Neue Methode hilft bei der Aufklärung von Krankheitsausbrüchen

EHEC, Salmonella & Co: Neue Methode hilft bei der Aufklärung von Krankheitsausbrüchen

BfR entwickelt gemeinsam mit Kooperationspartnern eine computer-gestützte Methode, die Verkaufszahlen analysiert, um verdächtige Lebensmittel schneller zu identifizieren

„Im Fall eines Krankheitsausbruchs, der durch Erreger wie EHEC, Campylobacter oder Salmonellen in Lebensmitteln ausgelöst wird, müssen die verunreinigten Lebensmittel schnellst möglich identifiziert werden, um die Anzahl der erkrankten Personen gering zu halten“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Das BfR hat in Zusammenarbeit mit dem IBM Almaden Research Center und der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health eine wahrscheinlichkeitsbasierte Methode entwickelt, die dazu beitragen kann, die Aufklärung von Krankheitsausbrüchen zu beschleunigen. Durch den Vergleich der Verteilungsmuster einzelner Lebensmittel mit dem Verteilungsmuster der gemeldeten Krankheitsfälle lässt sich die Gruppe von Lebensmitteln eingrenzen, die als Ursache des Krankheitsausbruchs in Frage kommen. Verglichen werden Daten über Verkaufsmengen und -orte von Lebensmitteln mit den Orten des Krankheitsausbruchs. Ist der Krankheitsausbruch auf ein einziges Lebensmittel zurückzuführen, lässt sich mit dieser Methode das Lebensmittel sehr effizient ermitteln. Voraussetzung ist, dass die entsprechenden produktbezogenen Verkaufsdaten vorliegen. Das ist insbesondere bei abgepackten Lebensmitteln der Fall, die mit einer eindeutigen Produktnummer gekennzeichnet sind.

Angesichts komplexer und häufig internationaler Warenströme kann es unter Umständen lange dauern, die Ursache eines Krankheitsausbruchs herauszufinden. Vor diesem Hintergrund kann die neu entwickelte wahrscheinlichkeitsbasierte Methode dazu beitragen, verunreinigte Lebensmittel zu identifizieren und Krankheitsausbrüche schneller aufzuklären. Der computergestützte Vergleich von Verteilungsmustern einzelner Lebensmittel mit dem Verteilungsmuster von Krankheitsfällen, die dem Ausbruch zugeordnet werden, ermöglicht die schnelle Eingrenzung auf die Gruppe von Lebensmitteln, die als Ursache des Ausbruchs in Frage kommt. Zu den Verkaufsdaten gehören beispielsweise Informationen, welche Lebensmittel in welcher Menge an welchen Orten verkauft wurden. Grundannahme des Verfahrens ist, dass es in den meisten Fällen einen engen räumlichen Zusammenhang zwischen den Verkaufsorten und Verkaufsmengen von Lebensmitteln und dem Auftreten von Krankheitsfällen gibt. Geeignet ist es daher insbesondere, wenn die Ausbruchsursache auf ein einziges Lebensmittel zurückzuführen ist und dieses ausschließlich von einem Hersteller produziert wird. Derzeit wird das Verfahren weiter entwickelt, so dass es zukünftig auch erfolgreich eingesetzt werden kann, wenn mehrere kontaminierte Lebensmittel die Ausbruchsursache darstellen. Das kann der Fall sein, wenn beispielsweise eine verunreinigte Zutat in verschiedenen Lebensmitteln enthalten ist.

Bei der Aufklärung von Krankheitsausbrüchen, die auf Lebensmittel zurückzuführen sind, kommt eine Vielzahl von Methoden zum Einsatz. Dazu gehören neben dem Nachweis des Krankheitserregers im Lebensmittel beispielsweise auch epidemiologische Methoden wie die Befragung von Patienten und die anschließende Rückverfolgung entlang der Lebensmittellieferketten. Die wahrscheinlichkeitsbasierte Methode zur Identifizierung von  Lebensmitteln, die mit Krankheitserregern verunreinigt sein könnten, ist als ein zusätzliches Werkzeug zur Unterstützung der Ausbruchsaufklärung zu verstehen.

Getestet wurde die Methode an realen Lebensmittelverkaufsdaten aus Deutschland in Verbindung mit fiktiven, computergenerierten Ausbruchsszenarien. Eine detaillierte Beschreibung der Methode wurde kürzlich in der Zeitschrift PLOS Computational Biology veröffentlicht.

Der Artikel ist unter dem folgenden Link verfügbar:

http://www.ploscompbiol.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pcbi.1003692

Eine Verknüpfung von produktbezogenen Verkaufsdaten, die bei vielen Handelsunternehmen in Echtzeit vorliegen, mit Informationen zu Krankheitsfällen, die den zuständigen Behörden gemeldet werden, ist bislang nicht als Methode zur Ausbruchsanalyse etabliert. Daher ist dieser wissenschaftliche Beitrag auch eine Anregung, über neue Kooperationsformen zwischen Unternehmen des Lebensmittelhandels und den Behörden zu diskutieren.

