„Diabetes STOPPEN – jetzt!“ wird fortgesetzt

diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe ruft zum Mitmachen auf

image001„Diabetes STOPPEN – jetzt!“ wird fortgesetzt

Berlin – Sechs Millionen Menschen in Deutschland sind an Diabetes erkrankt. Viele leiden unter schweren Folgeerkrankungen, dazu zählen unter anderem 40.000 diabetesbedingte Amputationen und 2.000 Neuerblindungen im Jahr. So entstehen 48 Mrd. direkte Kosten für das Gesundheitssystem. Doch während 18 von 28 europäischen Ländern mit einem Nationalen Diabetesplan den dramatischen Anstieg der Erkrankungen bekämpfen wollen, hat Deutschland noch keine konkreten Maßnahmen ergriffen. Die Politik auf die Dramatik der Krankheit aufmerksam zu machen, das war das Ziel der politischen Kampagne „Diabetes STOPPEN – jetzt“ im Bundestagswahljahr. Nun wird die Kampagne fortgesetzt. image002

Mit der Forderung nach einem Nationalen Diabetesplan und den Zielen, eine bestmögliche Versorgung zu sichern, einen gesunden Lebensstil zu fördern und die Selbsthilfe zu stärken, wurden im Rahmen der Kampagne „Diabetes STOPPEN – jetzt!“ im Bundestagswahljahr alle 620 Bundestagsabgeordneten konfrontiert, ein Drittel davon konnte sogar direkt kontaktiert werden. Betroffene, deren Angehörige, Ärzte und Behandler waren aufgefordert, ihre „Stimme“ zu erheben und mit den Politikern in ihrem Wahlkreis zu den wichtigen gesundheitspolitischen Forderungen in den Dialog zu treten. 2014 geht die Kampagne nun in die zweite Runde.

„Trotz der erfolgreichen gemeinsamen Anstrengungen mit der Kampagne ‚Diabetes STOPPEN – jetzt!‘ im Bundestagswahljahr ist es uns im ersten Anlauf nicht gelungen, dass das Indikationsfeld Diabetes Berücksichtigung im Koalitionsvertrag gefunden hat. Also müssen wir nun die neue Regierung von der Notwendigkeit eines Nationalen Diabetesplans überzeugen“, erklärt Prof. Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe die Fortsetzung der politischen Kampagne zusammen mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), dem Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe (VDBD) und der Selbsthilfeorganisation Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M).

„Wir haben mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe einen neuen Ansprechpartner und auch der Gesundheitsausschuss im Bundestag ist neu besetzt. Neben der Bundesebene werden wir die Forderungen aber auch auf Landes- und auf EU-Ebene forciert vortragen“, ergänzt PD Dr. Erhard Siegel, Präsident der DDG.

„Gemeinsam mit allen Organisationen unterstützen wir auch gerade ganz aktuell die Bundesratsinitiative für einen Nationalen Diabetesplan aus Schleswig-Holstein. Wir werben dafür, dass sich möglichst viele andere Bundesländer dieser Initiative anschließen. Dazu haben sich regionale Vertreter von DDG, VDBD und DDH-M in einem gemeinsamen Brief Mitte März an die jeweils zuständigen Landesminister gewendet“, berichtet Danne. Daneben werden die Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg im Herbst zum Anlass genommen, auf das hohe Diabetesvorkommen und die vergleichsweise mangelhafte Versorgung hinzuweisen.

Die Kampagne 2014 beinhaltet außerdem Anschreiben an die EU-Parlamentarier im April im Vorfeld der EU-Parlamentswahl am 25. Mai.

Des Weiteren wird es eine Fortsetzung der erfolgreichen Postkartenaktion geben, in diesem Jahr direkt an den neuen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Motive wie „Zucker ist nicht süß“, „Auge um Auge, Fuß um Fuß“ und „Biete Diabetes, Suche Leben“ sollen auf die Dramatik der Krankheit, die Folgeerkrankungen und Einschränkung der Lebensqualität aufmerksam machen.

Ein Highlight der diesjährigen Kampagne ist die Aktion „Wir geben Diabetes ein Gesicht“. Alle Betroffenen, deren Behandler und Interessierte sind aufgerufen, ihr Porträtfoto – gerne auch als Selfie – für ein großes Fotomosaik zur Verfügung zu stellen, das zusammen das Porträt von Bundeskanzlerin Merkel darstellt. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe will so verdeutlichen, dass hinter jeder Erkrankung ein Mensch und ein individuelles Schicksal steckt. Das Mega-Poster mit dem Spruch „Frau Bundeskanzlerin, wir zählen auf Sie!“ wird auf der Fußball-WM-Fanmeile im Juni/Juli in Berlin aufgestellt werden. Unterstützer-Fotos können ab sofort auf www.diabetes-stoppen.de hochgeladen werden. Von der Website aus können auch die digitalen Postkarten an Minister Gröhe versendet werden.

