Archiv der Kategorie: Pressemitteilungen

Das Organ, das über die US-Präsidentschaft entscheiden kann

Thoraxchirurgen treffen sich zur Diskussion innovativer Therapiekonzepte und neuester Operationstechniken bei ihrer Jahrestagung in Freiburg

zukunft-gestaltenWenn sich vom 29. September bis zum 1. Oktober 2016 Thoraxchirurgen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Freiburg treffen, dreht sich alles um das Organ, das – wie Hillary Clintons Lungenentzündung zeigt – sogar die Weltpolitik beschäftigen kann: die Lunge.  

Funktioniert die Lunge, nehmen wir sie kaum war, fehlt ihr etwas, kann das dramatische Auswirkungen haben. Jährlich erkranken in Deutschland 50.000 Menschen an Lungenkrebs, 300 Menschen wird eine neue Lunge transplantiert, bis zu sechs Millionen Menschen leben mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Thoraxchirurgen können heutzutage bei vielen Leiden helfen. Damit der medizinische Fortschritt nicht ins Stocken gerät und um die aktuellsten Behandlungskonzepte zu diskutieren und zu verbessern, findet die 25. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie im Konzerthaus in Freiburg statt.

„Eine ständige Auseinandersetzung mit innovativen Therapiekonzepten und die Diskussion gängiger Techniken gewährleistet eine stetige Verbesserung der Behandlungsmethoden. Durch immerwährenden Fortschritt im Umgang mit schweren Lungenerkrankungen kann bei vielen Patienten die Lebensqualität verbessert werden“, sagt Prof. Dr. Bernward Passlick, Ärztlicher Direktor der Klinik für Thoraxchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg. „Deshalb sind diese neuen Therapiekonzepte, die bei der Behandlung von Thoraxtumoren und bei funktionellen Problemen eingesetzt werden, wesentlicher Inhalt der Tagung“, erläutert Prof. Passlick weiter, der bei der Tagung in Freiburg als Kongresspräsident den Vorsitz hat.

pflegefachtagungBeim Kongress wird beispielsweise die Wiederherstellung der Atemfunktion durch operative Eingriffe am Zwerchfell, am Lungenfell und an der Luftröhre vorgestellt und diskutiert. Im Mittelpunkt steht hier die Frage, welche Patienten mit einem Lungenemphysem von einer sogenannten Lungenvolumenreduktion profitieren können. Weiterhin werden Verfahren vorgestellt, bei denen einer der wichtigsten Atemmuskeln, das Zwerchfell, nach einer Verletzung oder Lähmung so gestrafft werden kann, dass eine deutliche Verbesserung der Atemmechanik erreicht wird.

Darüber hinaus beschäftigen sich die Thoraxchirurgen auf ihrer Tagung in Freiburg intensiv mit minimalinvasiven Operationstechniken. „In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass diese insbesondere bei den ca. 15.000 Lungenkrebspatienten, die in Deutschland jährlich operiert werden, wesentlich zur Vermeidung von Komplikationen und zur schnelleren Rekonvaleszenz führen“, sagt Prof. Passlick. Da die Belastung für das Herz-Kreislaufsystem bei minimalinvasiven Operationen geringer ist, können heute Patienten operiert werden, die vor wenigen Jahren noch als funktionell inoperabel galten.

Außerdem werden erstmalig bei der Tagung in Freiburg Daten über die Verwendung moderner Lasertechnik vorgestellt. Sie zeigen auf, dass bei der Entfernung von Lungenmetastasen bei Patienten mit Dickdarmtumoren mit Hilfe dieser Technik ein deutlich verbessertes Langzeitüberleben erreicht werden kann.

Das ausführliche Programm finden Sie im Internet unter: www.dgtkongress.de

Propionat lässt auch überflüssige Pfunde purzeln

Von Londoner Forschern entdeckt: Das seit Jahrzehnten in der Lebensmittelproduktion eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel Propionat lässt auch überflüssige Pfunde purzeln.

