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Parodontitis verhindern

Rauchen verursacht 40 Millionen schwere Parodontitisfälle

Berlin, 14.05.2018 Wer Parodontitis verhindern will, sollte nicht rauchen. In einer Studie haben Zahnmediziner der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die Zahl der Parodontitisfälle weltweit berechnet, die auf Zigaretten zurückzuführen ist. Auffällig dabei sind deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Die Studienergebnisse sind im Journal of Clinical Periodontology* erschienen.

Parodontitis ist eine bakteriell bedingte chronische Entzündung des Zahnbettes und zählt genau wie Karies zu den Volkskrankheiten, da jeder zweite Erwachsene davon betroffen ist. Die Entzündung kann zu irreversiblen Schäden führen und die Betroffenen verlieren ihre Zähne. Eine zentrale Krankheitsursache ist das Rauchen und weltweit werden rund 40 Millionen schwere Parodontitisfälle dadurch verursacht. Zudem wird Parodontitis mit verschiedenen Allgemeinerkrankungen assoziiert.

Die Wissenschaftler um Privatdozent Dr. Falk Schwendicke von der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin der Charité sind der Frage nachgegangen, wie viele Parodontitisfälle bzw. welcher Anteil an Parodontitiserkrankungen weltweit auf das Rauchen zurückgeführt werden können. Dabei haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass insbesondere Männer mittleren Alters Parodontitis aufgrund von Rauchen aufweisen. Zudem gibt es international große Schwankungen hinsichtlich der Häufigkeit: Während in Deutschland rund zehn Prozent der Parodontitisfälle auf Zigaretten zurückzuführen sind, ist dieser Prozentsatz beispielsweise in Spanien, aber auch in vielen Ländern Afrikas, deutlich geringer.

„Rauchen ist ein zentraler Risikofaktor für Parodontitis – und dieser Zusammenhang scheint insbesondere bei jungen Menschen besonders hoch zu sein“, erklärt Privatdozent Dr. Schwendicke. Er fügt hinzu: „Zudem stehen Parodontitis und Rauchen mit zahlreichen anderen Erkrankungen in Verbindung. Das heißt: Nicht zu rauchen und weniger Parodontitis zu haben, ist doppelt sinnvoll, um auch Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen.“

Für die Studie wurden mathematische Modelle verwendet, die die Daten aus einem umfänglichen Pool für insgesamt 186 Länder berechneten. Kooperationspartner waren Dr. Toni Meier von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Kompetenzcluster für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit (nutriCARD), und Prof. Dr. Christof Dörfer von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie ist.

„Im nächsten Schritt könnten wir uns vorstellen, dass unsere Erkenntnisse für Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen bei Parodontitis eingesetzt werden. Zudem ist es sinnvoll, dass Ärzte und Zahnärzte Rauchen verstärkt als gemeinsamen Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen bekämpfen“, gibt Privatdozent Dr. Schwendicke einen Ausblick.

*Schwendicke, F., Dörfer, C.E., Meier, T.: Global smoking-attributable burden of periodontal disease in 186 countries in the year 2015. In: Journal of Clinical Periodontology. Doi: 10.1111/jcpe.12823, 2017.

Mundgesundheit beeinflusst Fruchtbarkeit?

PRESSEINFORMATION

Mundgesundheit beeinflusst Fruchtbarkeit

Frauenärzte der GenoGyn warnen vor Folgen von Parodontitis

Köln. Mundgesundheit und Gynäkologie? Diese Verbindung mag zunächst überraschen. Aber auch die Mundgesundheit hat Einfluss auf die Fruchtbarkeit, und sie ist ein gewichtiger Faktor der Vorbeugung, nicht nur für Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere, wie die Präventionsexperten der frauenärztlichen Genossenschaft GenoGyn betonen. „Eine gestörte Mundflora hat vielfältige negative Auswirkungen auf die Gesundheit unserer Patientinnen. Insbesondere die Volkskrankheit Parodontitis, von der rund 80 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland mehr oder weniger ausgeprägt betroffen sind, birgt weitreichende gesundheitliche Risiken für den ganzen Körper. Sie wird häufig erst sehr spät in dann bereits fortgeschrittenem Stadium entdeckt, wenn eindeutige Symptome auftreten. Daher sind frühzeitige regelmäßige Kontrollen dringend angeraten“, sagt Dr. Jürgen Klinghammer aus dem Vorstand der GenoGyn. Diese Kontrollen können mit einem neuen Speicheltest, der jetzt auch in Praxen von GenoGyn-Frauenärzten als Präventionsleistung angeboten wird, durchgeführt werden.

