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Putzmittel so gefährlich wie Rauchen?

Sind Putzmittel für Frauen wirklich gefährlicher als für Männer?

Beim Putzen soll Dreck und Keimen der Garaus gemacht werden. Dafür enthalten Putzmittel oft chemische Stoffe. Diese können unter Umständen schädlich für die Atemwege sein. Es gibt sogar Berichte dazu, dass das Risiko für Asthma und Atembeschwerden unter Putzfachkräften größer ist und auch das Putzen zu Hause Risiken bergen kann. Außerdem deuten Studien darauf hin, dass auch die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) bei Menschen, die beruflich oft Putzmitteln ausgesetzt sind, öfter auftreten könnte. Die aktuelle Auswertung einer europaweiten Studie zur Lungengesundheit zeigt nun, welche Langzeitfolgen der regelmäßige Kontakt mit Putzmitteln haben kann.

Studie lief über 20 Jahre

Die European Community Respiratory Health Survey sammelte über 20 Jahren Daten zu der Lungengesundheit und dem Lebensstil von über 6200 Teilnehmern. Die Teilnehmer wurden in diesem Zeitraum drei Mal befragt, z. B. zu Beschwerden der Atemwege und Allergien, ihrem beruflichen Werdegang, ob sie Sport treiben, wie sie wohnen, ob Haustiere im Haushalt sind, zu Ernährungsgewohnheiten, Rauchverhalten und welche Medikamente eingenommen werden. Alle Fragen zielten darauf ab, Faktoren, die die Lungengesundheit der Teilnehmer beeinflussen könnten, zu erfassen. Außerdem wurde die Lungenfunktion der Teilnehmer untersucht.

Folgen des Putzens entsprachen jahrzehntelangem Rauchen

Von den teilnehmenden Frauen gaben 85 % an, regelmäßig mindestens einmal pro Woche zu Hause zu putzen. Bei den Männern waren es 46 %. Im Vergleich zu Frauen, die nicht putzten, nahm die Lungenfunktion stärker ab bei Frauen, die zu Hause für das Putzen zuständig waren oder die als Reinigungsfachkraft tätig waren. Sowohl Reinigungssprays als auch andere Putzmittel scheinen den beschleunigten Verlust der Lungenfunktion auszulösen. Laut den Forschern hat der regelmäßige Kontakt der Atemwege mit Stoffen aus Reinigungsmitteln einen langfristig schädigenden Effekt, der sich nach zehn bis 20 Jahren zeigt. Die Auswirkung auf die Lungenfunktion war in ihrer Auswertung ähnlich dessen, was zehn bis 20 Packungsjahre Tabakrauchen verursachen. Das entsprich z. B. zehn oder 20 Jahre lang täglich 20 Zigaretten geraucht zu haben. Ein Packungsjahr berechnet sich anhand der Zahl pro Tag gerauchter Zigarettenpackungen, was im Schnitt 20 Zigaretten sind, mal der Anzahl der Raucherjahre. Ab 20 Zigaretten pro Tag spricht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einem „starken Raucher“.

Männer scheinen nicht betroffen zu sein

Ein höheres Risiko später an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung zu erkranken, wenn man regelmäßig mit Putzmitteln zu tun hat, fanden die Forscher in ihrer Studie hingegen nicht. Auch bei Männern, die angaben regelmäßig zu putzen, scheint sich dies nicht auf die Lungenfunktion mit zunehmenden Alter auszuwirken. Männer-Lungen könnten einfach widerstandfähiger sein, als die Lungen von Frauen – das hat man zuvor bereits beobachtet, wenn es um Tabakrauch oder Holzstäube in der Luft geht. Hier entwickeln Frauen schneller Atemwegserkrankungen als Männer. Dadurch, dass Männer aber auch seltener putzen bzw. als Fachkräfte im Bereich Reinigung arbeiten, ist die Basis der Auswertung hier dünner.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die chemischen Inhaltstoffe von Putzmitteln die langfristige Gesundheit der Atemwege beeinträchtigen können. Gerade bei Frauen, die regelmäßig beruflich oder privat putzen, sahen sie einen Zusammenhang zu einer späteren verstärkten Abnahme der Lungenfunktion. Die Forscher sehen daher eine Notwendigkeit darin, den Fokus stärker auf die möglichen Folgen vom Kontakt zu schädigenden Putzchemikalien zu legen und wie man diese beim Putzen vermeiden kann.

