Produktrückruf: „Curtiriso Langkorn-Naturreis“

Pressemitteilung

Öffentlicher Produktrückruf: „Curtiriso Langkorn-Naturreis“ aus dem Kaufland-Sortiment mit gefährlichen Mineralöl-Rückständen belastet – Ware aus dem Verkauf genommen

• Nach foodwatch-Labortest: Handelsunternehmen räumt Produkte aus den Regalen
• Kaufland verweigert auf Anraten des Lobbyverbands BLL aber Kundeninformation
• foodwatch ruft Käufer auf, das belastete Produkt in die Filialen zurückzubringen

+++ Aktion in Berlin am Dienstag, 24.11. um 12 Uhr: foodwatch wird Rückruf in Kaufland-Filiale Residenzstraße 85, 13409 Berlin-Wedding plakatieren und Kunden informieren +++

Berlin, 20. November 2015. Kaufland hat den mit potenziell gesundheitsgefährdenden Mineralölen belasteten Curtiriso Langkorn-Naturreis aus dem Verkauf genommen. Das Handelsunternehmen reagierte damit auf Ergebnisse eines Labortests der Verbraucherorganisation foodwatch. Allerdings lehnte es Kaufland auf Anraten des Lobbyverbandes BLL ab, mit einer öffentlichen Warnung auch diejenigen Kundinnen und Kunden zu informieren, die den belasteten Reis bereits gekauft haben. Anstelle des Unternehmens veröffentlichte daher foodwatch unter tinyurl.com/kaufland-produktrueckruf einen öffentlichen Rückruf. Der Reis sollte nicht verzehrt werden: Im Labortest waren in dem Produkt des italienischen Herstellers Curti aromatische Mineralöle nachgewiesen worden, die die EU- Lebensmittelbehörde EFSA als potenziell krebserregend und erbgutverändernd beschreibt.

„Das betroffene Produkt sollte wegen ernsthafter Gesundheitsrisiken auf keinen Fall verzehrt werden. Wir raten allen Kundinnen und Kunden, den Reis in ihre Kaufland-Filiale zurückzubringen und eine Erstattung des Kaufpreises zu verlangen“, erklärte Luise Molling von foodwatch. Deutlich kritisierte sie das Vorgehen von Kaufland: „Hersteller und Händler waren sich einig darin, dass der Reis aufgrund der Mineralölbelastung aus dem Verkauf genommen werden musste. Es ist weder zu erklären noch zu verantworten, dass Kaufland keinen öffentlichen Rückruf startet, um alle diejenigen zu informieren, die den potenziell gesundheitsschädlichen Reis bereits gekauft haben.“

Neben der Rückruf-Veröffentlichung im Internet kündigte foodwatch an, anstelle von Kaufland selbst Verbraucheraushänge am kommenden Dienstag um 12 Uhr in der Kaufland-Filiale in Berlin-Wedding (Residenzstr. 85, 13409 Berlin) zu plakatieren und die anwesenden Kundinnen und Kunden zu informieren, sollte der Handelskonzern bis dahin nicht selbst aktiv werden. Parallel forderte foodwatch die für Lebensmittelkontrollen zuständigen Länderministerien sowie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf, die Produktwarnung zu verbreiten.

foodwatch hatte Ende Oktober die Ergebnisse einer umfangreichen Laboranalyse von insgesamt 120 Produkten aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden veröffentlicht. 43 Prozent davon enthielten aromatische Mineralöle, in Deutschland war jedes fünfte getestete Lebensmittel (9 von 42 Produkten) belastet – darunter unter anderem Cornflakes, Reis und Grieß. Es ist seit langem bekannt, dass Mineralölrückstände häufig aus den Druckfarben stammen, die in Verpackungen oder Umverpackungen aus Recycling-Karton enthalten sind und die besonders gut auf trockene, lange haltbare Lebensmittel übergehen können.

Curti, der italienische Hersteller des belasteten Reis‘, hatte foodwatch gegenüber angekündigt, dass er seine Verpackung überarbeiten wolle und in einem ersten Schritt seinen deutschen Abnehmer Kaufland anhalte, die Ware zurückzurufen. Tatsächlich erklärte Kaufland auf Anfrage von foodwatch per E-Mail: „Nachdem beim Produkt Curtiriso Langkorn-Naturreis Parboiled 4×125 g Beutel pro Verpackung Mineralölrückstände nachgewiesen wurden, wurde die komplette Ware aus dem Verkauf genommen.“ In einer Stichprobe bei Berliner Kaufland-Filialen fand foodwatch dies bestätigt und dokumentierte die leergeräumten Regalflächen mit Fotos. Allerdings lehnte der Handelskonzern eine Information der Kunden, die den Reis bereits gekauft haben, ab – ein Ergebnis von Beratungen mit dem Branchenlobbyverband BLL, wie Kaufland in einer weiteren E-Mail angab: „Zur Beurteilung der Befunde haben wir den Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) hinzugezogen. Dieser bestätigte uns, dass keine gesundheitliche Risikobewertung vorliegt, welche einen öffentlichen Rückruf impliziert.“
Der vom BLL erweckte Eindruck ist jedoch falsch: Nicht nur die EU-Lebensmittelbehörde EFSA sieht die Risiken aromatischer Mineralöle (MOAH) – auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) betont, aufgrund der Risikoeinschätzung „sollte kein nachweisbarer Übergang von MOAH auf Lebensmittel stattfinden.“

Am Regal in einer Kauflandfiliale hieß es irreführend, die Ware sei „ausverkauft“. Einen Hinweis auf potenzielle Gesundheitsgefahren unterließ Kaufland auch hier.