„Diabetes zu bekämpfen muss zur Agenda von Politik und Gesellschaft werden. Wir hoffen auf rege Beteiligung, denn nur gemeinsam werden wir etwas bewirken können“, sagt Prof. Danne.

Wo ist der Beweis?

Das ist eine berechtigte Frage – ganz besonders in der Medizin.

Testing Treatments = Wo ist der Beweis

Testing Treatments = Wo ist der Beweis

Viele Therapien und Arzneimittel werden verordent, obwohl es für deren Wirksamkeit keinerlei und nur ganz wenig Beweise gibt. Falsche Informationen halten sich oft über Jahre. Und dies nicht nur bei Patienten, sondern auch bei Ärzten. Das hat hin und wieder fatale Folgen. Nicht nur, dass Patienten durch hohe Nebenwirkungen erheblichen Schaden erleiden können, es gab sogar Todesfälle.

Viel zu wenig wird hinterfragt, ob das Medikament XY oder die Therapie YZ wirklich von Nutzen für den Patienten ist.

Wenn Sie das nächste Mal von Ihrem Arzt ein Rezept erhalten, dann fragen Sie einfach einmal:
„Wo ist der Beweis, dass es hilft und nicht noch schaden?“ Sollte Ihr Arzt ungehalten reagieren, dann zeigen Sie ihm einfach dieses Buch. Oder Sie geben ihm den Link zur Plattform, dann kann er sich selbst informieren.

Hier können Sie sich das Buch kostenlos als PDF herunterladen. Eine druckte Version erhalten Sie im Buchhandel.

http://de.testingtreatments.org/

Faster Genetic Testing Method Will Likely Transform Care for Many Patients With Breast Cancer

Pressemitteilung:

Faster and cheaper DNA sequencing techniques will likely improve care for patients with breast cancer but also create challenges for clinicians as they counsel patients on their treatment options. Those are among the conclusions of a study published recently in the BJS (British Journal of Surgery). The findings provide insights into how genetic advances will soon be affecting patient care.

When a woman is diagnosed with breast cancer, it’s important to know as much about her tumour as possible to determine the best treatment. Most cases of breast cancer are sporadic, but a minority are hereditary and caused by one or more mutations in genes such as BRCA1 or BRCA2. To find such genetic mutations in newly diagnosed patients, researchers must sequence the woman’s DNA, which is generally a relatively slow process that generates results weeks or months after patients have started treatment. Next generation sequencing (NGS) is a newer method of sequencing DNA that processes large amounts of data. It’s faster and more expensive than conventional sequencing, but in recent years it has become cheaper and more widely accessible by rapid advances in computing power. With the use of NGS, which will soon become the mainstay of clinical genetics, breast cancer units will likely be able to get the results of genetic testing before patients begin their breast cancer treatment.

In a collaboration between breast surgeons and medical geneticists at the Norfolk & Norwich University Hospital and Addenbrooke’s Hospital in Cambridge, UK, Simon Pilgrim, MD, and his colleagues searched the medical literature to identify relevant studies relating to breast cancer genetics and then looked to see what impact NGS will have on breast cancer units as well as what opportunities will arise for improving treatment for patients.

The researchers found that because NGS will allow breast cancer clinicians to know whether patients carry high-risk mutations (which might increase their risk of developing another breast cancer in the same or other breast in the future) before the start of treatment, more women might opt for mastectomy instead of breast-conserving surgery or for double rather than single mastectomy. Dr Pilgrim noted that some of the mutations that are detected might also confer increased risks of developing other cancers, which would indicate the need to monitor at-risk patients closely for these cancers as well. “The converse is also true,” he said. “NGS can be used to find genetic mutations in people with other hereditary cancers or conditions. For example, a woman with ovarian cancer might be found to have a BRCA1 mutation, and hence breast units must be prepared to handle questions about the management of breast cancer risk in patients referred by other specialties.” Dr Pilgrim added that NGS will have implications for the relatives of people found to have mutations linked to breast or other cancers, and therefore family members may also wish to undergo testing after appropriate counseling.

In the longer term, being able to identify patients with breast cancer who carry certain gene mutations before they start treatment will help researchers conduct clinical trials to establish which treatments are best for carriers of particular mutations. Dr Pilgrim noted that research already suggests that BRCA1-associated breast cancer is more responsive to certain chemotherapy drugs than sporadic breast cancers are.

Access the full study on the Wiley Press Room here. (To access PDFs and embargoed stories you must be logged in to the Press Room before clicking the link. Request a login here.)
Full citation:“Opportunities and challenges of next-generation DNA sequencing for breast units.” S. M. Pilgrim, S. Pain, and M. Tischkowitz. BJS; Published Online: March 27th, 2014 (DOI: 10.1002/bjs.9458)
URL Upon Publication: http://doi.wiley.com/10.1002/bjs.9458

About the Author:
To arrange an interview with the author, please contact Adrian Ient, Communications Manager at Addenbrooke’s Hospital, at adrian.ient@addenbrookes.nhs.uk.