Da kann man Frauen eigenltich nur raten: Lasst in Zukunft die Männer putzen!

DeutschesGesundheitsPortal DGP

Eine Initiative der HealthCom GmbH
Agrippinawerft 22
50678 Köln

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal

Svanes Ø, Bertelsen RJ, Lygre SH, Carsin AE, Antó JM, Forsberg B, García-García JM, Gullón JA, Heinrich J, Holm M, Kogevinas M, Urrutia I, Leynaert B, Moratalla JM, Le Moual N, Lytras T, Norbäck D, Nowak D, Olivieri M, Pin I, Probst-Hensch N, Schlünssen V, Sigsgaard T, Skorge TD, Villani S, Jarvis D, Zock JP, Svanes C. Cleaning at Home and at Work in Relation to Lung Function Decline and Airway Obstruction. Am J Respir Crit Care Med. 2018 Feb 16. doi: 10.1164/rccm.201706-1311OC. [Epub ahead of print]

Cleaning at Home and at Work in Relation to Lung Function Decline and Airway Obstruction

Teilnehmer gesucht zu Schlafstörungen und Umgang mit Gefühlen

Studie zu Schlafstörungen und Umgang mit Gefühlen

Schlafende PersonOb Menschen mit Schlafstörungen ihre Gefühle schlechter regulieren können als Normalschläfer, untersuchen Forscher des Universitätsklinikums Freiburg in einer Studie / Teilnehmer gesucht

Verarbeiten Menschen mit chronischen Schlafstörungen Emotionen anders als Gesunde? Da Menschen mit Schlafproblemen öfter an Depressionen erkranken, ist diese Frage besonders relevant. Nun wird sie erstmals im Rahmen einer Studie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg erforscht. Dafür werden jetzt Probanden mit und ohne Schlafstörungen gesucht. Bei den Teilnehmern wird fünf Tage lang die körperliche Aktivität gemessen und der Gemütszustand erfragt. Am Ende der Woche wird die Gefühlsregulation der Probanden noch einmal im Labor untersucht. Dafür müssen sie kurze Filmsequenzen ansehen und bewerten. Eine Übernachtung im Schlaflabor ist nicht nötig. Die Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung. Die Studie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.

„Sollte sich bestätigen, dass Menschen mit Schlafstörungen ihre Gefühle schlechter regulieren können, könnte man den Betroffenen mit einer passenden Therapie gezielt helfen“, sagt Prof. Dr. Dieter Riemann, Leiter der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychophysiologie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Bislang gibt es keine Studien zur Frage, ob Betroffene mit Schlaflosigkeit andere Strategien der Gefühlsregulation als gesunde Schläfer nutzen. Die Arbeitsgruppe von Prof. Riemann, in der die Studie durchgeführt wird, erforscht seit mehr als 20 Jahren Diagnostik, Verbreitung, Ursachen und therapeutische Möglichkeiten bei Schlaflosigkeit.

Teilnehmen können Männer und Frauen ab 18 Jahren, die gute oder schlechte Schläfer sind. Die Teilnehmer dürfen keine sonstigen körperlichen oder psychischen Erkrankungen haben, die den Schlaf beeinträchtigen. Nach einer Voruntersuchung zur Überprüfung des Gesundheitszustands erhalten die Probanden einen Brustgurt, der die Bewegungsaktivität, den Schlaf-Wach-Rhythmus sowie die Herzfrequenz registriert. „Mit einer Smartphone-App befragen wir die Probanden außerdem zu vier zufälligen Zeitpunkten zu ihrem Gemütszustand“, sagt Studienleiterin Dr. Chiara Baglioni, Wissenschaftlerin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Am Ende der Woche werden bei den Probanden physiologische Reaktionen wie Herzaktivität, Hirnströme und Gesichtsmimik gemessen, während sie emotionale Filmsequenzen betrachten; zunächst ohne und dann unter Verwendung einer zuvor erlernte Strategie zur Emotionsregulation.

Interessenten an dieser am Universitätsklinikum Freiburg durchgeführten Studie können sich für weitere Informationen bei Dr. Chiara Baglioni per E-Mail an schlafstudie@uniklinik-freiburg.de oder telefonisch unter: 0761 270-65891 melden.