„Plumper Versuch der Einflussnahme“

Zuckerindustrie versucht Gesundheitsausschuss des Bundestags hinters Licht zu führen

Deutsche Diabetes Gesellschaft: „Plumper Versuch der Einflussnahme“

Berlin – Die deutsche Zuckerindustrie hat sich in der letzten Woche mit einem Info-Brief an die Mitglieder des Bundestagsausschusses für Gesundheit gewandt. Darin beruft sich die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) unter anderem auf Ernährungsempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und kommt zu dem Schluss, dass Zuckerkonsum kein Risikofaktor für Diabetes Typ 2 sei. Die DDG betrachtet diese Aktion als unseriös und weist die Argumentation als manipulativ und plump zurück.

In ihrem Info-Brief stellt die WVZ zunächst richtigerweise fest, dass Übergewicht ein Risikofaktor für die Entstehung von Diabetes Typ 2 sei. Aber, so schreibt der Verband weiter: „Zucker macht nicht dick.“ Für die Entstehung von Übergewicht sei nicht eine einzelne Zutat, sondern die Energiebilanz entscheidend. Deshalb lautet das Fazit aus Sicht der WVZ: Zuckerkonsum ist kein Risikofaktor für Diabetes.

„Diese Argumentation ist unseriös, weil sie entscheidende Zusammenhänge bewusst ausspart“, sagt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Selbstverständlich sei gegen den maßvollen Konsum von Zucker nichts einzuwenden. „Darum geht es in der aktuellen Debatte auch gar nicht“, betont Gallwitz. „Das Problem ist jedoch unsere heutige Ernährungsweise mit einer Vielzahl industriell erzeugter Lebensmittel, die ein Übermaß an Zucker, Fett und Salz enthalten und damit zu viele Kalorien.“ Und diese Ernährungsweise mit hochkalorischen Produkten führt dazu, dass inzwischen über die Hälfte der Deutschen übergewichtig ist, was zu Diabetes und vielen anderen Krankheiten führen kann. Insofern ist der weltweit viel zu hohe Zuckerverbrauch gesundheitsschädlich und muss dringend zurückgeführt werden.

„Wenn es der Zuckerindustrie um eine seriöse Information gegangen wäre, hätte sie die Politiker auf diesen Missstand hingewiesen, anstatt die DDG Empfehlungen manipulativ einzusetzen“, sagt Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Denn nach der einschlägigen WHO Leitlinie sollte der Zuckerverbrauch nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Gesamtenergieaufnahme ausmachen. Noch besser sei es, wenn der tägliche Zuckerverbrauch auf fünf Prozent reduziert werde (WHO Guideline; Sugars intake for adults and children, 2015. Entsprechende Empfehlungen hatte die WHO auch schon 2002 veröffentlicht). Zehn Prozent der Energieaufnahme für Erwachsene wären etwa 50 Gramm Zucker. Tatsächlich aber verzehrt jeder Deutsche im Durchschnitt etwa das Doppelte an Zucker.

Mit dem Info-Brief knüpft die WVZ an ähnliche Strategien der Tabakindustrie an, die jahrzehntelang erfolgreich versuchte, von den gesundheitlichen Folgen des Rauchens abzulenken. Auch die Lebensmittelindustrie hat in den zurückliegenden Jahrzehnten weltweit immer wieder versucht, mit zweifelhaften Methoden Teile der Politik und Wissenschaft in ihrem Sinne zu beeinflussen. Ärzte der University of California zeichneten jüngst in der Fachzeitschrift PLOS Medicine nach, wie die Zuckerindustrie in den USA seit den 70er Jahren erfolgreich daran arbeitete, die schädlichen Folgen von gesüßten Getränken und Speisen auf die Zahngesundheit zu verschleiern. Und die New York Times berichtete kürzlich, dass Coca-Cola Wissenschaftlern 1,5 Millionen Dollar zahlte, damit sie mangelnde Bewegung als den wahren Dickmacher identifizierten – und gleichzeitig die Bedeutung gesüßter Softdrinks relativierten.

„Wir gehen davon aus, dass die Gesundheitspolitiker diesen Info-Brief als das einstufen, was er ist: als einen plumpen Versuch der wirtschaftlichen Interessenvertretung, und nicht als einen serösen Beitrag zur Gesundheitsförderung“, so Gallwitz.

Ich gehe eher davon aus, dass sich die Zuckerlobby mal wieder durchsetzen wird, Anmerk. Ria Hinken

Wie uns die Zucker-Mafia krank macht  – ein Buch von Hans Ulrich Grimm

Sendung ARTE, „Die große Zuckerlüge“, 13.10.2015, 20.15 Uhr
http://www.arte.tv/guide/de/054774-000/die-grosse-zuckerluege

Cristin E. Kearns, Stanton A. Glantz , Laura A. Schmidt: Sugar Industry Influence on the Scientific Agenda of the National Institute of Dental Research’s 1971 National Caries Program: A Historical Analysis of Internal Documents. PLOS online, published March 10, 2015, DOI: 10.1371/journal.pmed.1001798
http://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1001798

 
Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit fast 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

Neue Schlaf- und Beatmungslösungen

Für gesunden Schlaf und ein aktives Leben: Philips zeigt seine neuesten Schlaf- und Beatmungs-lösungen auf der Medica 2015

Zu den Highlights gehören vernetzte Schlaflösungen und eine neu entwickelte Lösung für die mobile Sauerstoffversorgung von Patienten mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD).

