Archiv der Kategorie: Pressemitteilungen

Gleich klappt’s – gleich klappt’s nicht

Verfahren ermöglicht anhand von Gehirnsignalen eine Prognose, ob Menschen eine Bewegung präzise ausführen werden

Ob eine Türe aufschließen oder nach einem Gegenstand greifen: Selbst einfache, oft ausgeübte Bewegungsaufgaben lösen Menschen nicht immer gleich gut – mal sind sie schneller, mal langsamer, mal genauer, mal weniger präzise. Ein Teil dieser von Forscherinnen und Forschern als Leistungsvariabilität bezeichneten Schwankungen ist auf Unterschiede in der Gehirnaktivität zurückzuführen. Eine fächerübergreifende Nachwuchsforschungsgruppe des Exzellenzclusters BrainLinks-BrainTools der Universität Freiburg um den Informatiker Dr. Michael Tangermann hat einen selbstlernenden Algorithmus entwickelt, der es erlaubt, kurz vor der Ausführung einer motorischen Aufgabe deren Präzision vorherzusagen. Das Verfahren könnte zukünftig eingesetzt werden, um sportwissenschaftliche Trainingsmethoden sowie die Rehabilitation von Patientinnen und Patienten nach einem Schlaganfall zu verbessern. Die Studie ist im Fachjournal „Frontiers in Human Neuroscience“ erschienen.

Mithilfe der Elektroenzephalografie (EEG) wurden im Gehirn bereits vor Jahrzehnten Aktivitätsmuster entdeckt, die einer motorischen Handlung vorausgehen. Die Studie aus Freiburg basiert ebenfalls auf der Auswertung von EEG-Signalen. Die Forschenden untersuchten dazu 20 gesunde Probandinnen und Probanden im Durchschnittsalter von 53 Jahren. Diese versuchten, durch wiederholtes Drücken eines Kraftsensors einem vorgegebenen Pfad auf dem Computerbildschirm zu folgen. Vor und während der Übungen wurde ihre Gehirnaktivität aufgezeichnet. Ein Algorithmus lernte, innerhalb der komplexen Gehirnsignale wichtige Merkmale zu erkennen, mit deren Hilfe vorhersagbar ist, wie gut der Proband die motorische Übung bewältigen wird. Solche Verfahren des maschinellen Lernens werden oft im Zusammenhang mit hochdimensionalen Daten und großen Datenmengen verwendet, etwa zur Verbesserung von Suchmaschinen. Basierend auf vielen Einzelbeispielen lernt der Algorithmus eine Vorschrift, die es ihm erlaubt, auch zukünftige, unbekannte Datensätze zu entschlüsseln.

Im nächsten Schritt wollen die Forscher beleuchten, inwieweit sich derartige Vorhersagemodelle praktisch nutzen lassen. Für die motorische Rehabilitation von Schlaganfallpatienten könnte es etwa hilfreich sein, den Start einer Bewegungsaufgabe kurzzeitig zu verzögern, bis ein geeigneter Hirnzustand vorliegt. Diesen Trainingseffekt will das Team gemeinsam mit Forschern des Universitätsklinikums Freiburg in einer Studie untersuchen.

Originalveröffentlichung:
Meinel, A./Castaño-Candamil, S./Reis, J./Tangermann, M. (2016): Pre-Trial EEG-Based Single-Trial Motor Performance Prediction to Enhance Neuroergonomics for a Hand Force Task. In: Frontiers in Neuroscience.
DOI: 10.3389/fnhum.2016.00170
URL: http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fnhum.2016.00170/full

Freiburger Forscher melden: Neue Zika-Diagnostik zuverlässig

Neue Zika-Diagnostik zuverlässig

Freiburger Forscher weisen hohe Treffsicherheit eines neuen, kommerziellen Zikavirus-Tests nach

Das Zikavirus breitet sich derzeit rasant in Süd- und Mittelamerika aus. Ein wichtiges diagnostisches Kriterium ist der Nachweis von Antikörpern im Blut, die gegen das Zikavirus gerichtet sind. Doch bisher verfügbare Tests reagierten oft auch auf Antikörper gegen verwandte Viren, wie das von Zecken übertragene FSME-Virus oder eine entsprechende Schutzimpfung. Forscher des Universitätsklinikums Freiburg konnten nun nachweisen, dass ein neuer, seit Kurzem kommerziell erhältlicher Antikörper-Test durch solche früher erfolgten Infektionen oder Impfungen nicht gestört wird. Ihre Ergebnisse präsentierten die Wissenschaftler im Fachmagazin Eurosurveillance. Das Universitätsklinikums Freiburg ist eine der ersten Kliniken in Deutschland, die die neue Zikavirus-Diagnostik einsetzt und vorrätig hält.

Infektionen mit dem Zikavirus in der Schwangerschaft können die Gehirn- und Schädelentwicklung des Ungeborenen schwerwiegend stören. Eine solche Mikrozephalie kann zu geistiger Behinderung führen und sogar tödlich sein. Die Sicherheit, die der neue Test bietet, ist darum vor allem für Schwangere relevant. „Im schlimmsten Fall konnte bisher ein falscher Verdacht zu einem unbegründeten Schwangerschaftsabbruch führen“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Marcus Panning, Oberarzt am Institut für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg. „In Zukunft sollte niemand mehr durch ein fälschlicherweise positives Testergebnisse verunsichert werden“, so Prof. Panning weiter, der sich seit über 15 Jahren intensiv mit tropischen Viruserkrankungen beschäftigt. Für ihre Studie untersuchten die Forscher insgesamt 114 Zikavirus-freie Blutproben von Personen mit laborbestätigter FSME-Infektion, FSME-Impfung, Hepatitis C, Dengue-Infektion oder Gelbfieberimpfung, sowie zur Kontrolle elf Proben mit Antikörpern gegen Zikaviren. In allen Fällen lieferte der Test das richtige Ergebnis. Die Blutproben stammten aus der Blutserum-Bank des Instituts für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg. Dort werden Proben mindestens für zehn Jahre anonymisiert und datenschutz-konform aufbewahrt. „Dadurch können wir auf eine sehr große Zahl und Vielfalt von Proben zurückgreifen“, sagt Prof. Panning.