Anmerk. der Redaktion: Informieren Sie sich vor der Telnahme genau darüber, wie sicher die App (End-to-End-Verschlüsselung?) ist. Und wer Einblick in die Daten hat. Und wer der oder die Auftraggeber der Studie sind. Das mögen Forscher*innen nicht immer gerne beantworten, Sie sollten dennoch auf die verbindliche Auskunft nicht verzichten.

Was hilft bei Multipler Sklerose?

Multiple Sklerose: Info-Veranstaltung am 12. November 2016 im Neurozentrum des Universitätsklinikums Freiburg / Neurorehabilitation und moderne Diagnoseverfahren im Fokus

multiple-skleroseMultiple Sklerose ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Zwar ist die Krankheit bislang unheilbar, aber bei Diagnostik und Behandlung gibt es große Fortschritte. Am Samstag, 12. November 2016, von 9 Uhr bis 13.15 Uhr findet im Neurozentrum des Universitätsklinikums Freiburg, Breisacher Straße 64 in Freiburg, eine Informationsveranstaltung für Patienten und Angehörige statt. In einem Vortrag wird erläutert, was Neurorehabilitation ist und wie sie bei Multipler Sklerose helfen kann. Drei Referenten stellen bewährte, aktuelle und zukünftige Immuntherapien vor, auch in Hinblick auf einen möglichen Kinderwunsch der Betroffenen. Ein Experte berichtet außerdem darüber, welche wichtige Bedeutung Kernspin-Aufnahmen für die Diagnose sowie für Therapieentscheidung und -begleitung haben. Die Referenten stehen nach den Vorträgen und in der Kaffeepause für Fragen zu Verfügung. Die Veranstaltung ist kostenlos, um Anmeldung wird gebeten.

„Wir haben heute wesentlich mehr Möglichkeiten als noch vor fünf oder zehn Jahren, um den Patienten zu helfen. Bei einem Großteil der Betroffenen können wir das Fortschreiten der Krankheit mittlerweile deutlich verlangsamen“, sagt PD Dr. Oliver Stich, Oberarzt an der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie des Universitätsklinikums Freiburg. Neben den bereits zugelassenen Therapien können Patienten am Universitätsklinikum Freiburg im Rahmen klinischer Studien auch von neuen und innovativen Therapieansätzen profitieren.

Mehr als 200.000 Menschen leiden in Deutschland an Multipler Sklerose (MS), einer entzündlichen Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks. Frauen sind etwa doppelt so oft betroffen wie Männer. Häufig treten zunächst Sehstörungen und Gefühlsstörungen der Haut auf. Später kann es unter anderem zu Lähmungen und zu psychischen Veränderungen wie Depressionen kommen. Grundsätzlich lassen sich zwei Verlaufsformen unterscheiden: chronisch oder schubförmig fortschreitend. Beide Formen gehen jedoch oft ineinander über. Medikamentöse Therapien setzen meist daran an, den Entzündungsprozess an den Nervenzellen zu stoppen oder abzubremsen. Dazu kommen nicht-medikamentöse Behandlungen wie Physiotherapie, Psychotherapie und Rehabilitations-Maßnahmen nach einem Krankheitsschub.

Kontakt für Anmeldungen
Petra Lappenbusch
Klinik für Neurologie und Neurophysiologie
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-53900
petra.lappenbusch@uniklinik-freiburg.de

Download: ms-patientenveranstaltung_2016

 

Patientinnentag

Patientinnentag in der Universitäts-Frauenklinik

Patientinnen-tag Uni-KlinikInfoveranstaltung am 21. Oktober 2015 zu Brustkrebs und Beckenbodenschwäche mit Vernissage von kunsttherapeutischen Arbeiten

Ein Abend für Frauen: Beim Patientinnentag in der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg am Mittwoch, den 21. Oktober 2015, von 17 Uhr bis 20 Uhr stehen die Themen Brustkrebs und Beckenbodenschwäche im Fokus.