Innovative Mund-Nasen-Maske

Innovative Mund-Nasen-Maske

Düsseldorf/Hamburg – Philips Respironics, ein Geschäftsbereich von Royal Philips, wird seine neuesten Lösungen in der Schlaftherapie und außerklinischen Beatmung vom 16. bis 19. November auf der Medica in Düsseldorf präsentieren. In Halle 10 am Stand A 22 werden der medizinischen Fachwelt die aktuellen Produkte für die Behandlung obstruktiver Schlafapnoe (OSA) und neue Optionen für das COPD-Management vorgestellt. Diese sollen dabei unterstützen, die Patientenversorgung zu verbessern und den Patienten helfen, ein aktives Leben zu führen.

Neue Freiheit für Schlaftherapiepatienten

Neue Freiheit für Schlaftherapiepatienten

DreamStation, DreamWear und Amara View erweitern das Schlaftherapie-Portfolio
Von der Diagnose über die Therapieeinstellung bis hin zur unkomplizierten Nutzung: Das Portfolio von Philips bietet all das, was Patienten und medizinisches Personal für eine erfolgreiche OSA-Behandlung benötigen. Mit DreamStation, DreamWear und der Amara View, kommen jetzt weitere Lösungen hinzu.

Die Dream Station bietet Patienten eine komfortable und effektive Schlaftherapie und ermöglicht gleichzeitig die Verbindung zum behandelnden Arzt, um ein optimales Behandlungsmanagement zu erzielen. Die voll integrierte Schlaftherapielösung von Philips besteht aus dem verbundenen PAP1-Behandlungsgerät DreamStation, der komplementären Maske DreamWear und dem die Patienten einbeziehenden Coaching-Programm DreamMapper 2. Damit kann zukünftig die Behandlung von Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe weiter verbessert werden.

Die neue Schlaftherapie-Plattform

Die neue Schlaftherapie-Plattform

Mit der Amara View kommt eine neue Mund-Nasen-Maske mit minimalem Kontakt auf den Markt. Die unter der Nase sitzende Maske verhindert Druckstellen und Irritationen am Nasenrücken. Darüber hinaus weist sie das größte freie Gesichtsfeld unter den führenden Mund-Nasen-Masken auf 3.

Mehr Mobilität für aktive COPD-Patienten mit dem SimplyGo Mini
Philips Respironics konzentriert sich mit seinen Lösungen auf eine patientenfreundliche COPD-Behandlung im heimischen Umfeld. „Unsere Lösungen sollten dazu beitragen, Krankenhausaufenthalte zu verringern, die Patientenversorgung zu verbessern, die klinischen Ressourcen zu maximieren und Patienten dabei zu unterstützen, ein aktives und erfülltes Leben zu führen“, erklärt Antje Männich, Produktmanagerin im Bereich der außerklinischen Beatmung bei Philips Respironics in Deutschland. Ganz neu im Portfolio ist der SimplyGo Mini, der jetzt auf der Medica vorgestellt wird.

Kleiner, leichter, mobiler

Kleiner, leichter, mobiler

Mobiler Sauerstoffkonzentrator im schicken Rucksack

Mobiler Sauerstoffkonzentrator im schicken Rucksack

Der SimplyGo Mini  – kleiner, leichter, mobiler
Der kleinste und leichteste Sauerstoffkonzentrator (POC) im Philips Portfolio ist mit seinem schlanken und schicken Design eine Lösung für Patienten, die an Atemwegserkrankungen leiden und weiterhin ein mobiles, aktives Leben führen wollen. Er liefert nahezu 20 Prozent mehr Sauerstoff als andere POCs der gleichen Gewichtskategorie (unter 2,5 Kilogramm). Die bequeme und elegante Tragetasche macht ihn zudem zu einem unauffälligen Begleiter für unterwegs.

1 PAP – Positive Airway Pressure
2 Der Zeitpunkt der Einführung von DreamMapper ist abhängig vom jeweiligen Markt
3 Basierend auf internen und externen Vergleichen durch Philips Respironics

Epilepsie: Neue Forschungsergebnisse

Ausgefeilte Datenanalyse ersetzt riskante Hirn-Stimulation

Messmethode könnte in Anfallsprävention und Therapiekontrolle helfen

Epilepsieforschung

Ziel der Epilepsieforschung: Sensoren auf der Oberfläche des Gehirns messen dessen Aktivität. Pathologische Veränderungen führen direkt zu einer Stimulation des Gehirns durch eine implantierte Elektrode, so dass es zur Normalisierung der Hirnaktivität kommt. Derartige Systeme werden von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Freiburg und der Universität Freiburg im Exzellenzcluster BrainLinks-BrainTools entwickelt.
Bildquelle: BrainLinks-BrainTools / Universität Freiburg

Als eine der Hauptursachen von Epilepsie gilt eine übermäßig starke Grunderregung des Gehirns. Diese konnten Ärzte bislang nur messen, indem sie das Gehirn des Patienten elektrisch oder magnetisch stimulierten, was jedoch aufwändig ist und einen epileptischen Anfall auslösen kann. Nun präsentiert ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Universitätsklinikums Freiburg in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Proceedings of the National Society (PNAS) eine mathematische Analyse-Methode, um den Erregungszustand des Gehirns ohne äußeren Einfluss zu bestimmen. Das Verfahren macht die Messung sicherer, ermöglicht Langzeit-Untersuchungen und stellt eine objektive Therapiekontrolle in Aussicht. Außerdem zeigen die Forscher, dass die Erregbarkeit des Gehirns stark vom Schlaf-Wach-Rhythmus abhängt.