Herne/Bochum (obx-medizindirekt) – Abnehmen – aber wie? Eines haben die meisten bekannten Mittel zur Gewichtsreduzierung gemeinsam: Viele wirken nicht wirklich oder nur kurzzeitig. Englische Forscher haben jetzt ein Nahrungsergänzungsmittel entdeckt, das ohne Nebenwirkungen auch über lange Zeit eingenommen werden kann: Propionat. Diese als gesundheitlich unbedenklich eingestufte, kurzkettige Fettsäure unterdrückt nach neuesten Untersuchungen vor allem die Lust auf ungesundes Essen und lässt so Kilos purzeln: Propionat wird bereits seit vielen Jahrzehnten bei der Lebensmittelproduktion eingesetzt, um zum Beispiel Brot länger frisch zu halten oder die Löcher im Emmentaler wachsen zu lassen.

Jetzt haben Forscher am Londoner Imperial College im Zuge einer Studie festgestellt: Propionat regt die Freisetzung appetithemmender Botenstoffe im Darm an und zügelt die Lust auf Junk Food. Die Teilnehmer einer durchgeführten Studie hatten nach Einnahme von Propionat weniger Lust auf ungesunde Lebensmittel und klassische Kalorienbomben wie Burger, Pizza oder Süßes. Dabei belastet Propionat den Körper nicht wie manche konventionellen Abspeck-Präparate. Es wird auch im Körper selbst produziert, vor allem bei Aufnahme großer Mengen ballaststoffreicher Lebensmittel. Davon essen die meisten Menschen aber viel zu wenig. Die Einnahme von Propionat, etwa als Propicum in Kapselform, gleicht das Defizit komfortabel aus.

Weniger Lust auf Nudeln, Pizza und Schokolade

Beim Test in London herhielt eine Testgruppe täglich 10 Gramm Propionat, die andere nicht. Sechs Stunden nach Einnahme analysierten die Wissenschaftler die Aktivität spezieller Hirnregionen mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (MRT). Während dieser Hirn-Scans wurden den Probanden Bilder von Lebensmitteln mit hohem oder geringem Kaloriengehalt gezeigt. Bei den Teilnehmern mit künstlich erhöhtem Propionat-Spiegel zeigte das Belohnungszentrum des Gehirns – mit ein Auslöser von Heißhunger – beim Anblick von Junk Food, Schokolade oder Pizza weit weniger Aktivitäten als bei den Teilnehmern der Kontrollgruppe. Im Praxistest erhielt dann noch jeder Teilnehmer eine große Schüssel Nudeln mit Tomatensoße. Die Propionat-Gruppe aß im Durchschnitt zehn Prozent weniger Nudeln als die Kontrollgruppe.

Propionat: Gesundheitlich undenklich

Erstmals extrahiert wurden Propionate bereits 1844. Sie spielten im letzten Jahrhundert vor allem bei der Konservierung von Brot und Käse eine Schlüsselrolle. Sowohl von der European Food Safety Authority (EFSA) wie auch von der amerikanischen Lebensmittel-Aufsichtsbehörde US Food and Drug Administration (FDA) wurde der Stoff als gesundheitlich unbedenklich eingestuft.

Hier die Infos auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Propions%C3%A4ure

Physiologische Effekte

Nehmen Menschen eine ballaststoffreiche Diät zu sich, so ändert sich nach einigen Monaten die Zusammensetzung der Bakterien im Darm und es werden mehr kurzkettige Fettsäuren gebildet.

In der Cochrane Library konnte kein Eintrag dazu gefunden werden.

Ein bewährter Wirkstoff mit neuen starken Qualitäten

Propionate könnten nach neuesten Studien auch in der Lage sein, den Verlauf vieler entzündlicher Krankheiten abzuschwächen. Diese kurzkettigen Fettsäuren wirken über den Darm offensichtlich im ganzen Körper entzündungshemmend. Bei verschiedenen klinischen Prüfungen habe sich auch gezeigt, dass durch systematische Propionat-Gaben die regulatorischen Elemente im Immunsystem um 30 Prozent angestiegen sind, sagt Professor Dr. Wolfram Sterry, ehemals Klinikdirektor der Charité Berlin. Die Zahl der für die Immunabwehr wichtigen T-Zellen im Darm steige bereits durch die Einnahme von nur einem Gramm Propionat ebenfalls deutlich.