In Deutschland schätzt Prof. Panning die Ansteckungsgefahr mit dem Zikavirus als sehr gering ein: „Bislang ist nicht einmal sicher nachgewiesen, ob die in Süddeutschland sporadisch vorkommende Asiatische Tigermücke das Virus übertragen kann.“

Etwa jeder fünfte Zikavirus-Infizierte entwickelt Symptome wie Fieber, fleckigen Hautausschlag, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Gelenkschmerzen, die alle nach etwa einer Woche abklingen. Eine Behandlung der Infektion ist bislang nicht möglich. Bei Verdacht auf eine Zikavirus-Infektion wird eine labordiagnostische Abklärung empfohlen. Hiermit kann auch eine länger zurückliegende Infektion erkannt werden.

Titel der Originalarbeit: High specificity of a novel Zika virus ELISA in European patients after exposure to different flaviviruses

DOI: 10.2807/1560-7917.ES.2016.21.16.30203

Link zur Publikation: www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=21450  

Weitere Informationen:
Institut für Virologie
Forschungsgruppe Prof. Panning (englisch)
Übersichtsseite des Robert-Koch-Instituts zu Zikavirus-Infektionen

Studie könnte zum besseren Verständnis von Hirnerkrankungen beitragen

Neurowissenschaftler entdecken bislang unbekannte Funktion von Cannabinoid-Rezeptor
Studie könnte zum besseren Verständnis von Hirnerkrankungen beitragen

Berlin, 02.05.2016 Im Gehirn herrscht ein sensibles Zusammenspiel von Signalstoffen und zellulärer Aktivität. Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) haben in diesem Orchester einen weiteren Akteur identifiziert: In einer Laborstudie stellten sie fest, dass der sogenannte Cannabinoid-Rezeptor Typ 2 die Informationsverarbeitung innerhalb des Hippocampus beeinflusst. Dieses Hirnareal ist maßgeblich an der Bildung von Langzeit-Erinnerungen beteiligt. Die Erkenntnisse könnten zu einem besseren Verständnis der Krankheitsmechanismen von Schizophrenie und Alzheimer beitragen, sie sind im aktuellen im Fachjournal Neuron* veröffentlicht.

Der Cannabinoid-Rezeptor Typ 2, auch CB2-Rezeptor genannt, ist ein spezielles Membranprotein, über das eine Zelle chemische Signale empfangen kann. Dadurch wird ihre Aktivität gesteuert. „Dieser Rezeptor galt bisher vor allem als Teil des Immunsystems, ohne Funktion in Nervenzellen. Unsere Studie zeigt nun, dass er auch für die Signalverarbeitung des Gehirns eine wichtige Rolle spielt“, erläutert Prof. Dr. Dietmar Schmitz, Direktor des Neurowissenschaftlichen Forschungszentrums an der Charité (NWFZ) und Berliner Standortsprecher des DZNE. Neben Berliner Fachkollegen haben sich an der aktuellen Studie auch Wissenschaftler der Universität Bonn und des US-amerikanischen National Institute on Drug Abuse beteiligt.

Wie die Forscher im Tiermodell nachweisen konnten, hebt der CB2-Rezeptor die Erregungsschwelle von Nervenzellen des Hippocampus. „Die Arbeitsweise des Gehirns beruht darauf, dass Nervenimpulse auf nachgeschaltete Zellen in manchen Situationen erregend, in anderen Fällen unterdrückend wirken“, sagt Dr. Vanessa Stempel, Erstautorin der aktuellen Veröffentlichung. „Der CB2-Rezeptor wirkt wie eine Stellschraube, mit der solche Kommunikationsprozesse justiert werden“, so die Wissenschaftlerin weiter, die inzwischen im britischen Cambridge forscht.

Der CB2-Rezeptor zählt zum endogenen Cannabinoid-Systems (ECS). Diese Familie aus Rezeptoren und Botenstoffen kommt bei vielen Lebewesen vor, so auch beim Menschen. Es handelt sich um ein biochemisches Regelsystem, das an der Steuerung zahlreicher physiologischer Vorgänge beteiligt ist. Sein Name basiert auf der bereits länger bekannten Tatsache, dass Wirkstoffe der Cannabispflanze an Rezeptoren des ECS ankoppeln. Bislang sind zwei Sorten solcher Rezeptoren bekannt. Der CB2-Rezeptor hat keine psychoaktive Wirkung. Die durch Einnahme von Cannabis aufgelösten Rauscheffekte werden daher dem Cannabinoid-Rezeptor Typ 1 zugeschrieben.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie könnten zum besseren Verständnis von Krankheitsmechanismen beitragen und einen Ansatzpunkt für neuartige Medikamente aufzeigen. „Bei Schizophrenie, Depression, Alzheimer und anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen ist die Hirnaktivität gestört. Pharmaka, die an den CB2-Rezeptor binden, könnten die Aktivität der Hirnzellen möglicherweise beeinflussen und somit Bestandteil einer Therapie sein“, resümiert Prof. Schmitz.

*A. Vanessa Stempel, Alexander Stumpf, Hai-Ying Zhang, Tugba Özdogan, Ulrike Pannasch, Anne-Kathrin Theis, David-Marian Otte, Alexandra Wojtalla, Ildikó Rácz, Alexey Ponomarenko, Zheng-Xiong Xi, Andreas Zimmer, Dietmar Schmitz. Cannabinoid type 2 receptors mediate a cell type-specific plasticity in the hippocampus. April 2016, Neuron. doi: 10.1016/j.neuron.2016.03.034.
http://www.cell.com/neuron/fulltext/S0896-6273(16)30025-3

Mangelernährung als häufige Krankheitsursache in Deutschland

Es hat immer einen seltsamen Beigeschmack, wenn die Lebensmittelindustrie eine Studie zum Thema Ernährung mitfinanziert.