Rund 600.000 Menschen in Deutschland leiden an Epilepsie, der häufigsten neurologischen Erkrankung. Insbesondere für Patienten mit starker Epilepsie stellen die Krampfanfälle eine starke Einschränkung und Gefährdung im Alltag dar. Eine zuverlässige Vorhersagetechnik konnte bislang nicht entwickelt werden.

Ausgefeilte Mathematik macht riskante Hirn-Stimulation überflüssig

Als Maß für die Grunderregung untersuchten die Forscher, wie stark verschiedene Bereiche des Gehirns im Gleichtakt arbeiten. Diese synchrone Aktivität ist bekanntermaßen bei Epilepsie erhöht. Bisher wurde dafür mit Hilfe der Elektroenzephalografie (EEG) gemessen, wie sich die Hirnströme nach einer direkten Stimulation des Gehirns verändern. Nun gelang es den Forschern diese Grunderregung in den EEG-Daten auch ohne Stimulation zu zeigen. Im direkten Vergleich mit der bisherigen Methode wiesen sie nach, dass die neue Methode bereits sehr zuverlässig funktioniert.

„Es ist uns erstmals gelungen, die Erregbarkeit des Gehirns ohne vorherige Stimulation zu messen“, sagt der Ko-Autor der Studie Prof. Dr. Andreas Schulze-Bonhage, Leiter des Epilepsiezentrums an der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Freiburg und Mitglied des Exzellenzclusters BrainLinks-BrainTools der Universität Freiburg. „Damit ist eine wichtige Grundlage geschaffen, um auch längerfristige Messungen, etwa zur Sicherung einer guten Anfallskontrolle, zu ermöglichen“, so Prof. Schulze-Bonhage.

Bedeutung für Therapiekontrolle und Anfallsprävention

Die Forscher zeigten außerdem, dass die Erregbarkeit des Gehirns unter anti-epileptischen Medikamenten zurückging. In Zukunft ließe sich damit der Erfolg von Therapien in Echtzeit kontrollieren. Auch für die Anfallsvorhersage könnte die Methode von Bedeutung werden. „Wir haben die Hoffnung, anhand des Erregungsmusters Phasen besonders hoher Anfallswahrscheinlichkeit identifizieren zu können“, sagt Prof. Schulze-Bonhage. Die Patienten könnten sich in diesen Phasen besonders vorsichtig verhalten und etwa Autofahrten unterlassen. Zudem würde dies zeitlich gezielte Behandlungen ermöglichen.

Ohne Schlaf wird das Gehirn besonders leicht erregbar

Auch der Schlaf-Wach-Rhythmus hat nach Erkenntnissen der Forscher Einfluss auf den Erregungszustand des Gehirns. Die Messungen zeigten starke Schwankungen im Tagesverlauf. Zudem wurde bei acht gesunden Probanden während eines 40-stündigen Schlafentzugs die Erregbarkeit gemessen. Je länger die Probanden wach waren, desto höher war auch der gemessene Erregungszustand des Gehirns. „Das passt zu der Beobachtung, dass epileptische Anfälle gehäuft bei Schlafmangel auftreten“, sagt Prof. Schulze-Bonhage. „Außerdem gibt es einen wichtigen Hinweis auf eine ganz grundlegende Funktion des Schlafes: nämlich eine Normalisierung der Hirnerregbarkeit.“

Messung der Hirnaktivität

Für seine Studie wertete das Wissenschaftler-Konsortium aus Deutschland, USA und Australien Daten von zwölf Epilepsie-Patienten aus. Alle Patienten waren medikamentös nur mangelhaft behandelbar. In Vorbereitung auf eine deshalb notwendige operative Epilepsie-Therapie wurde die Hirnaktivität mit EEG-Elektroden gemessen. Die Elektroden wurden dafür neurochirurgisch auf oder in die Gehirnoberfläche implantiert. Bei den gesunden Probanden wurden die EEG-Elektroden auf der Kopfhaut platziert.

Weitere Untersuchungen müssen nun prüfen, ob unterschiedliche Formen der Epilepsie im Erregungsmuster voneinander abweichen und wie gut die Vorhersagekraft bei einzelnen Patienten ist. Diese Informationen sind eine Grundvoraussetzung für mögliche Verfahren zur Anfallsvorhersage.

Original-Titel der Arbeit: Intrinsic excitability measures track antiepileptic drug action and uncover increasing/decreasing excitability over the wake/sleep cycle.

DOI: 10.1073/pnas.1513716112

Onlinearzt auf dem Vormarsch

eHealth-Studie: Ärzte erwarten bessere Versorgungsmöglichkeiten und mehr Patientensicherheit

eHealth wird nach Ansicht der Ärzte in Deutschland vor allem die Versorgung von Patienten in größerer räumlicher Entfernung erleichtern. Zu diesem Ergebnis kommt die eHealth-Studie 2015 aus der Studienreihe „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit“ der Stiftung Gesundheit. 46,2 Prozent der Ärzte erwarten demnach in diesem Bereich in den kommenden zehn Jahren Verbesserungen. 45,6 Prozent gehen davon aus, dass das Fernbehandlungsverbot deutlich gelockert wird.