1,5 Millionen Euro für Enzymforschung

Die Freiburger Biochemikerin Jennifer Andexer erhält einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats

Juniorprofessorin Dr. Jennifer Andexer hat sich erfolgreich um einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) beworben. Die Biochemikerin vom Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Universität Freiburg erhält in den kommenden fünf Jahren 1,5 Millionen Euro. Die Förderung gehört zu den renommiertesten Preisen der Europäischen Union. Sie soll junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei unterstützen, einige Jahre nach ihrer Promotion eine unabhängige Karriere zu beginnen und eine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen. In ihrem Projekt möchte Andexer Verfahren entwickeln, mit denen sich Enzyme, die von einem bestimmten Kofaktor abhängen, in der Biotechnologie effizient anwenden lassen. Dies ist unter anderem für die Herstellung von Medikamenten sowie Aromastoffen für die Lebensmittelindustrie von Interesse.

Enzyme, also Proteine, die in Organismen chemische Reaktionen katalysieren, kommen in vielen Produkten des täglichen Lebens vor – sei es als Zusatz in Waschmitteln oder in laktosefreien Milchprodukten. In der Biotechnologie werden Enzyme als umweltfreundliche Katalysatoren eingesetzt, um verschiedene Stoffe herzustellen. Allerdings können nicht alle Enzyme direkt aus dem natürlichen Organismus heraus in den biotechnologischen Prozess überführt werden. Oft brauchen sie Hilfsmoleküle, so genannte Kofaktoren. Diese sind häufig teuer, weshalb es von Vorteil ist, sie während der Reaktion aus günstigeren Vorläufersubstanzen zu recyceln. Solche Systeme, in denen der Kofaktor aus seinen Abbauprodukten wieder aufgebaut wird, sind für einige Enzymklassen bereits gut etabliert. Das ist nicht der Fall bei Enzymen, die den Kofaktor S-Adenosylmethionin (SAM) benötigen, da dieser in der Natur über einen komplexen mehrstufigen Biosyntheseweg recycelt wird. „Jedoch sind für die Biotechnologie viele Reaktionen, die von SAM-abhängigen Enzymen katalysiert werden, von enormem Interesse – vor allem im Hinblick auf die umweltfreundliche Herstellung von Pharmazeutika und Aromastoffen“, sagt Andexer. Die Forscherin möchte mit ihrer Arbeitsgruppe in den kommenden Jahren Methoden entwickeln, um den Kofaktor SAM effizient zu recyceln und damit die von ihm abhängigen Enzyme nachhaltig anwenden zu können.

Jennifer Andexer hat Biologie an der Universität Düsseldorf studiert und 2008 ihre Promotion in der Molekularen Enzymtechnologie am Forschungszentrum Jülich abgeschlossen. Nach einem Aufenthalt als Postdoktorandin an der Universität Cambridge/England hat sie 2011 die Juniorprofessur für Pharmazeutische und Medizinische Chemie/Chemische Biologie an der Universität Freiburg angetreten.

Die Abenteuer der Zahnbande

Eine Bande gründen Kinder allzu gerne. Da gibt es Geheimnisse, Verstecke und spannende Abenteuer. Doch was erlebt die „Zahnbande“?

Die Abenteuer der Zahnbande erzählt das neue Bilderbuch der Initiative proDente auf 24 Seiten.

1973thm_1760ad2dc51c7d7 2493thm_cc60c53b8a7570eLebendige Spielzeuge begleiten zwei Geschwister durch den Tag. Sie helfen beim Aufwachen, toben gemeinsam durch das Badezimmer, stöbern im Supermarkt und feiern eine große Party. Dabei achten zwei süße Monster besonders auf das Zähneputzen. Auch ein Besuch beim Zahnarzt darf nicht fehlen.

Buch ohne Text

Der Clou: Wie einige berühmte Vorbilder ist das Buch frei von Text. Die Geschichte handelt von einem Tag im Leben der Geschwister. Um die kleinen Leser lange an die einzelnen Seiten zu fesseln, treiben die Spielfiguren allerlei Schabernack. So erwachen Spielpüppchen, Spielkarten, Gummibärchen und Co. zum Leben. Dieser dramaturgische Kniff stammt aus den berühmten Wimmelbüchern und wird auch in anderen populären Buchreihen genutzt.