About the Journal:
BJS is the premier peer-reviewed surgical journal in Europe and one of the top surgical periodicals in the world. Its international readership is reflected in its prestigious international Editorial Board, supported by a panel of over 1200 reviewers worldwide. BJS features the very best in clinical and laboratory-based research on all aspects of general surgery and related topics and has a tradition of publishing high quality papers in breast, upper GI, lower GI, vascular, endocrine and surgical sciences. Papers include leading articles, reviews and original research articles, correspondence and book reviews. The journal celebrated its centennial year in 2013. The current impact factor is 4.839. The journal is published by Wiley on behalf of the British Journal of Surgery Society Ltd. For more information, please visit http://onlinelibrary.wiley.com/journal/10.1002/(ISSN)1365-2168.

Teure Fehlanreize in der Medizin streichen

Aktionsbündnis Patientensicherheit fordert:

Teure Fehlanreize in der Medizin streichen

Berlin – Diagnostik und Therapie in der Medizin werden immer komplexer und damit kostenaufwändiger. Gleichzeitig zwingt ökonomischer Druck Kliniken zum sparen. Krankenhausstationen sind deshalb oft nicht ausreichend mit Pflegekräften und Ärzten besetzt – gleichzeitig aber stark beansprucht. Überlastung kann zu Behandlungsfehlern führen. Wie sich wirtschaftliche Zwänge und Patientensicherheit im Klinikalltag vereinbaren lassen, diskutieren Akteure des Gesundheitswesens auf einer Pressekonferenz des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS) in Anwesenheit der Hamburger Senatorin für Gesundheits- und Verbraucherschutz, Cornelia Prüfer-Storcks, am 3. April 2014 in Hamburg.

Stürze, Druckgeschwüre durch Wundliegen, Infektionen bis hin zu Sepsis, Diagnose- oder Befunderhebungsfehler sind Beispiele für unerwünschte Ereignisse im Krankenhaus, wie sie täglich vorkommen. „Kliniken sind Hochrisikoeinrichtungen“, sagt Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des APS. „Um die Risiken beherrschbar zu machen, bedarf es der Zusammenarbeit aller Akteure über die einzelnen Abteilungen und Sektoren hinaus.“ Doch hier seien viele Potentiale noch nicht gehoben: „Gerade beim Zusammenspiel aller Kräfte rund um den Patienten liegt noch viel Potential zur Prozessoptimierung brach“, so die ehemalige Pflegedirektorin der Charité-Universitätsmedizin Berlin.

Mit Handlungsanweisungen, den sogenannten Standard Operating Procedures (SOPs), könnten verbindlich gültige Ablaufpläne rund um den Umgang mit Patienten erarbeitet werden. Damit ließen sich nicht nur Einsparpotentiale nutzen, etwa durch vermeidbare Doppelarbeit, sondern auch bereits bekannte Fehlerquellen von vornherein systematisch ausschließen. „Zudem könnte man auf teure, aber unnötige Maßnahmen verzichten, die in erster Linie der Gewinnerzielung dienen“, so François-Kettner. Denn ein Teil der erbrachten Leistungen sei nicht notwendig. Doch SOPs lassen sich nicht nebenbei erarbeiten. Hierfür müssten wiederum die nötigen Ressourcen an Zeit und Personal bereitgestellt werden, fordert sie. Dieser Aufwand sei sehr gut investiert, indem er langfristig entlaste, anstatt die Arbeit zusätzlich zu verdichten.

Studien haben einen direkten Zusammenhang zwischen der Zahl der Pflegekräfte, ihrer Qualifikation und der Häufigkeit unerwünschter Ereignisse aufgezeigt. „Je weniger Pflegekräfte im Einsatz pro Patient sind, desto mehr Fehler passieren durch Überlastung“, erläutert Professor Dr. med. Hartmut Siebert, stellvertretender Vorsitzender des APS. „60 bis 70 Prozent der unerwünschten Ereignisse und Beinahefehler sind durch menschliches Versagen verursacht“, sagt er. Grund genug, die Zahl der Pflegekräfte aufzustocken. Dass dies aus Kostengründen derzeit nicht möglich sei, hält er für eine Folge der Fehlanreize des Abrechnungssystems über Fallpauschalen, den DRGs. „Das System prämiert Leistungen, die sich kurzfristig ökonomisch lohnen, wie Hüft- oder Knie-OPs.“ Langfristige Investitionen, etwa für mehr Patientensicherheit seien darin nicht enthalten, kritisiert der Vertreter des APS.

