Perspektiven in der Rheumatologie

Pressemitteilung

Alternativprodukte wirken analog zu Original-Biopharmaka

Berlin, 16.10.2015 Rheumatologen der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der University of Massachusetts Medical School haben Erfahrungen mit bereits in Anwendung befindlichen Biosimilars ausgewertet. Biosimilars sind Nachahmerprodukte von Biopharmazeutika. Sie versprechen, als effektive und verträgliche Medikamente nun für mehr Patienten verfügbar zu werden, nachdem die Patente bewährter Biologika auslaufen. Im aktuellen Fachmagazin Nature Reviews Rheumatology* gehen die Autoren insbesondere auf die Wirksamkeit von Biosimilars zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen ein, die in den vergangenen drei Jahren zugelassen wurden.

Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel gehören zu den teuersten medizinischen Präparaten. Zunehmend gelangen nun Biosimilars auf den Markt, die zu einer Alternative werden. Dies betrifft insbesondere Präparate zur Behandlung von onkologischen Leiden und Autoimmunerkrankungen, darunter Medikamente, die bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt werden. Die Zulassungserfordernisse dieser Produkte sind unter Federführung der Europäischen Arzneimittelagentur seit 2006 Schritt für Schritt definiert worden, da Biosimilars Besonderheiten gegenüber klassischen Medikamenten aufweisen. Es handelt sich um komplexe Proteine, die nie identisch, aber für eine Zulassung ähnlich, englisch „similar“, in Wirkung und Verträglichkeit sein müssen.

Ein wesentlicher Unterschied zu den Ausgangsprodukten ist, dass Biosimilars zu deutlich niedrigeren Preisen als die Originale erhältlich sind beziehungsweise sein werden. „Die Einführung dieser Medikamente muss sehr verantwortungsvoll von erfahrenen Behandlern begleitet werden“, betont Prof. Dr. Thomas Dörner von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité. „Grundsätzlich muss die Entscheidung, welches Medikament ein Patient erhält, in der Hand des behandelnden Arztes bleiben. Ein automatisches Ersetzen der Mittel in den Apotheken, wie im Fall herkömmlicher Generika praktiziert, darf für Biosimilars nicht zugelassen werden“, so Prof. Dörner weiter.

Die Autoren haben in ihrer Arbeit die umfänglichen Biosimilar-Entwicklungen für fast alle Biologika untersucht, ebenso die weltweit stark variierenden Zulassungsregularien dieser Arzneimittel. Sie stellen heraus, dass mit der beginnenden klinischen Anwendung von Biosimilars in der Praxis unabhängige, nationale Register geschaffen werden müssen, in denen mögliche Nebenwirkungen dieser Medikamente erfasst werden. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass mit der Zulassung von Biosimilars wirksame Therapien und neue Behandlungsmöglichkeiten verfügbar werden. Zugleich sind Einsparungen insbesondere für die Therapie entzündlicher Erkrankungen in der Rheumatologie, der Dermatologie wie auch der Gastroenterologie absehbar.

Diese Information wurde als Pressemitteilung gekennzeichnet, weil wir aktuell nicht überprüfen können, ob die genannten Alternativprodukte in der Wirkung dem Original gleich sind. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt. Hier nochmals ein Hinweis auf das Buch Wo ist der Beweis?“

Kyocera will Lebensführung messen

Die nachfolgende Pressemitteilung erreichte uns heute. Auf den ersten Blick vielleicht eine sinnvolle Anwendung. Bei genauerer Betrachtung ist das die totale Überwachung. Smartphone neben dem Kopfkissen!

„Der neue Service stellt den Benutzern drei Tools zur Verfügung, damit sie ihre täglichen Lebensgewohnheiten kontinuierlich nachvollziehen können“, meldet Kyocera. Ja, leider nicht nur die Nutzer selbst, sondern auch jene, die diese Daten sammeln und auswerten.

Es wird sicherlich nicht lange dauern, dann kommt dieses Angebot auch zu uns. Ob uns dann die gesetzlichen und privaten Krankenkassen mit einer Prämie belohnen werden, wenn wir das nutzen? Oder müssen wir sogar mit Sanktionen rechnen, wenn wir uns weigern?