HIPP und MangelernährungWir wollten dennoch nicht auf die Veröffentlichung hier verzichten. Machen Sie sich selbst ein Bild. Natürlich ist Mangelernährung im fortgeschrittenen Alter ein wichtiges Thema. Viele Studien kommen jedoch oft schnell zu dem voreiligen Schluss, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder Lebensmitteln, die damit angereichert wurden, die geniale Lösung seien.

PRESSEMITTEILUNG

Ärzteschaft alarmiert:
Jeder 2. Arzt ist täglich mit Mangelernährung konfrontiert

Studienübergabe an Bundesminister Christian Schmidt

Studienübergabe an Bundesminister Christian Schmidt

Berlin, 26. April 2016. Mangelernährung ist ein gesellschaftlich stark unterschätztes Phänomen, das drastische Folgen für die Gesundheit der Patienten, aber auch hohe Folgekosten für das Gesundheitswesen bedeutet. Wie die im Auftrag des
Bundesverbands Initiative 50Plus und HiPP durchgeführte repräsentative Ärztebefragung von 222 niedergelassenen Ärzten – darunter 112 Allgemeinmediziner, 53 Neurologen und 57 Onkologen – zeigt, wird jeder zweite Arzt (57 %) in der täglichen Arbeit mit Mangelernährung konfrontiert. Vor allem bei den Onkologen steigt
die Quote auf fast 70 % an, weil eine Krebserkrankung sehr häufig mit dem Auftreten einer Mangelernährung verknüpft ist.

Zugleich liegt bei den befragten Ärzten ein hohes Problembewusstsein vor – schließlich bewertet jeder zweite Arzt (52 %) Mangelernährung sehr oft oder immer als Ursache für Krankheiten im Alter. Zudem achten 3 von 4 Ärzten (76 %) ebenfalls
sehr oft oder immer auf Anzeichen von Mangelernährung (z. B. ungewollter Gewichtsverlust).

Doch obwohl bei den Ärzten ein hohes Problembewusstsein vorherrscht und 3 von 4
Ärzten (75 %) den Patienten bei Auftreten von Mangelernährung weitreichend über
das Thema informieren, offenbart sich eine große Diskrepanz: 71 % der Ärzte fühlen
sich selber nicht vollumfänglich informiert – 14 % sogar nur wenig oder gar nicht.

Mangelernährung als Ursache für Krankheiten Unstrittig bei fast allen befragten Ärzten ist hingegen die Bedeutung von ausreichender und bedarfsgerechter Ernährung bei einem unzureichenden Ernährungszustand für die Genesung. 96 % der Ärzte sehen diese als sehr wichtig oder wichtig an. Dabei spielt die Ernährung nicht nur bei der Genesung eine tragende Rolle, sondern kann auch schon bei der Prävention vieler Alterskrankheiten
unterstützen. Die befragten Ärzte sind der einhelligen Meinung, dass frühzeitige Ernährungsmaßnahmen dabei helfen, Nachfolgekosten für ernährungsbedingte Komplikationen zu vermeiden.

Stefan Hipp, Gesellschafter HiPP: „Gesellschaft, Politik und auch Wirtschaft müssen
beim Thema Mangelernährung an einem Strang ziehen und eine effiziente und breiteInformationsstand zu Mangelernährung
Aufklärung sicherstellen – mit der Botschaft, dass Mangelernährung häufig vorkommt und verhindert werden kann. Die Ergebnisse zeigen, dass es weiterer Anstrengungen bedarf,um über adäquate Ernährungsmöglichkeiten bei Mangelernährung in der
Patientenversorgung zu informieren. Dabei unterstützen wir sehr gerne – die Ärztebefragung ist hier ein weiterer Schritt zur Aufklärung.“

Gitta Connemann, MdB und stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: „Gesunde Ernährung ist in aller Munde. Sollte es jedenfalls sein –
gerade bei Älteren. Denn die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Mangelernährung bei
Älteren ist keine Seltenheit. Hinzu kommt fehlende Bewegung. Dabei sind eine
gesunde und ausreichende Ernährung und Bewegung für das Alter, gerade für
Genesungsphasen entscheidend. Das Verständnis hierfür muss frühzeitig vermittelt
werden. Mit Initiativen wie IN FORM – Fit im Alter, mit dem Präventionsgesetz und
nicht zuletzt mit der Pflegeversicherung haben wir die Weichen in die richtige Richtung
gestellt. Aber mangelhafte Ernährung im Alter und fehlende Bewegung sind am Ende
eine Herausforderung, die uns alle angeht. Diese können wir als Politik nur
gemeinsam mit der Lebensmittelwirtschaft, den Ärzten, den Pflegeeinrichtungen, den
Kassen, den Medien, bewältigen.“

Uwe-Matthias Müller, Geschäftsführender Vorstand Bundesverband Initiative 50Plus
e.V.:„Die Erhebung bestätigt unsere Befürchtungen, wie weit Mangelernährung
verbreitet ist. Dies ausgerechnet in einer Gesellschaft, in der alle Zutaten für eine
gesunde – und schmackhafte – Ernährung zur Verfügung stehen. Wir haben nun seit
bald einem Jahr das Präventionsgesetz, das ist gut so. Wir fordern die Politik, aber
auch die im Gesundheitsbereich tätigen Institutionen auf, das Thema
Mangelernährung mit all seinen Facetten verstärkt und beherzt den betroffenen
Menschen nahezubringen.“

Dr. Henning Scherf, Botschafter Bundesverband Initiative 50Plus e.V. und
Bürgermeister a.D., Bremen: „Obwohl es uns in Deutschland sehr gut geht und wir in
einer Wohlstandsgesellschaft leben, zeigt die erstaunliche Zahl von älteren
mangelernährten Menschen, dass wir noch einen weiten Weg zu gehen haben. Wir
müssen über Nachbarschaften und professionelle Dienste die Versorgungssituation
verbessern: Hier ist ganz klar die Zivilgesellschaft gefordert und muss motiviert
werden.“