Doch jedes unerwünschte Ereignis führt nicht nur zu menschlichem Leid, sondern durch Zweiteingriffe oder Nachbehandlungen auch zu erhöhten Kosten für das Gesundheitssystem. Wir wissen, so Professor Siebert, dass sich Investitionen in mehr Personal für eine Klinik nach mehreren Jahren auch auszahlen. „Deshalb brauchen wir eine Änderung des DRG-Systems von der Leistungs- zu mehr qualitätsorientierter Vergütung.“ Und das bedeutet: mehr Patientensicherheit.

Erste Gewaltschutzambulanz in Berlin

Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz unterstützt das Hilfsangebot

Copyright        © Charité

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Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat heute gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz die erste Gewaltschutzambulanz in Berlin vorgestellt. Die Grundidee der Hilfseinrichtung ist die Schaffung eines niederschwelligen Angebots für Gewaltopfer, um erlittene Verletzungen rechtsmedizinisch dokumentieren zu lassen. Finanziell unterstützt wird die Einrichtung von der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz.

Der Justizsenator von Berlin, Thomas Heilmann, begrüßt die Eröffnung der Gewaltschutzambulanz an der Charité. »Ich freue mich sehr, dass wir mit der ersten Berliner Gewaltschutzambulanz den Opferschutz in der Stadt weiter stärken können. Und ich hoffe, dass es uns so gelingt, vor allem das Tabuthema häusliche Gewalt ein Stück weit aus dem Dunkelfeld herauszuzerren und den Opfern konkrete Hilfe zukommen zu lassen. Opferschutz ist eine Aufgabe, die uns alle angeht, und die nie ,erledigt‘ ist«, so Heilmann.

Frakturen, Hämatome, Verbrennungen und Stichwunden können Anzeichen von Gewalteinwirkungen sein. »In der Gewaltschutzambulanz haben Betroffene von häuslicher Gewalt sowie Betroffene, denen von anderen Personen in der Öffentlichkeit Gewalt angetan wurde, jetzt die Möglichkeit, ihre erlittenen Verletzungen rechtsmedizinisch dokumentieren zu lassen«, sagt Prof. Dr. Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité. Die Dokumentation ist auch ohne polizeiliche Anzeige möglich. Nach Vereinbarung eines Termins wird die Dokumentation kostenfrei durchgeführt. Die Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt mit polizeilicher Anzeige findet weiterhin in den Rettungsstellen der Charité statt.

Kontakt zur Gewaltschutzambulanz:
Birkenstr. 62, 10559 Berlin (Linker Seiteneingang)
Telefonnummer zur Terminvereinbarung: 030/450 570 270
E-Mail: gewaltschutz-ambulanz@charite.de

Was den Krebs am Platz hält

Freiburger Forscher entdecken Störungen in Signalwegen, die Darmkrebszellen ermöglichen, Metastasen zu bilden

 

Gesundes Darmgewebe ist hochstrukturiert: Bindungsproteine wie E-Cadherin (rot) halten die Zellen zusammen, während die EPHB-Rezeptoren bestimmen, wo Zelltypen wie Drüsenzellen (grün) im Gewebe ihren Platz finden. Foto: Andreas Hecht

Gesundes Darmgewebe ist hochstrukturiert: Bindungsproteine wie E-Cadherin (rot) halten die Zellen zusammen, während die EPHB-Rezeptoren bestimmen, wo Zelltypen wie Drüsenzellen (grün) im Gewebe ihren Platz finden. Foto: Andreas Hecht

Wenn Krebszellen auswandern: Forscherinnen und Forscher der Universität Freiburg haben Schalter gefunden, die Darmkrebszellen umlegen, damit sie sich aus ihrem Zellverbund losreißen und in umgebendes Gewebe eindringen können. Dieses Auswandern ist der erste Schritt der Metastasierung, bei dem der Krebs Tochtertumore in weiteren Geweben bildet. Prof. Dr. Andreas Hecht und seine Arbeitsgruppe am Institut für Molekulare Medizin der Universität Freiburg haben die Erkenntnisse in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht. Die Forscher hoffen, anhand dieses Signalweges neue Diagnostik- und Therapieansätze für Darmkrebs zu entwickeln. Hecht ist Mitglied des Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies sowie des Sonderforschungsbereichs „Kontrolle der Zellmotilität bei Morphogenese, Tumorinvasion und Metastasierung“.

Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen weltweit. Geschwüre im Darm lassen sich entfernen: Gefährlich wird die Krankheit erst, wenn die Tumorzellen anfangen, sich über den Darm hinaus auszubreiten. Über Blutgefäße wandern die Zellen in weitere Gewebe ein und bilden Metastasen. Die Tochtertumore sind oft schwer zu finden und zu entfernen und können zum Organversagen, sogar zum Tod führen. Um zu verhindern, dass ein Tumor diese gefährlichen Metastasen bildet, muss man verstehen, wie Krebszellen es schaffen, die Ketten zu sprengen, die normale Zellen an ihrem zugeteilten Platz im Körper halten.