In verschiedenen Kurzvorträgen informieren Experten des Universitätsklinikums Freiburg über Behandlungsmethoden sowie ergänzende und unterstützende Therapiemaßnahmen. Dazu zählt auch die Kunsttherapie, die sich am Patientinnentag mit einer Eröffnung der Ausstellung „Der verlängerte Blick“ präsentiert. Hanna Nöthig, Kunsttherapeutin am Universitätsklinikum Freiburg, beantwortet Interessierten ihre Fragen zur Therapie und führt in die Ausstellung der kunsttherapeutischen Arbeiten von onkologischen Patientinnen und Patienten ein.

Die Vorträge reichen thematisch von „Erblicher Brustkrebs – defektes Gen mit riskanten Folgen“ über „Was kann ich zusätzlich tun? Integrative und komplementäre Medizin bei Krebserkrankungen“ bis hin zu „Therapievielfalt bei Beckenbodenschwäche“.

Weitere Informationen erhalten Interessierte Teilnehmer des Patientinnentags an verschiedenen Infoständen: Frauenselbsthilfe nach Krebs, BRCA-Netzwerk, Krebsberatungsstelle und Selbsthilfegruppe Inkontinenz e.V.

Interessierte Betroffene sind herzlich zum Patientinnentag eingeladen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.  

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Männliches Hormon könnte weibliche Libido nach Eintritt des Wechsels fördern

Vor der Einnahme von „Lustpillen“ aus dem Internet warnen die Experten ausdrücklich

Bochum – Frauen, die nach dem Wechsel unter einer sexuellen Lustlosigkeit leiden, können ihr Verlangen möglicherweise durch eine Behandlung mit dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron steigern. Darauf deuten neuere Studienergebnisse hin, die die bisherige grundsätzliche Ablehnung von Hormonexperten gegen den Einsatz von Testosteron bei Frauen lockern. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hält in Übereinstimmung mit der amerikanischen Endocrine Society einen Behandlungsversuch für gerechtfertigt, allerdings nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken, einer engmaschigen Überwachung der Laborwerte und des Befindens vor und unter der Therapie. Vor der Einnahme von „Lustpillen“ aus dem Internet warnen die Experten ausdrücklich.

Das Sexualhormon Testosteron wird sowohl vom männlichen wie vom weiblichen Organismus gebildet. Bei Frauen wird das Hormon von den Eierstöcken und den Nebennieren freigesetzt. „Eine steigernde Wirkung auf die Libido ist seit Längerem bekannt“, sagt Professor Dr. med. Thomas Strowitzki, der an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Heidelberg die Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen leitet. „Früher war in Deutschland sogar ein Testosteronpflaster für Frauen zugelassen, denen etwa wegen einer Krebserkrankung die Eierstöcke entfernt werden mussten.“ Die Hormontherapie milderte die Folgen der vorzeitigen Wechseljahresbeschwerden, zu denen häufig auch ein Libidoverlust gehört.

Den Einsatz von Testosteron bei Frauen, die nach dem natürlichen Eintritt des Wechsels über das Schwinden ihres sexuellen Verlangens klagten, lehnten die Endokrinologen jedoch bislang ab. Mit ein Grund waren fehlende Tests, mit denen die Testosteronkonzentrationen im Blut zuverlässig bestimmt werden konnten. Mit der Tandem-Massenspektrometrie gibt es inzwischen ein solches Messinstrument. Eine exakte Hormonbestimmung ist wichtig, um eine Überdosierung zu vermeiden. Zu viel Testosteron führt bei Frauen zu Akne und einer männlichen Behaarung. Langfristig drohten auch Risiken für das Herz-Kreislaufsystem. Niedrige Testosteronspiegel bedingen jedoch keinesfalls zwangsläufig zu sexuellen Problemen.

Ein weiterer Grund für die Neuorientierung der Wissenschaftler ist die steigende Bereitschaft unter Medizinern, den Libidoverlust als eine gesundheitliche Störung anzuerkennen. Sexuelle Probleme, insbesondere eine sexuelle Lustlosigkeit, können Frauen sehr belasten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Oft geht das mangelnde Interesse an sexueller Aktivität auch mit einem verminderten Ansprechen auf erotische Stimuli sowie einer verminderten körperlichen und psychischen Erregung einher. Diesem versucht der nicht unumstrittene Leitfaden der US Psychiater DSM 5 auch durch den Begriff  „sexual interest arousal disorder“ Rechnung zu tragen.
„Sexuelle Probleme sind häufig multifaktoriell bedingt. Vor Beginn einer Testosteronbehandlung muss daher natürlich geklärt werden, ob nicht andere Gründe für die Entstehung des Problems verantwortlich sind“, sagt Gynäkologin Dr. med. Anneliese Schwenkhagen aus der Praxis für Gynäkologische Endokrinologie am Gynaekologicum in Hamburg.