Weitere Vorteile von eHealth sehen die Ärzte in der Einführung von Systemen zur Arzneimittelsicherheit, die die Patientensicherheit verbessern sollen (45,2 Prozent). 43,8 Prozent gehen davon aus, dass therapieunterstützende Apps zum Behandlungsstandard gehören werden.

Dagegen versprechen sich die Teilnehmer der Studie keine Verbesserungen für den Arbeitsalltag und die Zufriedenheit von Ärzten und Praxispersonal, ebenso wenig wie positive Effekte auf die Therapietreue.

Ärzte und Ärztinnen sind sich meist nicht bewusst, dass diese Art von Patientenversorgung große Risiken mit sich bringt. In seinem Buch „Global Hack“ beschreibt Marc Goodman die Gefahren ausführlich. So sind in den USA bereits die ersten Todesopfer durch zu viel Computergläubigkeit zu bedauern. Das Internet ist kein sicherer Ort, um medizinische Probleme zu besprechen. Im Gegenteil. Gerade das Internet, aber auch unsere Computer, Smartphones und Tablets sind unentwegt Hackerangriffen ausgesetzt. Viele Datenbanken von Krankenhäusern wurden bereits gehackt. Meist werden Daten gestohlen, um zu Geld zu machen. Oft aber haben Kriminelle auch Spaß daran, Daten zu manipulieren, um so ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Es bedarf also viel mehr Aufklärung darüber, welche Risiken eHealth mit sich bringt.

Zu Risiken und Nebenwirkungen sollten Sie weder Ihren Arzt noch Ihren Apotheker befragen, denn die sind damit gnadenlos überfordert.

Patientenforum zu Schmerz-Selbsthilfe

Vorträge und Vorstellung von Patientenverbänden

SchmerztherapeutentreffenIm Rahmen des 14. Schmerztherapeuten-Treffens 2015 am Interdisziplinären Schmerzzentrum des Universitätsklinikums Freiburg findet am

Samstag, den 21. November 2015, ab 14:00 Uhr
im Neurozentrum des Universitätsklinikums Freiburg
Breisacher Str. 64
in den Konferenzräumen I und II

ein Patientenforum der Selbsthilfegruppen SchmerzLos e.V. und dem Clusterverband CSG statt.

In drei Vorträgen informieren Experten zum Thema „SchmerzLos“. Diplom-Psychologin Kathrin Simshäuser vom Interdisziplinären Schmerzzentrum des Universitätsklinikums Freiburg geht der Frage nach: „Wie Erleichterung schaffen bei chronischem Schmerz?“. Heike Norda, Vorstandsmitglied SchmerzLOS e.V. spricht zum Thema „Wege aus der Schmerzfalle“.  Der Clusterverband CSG informiert zu „Hilfe für Betroffene und Angehörige! Was leistet die CSG?“. Nach den Vorträgen gibt es die Möglichkeit Fragen zu stellen.

Der Eintritt ist frei.
Um Anmeldung unter 0761 270-50200 / -93490 wird gebeten.

 

Apps zur gesunden Ernährung

Die App-Trilogie „Schwanger & Essen“, „Baby & Essen“ und „Kind & Essen“

Gut ernährt von der Schwangerschaft bis ins Kleinkindalter

Die App-Trilogie „Schwanger & Essen“, „Baby & Essen“ sowie „Kind & Essen“ sind kostenlos im Apple-Store und Google Play Store zum Download verfügbar.

Die App-Trilogie „Schwanger & Essen“, „Baby & Essen“ sowie „Kind & Essen“ sind kostenlos im Apple-Store und Google Play Store zum Download verfügbar.

München/Freising/Kulmbach – Informationen zu Ernährung und Bewegung in der Schwangerschaft und zum gesunden Aufwachsen in der Kindheit gibt es in Hülle und Fülle. Doch welche Quelle ist verlässlich und seriös? Die App-Trilogie „Schwanger & Essen“, „Baby & Essen“ und „Kind & Essen“ basiert auf aktuellen Empfehlungen der Wissenschaft und den Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben (www.gesund-ins-leben.de). Ohne auf hilfreiche Features, wie Kalender und Checks, zu verzichten, liefern die Apps wichtige Informationen zu ausgewogener Ernährung, Bewegung und gesundem Aufwachsen in Schwangerschaft, Säuglingsalter und frühen Kindheit. Entwickelt haben sie das Kompetenzzentrum für Ernährung, das Netzwerk Gesund ins Leben und die Stiftung Kindergesundheit. Gefördert wird die App-Trilogie vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

App-Trilogie fundiert, umfassend und praxisnah

Die praxisnah gestalteten Apps bauen inhaltlich aufeinander auf und sind technisch eng miteinander verknüpft. Durch individualisierbare Profile und die Favoritenfunktion bekommen Eltern und diejenigen, die es werden wollen, wichtige Informationen auf einen Blick. Checks und Checklisten unterstützen den Alltag und per Knopfdruck kann auch der Vater daran teilhaben. Die Inhalte der Apps basieren auf den Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben. Gynäkologen, Hebammen, Ernährungswissenschaftler sowie Kinder- und Jugendärzte haben ihre Expertise in die Entwicklung gleichermaßen eingebracht.