Von Parodontitis wird bei Entzündungen des Zahnbetts gesprochen, das die Zähne mit dem Kiefer verbindet. Sie beginnt immer mit einer Zahnfleischentzündung. Parodontitis wird oft durch aggressive und giftige Stoffwechselprodukte von Bakterien aus der Mundhöhle verursacht, die die Zähne besiedelt haben. Die raue Oberfläche von Zahnstein begünstigt die schnelle Ausbreitung der Bakterien. Von dort aus entstehen im angrenzenden Zahnfleisch Entzündungen, bilden Taschen an den Zahnwurzeln, die wahre Brutstätten für weitere Erreger sind, und können unbehandelt bis auf den Kieferknochen übergreifen. Betroffen sind besonders „Zahnbürsten-Muffel“, aber auch genetische Anlagen und Erkrankungen wie Diabetes mellitus sowie Rauchen oder unausgewogene Ernährung gehören zu den Faktoren, die das Erkrankungsrisiko für Parodontitis erhöhen.
„Die Folgen von Parodontitis sind vielfältig und schwerwiegend, wie immer mehr Studien belegen“, weiß Dr. Klinghammer. So hat eine große australische Untersuchung mit 3400 Schwangeren ergeben, dass Zahnfleischerkrankungen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben. Frauen mit Parodontitis brauchten im Durchschnitt zwei Monate länger, um überhaupt schwanger zu werden, als Frauen mit gesundem Gebiss. Entzündungen im Zahnbereich beeinflussen die weibliche Fruchtbarkeit nach der Studie ebenso stark und negativ wie Fettleibigkeit. Schon länger bekannt ist, dass das Risiko schwangerer Frauen mit Parodontitis für eine Frühgeburt oder ein Baby, das bei der Geburt deutlich zu wenig Gewicht auf die Waage bringt, acht Mal höher ist, als bei Frauen ohne Entzündungen an den Zähnen. Zudem weisen Studien darauf hin, dass Parodontitis eine schwere Präeklampsie, im Volksmund „Schwangerschaftsvergiftung“ genannt,  begünstigen kann. An diesem bedrohlichen Bluthochdruck während der Schwangerschaft erkranken bis zu zehn Prozent aller werdenden Mütter. Die Erkrankung macht bei ausgeprägten Symptomen häufig eine sofortige Entbindung, oft per Notkaiserschnitt, nötig, um schwere Gesundheitsschäden von Mutter und ungeborenem Kind abzuwenden.

Auch für chronisch Kranke stellt Parodontitis ein erhebliches Risiko dar, insbesondere wenn sie nicht bekannt ist und entsprechend unbehandelt bleibt. So steigt die Sterberate von Diabetikern mit erkrankten Nieren laut Universität Dresden durch Parodontitis um das Achtfache. Parodontitis und Diabetes können sich wechselseitig negativ beeinflussen. Andere wissenschaftliche Untersuchungen erkennen Zusammenhänge zwischen Parodontitis und deutlich erhöhten Risiken für Herzinfarkt und Schlaganfall, aber auch für Entstehung und Schweregrad von Rheuma und Arthritis. „Eine frühzeitige und regelmäßige Abklärung auf Parodontitis ist für Frauen wie Männer empfohlen, denn diese chronische Erkrankung ist in fortgeschrittenem Stadium nur durch aufwendige und langwierige Therapien von spezialisierten Zahnärzten zu stoppen“, so GenoGyn-Vorstand Dr. Klinghammer.

Der in Finnland und Deutschland entwickelte neue Speicheltest ist weltweit der erste Selbsttest für die Mundgesundheit. Der Test basiert darauf, das für den parodontalen Gewebeabbau verantwortliche Enzym Matrix-Metalloproteinase-8 (aMMP-8) in seiner aktivierten Form sichtbar zu machen. Weist das Testergebnis auf entzündliche Probleme hin, sollte der unverzügliche Gang zum spezialisierten Zahnarzt für eine exakte Diagnose und die Abklärung besonderer Mundhygiene beziehungsweise einer notwendigen Behandlung folgen.
Für den Kölner Gynäkologen Dr. Klinghammer reiht sich der Test zur Mundgesundheit ein in die Verantwortung für Vorsorge und Früherkennung gegenüber ihren Patientinnen, der sich die Frauenärzte der GenoGyn verschrieben haben. Für sie gilt Präventionsmedizin als Schlüssel der modernen Gynäkologie. Das spiegelt sich auch in ihrem eigenen zertifizierten Fortbildungsprogramm zur Präventionsmedizin wider, mit dem sich bereits über 300 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte für eine erweiterte Primärprävention qualifiziert haben.