Wie eine Behandlung aussehen könnte, hat die amerikanische Endocrine Society im Oktober in einer Praxisleitlinie im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism beschrieben. Die US-Endokrinologen halten einen Behandlungsversuch über drei bis sechs Monate für gerechtfertigt, wenn eine Frau in den Wechseljahren einen Rückgang des sexuellen Interesses bemerkt und darunter leidet. „Entscheidet man sich für eine solche Behandlung, ist eine engmaschige Überwachung von Therapieerfolg und Nebenwirkungen erforderlich. Dies schließt auch Kontrollen der Testosteronspiegel vor und unter der Therapie ein“, erläutert Dr. Schwenkhagen. Da zurzeit in Deutschland leider kein entsprechendes speziell für Frauen entwickeltes Präparat zur Verfügung steht, muss man individuell mit der Patientin entscheiden, wie eine solche Therapie aussehen könnte.

DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz warnt davor, im Internet nach „Heilmitteln“ zu suchen. Dort sind neben Hormonpflastern auch „Lustpillen“ oder „Viagra für Frauen“ im Angebot. Produkte wie „Lybrido“, „Lovegra“ oder „Ladygra“ seien keine der Gesetzeslage entsprechend geprüften und zugelassenen Medikamente. Ob sie die versprochene Wirkung entfalteten, sei ungewiss. Zudem gebe es wie bei allen Produkten aus dem Internet keine Garantie, dass die Mittel überhaupt die versprochenen Wirkstoffe enthalten.

Literatur:
Wierman ME1, Arlt W, Basson R, Davis SR, Miller KK, Murad MH, Rosner W, Santoro N. Androgen therapy in women: a reappraisal: an Endocrine Society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2014 Oct;99(10):3489-510. doi: 10.1210/jc.2014-2260. Abstract
Blog-Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. h. c. Schatz vom 27. Januar 2015

Tausend mal berührt

Mit Berührung fängt alles an. Bevor ein Mensch sprechen kann, hat er sich die Welt durch Berührung erschlossen. Der Tastsinn ist der erste Sinn, der sich entwickelt.

Bartens_Touch you05Menschen brauchen Berührungen seit je her. Ohne Berührung verkümmern wir sogar. Für Kinder kann fehlende Berührung lebensbedrohlich sein, das haben nicht zu letzt die erschreckenden Bilder von rumänischen Waisenhäusern nach dem Zusammenbruch des Ceaușescu-Regimes gezeigt.

Werner Bartens unterstreicht in seinem neuen Buch „Wie Berührung hilft“ die Wichtigkeit des Themas. An Hand vieler sehr unterschiedlicher Beispiele, Experimente und Studien wird deutlich, dass wir Berührung ebenso wie Luft und das tägliche Brot und Wasser benötigen.

Säuglinge, die viel gestreichelt werden und sich geborgen fühlen, bilden ihr Gehirn besser aus. Sie sprechen früher und sind auch sonst widerstandsfähiger. Man kann also vereinfacht sagen, liebevolle elterliche Berührung macht Kinder klug und stark.

Auch im späteren Leben lieben es die meisten Menschen, berührt zu werden.

Oft ist es nur ein flüchtiges Streifen, das einen Menschen für den ganzen Tag glücklich macht.Wenn wir einen angenehmen Arbeitsplatz haben, dann kommen wir gerne zur Arbeit. Wir beurteilen ein Theaterstück wohlwollender, wenn wir uns während der Vorstellung im Theater wohl gefühlt haben. Und zu Hause kuscheln wir uns gerne in weiche Decken und Kissen. Von der wärmenden Badewanne ganz zu schweigen.

Lust auf ein Experiment?

Dann nehmen Sie doch mal einen Becher mit angenehm warmen Kaffee oder Tee und reichen diesen dem nörgelnden Kollegen mit der Bitte, dass er den Becher mal eben kurz halten möge. Warten Sie einen Moment ab und fragen ihn dann, ob er ihnen einen Gefallen tun könne. Die Chance, dass er „ja“ sagt ist dabei viel größer, als wenn sie ihm eine eiskalte Cola zum Halten gegeben hätten.