Mobil unterstützt beim Elternwerden

image003-1Wie viel Gewichtszunahme ist während der Schwangerschaft normal und welcher Sport ist geeignet? Antworten auf diese Fragen gibt der mobile Wegbegleiter „Schwanger & Essen“. Zudem informiert ein Team, bestehend aus Experten der Wissenschaft und Praxis, in Videos, worauf es ankommt. Professor Dr. Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin mit Standorten am TUM-Klinikum rechts der Isar und am Wissenschaftszentrum Weihenstephan, gibt im Interview Informationen zur Ernährung. „In der Schwangerschaft für zwei zu essen, gilt sicher nicht mehr, weil dann die Gefahr doch sehr groß ist, dass man mehr zunimmt, als eigentlich gut und sinnvoll ist. Ich würde eher empfehlen, in der Schwangerschaft ganz normal weiter zu essen“, so Hauner. Das große Extra: ein speziell für Schwangere entwickeltes Workout zum Mitmachen

Interaktive Funktionen für werdende Mütter und Väter bieten Hilfen zum Selbstmanagement während der Schwangerschaft. Die Ernährungs-, Bewegungs-, Gewichts- und Wohlbefinden-Checks erhöhen die Sensibilität für einen gesundheitsförderlichen Lebensstil. Die vielen Erinnerungsfunktionen und Checklisten helfen, rechtzeitig an Termine zu denken. Über den Kalender lässt sich das Wachstum des Babys verfolgen, auch Fotos des Babybauchs und die Tagebuchfunktion halten Momente der Schwangerschaft fest. Die Postleitzahlsuche vereinfacht das Finden einer Hebamme, eines Arztes oder eines Schwangerschaftskurses. Täglich bietet der Rubbel-Tipp der App ein Schmankerl mit zusätzlichen Informationen. Eines gibt es bereits heute: „Das Baby ist am 80. Tag etwa so groß wie eine Zitrone (circa sieben Zentimeter und 80 Gramm)“.

Elternsein bringt Neues und Spannendes

Gewohnheiten, die in den ersten Lebensjahren erworben werden, prägen spätere Ess- und Bewegungsgewohnheiten bis ins Erwachsenenalter. Ein gesunder Lebensstil ist wichtig zur Vorbeugung von ernährungsabhängigen Erkrankungen. Deshalb ist es nicht egal, was, wann und wie oft Kinder in den ersten 36 Monaten essen und trinken.

Die vom Netzwerk Gesund ins Leben (www.gesund-ins-leben.de) entwickelte App „Baby & Essen“ unterstützt Eltern im ersten Lebensjahr ihres Babys. Zum Beispiel mit einem Allergie-Risiko-Check. Dieser findet heraus, ob das Baby ein erhöhtes Allergierisiko hat und was in diesem Fall getan werden kann. Und wer den „Reif-für-Brei-Check“ macht, weiß, ob das Baby bereit ist für die ersten Löffel Brei. Schritt für Schritt wird erklärt, wie und mit welchen Zutaten die Gemüse-, Milch- und Getreide-Breie ganz leicht selbst zubereitet werden – Breirezepte inklusive.

Familienessen mit Kindern

„Im Alter von 1 bis 3 Jahren macht ihr Kind wichtige Entwicklungsschritte. Richtige Ernährung, Bewegung und ein gesunder Lebensstil ermöglichen ein gesundes Aufwachsen. Verhaltensweisen erlernen Kinder durch Nachahmen und bereits mit einem Jahr wollen Kinder das essen, was auch die Eltern auf dem Teller haben“, so Professor Dr. Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung für Stoffwechsel- und Ernährungsmedizin, Dr. von Haunersche Kinderklinik München. Hierbei unterstützt die App „Kind & Essen“ mit praktischen Ernährungsempfehlungen und speziellen Rezepten für Kleinkinder und macht Lust auf gesundheitsförderliche Mahlzeiten. Mit Hilfe des Ernährungs-Checks ist es einfach zu prüfen, was das Kind im Laufe eines Tages isst und welche Nahrungsmittel in den nächsten Mahlzeiten vorkommen sollten. Der digitale Notizblock stellt sicher, dass beim Einkauf nichts vergessen wird. Neben Ernährungsthemen bietet die App Informationen zu Bewegung, zur Betreuung und wichtigen Themen der Kindergesundheit wie Infektionserkrankungen, Impfungen, Allergien und vieles mehr. Interaktive Features wie News, Tipps und Profile für 1, 2 oder mehr Kinder erleichtern den Familienalltag.

Neugierig?

Die Apps enthalten keinerlei Werbung und gewährleisten den Datenschutz, indem sie keine personenbezogenen Daten speichern und an Dritte weitergeben. Die Apps sind kostenlos in den App-Stores erhältlich. Weitere Informationen unter www.familie-gesund-ernährt.de. Google Analytics und DoubleClick tracken die Website.

