Schlagwort-Archiv: Psychologie

Schwache Handkraft als Warnsignal für psychische Erkrankungen

Aktuelle Studie zeigt: Auch nach überstandener Depression bleibt die Handkraft vermindert

Die Handgriffstärke ist ein einfaches und verlässliches Verfahren zur Bewertung der Muskelkraft und somit ein etablierter Biomarker für die allgemeine Fitness. Dass die Handkraft bei Menschen mit Depression oder Schizophrenie messbar reduziert ist, war schon länger bekannt. Eine Studie zeigt nun jedoch, dass sich die Muskelkraft selbst nach überstandener Depression nicht automatisch normalisiert. Die in JAMA Psychiatry veröffentlichten Ergebnisse werfen die Frage auf, ob Depressionen bleibende körperliche Spuren hinterlassen – mit möglichen Folgen für Fitness, Therapie und Lebenserwartung.

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Wenn Hunger die Wahrnehmung steuert

Experiment unter kontrollierten Bedingungen

Warum greifen wir eher zu ungesundem Essen, wenn wir hungrig sind? Eine neue Studie von Forschenden der Universität Hamburg zeigt: Hunger beeinflusst nicht nur unsere Vorlieben, sondern auch, worauf wir bei Lebensmitteln im entscheidenden Moment achten. Informationen über Nährwert und Gesundheit treten bei der Essenswahl in den Hintergrund.

Mit leerem Magen durch die Gänge eines Supermarktes schlendern und abwägen: gesund und nahrhaft oder lieber ungesund, dafür aber umso schmackhafter? Das kennt wohl jeder, der regelmäßig vor den bunten Lebensmittelregalen steht. Forschende haben nun in der Fachzeitschrift „eLife“ eine Studie veröffentlicht, in der sie mithilfe von Verhaltensmessungen, Eye-Tracking und computergestützten Modellierungen neue Einblicke in den kognitiven Entscheidungsprozess bei der Lebensmittelauswahl geben.

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Emotionale Blindheit bei psychopathischen Menschen

Wer seine Emotionen nicht kennt, kann sie nicht regulieren

Psychopathische Menschen haben große Schwierigkeiten oder sind gar unfähig, sich empathisch zu zeigen und ihre Emotionen zu regulieren. Einer neuen Studie zufolge könnte dies damit zusammenhängen, dass diese Menschen an Alexithymie – umgangssprachlich auch emotionale Blindheit genannt – leiden.

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Darf ich angesichts des Leids in dieser Welt glücklich sein? Prof. Dr. Volker Busch über unser mentales Immunsystem und politische Ausnahmezustände

Krank werden an dieser Welt?

Psychiater und Therapeut Volker Busch zeigt, wie wichtig ein stabiles mentales Immunsystem in Krisenzeiten ist, wie man es stärkt und warum die Sorge um die eigene psychische Gesundheit gerade kein Luxusphänomen ist. 

Buchcover "Kopf hoch" von Prof. Volker Busch.

Die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu, der Krieg in der Ukraine fordert weiterhin Opfer. Im Südsudan herrscht eine Hungerkatastrophe und innenpolitisch gibt es auch genug Anlass zu Verzweifeln. 

Kann man in der dramatischen politischen Lage überhaupt noch zuversichtlich oder gar fröhlich sein? 

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Beeinflussen Bildschirme unseren Biorhythmus?

Wenn Geräte unsere innere Uhr beeinflussen

Junge Frau schläft neben ihrem Smartphone Foto: Polina Kovaleva

Der Vorteil technischer Geräte liegt auf der Hand: Zeitersparnis und Komfort. Doch manche dieser Geräte und damit verbundene Verhaltensweisen wirken noch ganz anders auf uns, denn sie können unsere inneren Uhren beeinflussen. Das Fraunhofer ISI führt zusammen mit der FOM Hochschule im Projekt CIRCADIA eine systematische Bestandsaufnahme der Zusammenhänge zwischen biologischen Rhythmen, Gesundheit und Wohlbefinden durch. Und sie erarbeiten Vorschläge zu Präventions- und Lösungsstrategien für die Anpassung an Alltag und Lebenswelten. Der erste Policy Brief »CIRCADIA – Der circadiane Rhythmus. Essenziell für unser Überleben, häufig vernachlässigt« möchte auf dieses Thema aufmerksam machen.

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Wie die Stimmung der Mutter die Sprachfähigkeit ihres Babys beeinflusst

Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig kindgerechte Sprache der Eltern für die weitere Sprachentwicklung ihrer Kinder ist

Mit Babys in kindgerichteter Sprache zu kommunizieren, gilt als wesentliche Voraussetzung für eine gute Sprachentwicklung der Kleinen. Forscherinnen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften haben jetzt untersucht, wie sich die Stimmung von Müttern nach der Geburt ihres Kindes auf deren Entwicklung auswirkt. Dabei zeigte sich: Selbst Kinder, deren Mütter unter leichteren depressiven Verstimmungen leiden, die noch nicht medizinisch behandelt werden müssen, zeigen frühe Anzeichen einer verzögerten Sprachentwicklung. Grund dafür könnte die Art und Weise sein, wie die Frauen mit den Neugeborenen sprechen. Die Ergebnisse könnten helfen, mögliche Defizite frühzeitig zu verhindern.