Die Forschungsförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen des Projekts „SiLeBAT – Sicherstellung der Futter- und Lebensmittelwarenkette bei bio- und agroterroristischen (BAT-) Schadenslagen“ hat wesentlich zur Entwicklung dieser Methode beigetragen. Weitere Informationen zum Projekt SiLeBAT stehen auf der folgenden Seite zur Verfügung:

http://www.silebat.de/

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Prof. Dr. Karl Broich ist neuer Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte

Quellenangabe: BfArM Amtseinführung von Prof. Dr. Karl Broich als neuer Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte am 6. August 2014. Von links: Lutz Stroppe (Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit), Prof. Dr. Karl Broich (Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte), Prof. Dr. Walter Schwerdtfeger (ehemaliger Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte)

Quellenangabe: BfArM
Amtseinführung von Prof. Dr. Karl Broich als neuer Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte am
6. August 2014.
Von links: Lutz Stroppe (Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit), Prof. Dr. Karl Broich (Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte), Prof. Dr. Walter Schwerdtfeger (ehemaliger Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte)

Prof. Dr. Karl Broich ist neuer Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). In einer Feierstunde hat ihn der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Lutz Stroppe, heute in sein Amt eingeführt. Gleichzeitig wurde Prof. Dr. Walter Schwerdtfeger feierlich verabschiedet. Schwerdtfeger, der Ende Juli 2014 aus Altersgründen aus dem BfArM ausschied, war seit 2010 Präsident des Bundesinstituts.

Staatssekretär Lutz Stroppe betonte, dass mit Prof. Dr. Broich ein Mediziner an der Spitze des BfArM stehe, der in seiner Person Kontinuität und Kraft für Erneuerung verbindet: „Prof. Dr. Broich kennt als ehemaliger Vizepräsident das BfArM und dessen Stärken und Schwächen sehr gut. Er wird die Entwicklung der Bundesoberbehörde zu einem modernen Institut für die Sicherheit von Arzneimitteln und Medizinprodukten weiter vorantreiben. Die europäische und internationale Ausrichtung des BfArM sowie dessen Ausbau als Forschungsinstitut werden besondere Herausforderungen darstellen. Prof. Dr. Schwerdtfeger hat die Grundlagen für diesen Weg gelegt, dafür danke ich ihm ausdrücklich.“ Dem BfArM sei es in den vergangenen Jahren gelungen, auch auf europäischer und internationaler Ebene Akzente zu setzen. „Bereits heute erfährt das Institut hohe Anerkennung und ich bin mir sicher, Prof. Dr. Broich wird das BfArM noch stärker auf die globalen Anforderungen ausrichten.“

„Ich freue mich über meine Ernennung zum Präsidenten“, sagte Prof. Dr. Broich in seiner Antrittsrede. Das BfArM spiele eine wichtige Rolle bei der Gesundheitsversorgung der Menschen in Deutschland und Europa: „Durch unsere Arbeit erhalten Patientinnen und Patienten wirksame und sichere Arzneimittel, und auch die Sicherheit von Medizinprodukten ist unser Anliegen.“ Mit Blick auf die immer komplexeren Aufgaben werde das BfArM seine regulatorische und wissenschaftliche Expertise im europäischen Netzwerk weiter ausbauen. „Der deutschsprachige Markt für Arzneimittel ist der größte in Europa, die deutschen Hersteller von Medizinprodukten sind in vielen Sparten führend – unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger können also auch eine starke deutsche Regulierungsbehörde erwarten.“

An die Arbeit von Prof. Dr. Schwerdtfeger werde er anknüpfen, sagte Prof. Dr. Broich. Es sei für das Bundesinstitut ein großer Schritt gewesen, eine eigene Forschungsabteilung einzurichten. Diese Entwicklung müsse weiter vorangetrieben werden: „Es geht nun darum, größere Forschungsschwerpunkte am BfArM zu etablieren und durch aktuelle Projekte zu ergänzen, die sich aus unseren Aufgaben ergeben“, so der neue Präsident. „Dazu ist eine enge Kooperation zwischen den Mitarbeitenden der Forschungsabteilung und den wissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen der regulatorischen Einheiten wichtig.“

Prof. Dr. Broich ist Humanmediziner und seit 2013 Honorarprofessor an der Medizinischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Hier schloss er 1985 auch sein Studium der Humanmedizin ab und begann seine Ausbildung zum Facharzt für Nervenheilkunde. Prof. Dr. Broich war bis 1989 als Wissenschaftlicher Assistent an der Klinik für Neurologie und bis 1993 an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie beschäftigt. Während dieser Zeit erhielt er ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft und wirkte an der University of Pennsylvania in Philadelphia unter anderem an Projekten zu modernen bildgebenden Verfahren mit. Von 1993 bis 2000 arbeitete er an der Klinik für Psychiatrie der Martin Luther Universität Halle/Saale. Dort arbeitete er bis 1997 als Oberarzt und im Anschluss als Leitender Oberarzt und Stellvertreter des Direktors.

Seine Tätigkeit im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte begann Prof. Dr. Karl Broich im Jahr 2000 als Fachgebietsleiter Neurologie/Psychiatrie. Fünf Jahre später wurde er Leiter der Abteilung Zulassung 4. Von 2009 an war er Vizepräsident des Bundesinstituts.