Arabischer Untertitel

„Um den Kreis der Nutzer auch auf Kinder von Flüchtlingen auszuweiten, haben wir den Buchtitel in die arabische Sprache übertragen“, so Dirk Kropp, Geschäftsführer der Initiative proDente. „So hoffen wir, einen kleinen Beitrag für die Zahnpflege ganz junger Flüchtlinge zu leisten“, führt Kropp weiter aus.

Am Ende des Buchs steckt ein wasserfester Streifen. Die kleinen Leser können ihn in den Zahnputzbecher stecken oder auch auf den Badezimmer-Spiegel aufkleben. Darauf sind allerlei Tricks um gesunde Zähne noch einmal mit Witz gezeichnet. Die richtige Reihenfolge ist mit lateinischen und arabischen Zahlen markiert. Auf der Rückseite rundet ein Labyrinth-Spiel das Buch ab. „Wir wollten wirklich jeden freien Platz nutzen, um möglichst viele Kinder zu erreichen“, schmunzelt Kropp.

Kostenfrei für Patienten, Zahnärzte und Innungsbetriebe im VDZI

Die Initiative proDente stellt das Buch kostenfrei zur Verfügung. Patienten können ein Exemplar bestellen, Zahnärzte und Zahntechniker je 20 Exemplare. Bestellungen werden unter 01805/552255 oder auf www.prodente.de aufgenommen. Alternativ genügt auch eine Bestellung mit vollständiger und lesbarer Adresse per Fax an 0221/170 99 742.

Psychische Erkrankungen bei älteren Menschen

Psychische Krankheiten bei älteren Menschen sind häufiger als bisher angenommen

13. September 2016

Ergebnisse einer vom Universitätsklinikums Hamburg‐Eppendorf geleiteten Studie

Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die Häufigkeit psychischer Erkrankungen im höheren Alter sinkt. Eine neue, groß angelegte Untersuchung in sechs europäischen Ländern mit innovativen Diagnoseverfahren kommt nun zu dem Ergebnis, dass rund ein Drittel der 65 bis 85 Jahre alten Befragten rückblickend auf das vergangene Jahr unter einer psychischen Erkrankung litt und rund ein Viertel der Befragten aktuell psychisch krank ist. Die Ergebnisse der Studie, die von Prof. Dr. Martin Härter, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Hamburg‐Eppendorf (UKE), koordiniert wurde, wurden nun im renommierten „British Journal of Psychiatry“ publiziert.

„Ausgangspunkt war die Annahme, dass die gültigen Diagnoseverfahren für Erwachsene schlechter für die Diagnose von psychischen Krankheiten bei älteren Menschen geeignet sind“, erläutert Studienleiter Prof. Härter, der gemeinsam mit Prof. Dr. Sylke Andreas, Dr. Jana Volkert und Prof. Dr. Holger Schulz (Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie des UKE) die Untersuchung koordinierte. Ältere Menschen würden bei den herkömmlichen Diagnoseinstrumenten recht bald die Aufmerksamkeit verlieren. Hinzu kommt, dass die Fragen in den bisherigen Diagnoseverfahren oft recht lang und kompliziert waren, was zusätzlich älteren Menschen Probleme bereitete.

Neues  Diagnostikinstrument entwickelt

Das Forschungsteam entwickelte zunächst ein neues Diagnostikinstrument in Form eines computerbasierten Interviews mit vereinfachten Sätzen. Mit diesem Verfahren wurden dann 3100 Menschen im Alter von 65 bis 85 Jahren in Spanien, Großbritannien, Deutschland, Italien, Israel und in der Schweiz untersucht. Die statistischen Analysen wurden von Prof. Dr. Karl Wegscheider, Susanne Sehner und Dr. Anna Suling vom Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie des UKE durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen eine deutlich höhere Häufigkeit von psychischen Erkrankungen bei älteren Menschen als bisher angenommen wurde: Bei einem Drittel der Befragten zeigte sich zum Zeitpunkt des Interviews eine psychische Erkrankung im vergangenen Jahr (Ein‐Jahres‐Prävalenz) und bei einem Viertel der Befragten wurde eine aktuelle psychische Erkrankung festgestellt. Am häufigsten waren es Angsterkrankungen (17 Prozent) und Depressionen (14 Prozent), an denen die befragten Personen im vergangenen Jahr erkrankt waren.

