungen, zu Wild und Lamm.