PRESSEMITTEILUNG

KYOCERA führt in Japan einen neuen, auf mobilen Geräten basierenden Service zur Förderung einer gesunden Lebensweise ein*

Kyocera und die Fachgesellschaft für präventive Medizin in Japan arbeiten zusammen, um das Gesundheitsmanagement von Unternehmen zu unterstützen

15. Oktober 2015 – Kyoto/Neuss – Die Kyocera Corporation arbeitet gemeinsam mit der Fachgesellschaft für präventive Medizin in Japan an einem neuen Service im Gesundheitsbereich: Daily Support®. Dieser soll die Lebensgewohnheiten mithilfe von Smartphones und tragbaren Geräten in Verbindung mit individueller Beratung durch medizinische Fachkräfte kontinuierlich verbessern. Der Service soll im Herbst 2015 in Japan eingeführt und Unternehmen, Krankenkassenverbänden und Dienstleistungsanbietern im Gesundheitswesen zur Verfügung gestellt werden, die das Gesundheitsmanagement für Mitarbeiter und Kunden verbessern möchten.

Das System „Daily Support®“

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Die Entwicklung des Produkts

In den vergangenen Jahren sind die Kosten für die medizinische Versorgung in Japan angestiegen. Insgesamt beliefen sich die nationalen medizinischen Kosten im Geschäftsjahr 2015 auf40 Billionen Yen (ca. 299 Mrd. Euro, ein Anstieg von 1,8 % im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr). Die jährlichen Kosten pro Person für medizinische Versorgung betrugen etwa 314.000 Yen (ca. 2.350 Euro, ein Anstieg von 2 % im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr)*2*3. Auch wenn der Anstieg der medizinischen Kosten aufgrund der zunehmend älteren Bevölkerung in Japan teilweise unvermeidbar ist, stellt die Notwendigkeit einer Kostenverminderung für das Land ein beträchtliches finanzwirtschaftliches Problem dar. Ungefähr 30 % der medizinischen Kosten lassen sich dagegen auf die Behandlung von Krankheiten zurückführen, die mit der Lebensführung zusammenhängen. Dazu gehören zum Beispiel hoher Blutdruck, Diabetes und Hyperlipidämie. Daher kann eine Neubewertung oder ein Umdenken im Hinblick auf die Lebensgewohnheiten jedem Einzelnen dabei helfen, seine
Gesundheit zu erhalten und die Gesamtbehandlungskosten zu reduzieren.

Die Kyocera Corporation stellt einzigartige mobile Geräte und Smartphones in Japan und im Ausland zur Verfügung. Darüber
hinaus entwickelt das Unternehmen in diesem Geschäftsbereich Sensortechnologien zur Zustandserkennung. Unter Anwendung dieser Technologien hat Kyocera den neuen Service „Daily Support®“ entwickelt. Damit können Benutzer die Daten in Bezug auf ihre Lebensführung messen, verwalten und analysieren, und sie erhalten Feedback dazu. Kyocera ist der Meinung, dass dieser Service durch die Visualisierung individueller Lebensgewohnheiten und durch die kontinuierliche Unterstützung eine gesunde Lebensführung fördert und dazu beiträgt, die zunehmend hohen medizinischen Kosten zu verringern.

Tragbares TSUC®-Gerät in fünf Farbvarianten

Hauptmerkmale

Der neue Service stellt den Benutzern drei Tools zur Verfügung, damit sie ihre täglichen Lebensgewohnheiten kontinuierlich
nachvollziehen können.

1. Tragbares TSUC®-Gerät

Das von Kyocera hergestellte Gerät misst den Umfang der täglichen Aktivitäten sowie weitere Datenpunkte, wenn es vom Benutzer getragen wird. Diese Daten werden automatisch auf das Smartphone*4 des Benutzers geladen. Somit wird ein müheloses Überwachen von Daten im Hinblick auf die Lebensführung möglich.