Die Ergebnisse seien insbesondere vor dem Hintergrund der bisher angebotenen Gesundheitsleistungen erschreckend, sagt Prof. Andreas, die inzwischen an der Alpen‐Adria Universität Klagenfurt (Österreich) arbeitet. „Wir brauchen bessere und verlässlichere Wege, um zu eruieren, ob ein älterer Mensch an einer psychischen Erkrankung leidet. Damit einher geht auch die dringliche Notwendigkeit, bis dato beinahe gänzlich fehlende psychotherapeutische Versorgungsangebote für Menschen im höheren Lebensalter zu etablieren.“

Literatur:
Sylke Andreas, Martin Härter et al., “Prevalence of mental disorders in elderly people: the European MentDis_ICF65+ study”. The British Journal of Psychiatry 2016 (published ahead of print). DOI: 10.1192/bjp.bp.115.180463

Links zum Thema:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23000171

http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs381/en/

 

Medikamentenreste richtig entsorgen

Apotheker informieren über die Entsorgung von Medikamenten

Alt-Arzneimittel sind aus rechtlicher Sicht Hausmüll. Nicht mehr benötigte oder verfallene Medikamente können daher über die Restmülltonne oder bei größeren Mengen über die Schadstoffsammelstellen entsorgt werden.

Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbandes: „Wichtig ist, dass Sie Ihre Medikamente gut verpacken, bevor Sie sie in die Tonne werfen und sie – wenn möglich – erst am Leerungstag unter den Hausmüll mischen. So vermeiden Sie, dass Unbefugte oder Kinder an die Medikamente gelangen.“ Auf keinen Fall sollten Medikamentenreste in das Waschbecken oder die Toilette geleert werden, weil das auf Dauer die Wasserqualität beeinträchtigen kann. Das gilt auch für flüssige Arzneimittel, wie z. B. Hustensäfte. „Wer sich nicht sicher ist, wie er seine Altmedikamente richtig entsorgt, kann in jeder Apotheke nachfragen“, so Hubmann. Obwohl Apotheker nicht verpflichtet sind, Altmedikamente zurückzunehmen, wird dieser Service noch in einigen Apotheken angeboten. Auch hier lohnt sich die Nachfrage.

Arzneimittel nicht über Verfalldatum hinaus anwenden

Grundsätzlich raten die Apotheker allen Verbrauchern, einmal im Jahr die Hausapotheke zu überprüfen und dabei unbrauchbare oder nicht mehr benötigte Arzneimittelreste zu entsorgen. Ist das Haltbarkeitsdatum eines Medikaments überschritten, sollte es nicht mehr angewendet werden. „Im Gegensatz zu Lebensmitteln ist das Datum bei Medikamenten kein Mindesthaltbarkeitsdatum, sondern ein Verfallsdatum“, erklärt Pressesprecher Hubmann. „Arzneistoffe verändern sich auch bei sachgemäßer Lagerung im Laufe der Zeit. Zu lange gelagerte Medikamente können unwirksam werden oder im schlimmsten Fall sogar schädliche Nebenwirkungen hervorrufen. Diese Veränderungen sind nur selten äußerlich erkennbar. Auch Verbandstoffe sollten nach Ablauf der Haltbarkeit ersetzt werden. Zum Beispiel könnten sterile Verbandsmittel unsteril werden und an offenen Wunden Infektionen verursachen.“

Walking a Tightrope

Regulators Balancing Need for Safety & Flexibility in Approvals for New Medicines

It can be challenging for regulators to keep up with advances related to medical drugs and devices. A new analysis and editorial published in the British Journal of Clinical Pharmacology provide insights on how officials are working to support accelerated access to new therapies while also ensuring their safety.