Hintergrund und Methodik der Ärztebefragung

Vom 7. März bis einschließlich 8. April 2016 wurde eine bundesweite, telefonische Befragung
unter Ärzten durch das Markt-und Sozialforschungsinstitut INSA-CONSULERE durchgeführt.
Ziel der Umfrage war es, niedergelassene Ärzte verschiedener Fachrichtungen zum Thema
Mangelernährung zu befragen. Als Erhebungsmethode wurde das Computer Assisted
Telephone Interview (CATI) gewählt. Die Zufallsauswahl der Befragten erfolgte über eine
branchenspezifische, repräsentative B2B-Stichprobe. Um sowohl verallgemeinernde als auch
vertiefende Aussagen zu erlangen, wurde die Studie in eine quantitative Erhebung und in eine
qualitative Erhebung aufgeteilt. Bei der quantitativen Erhebung wurden insgesamt 222 Ärzte,
davon 112 Allgemeinmediziner, 53 Neurologen und 57 Onkologen, zur Ernährung älterer
Patienten, zum Informationsstand über sowie den Umgang mit Mangelernährung befragt. Bei
der qualitativen Erhebung wurden insgesamt 15 Ärzte aus den unterschiedlichen
Fachbereichen vertiefend zu ihren Erfahrungen mit mangelernährten Patienten befragt.

Gewichtsmanagement – eine runde Sache

Wissenschaftsseminar am 29. Juni 2016
Gewichtsmanagement – eine runde Sache

Am 29. Juni 2016 veranstaltet das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) in Kooperation mit dem Deutschen Herzzentrum München und dem Kompetenznetz Adipositas das Wissenschaftsseminar „Gewichtsmanagement – eine runde Sache“. Im Deutschen Herzzentrum München sprechen Experten aus Wissenschaft, Medizin, Wirtschaft und Politik vor und mit einem interdisziplinären Publikum.

Gewichtsmanagement betrifft einen Großteil der Bevölkerung. Die Deutschen werden immer dicker – das ist nicht neu, aber nach wie vor aktuell. Nach derzeitiger Datenlage sind über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland übergewichtig und davon jeder Vierte bis Fünfte adipös – Tendenz steigend.

Forschungsansätze und finanzielle Auswirkungen des Übergewichts

Die Wissenschaft beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie der Volkskrankheit Adipositas begegnet werden kann. Nicht nur die Betroffenen sind oftmals verwirrt, welche Diät oder Ernährungsweise zum Wunschgewicht führen könnte. Oder ist die Geschichte von der Diät ohnehin nur eine Mär? „Manchmal vermischen sich ernährungsphysiologische Empfehlungen mit einer Prise Ideologie und einem Schuss persönlicher Überzeugung. Übrig bleibt oft ein Gemisch an Informationen, das schwer zu beurteilen ist“, sagt Dr. Wolfram Schaecke, Leiter des KErn. „Es gilt, die Fakten von den Mythen zu trennen. Mit dem Wissenschaftsseminar zu Gewichtsmanagement wollen wir Licht in die Vielfalt der Empfehlungen bringen und uns mit Trends und wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinandersetzen.“
Im Mittelpunkt der Fachveranstaltung stehen neue Forschungsansätze und Konzepte des Gewichtsmanagements. Doch auch die wirtschaftliche Bedeutung und neuen Produktentwicklung werden diskutiert. Wie viel Adipositas kostet? Antworten liefert Prof. Dr. Rolf Holle vom Helmholtz Zentrum. Weitere Referenten sind u. a. Dr. Anja Schienkiewitz vom Robert Koch-Institut, Prof. Dr. Hans Hauner von der TU München und Dr. Dietrich Garlichs von der Deutschen Diabetes Gesellschaft.
Die Veranstaltung richtet sich an Experten aus Ernährungswissenschaft, Medizin, Ernährungswirtschaft sowie Multiplikatoren aus dem Gesundheitsbereich. Frühbucher zahlen bis zum 18. Mai 150 Euro, anschließend beträgt die Teilnahmegebühr 200 Euro. Die Veranstaltung wird für die kontinuierliche Fortbildung von Zertifikatsinhabern der DGE, des VDD und des VDOE mit 6 Punkten berücksichtigt sowie mit 2 Punkten (Modul F) für die QUETHEB-Registrierung.
Weitere Informationen zum Wissenschaftsseminar sowie zur Anmeldung unter www.kern.bayern.de/gewichtsmanagement

Demographischer Wandel fordert Innovation

Pressemitteilung

Internistenkongress tagt ab heute in Mannheim

Mannheim, April 2016 – Heute eröffnet die Deutsche Gesellschaft für
Innere Medizin e. V. (DGIM) ihren 122. Jahreskongress. Die Veranstalter
erwarten vom 9. bis 12. April rund 8500 Teilnehmer im Congress Center
Rosengarten: Ärzte und Wissenschaftler diskutieren hier neueste
Erkenntnisse zur Behandlung internistischer Erkrankungen. In mehr als
400 Sitzungen sowie 1400 Vorträgen und Postersitzungen referieren über
1200 Experten. Der Kongress tagt 2016 zum zweiten Mal im Mannheimer
Rosengarten. Der DGIM-Vorsitzende Professor Dr. med. Gerd Hasenfuß
aus Göttingen stellt der Jahrestagung der Internisten das Leitthema
„Demographischer Wandel fordert Innovation“ voran.

„In der heutigen Zeit treffen demographischer Wandel und die technische Revolution
aufeinander. Ältere, multimorbide Patienten haben höhere Risiken bei operativen
Eingriffen. Daher sind Innovationen gefordert, die den Anforderungen der Patienten
gerecht werden“, erläutert Professor Hasenfuß, der die Klinik für Kardiologie und
Pneumologie an der UMG, Universitätsmedizin Göttingen leitet.