Prof. Dr. Broich ist Mitglied in zahlreichen neurologischen Fachgesellschaften im In- und Ausland und war bislang an mehr als 90 wissenschaftlichen Abhandlungen als Autor bzw. Koautor beteiligt. Er ist seit Jahren in verschiedenen Gremien der europäischen Zulassungsbehörde EMA in London aktiv und mit den Kolleginnen und Kollegen anderer europäischer Zulassungsbehörden sehr gut vernetzt. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen aktuell im Bereich der Methodik klinischer Prüfungen, modernen bildgebenden Verfahren des Gehirns sowie neurodegenerativen Erkrankungen wie der Demenz vom Alzheimer-Typ.

Hepatitis C Virus Genotype 1 is Most Prevalent Worldwide

Non-genotype 1 Infections Comprise over 50% of all HCV Cases

In one of the largest prevalence studies to date, researchers from the U.K. provide national, regional, and global genotype prevalence estimates for the hepatitis C virus (HCV). Findings published in Hepatology, a journal of the American Association for the Study of Liver Diseases, indicate that genotype 1 is the most prevalent worldwide, with over 83 million patients infected of which one-third reside in East Asia. Genotype 3, at just over 54 million cases, is the next most prevalent, followed by genotypes 2, 4, 6, and 5.

Despite efforts to control HCV, it remains one of the most prevalent diseases globally, with up to 150 million patients living with chronic infection according to the World Health Organization (WHO). Previous research shows that chronic HCV leads to the development liver cirrhosis, hepatocellular carcinoma (HCC) or liver cancer, liver failure and death. WHO reports that 350,000 to 500,000 deaths each year are caused by liver diseases related to HCV.

“While the HCV infection rate is decreasing in developed countries, deaths from liver disease secondary to HCV will continue increasing over the next 20 years,” explains lead co-author Dr. Jane Messina with the University of Oxford in the U.K. “Understanding the global trends in the genetic makeup of HCV is the focus of our study and imperative in developing new treatment strategies that may save millions of lives around the world.”

Researchers identified 1,217 medical studies between 1989 (the year HCV was discovered) and 2013 that reported HCV genotypes. The data were then combined with HCV prevalence estimates from the WHO Global Burden of Disease project. Roughly 90% of the global population, representing 117 countries was included in this study.

Analysis shows that HCV genotype 1 is the most prevalent at 46% of all HCV cases, followed by genotype 3 at 30%; genotypes 2, 4, and 6 with a combined total of 23% and genotype 5 at less than 1%. Researchers highlight that genotypes 1 and 3 are most dominant regardless economic status, but found lower-income countries had larger concentrations of genotypes 4 and 5.

Dr. Eleanor Barnes with the University of Oxford adds, “Advances in therapeutics are minimal for cases of non-genotype 1 HCV, which comprise more than half of all HCV cases. Our study provides evidence of genotype prevalence for specific countries and regions that will help improve access to new viral therapies to combat HCV.”

Monday, July 28, 2014 is World Hepatitis Day—a day organized by WHO to increase awareness and understanding of viral hepatitis.

Freiburger Uni-Klinik meldet: Keine Gefahr durch „Vampir-Grippe“

Freiburger Forscher haben ein neu entdecktes Influenzavirus aus
Fledermäusen auf sein Gefahrenpotential untersucht / Veröffentlichung der
Ergebnisse in Nature Communications

Fledermäuse spielen eine sehr große Rolle als Überträger und Reservoir
verschiedenster humanpathogener Viren, wie z.B. Ebola, SARS, Masern, Mumps
oder Erregern von Hirnhautentzündungen.

2012 wurden in Guatemala in Fledermäusen (Sturnira lilium) erstmals
Gensequenzen eines neuartigen, möglicherweise den Menschen gefährdenden
Influenza-Virus (H17N10) entdeckt.  Einer Forschergruppe am Institut für
Virologie des Universitätsklinikums Freiburg um Professor Dr. Martin
Schwemmle ist es nun erstmals gelungen, dieses Virus zu studieren und
Entwarnung für eine potentielle Ausbreitung auf den Menschen zu geben. Die
Ergebnisse der Forschungsgruppe wurden nun in der renommierten
Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Die vor zwei Jahren im Blut von Fledermäusen in Mittelamerika entdeckten
genetischen Spuren eines neuen Grippe-Erregers lösten nicht nur unter
Wissenschaftlern ein reges Interesse aus. Auch das Medienecho war hoch und
gipfelte in der Schlagzeile „Kommt jetzt die Vampir-Grippe?“. Freiburger
Wissenschaftler konnten nun die Fledermaus-Influenza-Viren mit Hilfe eines
daraus abgeleiteten künstlich hergestellten (chimären) Virus aus sechs
Genen des Fledermaus-Genoms und zwei Genen der Viren-Oberfläche eines
bereits bekannten Influenza-A-Virus einer detaillierten Analyse
unterziehen.