Erkrankung von zwei Frühgeborenen

Mitteilung des Universitätsklinikum Freiburg

Umfangreiche Hygiene-Maßnahmen gegen Serratia-Ausbreitung am Universitätsklinikum Freiburg

Blick in die Neugeborenen-Intensivstation 1 / Bildrechte: Universitätsklinikum Freiburg

Blick in die Neugeborenen-Intensivstation 1 / Bildrechte: Universitätsklinikum Freiburg

Erkrankung von zwei Frühgeborenen und Besiedlung von sechs weiteren Frühgeborenen führen zu umfangreichen Hygienemaßnahmen / Eine sichere Versorgung von Frühgeborenen ist gewährleistet

Auf der Neugeborenen-Intensivstation des Universitätsklinikums Freiburg kam es Anfang Oktober 2015 bei einem Frühgeborenen zu einer Infektion mit dem Bakterium Serratia marcescens. Dieses Bakterium, das im Blut nachgewiesen wurde, war gegenüber den meisten gängigen Antibiotika empfindlich (keine „Multiresistenz“) und der klinische Verlauf war unter Antibiotikatherapie unkompliziert. Das wöchentlich durchgeführte Screening auf der Intensivstation ergab jedoch, dass insgesamt sechs Frühgeborene auf der Körperoberfläche mit Serratien besiedelt waren, ohne daran erkrankt zu sein. Das heißt, die Bakterien sind nicht in den Organismus gelangt und haben keine Infektion ausgelöst.

Das Bakterium serratia maracescens / Bildrechte: Centers for Disease Control and Prevention

Das Bakterium serratia maracescens / Bildrechte: Centers for Disease Control and Prevention

Daraufhin wurden umfangreiche Hygienemaßnahmen eingeleitet, die über die ohnehin hohen Hygienestandards auf der Neugeborenen-Intensivstation hinausgingen. Insbesondere wurden besiedelte Kinder und nicht-betroffene Kinder von getrennten Pflegeteams betreut, die intensiv geschult wurden. Weiterhin wurden umfangreiche Umgebungsuntersuchungen durchgeführt. Nachdem die Maßnahmen zunächst zu greifen schienen, wurde am 3./4. November 2015 eine zweite Infektion mit Serratien (Nachweis im Blut) bei einem Frühgeborenen auf der Neugeborenen-Intensivstation nachgewiesen. Das Kind hat sehr gut auf Antibiotika angesprochen. Da aber trotz der verschärften Hygienemaßnahmen eine wiederholte Übertragung der Serratien nicht ausgeschlossen werden konnte, hat das Universitätsklinikum Freiburg entschieden, eine zweite Neugeborenen-Intensivstation für Neuaufnahmen zu eröffnen und somit diese von besiedelten und möglicherweise besiedelten Kindern räumlich und personell sicher zu trennen.

„Wir sind zuversichtlich, dass durch unser konsequentes Handeln die Ausbreitung beherrscht werden kann“, erklärt Professor Dr. J. Rüdiger Siewert, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Freiburg.

Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen bedeuten auch, dass das Universitätsklinikum Freiburg nach wie vor frühgeborene Kinder behandeln kann. Es besteht kein Aufnahmestopp.

Seit dem Ausbruch wurden alle Patienten in der Neonatologie flächendeckend auf diesen Erreger untersucht. Des Weiteren wurden Flächenabstriche genommen, um eine mögliche Quelle für die Übertagungen zu finden. Die Krankenhaushygiene ist seit dem Ausbruch täglich mit Mitarbeitern auf der betroffenen Station vor Ort. Es werden auch historische Fälle daraufhin geprüft, ob sie mit dem Ausbruch auf der Neugeborenen-Intensivstation in Verbindung stehen könnten.

Die Entbindungsstation ist von den Maßnahmen nicht betroffen. Die Bereiche sind räumlich und personell vollständig voneinander getrennt. Das heißt, Frauen können nach wie vor ihr Kind ohne Risiko in der Universitäts-Frauenklinik zur Welt bringen.


Hintergrund:
Serratien sind Bakterien, die bei vielen Menschen zur Darmflora gehören und in der Regel kein Risiko darstellen. Bei Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr, zum Beispiel bei extrem unreifen Frühgeborenen oder schwerstkranken Neugeborenen, können diese Bakterien allerdings auch lebensbedrohliche Infektionen verursachen. Typische Erkrankungen sind Wund- und Harnwegsinfekte, Atemwegsinfekte sowie Lungenentzündung, selten auch Endokarditis, Hirnhautentzündung bis hin zur Sepsis (Blutvergiftung). Infektionen mit Serratien treten immer wieder sporadisch in Krankenhäusern – auch im Universitätsklinikum Freiburg auf – sind aber in der Regel antibiotisch beherrschbar. Das liegt auch daran, dass der Erreger nur selten erweiterte Resistenzen ausbildet und daher in der Regel sensitiv für viele Antibiotika bleibt, insbesondere auch solche mit denen Frühgeborene schon bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion routinemäßig behandelt werden.  

Der Keim ist aber nicht nur im Darm zu finden. In der Natur kommt er im Wasser und am Boden, bei Tieren und Pflanzen vor. Mögliche Infektionsquellen sind Ausscheidungen (Urin, Stuhl) und Sekrete, aber auch infizierte Wunden, Wasser und Feuchtbereiche wie Seifenspender oder sogar Desinfektionslösungen mit unzureichend hoher Konzentration.  

Wichtige Maßnahmen zur Bekämpfung des Keims sind unter anderem eine korrekte Händedesinfektion sowie das Vermeiden von unnötigem Körperkontakt. Allerdings ist aus vielen Fällen bekannt, dass eine Ausbreitung der Bakterien wegen ihrer Stabilität in der Umwelt schwierig zu unterbrechen sein kann.