Aktuelles Beispiel für eine medizinische Innovation ist die katheterbasierte
Implantation von Herzklappen. „Alte Menschen haben häufig eine Verengung an der
Aortenklappe. Die konventionelle Operation ist bei diesen Patienten aber mit einer
hohen Komplikationsrate und Sterblichkeit verbunden“, so der Kardiologe. Jetzt
könnten Mediziner eine effiziente und schonende Behandlung einsetzen, die sehr gute
Ergebnisse liefere. Auch in anderen internistischen Schwerpunkten wie der
Gastroenterologie, der Angiologie und der Pneumologie stehen minimal-invasive
Verfahren zur Verfügung.

Zugleich stellt sich die Frage, ob alle Verfahren, die machbar sind, auch beim
Patienten zum Einsatz kommen müssen. „Im Rahmen unserer Initiative „Klug
entscheiden“ befassen wir uns beim Kongress in einer Reihe von Symposien damit, in

welchen medizinischen Bereichen eine Über- oder Unterversorgung stattfindet und
wie wir dieser begegnen können“, so Professor Hasenfuß. Das Gesundheitssystem
könne innovative Verfahren tragen, wenn gleichzeitig unnötige Kosten vermieden
werden.

Besonders wichtig ist dem Vorsitzenden der DGIM auch, digitale Entwicklungen für
die Medizin und den Patienten nutzbar zu machen. „Zum Teil kommen digitale
Innovationen über Gesundheits-Apps oder Telemedizin bereits beim Patienten an“, so
Professor Hasenfuß. Ziel müsse es sein, das Potential digitaler Medizin voll zu
etablieren – bei kritischer Prüfung der Qualität und Sicherheit – und für eine noch
bessere Versorgung der Patienten einzusetzen. Daher hat Professor Hasenfuß unter
anderem die digitale Medizin als einen der Schwerpunkte des Kongresses benannt.

Weitere Informationen zum Kongress finden Interessierte
im Internet unter www.dgim2016.de.

Weißbuch beschreibt Versorgungssituation bei Multipler Sklerose

Fortschritte in der Therapie der Multiplen Sklerose besser nutzen

Weißbuch MSWeißbuch beschreibt Versorgungssituation bei Multipler Sklerose – Eine an der Krankheitsaktivität angepasste Behandlungsplanung ist noch unzureichend umgesetzt – Therapie der Symptome der Multiplen Sklerose weist große Defizite auf – Experten fordern strukturierte, besser vernetzte Versorgungskonzepte

Berlin, 6. April 2016 (IGES Institut) – Dank der Fortschritte in der Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) können immer mehr Betroffene ein weitgehend normales Leben führen. Dennoch lässt sich die Krankheit langfristig nicht stoppen. Zudem fehlen Therapien zur Versorgung der belastenden Symptome der MS. Nötig sind ferner mehr strukturierte Versorgungskonzepte. Das ist ein Fazit des Weißbuchs Multiple Sklerose, das IGES-Wissenschaftler zusammen mit medizinischen Experten veröffentlicht haben.

„Das Verständnis des Krankheitsbildes und die therapeutischen Möglichkeiten der Multiplen Sklerose haben sich deutlich gewandelt. Die wissenschaftliche Erfolge haben die MS zu einer beherrschbaren Krankheit gemacht, auch wenn sie weiterhin unheilbar ist. Strukturelle Defizite in der Versorgung dürfen diese Erfolge nicht ausbremsen“, sagt Prof. Judith Haas, Ärztliche Leiterin des Zentrums für Multiple Sklerose am Jüdischen Krankenhaus in Berlin und Vorsitzende der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Bundesverband e.V.

Früher Therapiebeginn und Behandlung nach Krankheitsaktivität wichtig

Bei MS kann eine frühe Therapie ausschlaggebend für den weiteren Verlauf sein. Patienten sollten nach einem ersten Schub zeitnah mit so genannten verlaufsmodifizierenden Medikamenten behandelt werden. Ziel ist es, Krankheitsaktivität zu verhindern (1). Experten sprechen von „no evidence of disease activity“, kurz NEDA. Anzeichen sind die Schubhäufigkeit, voranschreitende Behinderung, neuropsychologische Symptome wie die Fatigue sowie weitere Nervenschädigungen (2).

Wohnort entscheidet über Versorgung

Aber nur gut jeder zweite Patient mit Erstdiagnose erhält im gleichen Jahr auch eine verlaufsmodfizierende Therapie, wie Studien mit Daten aus 2009 zeigen (3). Dabei ist die Versorgung regional unterschiedlich: So suchten in Brandenburg, wo 4,4 Fachärzte auf 100.000 Einwohner kommen, nur 37 Prozent der Betroffenen innerhalb von sechs Wochen nach Erstdiagnose einen Facharzt für die Weiterbehandlung auf. In Hamburg waren dies mit 11 Fachärzten pro 100.000 Einwohner hingegen 64 Prozent. Zudem müssen in Regionen mit vielen ambulant tätigen Fachärzten weniger Patienten mit MS stationär behandelt werden, im Vergleich zu Regionen mit niedriger ambulanter Facharztdichte, wie Studien mit Krankenkassendaten zeigen (4).

Seit 2011 hat sich das therapeutische Spektrum durch fünf neue Präparate erweitert. „Der Verbrauch neuer MS-Medikamente hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen, was auf eine gute Verfügbarkeit der therapeutischen Optionen hindeutet“, sagt Hans-Holger Bleß, Leiter des Bereichs Versorgungsforschung am IGES Institut. „Studien weisen aber darauf hin, dass noch mehr Patienten von einer an die Krankheitsaktivität angepassten Therapie entsprechend den aktuellen Leitlinien profitieren können“, so Bleß.

Therapieabbrüche gefährden Behandlungserfolg

Barrieren stellen Therapieabbrüche dar. MS-Medikamente greifen in das Immunsystem ein und müssen oft lebenslang eingenommen werden. Studien zufolge nimmt nur gut jeder Dritte mit MS über einen Zeitraum von zwei Jahren verlaufsmodifizierende Medikamente kontinuierlich ein (5). Als Abbruchgründe nennen Patienten Nebenwirkungen und vermutete oder tatsächliche Unwirksamkeit der Therapie. Zudem führen sie die MS-typischen neuropsychologischen Symptome wie Depressionen oder die Fatigue an (6). Fatigue ist ein Gefühl starker geistiger und körperlicher Erschöpfung, das die Betroffenen sehr belastet. Sie stellt eines der häufigsten MS-Symptome dar.