„Unsere Studien ergaben, dass diese Fledermausviren tatsächlich
Influenza-A-ähnliche Viren sind“, sagt Prof. Schwemmle. Influenza-A-Viren
kommen hauptsächlich in Wasservögeln vor, aber auch andere Tiere und
Menschen können infiziert werden. Influenza-A-Viren sind verantwortlich für
leichte, aber auch lebensbedrohliche Krankheitsverläufe. Sie können
aufgrund ihrer Fähigkeit zum genetischen Austausch mit anderen
Influenza-Subtypen  leicht mutieren und weltweite Grippe-Wellen auslösen.

Nun konnten die Forscher mit Hilfe der chimären Viren zeigen, dass sich das
neu entdeckte Virus zwar gut in menschlichen Zellen vermehrt, in Mäusen
aber jedoch zu keiner Erkrankung führt. Ebenso wichtig ist der Nachweis,
dass die Virusgnome so stark voneinander abweichen, dass sie sich mit Genen
menschenpathogener Influenza-A-Viren nicht mischen können. Somit stellt das
H17N10-Virus sehr wahrscheinlich kein Gefahrenpotenzial für die Entstehung
einer neuen hochinfektiösen Virusvariante dar.

„Unsere Ergebnisse schließen zwar eine Möglichkeit der Übertragung des
Fledermaus-Influenza-Virus auf Menschen nicht völlig aus, aber das
Gefährdungspotential, das von diesen H17N10-Viren ausgeht, scheint doch
vergleichsweise sehr gering zu sein “, erklärt Prof. Schwemmle vom Institut
für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg. Ein H17N10-ähnliches
Virus  wurde kürzlich aus Fledermäusen in Peru isoliert. Ob noch weitere
Influenzaviren in Fledermäusen zirkulieren bleibt abzuwarten.

Originaltitel der Arbeit: An infectious bat-derived chimeric influenza
virus harbouring the entry machinery of an influenza A virus

Medizinische Soforthilfe bei einem psychischen Zusammenbruch

Vor knapp einem Jahr eröffnete die Dr. Becker Brunnen-Klinik in Horn-Bad Meinberg ein Akut-Department für psychisch Kranke. Jetzt zieht Chefarzt Dr. med. Dirk Schröder eine erste Bilanz.

Vor knapp einem Jahr eröffnete die Dr. Becker Brunnen-Klinik ein Akutdepartement für psychisch Kranke.

Vor knapp einem Jahr eröffnete die Dr. Becker Brunnen-Klinik ein Akutdepartement für psychisch Kranke.

Vier Einzelsitzungen und drei Gruppensitzungen erhalten die Akut-Patienten pro Woche in der Dr. Becker Brunnen-Klinik.

Vier Einzelsitzungen und drei Gruppensitzungen erhalten die Akut-Patienten pro Woche in der Dr. Becker Brunnen-Klinik.

Horn-Bad Meinberg. 580 Belegungstage von Januar bis Juni 2014 – Chefarzt Dr. med. Dirk Schröder zeigt sich zufrieden mit dieser Halbjahresbilanz seines Akutdepartements für psychisch Kranke. „Für 2014 hatten wir eine Zielgröße von 1.000 Belegungstagen ausgegeben. Die haben wir jetzt schon übererfüllt.“ Er und sein Team hatten im September letzten Jahres in der Dr. Becker Brunnen-Klinik eine Abteilung für Menschen eröffnet, die nach einem psychischen Zusammenbruch zeitnah medizinische Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Rund 30 Betroffene aus ganz Deutschland haben seitdem von dem Angebot Gebrauch gemacht. „Die Menschen, die bei uns Hilfe suchen, leiden zum Beispiel unter einem akuten Burnout, meist ausgelöst durch berufliche Probleme. Sie haben Antriebsschwierigkeiten und fühlen sich wie taub. Auch Angststörungen behandeln wir oft. Meist ist die Erkrankung soweit fortgeschritten, dass sich die Betroffenen schon nicht mehr trauen, das Haus zu verlassen“, erklärt Dirk Schröder.

Die Intensität einer einjährigen ambulanten Therapie
Vier Einzelsitzungen und drei Gruppensitzungen erhalten diese Patienten pro Woche in der Dr. Becker Brunnen-Klinik. Hinzu kommen Angebote wie Sport-, Kunst- und Entspannungskurse. „Die Behandlung bei uns ist sehr effektiv. Bei einer durchschnittlichen Verweildauer von vier bis sechs Wochen entspricht sie in etwa einer einjährigen ambulanten Therapie“, fasst Schröder das Konzept seines Akutdepartements zusammen. Die Behandlungsergebnisse seien gut, die Patienten durchweg zufrieden.

Auch die Mitarbeiter profitieren
Und auch die Mitarbeiter profitieren von ihrer Arbeit im neuen Akutdepartement. Für sie bedeutet der neue Aufgabenbereich weitere Impulse und fachliche Entwicklungsmöglichkeiten. „Die Patienten des Akutdepartements sind in der Regel hoch motiviert mit den Therapeuten zu arbeiten. Das und die hohe Erfolgsquote sind für uns natürlich sehr befriedigend“, erläutert Schröder.
 