Krebspatienten in hohem Alter profitieren von guter Information

Postoperative Behandlung durch Patienten-Empowerment

Ältere Krebspatienten erholen sich nach schweren operativen Eingriffen nicht so leicht wie junge Patienten. Umso wichtiger ist eine gezielte Nachbetreuung und Aktivierung. Hier zeigen Methoden des „Patienten-Empowerment“ und Aufklärung eine deutliche Wirkung, wie Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin in einer aktuellen Untersuchung herausgefunden haben. Komplikationen und längere Krankenhausaufenthalte können vermieden werden, wenn Patienten gut über Verhaltensweisen vor und nach einer Operation informiert sind. Die Ergebnisse der Studie sind in der internationalen Fachzeitschrift PLOS ONE* veröffentlicht.

Patienten-Empowerment unterstützt und befähigt Patienten, sich aktiv an ihrer Genesung und Rehabilitation zu beteiligen. Dies erhöht nicht nur ihre Autonomie und Mündigkeit nach einer Operation, sondern führt auch zu deutlich besseren Behandlungsergebnissen bei chronischen Erkrankungen. In einer von der Deutschen Krebshilfe geförderten Studie zur Patientenmitbestimmung haben Forscher um Prof. Dr. Claudia Spies, Direktorin der Medizinischen Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin, nun belegen können, dass ältere Krebspatienten nach schweren Eingriffen von zusätzlicher genesungsfördernder Information profitieren. Die Wissenschaftler zeigen, dass Patienten-Empowerment zu besseren Rehabilitationsergebnissen und damit zu mehr Lebensqualität führen kann.

Im Rahmen der Studie sind Patienten in einem Alter von über 65 Jahren, die sich einer großen Krebsoperation unterziehen mussten, in zwei Gruppen aufgeteilt worden: Die Interventionsgruppe erhielt eine Broschüre mit Informationen rund um das Verhalten an den Tagen vor und nach der Operation sowie Tipps zur aktiven Beteiligung an der Genesung. Weiterhin wurden die Patienten angehalten, über den Behandlungszeitraum ein Tagebuch zu führen. Die Kontrollgruppe bekam keine zusätzlichen Informationen. Das Ergebnis: Insbesondere hinsichtlich postoperativer Schmerzen konnten die Forscher eine verbesserte Behandlungsqualität nachweisen. „Eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit oder ein schlechter Ernährungsstatus haben neben der Schwere und Länge einer Krebsoperation entscheidenden Einfluss auf den kurz- und langfristigen Erfolg eines Eingriffs bei älteren Patienten“, erklärt Prof. Spies. Begrenzte präoperative Leistungsfähigkeit geht meist auch mit einer geringen Akzeptanz und Umsetzung von Patienten-Empowerment-Angeboten einher.

*Schmidt, M., et al., Patient Empowerment Improved Perioperative Quality of Care in Cancer Patients Aged ≥ 65 Years – A Randomized Controlled Trial. PLOS ONE, Sept. 2015. doi: 10.1371/journal.pone.013782

Omega 3 Nahrungsergänzungsmittel und Depression

Leider fehlt uns die Zeit, um alle wichtigen Informationen zu übersetzen, deshalb veröffentlichen wir hier ab und zu auch die englischen Orignaltexte.

Insufficient evidence for the use of Omega 3 supplements in treating depression

New research out today concludes that there is insufficient evidence for the use of taking an Omega 3 fatty acid supplement in treating major depressive disorder.

Omega 3 fatty acids are widely thought to be essential for good health and are naturally found in fatty fish, such as tuna, seafood and some nuts and seeds.

Omega 3 fatty acids have been widely promoted globally and are readily available, over-the-counter supplement. These supplements have hugely increased in popularity over the last decade together with a range of other supplements including ginseng, garlic, green tea, as well as vitamins, minerals and herbal products.

More recently there have been various studies that have suggested a role for Omega 3 fatty acid supplementation in treating major depressive disorder. Adults with major depressive disorders are characterized by depressed mood or a lack of pleasure in previously enjoyed activities for at least two weeks, in the absence of any physical cause, that impact on everyday life.

Figures published by the World Health Organization in 2011 estimated major depressive disorders to account for 3% of global ill health and projections for 2030 suggest an increase to 6% or 7%.

A new Cochrane review, published today in the Cochrane Library, gathered together data from 26 randomized trials involving a total of 1,458 participants. The trials investigated the impact of giving an Omega 3 fatty acid supplement in a capsule form and compared it to a dummy pill. In one study, involving 40 participants, they also investigated the impact of the same supplementation compared to an anti-depressant treatment.

The Cochrane authors found that whilst people who were given Omega 3 fatty acids reported lower symptom scores than people with the dummy pill, the effect was small and there were important limitations that undermined their confidence in the results. Their analyses showed that although similar numbers of people experienced side effects, more data would be required to understand the risks of taking Omega 3 fatty acids.

Lead author, Katherine Appleton from Bournemouth University said, “We found a small-to-modest positive effect of Omega 3 fatty acids compared to placebo, but the size of this effect is unlikely to be meaningful to people with depression, and we considered the evidence to be of low or very low quality. All studies contributing to our analyses were of direct relevance to our research question, but most of these studies are small and of low quality.”

She added, “At present, we just don’t have enough high quality evidence to determine the effects of Omega 3 fatty acids as a treatment for major depressive disorder. It’s important that people who suffer from depression are aware of this, so that they can make more informed choices about treatment.”