„Neuropsychologische Symptome und Fatigue gelten immer mehr als Schlüssel im Umgang mit der Multiplen Sklerose, für die wir dringend Standards in Diagnostik und Therapie im Versorgungsalltag und mehr Behandlungsangebote benötigen“, sagt der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Neurologen (BDN), Dr. Uwe Meier.

Defizite in der Behandlung der Symptome

Aber gerade in diesem Bereich konstatiert das Weißbuch Defizite. Es zeigt Auswertungen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), nach denen zwischen 2005 und 2006 bei jeweils rund 80 Prozent der MS-Patienten mit kognitiven Störungen wie Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen oder Fatigue keine Therapie erfolgte (7). Aktuellen Statistiken zufolge sind bundesweit knapp 300 Neuropsychologen ambulant tätig sind (8). Rein rechnerisch kämen somit rund 650 MS-Patienten auf einen ambulant tätigen Neuropsychologen.

Defizite bei der Spastik-Behandlung und Aufklärung über veränderte Sexualität

Verbesserungsbedarf besteht aus Sicht der Patienten zudem bei der Behandlung der für MS typischen Muskelversteifungen, medizinisch Spastiken. Therapie der Wahl ist die Physiotherapie, wenn nötig ergänzende Medikamente. Allerdings fehlen derzeit wirksame und langfristig einzunehmende Arzneimittel. DMSG-Daten zufolge erhält jeder dritte MS-Patient keine Therapie der Spastik. Ärzte fordern daher mehr physiotherapeutische Angebote, wie das Weißbuch darlegt.

86 Prozent der MS-Patienten fühlen sich zudem laut Umfragen unzureichend über die ebenfalls bei MS auftretenden Einschränkungen der Sexualität informiert. Jede zweite der betroffenen Frau wünscht sich dazu auch Paargespräche bei ihrem Arzt (9).

Die MS geht mit hohen Krankheitskosten einher

Die MS trifft vor allem Frauen in jungen Jahren, wenn persönliche Themen wie Familienplanung oder Karriere dominieren. Darüberhinaus ist die MS mit hohen Krankheitskosten verbunden. Insgesamt belaufen sich die direkten Behandlungskosten der MS durchschnittlich auf jährlich rund 22.000 Euro pro Patient. Die direkten und indirekten Kosten der mit der MS assoziierten Schübe betragen rund 3.000 Euro pro Schub. Mit fortschreitendem Krankheitsverlauf und zunehmender Behinderung spielen immer mehr Folgekosten etwa durch Arbeitsunfähigkeit eine Rolle (10, 11). Jeder zweite MS-Betroffene bezog 2010 eine Erwerbsminderungsrente (10, 4). Im Vergleich: In der Gesamtbevölkerung sind es durchschnittlich nur drei Prozent.

„Die Behandlung der MS erfordert aufgrund ihrer vielen Gesichter Ärzte und Heilberufler verschiedenster Disziplinen. Hier benötigen wir dringend besser vernetzte sowie patienten- und teilhabeorientiertere Versorgungsangebote“, sagt Meier.

Hintergrund Multiple Sklerose (MS)

MS ist mit bis zu 200.000 Betroffenen in Deutschland die häufigste chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems junger Menschen. Die Entzündungen schädigen die Nervenfasern, was zu schwerwiegenden neurologischen Ausfallerscheinungen und Behinderungen führen kann. MS manifestiert sich vor allem bei Frauen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Bei mehr als 85 Prozent der Patienten verläuft die MS in Schüben. MS ist unheilbar. Die genauen Ursachen sind noch immer nicht vollständig geklärt.

Das Weißbuch „Multiple Sklerose – Versorgungssituation in Deutschland“ wird von IGES-Experten herausgegeben und enthält Autorenbeiträge renommierter MS-Experten. Es ist im Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen und ab Anfang Mai 2016 erhältlich. Das Buch entstand mit finanzieller Unterstützung des Unternehmens Novartis Pharma GmbH.

Literatur
(1) DGN (Hrsg.) (2014): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose. Entwicklungsstufe: S2e. Stand: Januar 2012, Ergänzung August 2014.
(2) Stangel M, Penner IK, Kallmann BA, Lukas C & Kieseier BC (2015): Towards the implementation of ’no evi-dence of disease activity‘ in multiple sclerosis treatment: the multiple sclerosis decision model. Ther Adv Neurol Disord 8(1), 3-13.
(3) Höer A, Schiffhorst G, Zimmermann A, Fischaleck J, Gehrmann L, Ahrens H, Carl G, Sigel KO, Osowski U, Klein M & Bless HH (2014): Multiple sclerosis in Germany: data analysis of administrative prevalence and healthcare delivery in the statutory health system. BMC health services research 14, 381.
(4) IGES Institut (2014): Neurologische und psychiatrische Versorgung aus sektorenübergreifender Perspektive. Studie im Auftrag von Berufsverband Deutscher Nervenärzte e.V. (BVDN), Berufsverband Deutscher Neurologen e.V. (BDN), Berufsverband Deutscher Psychiater e.V (BVDP), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) / Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI), Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V (DGN). Ergebnisbericht.
(5) Hansen K, Schussel K, Kieble M, Werning J, Schulz M, Friis R, Pohlau D, Schmitz N & Kugler J (2015): Adherence to Disease Modifying Drugs among Patients with Multiple Sclerosis in Germany: A Retrospective Cohort Study. PLoS One 10(7).
(6) Bischoff C, Schreiber H & Bergmann A (2012): Background information on multiple sclerosis patients stopping ongoing immunomodulatory therapy: a multicenter study in a community-based environment. Journal of Neurology & Neurophysiology 259(11).
(7) Flachenecker P, Stuke K, Elias W, Freidel M, Haas J, Pitschnau-Michel D, Schimrigk S, Zettl UK & Rieckmann P (2008): Multiple sclerosis registry in Germany: results of the extension phase 2005/2006. Deutsches Ärzteblatt 105(7), 113-119.
(8) Gesellschaft für Neuropsychologie (GNP) e.V. (2015): Zertifizierte Neuropsychologen der GNP – Behandlerliste. 22.09.2015: 287 Einträge. 36001 Fulda: Gesellschaft für Neuropsychologie (GNP) e.V. http://www.gnp.de/_de/fs-Behandlerliste.php [Abruf am: 22.09.2015].
(9) Goecker D, Rösing D & Beier KM (2006): Der Einfluss neurologischer Erkrankungen auf Partnerschaft und Sexualität: Unter besonderer Berücksichtigung der Multiplen Sklerose und des Morbus Parkinson. Der Urologe 45(8), 992-998.
(10) Kobelt G, Berg J, Lindgren P, Elias WG, Flachenecker P, Freidel M, Konig N, Limmroth V & Straube E (2006): Costs and quality of life of multiple sclerosis in Germany. The European journal of health economics 7 Suppl 2, S34-44.
(11) Karampampa K, Gustavsson A, Miltenburger C & Eckert B (2012): Treatment experience, burden and unmet needs (TRIBUNE) in MS study: results from five European countries. Multiple sclerosis 18(2 Suppl), 7-15