Advances in science and technology have led to the development of therapies such as biosimilar medicines; personalized treatments; and products that sit on the borderline between medicines and other sectors, such as food and cosmetics. In their editorial, Natalie Richards and Ian Hudson, MD of the Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency in London note that regulatory agencies need to support innovation with a flexible approach that ensures access to new therapies while also strengthening vigilance and monitoring risks and benefits. International collaboration will be key to achieving these goals.

In a related analysis, Bernd Jilma, MD, of the Medical University of Vienna, and his colleagues looked closely at how regulators have dealt with biosimilars. Biologic therapies are large, complex molecules generally made from human and/or animal materials. Like generic drugs that are cost-effective replacements for trade-name medications, biosimilars offer a less-expensive alternative to costly branded biologic therapies once patents expire; however, approval of biosimilars is much more complex than for generics. The European Medicines Agency (EMA), the leading regulator in Europe, approved the first biosimilar in 2006 (Omnitrope by Sandoz) and since then, the landscape of authorized biosimilars in Europe has widened considerably. Currently, there are 21 products for seven different biologics on the market.

“There are many papers published describing the regulation and guidelines of the biosimilar approval pathway in Europe; however, it was not clear how these regulations were put into practice,” said Dr. Jilma. “Our work closes this gap by presenting the results of a systematic comparison of all clinical development programs of biosimilars that were approved by the EMA, therefore offering insights on the implementation of biosimilar regulations in practice.”

When the investigators compared clinical trials undertaken to get market authorization for biosimilars, they found considerable variability between the clinical development programs that were submitted to the EMA for approval. “While some differences can be explained by the characteristics of the different reference products, even for biosimilars to the same reference product, the development strategies could not be considered comparable,” said Dr. Jilma. For example, some companies conducted studies that focussed on the activity of biosimilars in the body whereas others put emphasis on phase III clinical trial results in patients with the target disease. “We concluded that the details of the development programs are negotiable with the EMA, and companies that produce biosimilars have some flexibility when deciding how best to show biosimilarity,” said Dr. Jilma. The researchers also noted that detailed information about the EMA’s approval process is publicly available so that clinicians and patients can examine information on different biosimilars’ efficacy and safety.

Full citation:“Clinical trials for authorised biosimilars in the European Union: A systematic review.” Johanna Mielke, Bernd Jilma, Byron Jones, and Franz Koenig.  British Journal of Clinical Pharmacology.  Published Online: September 1, 2016, DOI: 10.1111/bcp.13076.

URL Upon Publication: http://doi.wiley.com/10.1111/bcp.13076

Full citation of editorial:“UK Medicines Regulation: Responding to Current Challenges.” Natalie Richards and Ian Hudson. British Journal of Clinical Pharmacology.  Published Online: September 1, 2016, DOI: 10.1111/bcp.13077.

URL Upon Publication: http://doi.wiley.com/10.1111/bcp.13077

About the Journal: The British Journal of Clinical Pharmacology has the primary goal of publishing high quality research papers on all aspects of drug action in humans. The journal has a wide readership, bridging the medical profession, clinical research and the pharmaceutical industry, and is published monthly. It is owned by the British Pharmacological Society and published by Wiley. The journal’s current Impact Factor is 3.83 (Thomson Reuters Science Citation Index).

About The British Pharmacological Society: The British Pharmacological Society is a charity with a mission to promote and advance the whole spectrum of pharmacology. Founded in 1931, it is now a global community at the heart of pharmacology, with over 3,500 members from more than 60 countries worldwide. The Society leads the way in the research and application of pharmacology around the world through its scientific meetings, educational resources and peer-reviewed journals: the British Journal of Clinical Pharmacology, Pharmacology Research & Perspectives and the British Journal of Pharmacology, which includes the Concise Guide  to PHARMACOLOGY, featuring open access overviews of the key properties of over 1,700 human therapeutic targets and their drugs, and links to www.guidetopharmacology.org.

Selenversorgung soll Krebsrisiko beeinflussen

Selenversorgung beeinflusst Risiko für Krebsentwicklung

Charité-Wissenschaftler untersuchen Zusammenhänge

Vorsicht! Die Studie belegt nicht direkt, dass eine *Supplementation mit Selen vor Leberkrebs schützt. 