In gesunden Darmzellen bestimmen Proteine an der Oberfläche, so genannte Ephrinrezeptoren, welchen Platz Zellarten wie Drüsenzellen oder Stammzellen im Gewebe einnehmen. Diese Platzeinweiser auf der Membran werden durch den Kontakt zu anderen Zellen aktiv. Je nachdem, ob die Nachbarzelle ihnen passt, bringen die Rezeptoren die Zelle dazu, an den Nachbar zu binden oder von ihm weg zu wandern. In Krebszellen ist bekannt, dass die Ephrinrezeptoren einen Signalweg kontrollieren, der die Zellen am Auswandern hindert. Um sich aus dem Zellverbund zu lösen, fahren die Tumorzellen die Produktion des Platzeinweisers, besonders der Proteine EPHB2 und EPHB3, herunter. Wie, war bisher unklar.

Die Freiburger Forscher fanden Bereiche auf den Ephrinrezeptor-Genen, die die Menge von EPHB2 und EPHB3 auf der Zelle regulieren. Diese so genannten Enhancer werden in Darm-Tumorzellen, die Metastasen bilden, abgeschaltet. Zu den Ursachen zählt ein Fehler im Steuerungsnetzwerk, an dem das Protein Notch beteiligt ist. Die Forscher zeigten auch, dass dieser Notch-Signalweg in Tumoren, die schlechte Heilungschancen besitzen, deaktiviert wird. Ob der Notch-Signalweg und die EPHB-Regulierung intakt sind, zeigt also an, wie gefährlich ein Tumor ist und könnte demnach zu einer genaueren Krebsdiagnose verhelfen.

Originalpublikation:
S. Jägle, K.Rönsch, S. Timme, H. Andrlová, M. Bertrand, M. Jäger, A. Proske, M. Schrempp, A. Yousaf, T. Michoel, R. Zeiser, M. Werner, S. Lassmann, and A. Hecht; Silencing of the EPHB3 tumor-suppressor gene in human colorectal cancer through decommissioning of a transcriptional enhancer PNAS 2014 ; March 18, 2014, doi:10.1073/pnas.1314523111

Dollars für Docs

Dolloars für Docs ist ein Portal von ProPublica, das offenlegt wie viel Geld Ärzte von den Pharmafirmen in den USA erhalten. Das sollte man bei uns hier auch einführen. So könnten sich die Patienten überlegen, ob sie zu einem Arzt gehen wollen, der sich von der Pharmaindustrie finanzieren lässt.

Auf Faceboook gibt es verschiedene Gruppen von ProPublica. U. a. eine Gruppe über Krankenhäuser, die ihre Patienten schlecht behandelt haben. Patienten können dort ihre Erfahrungen posten.

Bewertungsportal von Krankenhäusern Die Zahlen sind allerdings wenig aussagekräftig. Wer hat hier bewertet?

Bewertungsportal von Krankenhäusern
Die Zahlen sind allerdings wenig aussagekräftig.
Wer hat hier bewertet?

In Freiburg wüsste ich da gleich 2 Krankenhäuser, die beide zum Verbund RKK gehören. Leider kann ich aktuell nicht überprüfen, ob sich in Sachen Hygiene dort etwas geändert hat. Da Hygienestandards keinen Gewinn abwerfen, ist zu befürchten, dass alles noch beim alten ist. Wer kann, der sollte sich vorher Zimmer und Umfeld genauer ansehen. Als Notfall hat man diese Chance leider nicht.

 

Es ist leider nicht drin, was draufsteht

Geheim-Gremium sorgt für staatlich legitimierte Verbrauchertäuschung: foodwatch fordert Abschaffung der Lebensmittelbuch-Kommission

Zitronenlimonade ohne eine Spur Zitronensaft oder „Alaska-Seelachs“ aus gefärbtem Lachsersatz: Weil die staatliche Lebensmittelbuch-Kommission immer wieder irreführende Produktbezeichnungen als Standard festsetzt, fordert foodwatch das Aus für das geheim tagende Gremium. In einem Offenen Brief an Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) sprach sich die Verbraucherorganisation heute dafür aus, die Kommission abzuschaffen und die Regelungen für Produktbezeichnungen künftig in einem transparenten und demokratischen Verfahren festzulegen.

Auch wenn der Name und die Farbe den Anschein erwecken: Der sogenannte Alaska-Seelachs ist kein Lachs und noch nicht einmal damit verwandt. Die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission erlaubt, dass Hersteller die kostengünstigere Fischart Pollack lachsähnlich einfärben und als „Alaska-Seelachs“ verkaufen.

Auch wenn der Name und die Farbe den Anschein erwecken: Der sogenannte Alaska-Seelachs ist kein Lachs und noch nicht einmal damit verwandt. Die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission erlaubt, dass Hersteller die kostengünstigere Fischart Pollack lachsähnlich einfärben und als „Alaska-Seelachs“ verkaufen.