Risikomanagement der Aufbereitung von Medizinprodukten

Neue Richtlinie VDI 5700 Blatt 2 dient als Grundlage für Schulungen

(Düsseldorf, 06.04.2016) Mit Krankheitserregern kontaminierte Medizinprodukte stellen ein Risiko nicht nur für Anwender, sondern vor allem für Patienten dar. Damit höchste Sorgfalt herrscht, wenn Patienten sich in ärztlicher Behandlung befinden, hat eine fachgerechte Aufbereitung von mehrfach verwendeten Medizinprodukten große Bedeutung. Die neue Richtlinie VDI 5700 Blatt 2 enthält die Rahmenbedingungen für eine gezielte Schulung des mit dem Risikomanagement bei der Aufbereitung von Medizinprodukten betrauten Personals.

Der in der VDI 5700 Blatt 2 abgesteckte Schulungsrahmen ist sowohl auf die Weiterbildung von Mitarbeitern im Bereich der Aufbereitung von Medizinprodukten (Schulung prozessbezogen) als auch auf die Weiterbildung von Mitarbeitern bei Medizinprodukteherstellern, insbesondere Entwicklern (Schulung produktbezogen), ausgerichtet.

Grundlage bildet die im vergangenen Jahr erschienene Richtlinie VDI 5700 Blatt 1 „Risikomanagement der Aufbereitung von Medizinprodukten – Maßnahmen zur Risikobeherrschung“, die detaillierte Empfehlungen für die Anwendung des Risikomanagements in Bezug auf die Aufbereitung von Medizinprodukten nach DIN EN ISO 14971 gibt. Sie beschreibt die Risikoanalyse, die Risikobewertung und die Beherrschung von Risiken, die für Patienten, Anwender und Dritte durch die Aufbereitung von Medizinprodukten entstehen können. Sowohl mögliche Gefährdungen und Schadensquellen als auch Gefährdungssituationen werden im Rahmen des Risikomanagements betrachtet und in der Richtlinie aufgezeigt. Des Weiteren werden Maßnahmen zur Risikobeherrschung vorgestellt.

Herausgeber der Richtlinie VDI 5700 Blatt 2 „Gefährdungen bei der Aufbereitung – Risikomanagement der Aufbereitung von Medizinprodukten – Schulungen“ ist die VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences (TLS). Die Richtlinie ist ab sofort als Entwurf zum Preis von EUR 69,80 beim Beuth Verlag (Telefon +49 30 2601-2260) erhältlich. Die Möglichkeit zur Mitgestaltung der Richtlinie durch Stellungnahmen besteht bis zum 30.09.2016 durch Nutzung des elektronischen Einspruchsportals unter www.vdi.de/einspruchsportal. Weitere Informationen unter www.vdi.de/5700 und www.beuth.de.

Mangos besser als Vitaminpillen

Tropenäpfel für die heile Haut

Mangos schmecken nach Urlaub, und sie sind überdies eine exotische, köstlich schmeckende Naturapotheke.

Regensburg (obx-medizindirekt) – Sie schmecken wir Urlaub pur und sind die am häufigsten verzehrten Früchte auf der ganzen Welt: frische Mangos. In Indien gibt es davon an die tausend verschiedene Sorten. Aber auch in unsere Supermärkte und Feinkostgeschäfte hat die Tropenapfel genannte Frucht längst Einzug gehalten. Aus gutem Grund: Mango ist ausgesprochen köstlich, kalorienarm und reich an heilsamen Wirkstoffen.

Schier unübersehbar ist die Liste der gesundheitlichen Probleme, die mit Wirkstoffen aus der Mangofrucht oder aus dem Baum selbst in Asien behandelt werden. Die Gerbstoffe enthaltenden, leuchtend hellroten Blüten der Bäume dienen beispielsweise zur Behandlung von Durchfällen und Ruhr, von Blasenentzündungen und chronischen Harnröhrenentzündungen.

Die Rinde enthält den Wirkstoff Mangiferin, wirkt adstringierend und wird in Indien bei Rheumatismus und Diphterie eingesetzt. Mit dem harzhaltigen Baumsaft werden Hautpilzerkrankungen behandelt. Gemahlene Rinde wird verwendet als Magenstärkungsmittel, gegen Zahnschmerzen, zur Behandlung innerer Blutungen, Bronchitis und Katarrh. Zweige und Blätter dienen der Zahnpflege und sollen insbesondere das Zahnfleisch gesund erhalten.

Die bis zu 25 Zentimeter langen und bis zu zwei Kilo schweren Früchte selbst sind da noch gar nicht berücksichtigt: Sie werden auch hierzulande gerne verzehrt, weil sie einen hohen Gehalt an Betakarotin haben, der dem Fruchtfleisch übrigens die gelbe Farbe verleiht. Dieses Provitamin benötigt der Körper zur Zellerneuerung der Haut, der Schleimhäute und des Knorpelgewebes, zum Beispiel in den Gelenken.