Ausbau ist geplant
Angesichts dieser positiven Entwicklungen streben der Chefarzt der Brunnen-Klinik und sein Team langfristig den weiteren Ausbau des Akutdepartements an. „Momentan können wir aus formalen Gründen auf unserer Station nur privat versicherte oder beihilfeberechtigte Patienten behandeln. Wir sind aber optimistisch, dass unser Angebot  bald auch gesetzlich Versicherten zugänglich sein wird“, so Schröder. Der Antrag dafür ist bereits gestellt.

Veranstaltungshinweis: Vortrag über die „Akutbehandlung in der Psychotherapie“
Passend zum Thema wird Dr. Dirk Schröder, Chefarzt der Dr. Becker Brunnenklinik, am kommenden Sonntag, 27.07.2014 um 15.00 Uhr einen Vortrag über die „Akutbehandlung in der Psychotherapie“ halten. Veranstaltungsort ist der historische Kurpark von Horn-Bad Meinberg, der Besuch der Veranstaltung ist kostenlos.

Dr. Becker Brunnen-Klinik
Die Dr. Becker Brunnen-Klinik ist auf psychotherapeutische und psychosomatische Rehabilitation und Akutbehandlung spezialisiert. Über 1.600 Patienten werden jährlich in der nordrhein-westfälischen Klinik auf höchstem medizinischem Niveau versorgt. Behandlungsschwerpunkte sind insbesondere Depressionen, Angsterkrankungen, psychosomatische Beschwerden und Krankheitsbewältigung bei körperlichen Erkrankungen wie z.B. Tinnitus sowie die Behandlung älterer Menschen (Gerontopsychosomatik). Seit September 2014 können auch Menschen mit akuten psychischen Problemen aufgenommen werden. Die Brunnen-Klinik in Horn-Bad Meinberg beschäftigt rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. www.dbkg.de/brunnen-klinik

Neuer Therapieansatz bei multipler Sklerose

Charité-Wissenschaftler identifizieren entscheidenden Botenstoff

Berlin, 21.07.2014 Die Hemmung eines bestimmten Botenstoffs des Immunsystems bietet einen neuen Ansatz zur Therapie von multipler Sklerose. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von Wissenschaftlern der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Die Forscher konnten in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rheuma-Forschungszentrum erstmals demonstrieren, dass der Botenstoff GM-CSF mit multipler Sklerose assoziiert ist und von einer neuartigen Immunzell-Population produziert wird. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Science Translational Medicine* veröffentlicht.

Bei Autoimmunkrankheiten wie der multiplen Sklerose greift die Körperabwehr den eigenen Organismus an. Eine besondere Rolle spielen dabei spezialisierte Zellen des Immunsystems, die Helfer-T-Zellen, die den Körper eigentlich vor schädlichen Mikroorganismen schützen sollen. Von diesen Helfer-T-Zellen existieren verschiedene Unterklassen mit unterschiedlichen Aufgaben.

Die Wissenschaftler um Dr. Christina Zielinski von der Klinik für Dermatologie und Allergologie sowie dem Berlin-Brandenburg Centrum für Regenerative Therapien der Charité beschreiben in ihrer Forschungsarbeit eine ganz neuartige Klasse von Helfer-T-Zellen, die sogenannten GM-CSF-T Zellen. Diese T-Zellen produzieren den Botenstoff GM-CSF (Granulozyten-Makrophagen-Kolonie stimulierender Faktor), der für die entzündlichen Prozesse im Gehirn von Patienten mit multipler Sklerose eine grundlegende Rolle spielt.

Rebecca Noster, die Erstautorin der Studie, konnte die genaue molekulare Regulation dieser Zellen entschlüsseln. Sie identifizierte auslösende und hemmende Botenstoffe, die für die Entwicklung der GM-CSF T-Zellen wichtig sind. Überraschend war, dass Faktoren, die die Entwicklung von GM-CSF T-Zellen im Menschen auslösen, im Mausmodell eine entgegengesetzte Aufgabe haben. Zudem war die Produktion des Botenstoffes GM-CSF nicht mit den sogenannten Th17 Zellen, einer weiteren Unterklasse von Helfer-T-Zellen, assoziiert. Den Th17 Zellen wird bislang eine ursächliche Rolle für die Krankheitsentstehung bei vielen entzündlichen Erkrankungen zugeschrieben.

»Diese Diskrepanz zwischen Maus und Mensch verdeutlicht, wie wichtig es ist, nicht nur die klinische Anwendung sondern auch immunologische Grundlagen im Menschen zu studieren«, erklärt Dr. Christina Zielinski, Leiterin der Klinischen Forschergruppe Zelluläre Immunregulation. »Unsere Ergebnisse werfen ein ganz neues Licht auf die Entstehung von multipler Sklerose und zeigen neue therapeutische Angriffspunkte bei der Behandlung dieser, aber auch anderer Autoimmunerkrankungen des Menschen auf.«

Welt-Aids-Konferenz in Melbourne

Deutsche AIDS-Hilfe zur Welt-Aids-Konferenz: Diskriminierungsfreie Prävention und Versorgung jetzt!

Die am stärksten von HIV bedrohten Gruppen erhalten in den meisten Ländern keine angemessene Prävention und Gesundheitsversorgung.

Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) teilt die Einschätzung der WHO, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, und stellt dieses Thema bei der Welt-Aids-Konferenz in Melbourne ins Zentrum ihrer Aktivitäten. Auch in Deutschland gibt es in diesem Bereich noch Defizite.

Ausgrenzung macht Prävention unmöglich

Zu den genannten Gruppen mit besonders hohem HIV-Risiko zählen vor allem Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben, Drogenkonsumenten, Menschen in Haft, Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter sowie Menschen mit Trans*-Identität, die in vielen Ländern schwerer Diskriminierung ausgesetzt sind. Das gilt zum Beispiel in Osteuropa und Zentralasien, wo die Infektionszahlen zurzeit steigen.

Dazu sagt DAH-Vorstandsmitglied Carsten Schatz:

„Eine wirksame Prävention und Gesundheitsversorgung wird durch Ausgrenzung und Strafverfolgung unmöglich gemacht. Diskriminierung ist ein Motor der Epidemie und kostet viele Menschen Leben oder Gesundheit. Das Erfolgsrezept ist einfach: Wer die Menschenrechte achtet, hat auch Erfolg in der Prävention. Aus unserer 30-jährigen Arbeit wissen wir, welche Maßnahmen wirken. In Melbourne möchten wir anderen Ländern ein Beispiel geben und sie motivieren neue Wege zu beschreiten. Nur so lassen sich die Erfolge in den internationalen Bestrebungen gegen HIV und Aids fortsetzen. Dringend notwendig ist außerdem eine noch bessere Versorgung mit HIV-Medikamenten.“

Weltweit brauchen mehr als sechs Millionen Menschen dringend eine HIV-Therapie, haben aber keinen Zugang zu den lebensrettenden Medikamenten. Zu einer so genannten Postexpositionsprophylaxe, die eine Infektion nach einem Risiko noch verhindern kann, haben weltweit nur relativ wenige Menschen Zugang.

Maßnahmen für die am stärksten Bedrohten

Wie die am stärksten betroffenen Gruppen versorgt werden können, verdeutlicht die Deutsche AIDS-Hilfe in Melbourne anhand ihrer „Wussten Sie eigentlich?“-Kampagne mit Lebensgeschichten von Menschen aus allen genannten Zielgruppen. Die Kampagnenwebsite ist anlässlich der Welt-Aids-Konferenz jetzt auch auf Englisch verfügbar.

Zueiner angemessenen Versorgung gehören neben Informationen in der Sprache der Zielgruppe und Material (wie zum Beispiel Spritzen für den Drogenkonsum) zum Beispiel diskriminierungsfreie Beratungs- und Testangebote.

Verwurzelung der Prävention in der Selbsthilfe

Schatz weiter: „Das Erfolgsgeheimnis der deutschen HIV-Prävention für die am stärksten betroffenen Gruppen ist die Verwurzelung in der Selbsthilfe und das klare Bekenntnis gegen Diskriminierung. HIV-Prävention muss die Lebensweisen ihrer Zielgruppen respektieren und ihnen anbieten, was sie brauchen, um sich zu schützen. Dieses Vorgehen hat ermöglicht, dass die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland im internationalen Vergleich niedrig ist.“

Die Deutsche AIDS-Hilfe wird für diese Prävention vom Bundesgesundheitsministerium gefördert. Mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die diese Förderung umsetzt, besteht eine erfolgreiche Arbeitsteilung.

Missstände auch in Deutschland

Doch auch in Deutschland gibt es noch erhebliche Defizite: Drogenkonsumräume, die nachweislich Leben retten, gibt es nur in sechs Bundesländern. Spritzenvergabe für Drogenkonsumenten in Haftanstalten wird – mit Ausnahme einer einzigen Haftanstalt – überhaupt nicht angeboten. Zugleich beobachten wir mit großer Sorge einen Trend zu stärkerer Repression gegen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter in Europa.

Die DAH in Melbourne

Die Deutsche AIDS-Hilfe ist in Melbourne mit einer neunköpfigen Delegation vertreten, zu der auch Menschen mit HIV beziehungsweise aus den oben genannten Gruppen zählen.

Kampagne „Wussten Sie eigentlich?“

Englische Version „Did you know?“

Pressemitteilung der WHO

www.aidshilfe.de

Medizin der Zukunft: Zwischen StarTrek und Spiritualität

MEDICA 2014:  Konferenzprogramm – Anbieter präsentieren sich innovationsfreudig

Es gibt viel Neues für Technikverliebte.

MEDICA_International_PavilionsDie Planungen zur weltgrößten Medizinmesse MEDICA 2014 (12. – 15. November) in Düsseldorf laufen bereits wieder auf „vollen Touren“.

Auf dem Vormarsch: „Wearables“

Ferner gibt es bereits einen ersten Konzeptansatz, wie eine Datenbrille („Google Glass“) den Chirurgen optimal unterstützen könnte, indem etwa in Verknüpfung mit einem Patientenüberwachungssystem auf dem Head-up-Display die wichtigsten Vitaldaten eingeblendet werden.