In der öffentlich kaum bekannten Lebensmittelbuch-Kommission entscheiden Lobbyisten der Ernährungswirtschaft über weitreichende Regeln zur Lebensmittelkennzeichnung mit – beispielsweise Vertreter des Bauernverbandes und des Lobbyverbandes BLL. Unter www.foodwatch.de/aktion-lebensmittelbuch hat foodwatch eine E-Mail-Protestaktion an Ernährungsminister Christian Schmidt gestartet, über die jeder die Forderung nach einer Abschaffung der Kommission unterstützen kann.  

Aromatisierte „Früchte“-Tees werben gern mit vielversprechenden Abbildungen von Früchten auf der Vorderseite der Verpackung. Die Leitsätze der Deutschen-Lebensmittelkommission lassen jedoch zu, dass die angepriesenen Früchte gar nicht oder nur zu einem verschwindend geringen Teil enthalten sind. Nicht einmal die namensgebende Frucht muss sich im Teebeutel wiederfinden. Stattdessen werden oft billigere Alternativen eingesetzt und der Geschmack der beworbenen Früchte durch Aromen imitiert.

Aromatisierte „Früchte“-Tees werben gern mit vielversprechenden Abbildungen von Früchten auf der Vorderseite der Verpackung. Die Leitsätze der Deutschen-Lebensmittelkommission lassen jedoch zu, dass die angepriesenen Früchte gar nicht oder nur zu einem verschwindend geringen Teil enthalten sind. Nicht einmal die namensgebende Frucht muss sich im Teebeutel wiederfinden. Stattdessen werden oft billigere Alternativen eingesetzt und der Geschmack der beworbenen Früchte durch Aromen imitiert.

„Im Geheim-Club Lebensmittelbuch-Kommission sitzen die Lobbyisten der Ernährungsbranche mit am Tisch und dürfen im Auftrag der Bundesregierung offiziell mitentscheiden, wie Lebensmittel herzustellen und zu kennzeichnen sind“, kritisierte Oliver Huizinga, Experte für Lebensmittelkennzeichnung bei foodwatch. „Verbraucher werden durch die teils hanebüchenen Vorgaben der geheim tagenden Kommission immer wieder in die Irre geführt. Es ist höchste Zeit, diese staatlich legitimierte Verbrauchertäuschung zu stoppen: Wie Lebensmittel zu kennzeichnen sind, muss der Gesetzgeber festlegen – nicht ein Geheim-Gremium, in dem die Lobbyisten der Lebensmittelwirtschaft verbraucherfreundliche Regelungen blockieren können.“

Die Lebensmittelbuch-Kommission erstellt die sogenannten Leitsätze für Lebensmittel, die beispielsweise festlegen, was unter einem „Früchtetee“ oder einer „Kalbfleisch-Leberwurst“ zu verstehen ist. Diese „Leitsätze“ sind zwar eigentlich keine Gesetze, werden aber in der Praxis so angewendet: Unternehmen, Lebensmittelüberwachung und Gerichte berufen sich in vielen Fällen auf die Leitsätze – daher kommt es immer wieder zu irreführenden Produktbezeichnungen. In der Kommission sitzen neben Vertretern aus Wissenschaft, Verbraucherorganisationen und Lebensmittelüberwachung auch Interessensvertreter der Lebensmittelbranche. Bei strittigen Fragen kann jede Gruppe eine Einigung durch ihr Veto blockieren. Verbrauchervertreter in dem Gremium beklagen, dass dementsprechend Vorschläge für verbraucherfreundliche Bezeichnungen regelmäßig von den Lobbyisten der Lebensmittelwirtschaft abgelehnt werden.  

foodwatch forderte, die Lebensmittelbuch-Kommission abzuschaffen. Stattdessen sollten verbindliche Leitsätze zur Bezeichnung von Lebensmitteln durch ein transparentes und demokratisches Verfahren festgelegt werden:

– Die Verantwortung für die Festlegung der Leitsätze sollte bei einer Bundesbehörde wie dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) liegen.
– Für die Formulierung von Vorgaben für die korrekte Produktbenennung (die sogenannte „Verkehrsbezeichnung“) sollte ausschlaggebend sein, was Verbraucher davon erwarten. Dazu müssen in Zukunft repräsentative Verbraucherbefragungen durchgeführt werden.
– Wissenschaftler, Verbraucherschützer, Lebensmittelüberwachung sowie Vertreter der Lebensmittelindustrie sollten im Anschluss öffentlich und somit transparent konsultiert und auf diese Weise in die Beratungen eingebunden werden.
– Verbraucherverbände müssen die Möglichkeit erhalten, Leitsätze durch erweiterte Verbandsklagerechte gerichtlich überprüfen zu lassen (Normenkontrollverfahren). Die guten Erfahrungen im Umweltrecht zeigen, dass das Verbandsklagerecht praktikabel ist und das Gemeinwohl effektiv schützt.