Der Verzehr einer einzigen Mango kann den Tagesbedarf an Betakarotin decken. Das Fleisch unreifer und reifer Früchte wird in unterschiedlichen Zubereitungen in Indien als Entwässerungs- und Abführmittel eingesetzt. Ein Mangobrei hat sich zumindest in Asien als Mittel gegen Hitzschlag und Sonnenstich bewährt.

In Deutschland lässt der Genuss einer Mango von Urlaub, Sonne und Meer träumen. Dabei enthält die Frucht nur bescheidene 59 Kalorien pro 100 Gramm. Sie ist damit köstliche und vitaminreiche Unterstützung von Schlankheitskuren: Mangos enthalten doppelt so viel Vitamin C wie Kirschen oder Brombeeren, außerdem die Vitamine B1 und B2 sowie Niacin. Ihr hoher Gehalt an Kalium macht sie für den Zellstoffwechsel besonders wertvoll. Mangos sollten nie im Kühlschrank aufbewahrt werden, weil die Kälte ihnen schadet. Am wohlsten fühlen sie sich bei Temperaturen von 25 bis 30°. Sind sie beim Kauf noch zu hart, empfiehlt es sich, sie in Zeitungspapier einzuwickeln und sie mehrere Tage bei Zimmertemperatur aufzubewahren. Vorsicht mit dem Saft: Er kann hartnäckige Flecken auf den Kleidern hinterlassen.

Mango in der Küche

Nicht ganz reife Mangos können gekocht und als säuerliches Gemüse verzehrt werden. Klein geschnitten sind reife Mangos eine exotische Zugabe zu Ragouts von Geflügel oder Schweinefleisch. Für einen herzhaften Mango-Früchtesalat schneiden Sie bitte Mango, Bananen, Orangen, Birnen und Ananas klein. Gießen Sie den Salat in einer Schüssel mit etwas Orangensaft auf und lassen das Ganze für 20 Minuten ziehen. Zuletzt zerhackte Walnüsse oder Pinienkerne kurz in der Pfanne rösten und darüber streuen. Fertig.

Mango kosmetisch

Eine Mango-Gesichtsmaske fördert die Hauterneuerung und spendet Feuchtigkeit. Dafür zwei Esslöffel Mango pürieren, mit gleicher Menge Quark verrühren, etwas Honig darunter mischen und auftragen. Nach 20 Minuten mit lauwarmem Wasser abwaschen.

Biomarker für Herzschädigung bei Schlaganfallpatienten unzuverlässig

Berlin, 08.04.2016 Eine erhöhte Konzentration des Herzenzyms Troponin im Blut eines Menschen kann auf eine akute Erkrankung der Herzkranzgefäße hinweisen. Troponin wird deshalb zur Diagnose eines Herzinfarktes eingesetzt. Allerdings tritt ein erhöhter Troponinspiegel auch bei vielen Schlaganfallpatienten auf. Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten jetzt nachweisen, dass die höhere Konzentration des Enzyms bei Schlaganfallpatienten in den allermeisten Fällen nicht mit einer akuten Erkrankung der Herzkranzgefäße verbunden ist. Diese Erkenntnis ist entscheidend, da die leitliniengerechte Therapie eines Herzinfarkts eine starke Blutverdünnung beinhaltet, die aber für Patienten mit einem Schlaganfall gefährlich sein kann. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt in der Fachzeitschrift Circulation* publiziert.

Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Jedes Jahr erleiden fast 270.000 Menschen eine solche Durchblutungsstörung des Gehirns. Einige dieser Patienten weisen zudem eine erhöhte Konzentration des Herzenzyms Troponin auf. „Die Entstehungsmechanismen erhöhter Herzenzyme bei Patienten, die sich vordergründig mit Schlaganfallsymptomen in der Notaufnahme vorstellen, sind unklar“, sagt Privatdozent Dr. Christian Nolte, Oberarzt an der Klinik für Neurologie am Campus Benjamin Franklin und Wissenschaftler am Centrum für Schlaganfallforschung Berlin. „Wir wollten daher herausfinden, wie häufig eine koronare Pathologie die Ursache für den erhöhten Enzymspiegel ist“, fügt Dr. Hans-Christian Mochmann, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie hinzu.

Mittels Herzkatheter untersuchten die Wissenschaftler aus der Klinik für Kardiologie und Neurologie Schlaganfallpatienten mit erhöhten Enzymwerten sowie Patienten, die sich aufgrund von Brustschmerz in der Notaufnahme vorstellten und deren Blut ebenfalls eine erhöhte Konzentration an Troponin zeigte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten mit akutem Schlaganfall und einem erhöhten Troponinspiegel deutlich weniger wahrscheinlich eine therapiebedürftige Herzkranzgefäßerkrankung aufweisen als Patienten mit Brustschmerzen. Der Unterschied war mit 24 Prozent gegenüber 79 Prozent hochsignifikant, obwohl beide Patientengruppen ähnlich hohe Ausgangswerte hatten. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse erscheint es nicht gerechtfertigt, bei Patienten mit akutem Schlaganfall und erhöhtem Troponin routinemäßig invasive diagnostische Verfahren wie die Koronarangiographie durchzuführen. „Diese Erkenntnis ist für die Behandlungsrichtlinien entscheidend, die in diesem Punkt bisher vage formuliert sind“, kommentiert Privatdozent Christian Nolte die Ergebnisse der Studie.

*Mochmann HC, Scheitz JF, Petzold GC, Haeusler KG, Audebert HJ, Laufs U, Schneider C, Landmesser U, Werner N, Endres M, Witzenbichler B, Nolte CH; TRELAS Study Group. Coronary Angiographic Findings in Acute Ischemic Stroke Patients With Elevated Cardiac Troponin: The Troponin Elevation in Acute Ischemic Stroke (TRELAS) Study. Circulation. 2016 Mar 1. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.115.018547.