Apropos Wearables: Fortschritte auf dem Gebiet der Sensorik, der Materialentwicklung, der Energiespeicherung und der Chiptechnologie, sind Wachstumstreiber dieser körpernah eingesetzten Diagnose- und Kommunikations-„Allzweckwaffen“. Die Bandbreite aktueller Technikentwicklungen reicht von einem Chip-Sensor-Pflaster zur Ermittlung bestimmter Körperparameter mit Anbindung an eine Smartphone-App bis hin zu einer Kontaktlinse, die über die Tränenflüssigkeit den Blutzuckergehalt analysiert und diese Information via Funktechnologie weitertransferiert.

Eine Auswahl an Wearables, die aus medizinischer Sicht Perspektive auf gutes Marktpotenzial besitzen, vermittelt den MEDICA-Besuchern die Wearable Technologies Show in Halle 15. Interessante Aspekte werden auch näher beleuchtet bei der MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE (im Congress Center Düsseldorf/ CCD. Süd) und zwar hinsichtlich der von vielen Sportlern genutzten „Activity Tracker“. Diese generieren eine Unmenge an Daten. Welche dieser Daten sind aber aus medizinischer Sicht sinnvoll im Sinne präventiver oder therapeutischer Maßnahmen? Und: Welchen Standards müssen die Daten gerecht werden, um durch Mediziner überhaupt genutzt werden zu können? Die Konferenzvorträge und -diskussionen werden über derartige Fragestellungen aufklären.

Zulieferer als wichtige Schrittmacher für Innovationen

Wer up-to-date bleiben will, was die Fachszene aktuell bewegt und vor allem inwieweit die Zulieferer im Zusammenspiel mit der Medizintechnik-Industrie den medizinischen Fortschritt vorantreiben, für den lohnt sich auch ein Besuch der COMPAMED 2014. Im Rahmen der international führenden Marktplattform für die Zulieferer präsentieren gut 700 Aussteller ihre Technologie- und Servicelösungen für den Einsatz in der Medizintechnikbranche – von neuen Materialien, Komponenten, Vorprodukten, Verpackungen und Dienstleistungen bis hin zur komplexen Auftragsfertigung.

Besonders im Trend liegen hier Mikrosystemtechnik-Lösungen für mobile Diagnostik-, Monitoring- und Therapiesysteme. Spezialisierte Anbieter beschäftigten sich z. B. damit, wie die in Bezug auf „Wearables“ benötigte Technik bestmöglich in Kleidung integriert werden kann. Zu lösen gilt es dabei zahlreiche Herausforderungen: So müssen die Trägertextilien weiterhin dehnbar sein, ohne dass Kontakte abreißen, und sie sollten auch hinreichend robust für die Pflege bleiben.

Die technischen Voraussetzungen hierfür erfüllen inzwischen winzige Sensoren, flexible und dehnbare Substrate aus Silikon, Polyurethan, Polyimid oder Textilien, die großflächig Elektronikbaugruppen aufnehmen können, sowie miniaturisierte Verbindungstechnologien, energieeffiziente Kommunikationselektronik und leistungsfähige Energiespeicher, die sich unter anderem drahtlos aufladen lassen.

In ihrer weltweit einzigartigen Kombination bilden MEDICA und COMPAMED die gesamte Prozesskette und das vollständige Angebot medizinischer Produkte, Geräte und Instrumente ab. Sie belegen zusammen das komplette Düsseldorfer Messegelände (19 Hallen).

 

Und hier noch etwas zur Unterhaltung:

Medizin der Zukunft: Zwischen StarTrek und Spiritualität

 

Ärzte dürfen nicht grundlos von Standardtherapie abweichen

Medizinrechts-Beratungsnetz bietet kostenfreies Orientierungsgespräch

Wenn Ärzte andere Behandlungsmethoden anwenden als die Standardtherapie, ohne ihre Patienten darauf hinzuweisen, ist das ein Behandlungsfehler. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden (Urteil vom 25.02.2014, Az.: 26 U 157/12). Als grob gilt der Fehler, wenn sich der Patient bereits für die Standardtherapie entschieden hatte.

Im vorliegenden Fall hatte ein Arzt die Hautkrebserkrankung eines Patienten mit einer fotodynamischen Therapie behandelt. Zuvor hatte der Patient die Standardtherapie gewünscht: den Tumor operativ zu entfernen. Der Arzt hatte den Patienten nicht darüber informiert, dass bei der fotodynamischen Therapie die Gefahr höher ist, dass der Krebs zurückkehrt.

„Grundsätzlich darf jeder Arzt nach eigenem medizinischen Ermessen die Therapie wählen“, sagt Dr. Britta Specht, Vorstandsvorsitzende des Medizinrechtsanwälte e.V. „Weicht er dabei jedoch von der Standardtherapie ab, muss er dies nachvollziehbar begründen können und den Patienten darüber aufklären.“

Das Medizinrechts-Beratungsnetz des Medizinrechtsanwälte e.V. bietet Patienten und deren Angehörigen bei Fragen des Medizinrechts oder medizinnahen Sozialrechts ein kostenfreies juristisches Orientierungsgespräch bei einem Vertrauensanwalt in Wohnortnähe. Ratsuchende können Beratungsscheine online anfordern ( www.mrbn.de/beratungsschein-anfordern ), oder unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 / 0 73 24 83 (Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr).