Sie glauben das nicht? Ist aber so. Wir verhalten uns wohlwollender, wenn wir Wärme spüren. Kälte und unbequeme Stühle in Kombination lassen uns sogar härtere Entscheidungen fällen. Wenn Sie also möchten, dass Ihnen jemand wohl gesonnen ist, dann sorgen Sie dafür, dass dieser Mensch bequem in einer angenehmen Umgebung sitzt. Und bieten Sie ihm heißen Tee oder Kaffee an.

„Die Prägung unseres Verhaltens erfolgt auch durch die Rückseite unserer Hosen“, sagte der Yale Psychologe John Bargh einmal. Harte Stühle machen hartherzig, bequeme Stühle stimmen freundlicher. Arbeitgeber sollten das bei der Ausstattung von Arbeitsplätzen berücksichtigen. Einrichtung, Gemütlichkeit und Temperatur wirken sich in erheblichem Maße auf unsere sozialen Beziehungen aus. Das gilt für den Arbeitsplatz ebenso wie für das eigene Heim.

Berührung hilft gegen Stress. Wer Zuhause mit einer liebevollen Umarmung oder einem Kuss empfangen wird, baut angestauten Stress viel schneller ab. Das belegten Kardiologen in Toronto.

Das Kuschelhormon Oxytocin wirkt beruhigend und stabilisiert die Stimmung. Es aktiviert das körpereigene Belohnungssystem. Im Klartext heißt das, dass zwar starke Belastungen nach wie vor empfunden werden, aber ohne das Gefühl der Überforderung.

Markus Heinrich von der Uni Freiburg hat entdeckt, dass Männer ihren Partnerinnen ihren Partnerinnen in Stresssituationen am meisten helfen, wenn sie ihnen den Nacken massieren und dabei schweigen. Männer profitieren besonders von aufmunternder Zuneigung und Zuspruch.

Heilende Berührungen

Lange Zeit galt jegliche Berührung durch Ärzte oder Pflegepersonal in der Medizin mit der Begründung der Ansteckungsgefahr als verpönt.

Heute weiß man längst, dass gerade Berührung Patienten im Heilungsprozess erheblich unterstützt. Trotzdem werden nach wie vor von vielen Schulmedizinern Methoden wie Reiki und Ayurveda despektierlich als esoterisch eingestuft. Dabei könnten gerade diese Methoden, je nach Erkrankung eingesetzt, eine wichtige Unterstützung im Heilungsprozess sein.

Berührende Erfolge oder Erfolg durch Berührung?

Berührungen sind nicht nur in der Medizin und in Beziehungen hilfreich. Sie können auch beim Lernen, im Sport und in der Kneipe gute Dienste leisten.

Fußballfans erleben es immer wieder, wenn ihr Verein ein Tor schießt, dann wird der Schütze von seinen Mitspielern umarmt, ja sogar geküsst, wenn es das alles entscheidende Tor war.

„Während der Fußball WM 1998 gewannen Forscher verblüffende Erkenntnisse: Die Spieler, die sich am häufigsten und ausdauerndsten während des Turniers berührten, wurden am Ende auch Weltmeister.“ Meine Herren, wenn das kein Plädoyer für angenehme Berührung ist.

Auch in der Kneipe trinken die Gäste mehr, wenn sie angefasst werden. Aber Vorsicht! Wenn Sie nüchtern bleiben müssen, dann entweder nicht anfassen lassen oder nur alkoholfreie Getränke bestellen.

Als angenehm empfundene Berührungen sind Stimulation für Körper und Geist, die das Leistungsvermögen steigern. Sie sind kostenlos und haben keinerlei Nebenwirkungen. Was kann es Schöneres geben?

Der Buchumschlag fühlt sich übrigens gut an. Damit wird er dem Inhalt gerecht.

Also, worauf warten Sie noch?

„Wie Berührung hilft“

–   Warum Frauen Wärmflaschen lieben und Männer mehr Tee trinken sollten –

von Werner Bartens, erschienen bei Knaur – www.droemer-knauer.de,  € 12,99