Berlin, 26.08.2016 Das Spurenelement Selen ist ein essentieller Nahrungsbestandteil. Wie Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Zusammenarbeit mit der International Agency for Research on Cancer nun zeigen konnten, sorgt ein hoher Selenwert im Blut für ein vermindertes Risiko, an Leberkrebs zu erkranken. Die aktuelle Studie hat auch weitere Risikofaktoren einbezogen und den Einfluss der Selenversorgung auf die Entwicklung anderer Krebsarten betrachtet. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin American Journal of Clinical Nutrition* veröffentlicht.

Das Spurenelement Selen (Se) ist unter anderem in Fisch, Meeresfrüchten, Fleisch, Milch und Ei enthalten, auch einige südamerikanische Nüsse wie die Paranuss sind gute Selenquellen. Das Element findet seinen Weg über den Boden und die Pflanzen im Zuge der Ernährung in Mensch und Tier. Im Gegensatz zu anderen Regionen der Erde sind die europäischen Böden eher selenarm, was sich in einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Selenmangel der Bevölkerung niederschlägt. In Deutschland wird das Spurenelement daher bereits in der Tiermast ergänzend eingesetzt.

Durch eine selenreiche Ernährung oder eine angemessene Supplementation entstehen keine Nachteile. Selenmangel dagegen kann ein Risikofaktor für eine Reihe von Erkrankungen sein. „Wir konnten nachweisen, dass ein Mangel an Selen einen starken Risikofaktor für Leberkrebs darstellt“, sagt Prof. Dr. Lutz Schomburg vom Institut für Experimentelle Endokrinologie. „Das Drittel der Bevölkerung mit dem stärksten Selenmangel hat unseren Daten entsprechend ein fünf- bis zehnfach höheres Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom, auch Leberkrebs genannt“, so der Wissenschaftler.

Bei der aktuellen Untersuchung handelt es sich um eine Fall-Kontroll-Studie. Aus einer Kohorte von 477.000 Probanden wurden diejenigen identifiziert, die in den folgenden zehn Jahren ein hepatozelluläres Karzinom entwickelt hatten. Die Analyse der Blutproben auf den Selenstatus erfolgte, als die Probanden noch gesund waren. „Unsere Studie zeigt nicht direkt, dass eine *Supplementation mit Selen vor Leberkrebs schützt. Sie untermauert allerdings erneut die Wichtigkeit einer ausgewogenen Ernährung, in der das Spurenelement Selen nicht fehlen darf“, erklärt Prof. Schomburg. Vorangegangene Studien hatten bereits ähnliche Zusammenhänge von Selenstatus und Darmkrebsrisiko oder der Wahrscheinlichkeit von Schilddrüsenerkrankungen nahe gelegt.

*Hughes DJ, et al.. Prediagnostic selenium status and hepatobiliary cancer risk in the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition cohort. Am J Clin Nutr. 2016 Aug;104(2):406-14. doi: 10.3945/ajcn.116.131672.

 

Mascaras: Schwarzmalerei mit Erdöl

Tuschen sich Frauen Schadstoffe auf ihre Wimpern, wenn sie einen Mascara benutzen?

M1609Dieser Frage ist ÖKO-TEST in der aktuellen September-Ausgabe nachgegangen. Das Verbrauchermagazin hat nicht nur Naturkosmetikprodukte unter die Lupe genommen, sondern wollte auch wissen, wie gut die wasserfesten Wimperntuschen von konventionellen Herstellern sind. Das Resümee: Zehn Produkte sind empfehlenswert, darunter auch ein wasserfestes.

Manche Mascaras enthalten eine Vielzahl von bedenklichen und/oder schädlichen Inhaltsstoffen.

Manche Mascaras enthalten eine Vielzahl von bedenklichen und/oder schädlichen Inhaltsstoffen.