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Kamingespräche über Corona

Mit einer Online-Diskussionsreihe beleuchten renommierte Forschende Facetten der Pandemie

Welche Folgen wird die Corona-Pandemie nach sich ziehen? Welche Entwicklungen wird sie anstoßen oder verstärken? In ihrem kürzlich erschienenen Sammelband „Jenseits von Corona. Unsere Welt nach der Pandemie – Perspektiven aus der Wissenschaft“ gehen Prof. Dr. Bernd Kortmann und Prof. Dr. Günther Schulze, Direktoren des Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS), mit prominenten Autorinnen und Autoren diesen Fragen nach. Begleitend veranstaltet das FRIAS die Onlinereihe „Corona-Kamingespräche“. In diesem Format werden Kortmann und Schulze mit unterschiedlichen Forscherinnen und Forschern jeden Monat einzelne Leitthemen beleuchten. Die Veranstaltungen werden in einem hybriden Format aus Präsenz- und Onlinediskussion stattfinden. Interessierte sind herzlich dazu eingeladen, sich über Zoom an den Gesprächen zu beteiligen. Die Aufzeichnungen können im Anschluss in der Mediathek des FRIAS abgerufen werden. Das Angebot ist kostenlos.

Der Auftakt der Reihe findet am Mittwoch, 21. Oktober 2020, von 18 bis 19.15 Uhr zum Thema „Das neue Miteinander nach Corona – Auswirkungen auf Verhalten, Psyche und sozialen Zusammenhalt“ statt. Diskutieren werden Prof. Dr. Vera King, Soziologin und psychoanalytische Sozialpsychologin von der Universität Frankfurt und Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts, Prof. Dr. Kai von Klitzing, Psychoanalytiker und Kinder- und Jugendpsychiater von der Universität Leipzig, und Prof. Dr. Brunna Tuschen-Caffier, Klinische Psychologin und Psychotherapeutin von der Universität Freiburg.

Am 18. November folgt ein Gespräch zum Thema „Die Rolle des Populismus nach Corona“ mit dem Freiburger Kultursoziologen Prof. Dr. Ulrich Bröckling, dem Berliner Politikwissenschaftler Prof. Dr. Herfried Münkler und Prof. Dr. Andreas Voßkuhle, Freiburger Staatsrechtler und bis vor Kurzem Präsident des Bundesverfassungsgerichts.

Am 9. Dezember findet eine Diskussion zum Thema „Resilienz unseres politischen und ökonomischen Systems im Angesicht der Pandemie“ statt. Hierzu wird unter anderem die Philosophin und Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Lisa Herzog aus Groningen/Niederlande mit den FRIAS-Direktoren ins Gespräch kommen.

Alle Informationen zu den Terminen sowie die Einwahlinformationen zu den Veranstaltungen finden sich auf der Website des FRIAS.

Informationsabend zum Thema Kinderängste

Frühzeitige Hilfe

Angsterkrankungen im Kindes- und Jugendalter sind weit verbreitet und bedeuten für die Betroffenen einen erheblichen Leidensdruck. Welche Ängste bei Kindern und Jugendlichen „normal“ sind, wann sie behandlungsbedürftig werden und welche Möglichkeiten es gibt, um zu helfen, erklären Eva-Maria Fassot und Dr. Julia Asbrand von dem Forschungsprojekt „KibA“ („Kinder bewältigen Angst“) der Universität Freiburg bei einem Informationsabend.

Des Weiteren bieten die Mitarbeitenden der „Hochschulambulanz Kinder, Jugendliche und Familien“ neuerdings eine wöchentliche Angstsprechstunde an.  Darin führen sie gemeinsam mit den Kindern und Eltern ein eingehendes Gespräch, nehmen eine erste diagnostische Einschätzung vor und beraten dazu, ob eine Behandlung notwendig ist.

Informationsabend:

23.10.2018, ab 18 Uhr

Institut für Psychologie
Engelbergerstr. 41c (Hörsaalgebäude) https://www.uni-freiburg.de/universitaet/kontakt-und-wegweiser/lageplaene/gebaeude/0570
79085 Freiburg

Sprechstunde:

Ab Oktober, immer montags, 10-11 Uhr

Institut für Psychologie
Hochschulambulanz für Kinder, Jugendliche und Familien
Engelbergerstr. 41
79085 Freiburg

  • Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten.