Auch die Bundesregierung hat mittlerweile offenbar Handlungsbedarf erkannt: Zum einen kritisiert der Koalitionsvertrag von Union und SPD die Empfehlungen der Lebensmittelbuch-Kommission und mahnt eine stärkere Orientierung an den Ansprüchen der Verbraucher an. Zum anderen soll im Auftrag der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die „gesamte Struktur“ des umstrittenen Gremiums „auf den Prüfstand“ kommen. Bisher sind weder die Sitzungen selbst noch die Sitzungsprotokolle der Kommission öffentlich. Wie welches Mitglied bei einem Beschluss abgestimmt hat, ist geheim. In welchem Fall sich die Lobbyisten der Lebensmittelindustrie erfolgreich durchsetzen und beispielsweise verbraucherfreundliche Leitsätze blockieren, erfährt die Öffentlichkeit deshalb nicht. Eine Klage von foodwatch zur Offenlegung der Sitzungsprotokolle wurde jedoch 2010 zurückgewiesen.

Dabei erlauben die Vorgaben der Kommission immer wieder irreführende Verkehrsbezeichnungen:
– „Alaska-Seelachs“ aus rosa gefärbtem Lachs-Imitat
– „Geflügelwürstchen“ mit Schweinespeck
– Früchte-Tees, in denen die namensgebenden und abgebildeten Früchte gar nicht enthalten sind
– „Kalbfleisch-Leberwurst“, die überwiegend Schweinefleisch enthält
– „Zitronenlimonade“ ohne Zitronensaft, dafür mit dem Zusatzstoff Citronensäure (E330)
– „Sardellenpaste“ mit Schweineschmalz
– „Rindfleisch im eigenen Saft“ mit Schweineschwarten
– „Kakaocreme“ mit minimalem Kakaoanteil

Nur im Kleingedruckten werden solch irreführenden Produktbezeichnungen erklärt.

„Alaska-Seelachs ohne Lachs, Geflügelwürstchen mit Schweinespeck, Zitronen-Limo ohne Zitronensaft oder Kirsch-Tee ohne einen Hauch von Kirsche – solche haarsträubenden Vorgaben gehen auf das Konto der Lebensmittelbuch-Kommission. Die Lobbyisten lachen sich ins Fäustchen: Die Ernährungswirtschaft kann verbraucherfreundlichere Kennzeichnungsvorgaben immer wieder blockieren. Und das mit dem Segen der Bundesregierung“, so foodwatch-Experte Oliver Huizinga.

Link:
– foodwatch-Protestaktion zur Abschaffung der Lebensmittelbuch-Kommission: www.foodwatch.de/aktion-lebensmittelbuch

Führen Stresshormone zu verstärktem Mitgefühl?

Charité-Wissenschaftler untersuchen Einfluss von Stresshormonen auf das Empathie-Empfinden

Berlin, 17.03.2014 In einer aktuellen Studie zeigen Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dass die Stimulation eines bestimmten Stresshormon-Rezeptors im Gehirn ein erhöhtes Maß an Mitgefühl erzeugt. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Neuropsychopharmacology* veröffentlicht.

Stress löst im Gehirn eine komplexe Kette von Reaktionen aus. So signalisiert das Nervensystem der Nebennierenrinde, verschiedene Hormone freizusetzen, unter anderem Cortisol. Die Nebenniere ist eine paarige Hormondrüse und befindet sich beim Menschen auf den oberen Polen beider Nieren. Das von ihr ausgeschüttete Cortisol wirkt im Gehirn über zwei verschiedene Rezeptortypen, den sogenannten Mineralocorticoid-Rezeptor (MR) und den Glucocorticoid-Rezeptor (GR). Die physiologische Wirkweise von Cortisol ist vielfältig. So ist beispielsweise die Erinnerungsfähigkeit bei einem hohen Cortisolspiegel verschlechtert – ein Effekt, den viele Menschen aus Prüfungssituationen kennen. Auch die Fähigkeit, Mitgefühl zu empfinden, scheint in Stresssituationen beeinträchtigt zu sein. Dies ist von besonderer Bedeutung, da im Alltag viele komplexe soziale Interaktionen unter Stress bewältigt werden müssen.

Die Charité-Wissenschaftler Prof. Dr. Katja Wingenfeld, Prof. Dr. Christian Otte und Privatdozent Dr. Stefan Röpke von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Benjamin Franklin untersuchten in ihrer Studie erstmals, welchen Einfluss die gezielte pharmakologische Stimulation des MR-Rezeptors durch den Wirkstoff Fludrocortison auf die Fähigkeit hat, Mitgefühl zu empfinden. Dabei wurden neben gesunden Probandinnen auch Patientinnen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung untersucht. Diese Erkrankung ist unter anderen durch ausgeprägte Defizite in der Regulation von Emotionen und äußerst instabile soziale Beziehungen gekennzeichnet.

»Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Einnahme von Fludrocortison die Fähigkeit, Empathie zu empfinden, also das Ausmaß, in dem die Teilnehmerinnen mit Personen, die auf verschiedenen Bildern szenisch dargestellt waren, mitfühlten, deutlich steigerte«, erklärt Prof. Wingenfeld. »Interessant ist, dass die kognitive Empathiefähigkeit, also das reine Erkennen der Emotion der Personen auf den Bildern, durch die Rezeptorstimulation nicht verändert zu sein scheint. In nachfolgenden Studien wollen wir nun die Befunde genauer untersuchen, wobei die Frage, inwieweit diese positiven Ergebnisse auch therapeutisch nutzbar gemacht werden können, im Fokus stehen wird«, fügt sie hinzu.
*Wingenfeld K, Kuehl LK, Janke K, Hinkelmann K, Dziobek I, Fleischer J, Otte C, Roepke S. Enhanced Emotional Empathy after Mineralocorticoid Receptor Stimulation In Women With Borderline Personality Disorder And Healthy Women. Neuropsychopharmacology. 2014 Feb 18. doi: 10.1038/npp.2014.36.

Geschärfter Blick ins Gehirn

Freiburger Forschungsteam kartiert erstmals Grenze zwischen zwei wichtigen Hirnbereichen

 

Die Grenze zwischen den wichtigen Gehirnstrukturen Hippocampus und Amygdala ist in hochaufgelösten Kernspintomografie-Bildern als feiner heller Streifen erkennbar („Amygdalo-hippocampal border“, AHB). Foto: AG Ball, Universität Freiburg

Die Grenze zwischen den wichtigen Gehirnstrukturen Hippocampus und Amygdala ist in hochaufgelösten Kernspintomografie-Bildern als feiner heller Streifen erkennbar („Amygdalo-hippocampal border“, AHB). Foto: AG Ball, Universität Freiburg

 

Tief im menschlichen Gehirn liegen zwei kleine, aber wichtige Strukturen dicht zusammen: Die Amygdala spielt eine entscheidende Rolle, wenn es um Gefühle geht, der Hippocampus ist eine Schaltzentrale für das Gedächtnis. Wegen ihrer geringen Größe waren bislang diese Hirnbereiche beim lebenden Menschen schwer auseinanderzuhalten – die Amygdala ist gerade einmal so groß wie ein Mandelkern. Besonders die Grenze zwischen ihnen konnte mit bildgebenden Verfahren nicht dargestellt werden, weil die räumliche Auflösung nicht ausreichte, um die Grenzregion zwischen beiden darzustellen. Dank des Einsatzes eines Hochleistungs-Kernspintomografen konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Freiburg und Magdeburg nun erstmals die Grenze zwischen Amygdala und Hippocampus kartieren. Dies berichtet das Team um Dr. Tonio Ball vom Bernstein Center Freiburg und dem Exzellenzcluster BrainLinks-BrainTools der Universität Freiburg in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals „Human Brain Mapping“.

Das Team untersuchte sechs gesunde Probandinnen und Probanden in einem 7-Tesla-Magnetresonanztomografen der Universität Magdeburg. Diese Geräte erzeugen ein vielfach stärkeres magnetisches Feld als die in Kliniken üblicherweise eingesetzten Scanner und liefern hierdurch ein deutlich exakteres Bild der Strukturen im menschlichen Körper. In ganz Deutschland sind nur wenige solcher Geräte im Einsatz.

Bei der Untersuchung der Probanden machten die Wissenschaftler eine überraschende Entdeckung: Die Grenze zwischen Amygdala und Hippocampus verlief bei jeder Person deutlich anders und unterschied sich sogar zwischen linker und rechter Hirnhälfte. Da an dieser Grenze die Hirnbereiche im Austausch miteinander stehen, wenn es um Gefühle und Erinnerungen geht, könnten diese Variationen auch für Unterschiede in der Persönlichkeit verantwortlich sein. In Zukunft, schreiben die Forscher, müssten diese Hirnstrukturen genau vermessen werden, wenn Menschen wegen psychiatrischer Erkrankungen wie Angststörungen untersucht würden. Die Studie zeige zudem, dass es keine standardisierten Karten des Gehirns im Bereich von Amygdala und Hippocampus geben könne. Für jede Patientin und jeden Patienten müsse dieser Bereich individuell vermessen werden, um Fehldiagnosen durch eine falsche Zuordnung zu vermeiden.

Originalpublikation:
Derix, J., Yang, S., Lüsebrink, F., Fiederer, L. D. J., Schulze-Bonhage, A., Aertsen, A., Speck, O. and Ball, T. (2014), Visualization of the amygdalo–hippocampal border and its structural variability by 7T and 3T magnetic resonance imaging. Hum. Brain Mapp.. doi: 10.1002/hbm.22477