Wenn Wimperntusche einen herzergreifenden Liebesfilm, einen Schwimmbadbesuch oder eine Fitnesseinheit unbeschadet überstehen soll, muss sie wasserfest sein. Leider funktioniert das in der Regel nur mit Chemie. Damit die schwarze Paste auf den Wimpern haften bleibt, setzen die Hersteller neben einen verringerten Wasseranteil auf erdölbasierte Paraffine und Silikonöle. Die aktuelle Untersuchung von ÖKO-TEST zeigt, dass dazu noch weitere problematische und/oder gesundheitsgefährdende Substanzen ins Spiel kommen: So fand das Labor in der Mehrzahl der 19 getesteten Mascaras polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Bei einer Marke waren die Werte sogar stark erhöht. Einige PAK sind nachweislich krebserregend, andere stehen unter dringendem Krebsverdacht.  Unter anderem wurde Naphthalin nachgewiesen, das als krebsverdächtig gilt und in Kosmetika nur in „technisch unvermeidbaren Spuren“ enthalten sein darf.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Ein wasserfestes Produkt erhält von ÖKO-TEST das Testurteil „sehr gut“ und zeigt, dass man auch als konventioneller Anbieter weitgehend schadstofffreie Produkte herstellen kann. Eine andere Alternative ist die Naturkosmetik:  Die Rezepturen aller neun untersuchten Marken haben die Tester voll und ganz überzeugt. Allerdings müssen Verbraucherinnen hier in Kauf nehmen, dass es mit für die Naturkosmetik erlaubten Inhaltsstoffen derzeit nicht möglich ist, wasserfeste Wimperntuschen herzustellen.

Suizid ist keine Straftat – Beihilfe auch nicht?

Patienten, Rechte, Entwicklungen

Verbotstatbestand der Suizidhilfe im Strafgesetzbuch seit 1871 aufgehoben

Seit Ende 2015 verbietet der neue Paragraph 217 StGB die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung. Rechtsanwalt Wolfgang Putz zufolge ändert das allerdings nichts daran, dass Suizidbeihilfe ansonsten rechtmäßig sein kann. Putz ist Rechtsanwalt für Medizinrecht und Mitautor des Buchs „Patientenwille am Ende des Lebens“. Auf dem 17. Deutschen Medizinrechtstag am 23. und 24. September in Berlin erläutert er die Rolle von Ärzten und Anwälten bei der Sterbehilfe.

„Da Suizid keine Straftat ist, ist auch die Beihilfe zum Suizid kein Tatbestand“, sagt Putz. Einen Verbotstatbestand der Suizidhilfe im Strafgesetzbuch gebe es seit 1871 nicht mehr. Heute tendiere das Medizinrecht in die Gegenrichtung: Äußere ein Patient einen freiverantwortlichen und wohlerwogenen Willen zu sterben, sei es sogar rechtswidrig, wenn Ärzte ihn daran hindern oder ihn später retten. „Ärzte müssen lebenserhaltende Maßnahmen dann beenden, also zum Beispiel Beatmungsmaschinen abschalten“, erklärt der Rechtsanwalt. „Sie dürfen grundsätzlich auch dabei helfen, eine Selbsttötung vorzubereiten. Doch hier kommt es seit dem Inkrafttreten von § 217 StBG zu gefährlichen Grauzonen!“

Häufig können Patienten sich nicht mehr äußern, es liegt keine Patientenverfügung vor oder Ärzte bestehen allein aufgrund einer Indikation auf einer lebenserhaltenden Behandlung. „Dabei gilt doch: Der Patientenwille sticht die Indikation“, sagt Putz. Er betont, Rechtsanwälte könnten Sterbewilligen und ihren Angehörigen in diesen Fällen sehr wirksam helfen. „Durch taktisches Handeln können wir meistens den Willen der Patienten durchsetzen und ihnen helfen, selbstbestimmt aus dem Leben zu gehen.“ Prozesse könnten so vermieden werden.

Der 17. Deutschen Medizinrechtstag findet am 23. und 24. September in Berlin statt, unter dem Motto „Patienten, Rechte, Entwicklungen“. Karl-Dieter Möller, ehemaliger Leiter der ARD-Rechtsredaktion, wird das gemeinsame Symposium von Medizinrechtsanwälten und Medizinern moderieren.

Programm und Anmeldung finden Sie unter:
www.medizinrechts-beratungsnetz.de/deutscher-medizinrechtstag