Sterblichkeit durch nichtübertragbare Krankheiten sollen bis 2025 um 25 Prozent gesenkt werden

UN-Gipfelkonferenz zu den nichtübertragbaren Krankheiten
Kommt die Bundesregierung ihren Verpflichtungen nach?

New York/Berlin, den 9. Juli 2014 – Welche Fortschritte haben die Nationalstaaten im Kampf gegen Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes gemacht? Dies wollen die Vereinten Nationen am 10./11. Juli 2014 in New York bei einem Gipfeltreffen der Generalversammlung ermitteln – drei Jahre nach dem ersten UN-Gipfel zu den nichtübertragbaren Krankheiten im Jahr 2011. Auch Deutschland hat sich dem globalen Ziel verpflichtet, die vorzeitige Sterblichkeit durch nichtübertragbare Krankheiten bis 2025 um 25 Prozent zu senken sowie die Zunahme von Adipositas und Diabetes zu stoppen. „Wir sind gespannt, welche Maßnahmen die Bundesregierung darlegen wird, um diesen Verpflichtungen nachzukommen“, erklärt Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). DDG und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, die an der UN-Konferenz teilnehmen, setzen sich für einen Nationalen Diabetesplan sowie die Einführung einer Zucker-Fettsteuer auf ungesunde Lebensmittel ein.

In Deutschland ist die Zahl der Diabeteserkrankungen allein in den Jahren 1998 bis 2011 um 38 Prozent auf über sechs Millionen gestiegen – jährlich zählen 40.000 Amputationen, 2000 Erblindungen und 2300 neu Dialysepflichtige zu den Folgen der epidemischen Stoffwechselerkrankung. Vor dem Hintergrund dieser dramatischen Zahlen hat die Bundesrepublik im Jahr 2011 die politische Deklaration des UN-Gipfels gegen nichtübertragbare Krankheiten unterzeichnet und 2012 dem Globalen Monitoringplan der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Umsetzung der politischen Deklaration in messbare nationale Zielgrößen und Messindikatoren zugestimmt. Darin hat sich Deutschland verpflichtet, die vorzeitige Sterblichkeit durch nichtübertragbare Krankheiten bis 2025 um 25 Prozent zu senken und sich auch zu dem Ziel „Die Zunahme von Adipositas und Diabetes stoppen“ („Halt the rise in obesity and diabetes!“) bekannt.

„Die UN-Gipfelkonferenz will die Nationen dazu bewegen, den 2011 vereinbarten Prozess weiter voranzutreiben und die globalen Ziele zu konkretisieren, um die politische Absichtserklärung in Ergebnisse umzusetzen“, erklärt Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Präsident der DDG. „Es wird Zeit, dass sich die Politik kümmert – am besten durch ein verhältnispräventiv ausgerichtetes Bundespräventionsgesetz und den Beschluss eines Nationalen Diabetesplan“, betont auch Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.
Der Koalitionsvertrag sieht ein Präventionsgesetz noch für 2014 vor und der Vorschlag zu einem nationalen Diabetesplan ist  kürzlich auf Initiative von vier Bundesländern in den Bundesrat eingebracht worden. Erst Ende Juni hat der Gesundheitsausschuss des Bundesrates der Bundesregierung empfohlen, sowohl ein Bundespräventionsgesetz, als auch einen Nationalen Diabetesplan auf den Weg zu bringen „Auch hierzulande wächst jetzt endlich die Erkenntnis, dass die Primärprävention chronischer Krankheiten nicht vom medizinischen Sektor bewältigt  werden kann und dass speziell Diabetes politisch ein ‚hot topic‘ ist und einen konzertierten Aktionsplan erfordert“, so Danne.

Auf einigen Feldern hat Deutschland den Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten mit geeigneten politischen Maßnahmen bereits erfolgreich vorangetrieben. „Dazu zählen das Krebs-Informations- und -Registergesetz, aber auch die Nichtraucherschutzgesetze und insbesondere die Erhöhung der Tabaksteuer“, erläutert DDG-Geschäftsführer Garlichs. „Die Tabakpreiserhöhungen haben dazu beigetragen, den Tabakkonsum vor allem in der nachwachsenden Generation stark zurückzudrängen. „Diesem Beispiel folgend, empfehlen wir die Einführung einer Zucker-Fettsteuer auf stark kalorienhaltige verarbeitete Lebensmittel, wobei gleichzeitig gesunde Nahrung steuerlich entlastet werden sollte.“

Einen Nationalen Diabetesplan und die Einführung einer Zucker-Fettsteuer auf verarbeitete Lebensmittel werden die Organisationen DDG und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe als neuen deutschen Beitrag bei der UN-Fortschrittskonferenz am 10./11. Juli zur Umsetzung der von Deutschland eingegangenen politischen Selbstverpflichtung vorschlagen.. „Wir sind stolz auf diese wiederholte Einladung der Vereinten Nationen, denn sie zeigt, dass unser Engagement zur Bewältigung der Volkskrankheit Diabetes auch international wahrgenommen wird und wir in den vergangenen drei Jahren ein zuverlässiger Partner gewesen sind“, freut sich Danne.