  • Veranstalter: Institut für Psychologie der Universität Freiburg, Ambulanz für Kinder, Jugendliche und Familien
  • Anmeldung zur Sprechstunde: Patrizia Klein, +49 (0) 761/203-54014, das Telefon ist immer dienstags von 13-14 Uhr und mittwochs von 11-12 Uhr besetzt.

  • Eine Anmeldung ist nur für die Angstsprechstunde, nicht für den Informationsabend notwendig.

  • Der Eintritt ist kostenlos.

  • Die Vortragssprache ist Deutsch.

Weitere Informationen

„Der Mensch als Architekt seiner/ihrer selbst“

Vortrag am 18.10.2018 zu Mechanismen und Möglichkeiten der Handlungskontrolle

Psychologe Prof. Dr. Bernhard Hommel von der Universität Leiden/Niederlande

Ernährungs-, Gesundheits- und Lebensratgeber erwecken den Eindruck: Ein Mensch, der seine Gefühle und Handlungen gut kontrollieren kann, ist beruflich erfolgreicher, zufriedener, sozialer und gesünder. Die Psychologie unterscheidet traditionell zwischen der willentlichen Kontrolle von Handlungen und automatisiertem, gewohnheitsmäßigem Handeln – was jüngeren Untersuchungen zufolge jedoch nicht haltbar ist. Unterschiede innerhalb und zwischen Personen sind vielmehr darauf zurückzuführen, dass die Handlungskontrolle zwischen der ausschließlichen Fokussierung auf eigene Ziele und der starken Berücksichtigung situationsbedingter Umstände variieren kann. In der Reihe „Freiburger Horizonte“ spricht der Psychologe Prof. Dr. Bernhard Hommel von der Universität Leiden/Niederlande über Grundlagen und Einflussfaktoren menschlicher Handlungskontrolle. Er wird insbesondere auf die Frage eingehen, ob und wie der Mensch sein Handeln beispielsweise durch Meditation, Ernährung oder Hirnstimulation beeinflussen kann. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion und zum Austausch mit dem Referenten.

Seelische Belastungen von Geflüchteten früh erkennen

BMBF fördert Forschung zur psychischen Gesundheit von Flüchtlingen – Seelische Belastungen von Geflüchteten sollen früh erkannt werden

Wanka: „Entstehung folgenschwerer Erkrankungen verhindern“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert neue Forschungsverbünde zur psychischen Gesundheit geflüchteter Menschen. Viele Flüchtlinge haben Krieg und Gewalt bis hin zu Folter erlebt. Diese traumatischen Erfahrungen hinterlassen tiefe Spuren und erhöhen das Risiko, psychisch zu erkranken. Zusätzlich müssen sich die neu Zugewanderten in einer für sie fremden Kultur zurechtfinden.

„Damit Schutz suchende Menschen die Kraft finden, sich gut in unserem Land zu integrieren, müssen mögliche psychische Störungen und Belastungen früh erkannt werden. Das Ziel ist, die Entstehung folgenschwerer Erkrankungen wie Depressionen oder posttraumatischer Belastungsstörungen möglichst zu verhindern“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. Das Bundesforschungsministerium bringt deshalb Forschungsverbünde auf den Weg, die kultursensible Präventions- und Versorgungsansätze entwickeln werden, und stellt dafür für einen Zeitraum von fünf Jahren 20 Millionen Euro bereit.

Die Behandlung psychischer Erkrankungen ist oft komplex. Bei Menschen aus einem anderen Kulturkreis müssen Mediziner und Therapeuten auf die jeweilige Sprache und zusätzlich die Besonderheiten der kulturellen Herkunft eingehen, damit die Behandlung erfolgreich sein kann. Forschung ist hier dringend notwendig: Es fehlen wissenschaftlich abgesicherte Therapiekonzepte, in denen die besonderen Umstände von Flüchtlingen berücksichtigt werden. Der Versorgungsbedarf und auch die Anzahl der geflüchteten Menschen ist nicht mit früheren Fluchtbewegungen vergleichbar. Zudem soll geprüft werden, ob internationale Forschungsergebnisse auf die besondere Situation in Deutschland übertragen werden können.

Die vom BMBF unterstützten Forschungsverbünde sollen untersuchen, welche spezifischen Angebote nötig sind, um die Versorgung von geflüchteten Menschen mit psychischen Erkrankungen möglichst schnell zu verbessern. Dieses Ziel kann nur durch eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen aus Forschung und Versorgung erreicht werden, so zum Beispiel der Medizin, Psychologie, sowie der Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften. Damit die Forschungsergebnisse zügig in der Versorgung der Patientinnen und Patienten ankommen, sollen neben den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch strukturell relevante Partner an den Forschungsarbeiten mitwirken. Dies können beispielsweise Erstaufnahmeeinrichtungen, Notfallambulanzen oder Krankenkassen sein.