Messpunkte:

Schrittzähler, Kalorienverbrauch und Zustandsunterscheidung durch Erkennen und Erfassen des Zustands (Gehen, Laufen, Fahren mit Fahrzeugen, z. B. Fahrrad im Vergleich zum Auto, mit dem Fahrstuhl oder der Rolltreppe nach oben oder unten fahren oder Treppen bzw. einen Hang hinauf- und hinabsteigen)

2. Die Anwendung „Daily Support®“

Die einzigartige Anwendung von Kyocera erfasst Daten in Bezug auf den Umfang der körperlichen Betätigung, den Schlaf, das viszerale Fett und den Kalorienverbrauch mit einem Smartphone, auf dem die Lebensführung*5 des Benutzers visualisiert wird. Die Anwender sind in der Lage, ihre Kondition mithilfe von Grafiken und Abbildungen, die von der App dargestellt werden, zu überprüfen und zu verwalten. Dazu werden verschiedene Funktionen integriert, um das Interesse an einer kontinuierlichen Verwendung der App zu fördern, z. B. ein Rankingsystem oder ein Punktesystem als Reaktion auf positive Lebensgewohnheiten*1 anzueignen. Kyocera arbeitet gemeinsam mit JTB Benefit Service, Inc. an der Einführung
des Punktesystems.

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kyocera GesundheitsApp

3. Website für Serviceanbieter

Die Anbieter des Services (medizinische Fachkräfte usw.) können auf vertraulicher Ebene die körperliche Betätigung und die Daten der Benutzer auf der Website überprüfen, persönliche Nachrichten senden, um bessere Lebensgewohnheiten zu fördern, sowie Gruppennachrichten an Benutzer mit ähnlichen Tendenzen*1 übermitteln.

Blutdatenanalyse und professionelle Beratung

Durch die Zusammenarbeit mit Roche Diagnostics K.K. stellt „Daily Support“ auch einen Service zum Verwalten von Daten zur Verfügung, die mit den Blutwerten zusammenhängen. Benutzer können die Daten von Bluttests hochladen, die in Kliniken oder Unternehmen durchgeführt wurden, und erhalten gezielte Anleitungen von Fachkräften*6 . Durch Nutzung dieses Services können die Anwender davon ausgehen, dass mit den Lebensgewohnheiten zusammenhängende Krankheiten rechtzeitig erkannt werden, und präventive Maßnahmen verstärken.

Technische Daten zum tragbaren „TSUC®“-Gerät

Farbe
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Weiß, Grau, Hellgrün, Rot, Pink
Größe (B • H • T) /
Gewicht  ca. 48 • 29 •13 mm / ca. 11 g  (einschließlich Batterie)

Messpunkte

Schrittzähler, Kalorienverbrauch und Zustandsunterscheidung durch Erkennen und Erfassen des Zustands (Gehen, Laufen, Fahren mit Fahrzeugen, z. B. Fahrrad im Vergleich zum Auto, mit dem Fahrstuhl oder der Rolltreppe nach oben oder unten fahren oder Treppen bzw. einen Hang hinauf- und hinabsteigen)

Speicher

Ausreichend Speicher zur Verwendung an 7 Tagen

Erkennungssystem

Triaxialer Beschleunigungssensor / Luftdrucksensor

Kommunikationssystem Bluetooth® 4.0

Betriebssystem* Android™ 4.4, iOS 8

Wasserdichtigkeit Wasserdicht bei normaler Nutzung

* Dieses Produkt steht nur auf dem japanischen Markt zur Verfügung.

*1 Ein Teil des Services ist ab Herbst 2015 verfügbar.

*2 Basierend auf Daten, die vom japanischen Ministerium für Gesundheit,
Arbeit und Sozialwesen zusammengestellt wurden.

*3 Zur Vereinfachung für den Leser wird hier die Umrechnung in Euro,
basierend auf einem Kurs von 1 Euro = 134 JPY, herangezogen (Stand
23. September 2015).

*4 kompatible Smartphones, Stand September 2015 (die Kompatibilität mit
weiteren Modellen wird fortlaufend ermöglicht):

iPhone: iPhone 6, 6 Plus, 5s, 5c, 5, iOS 8

Android: Android 4.4 (nur von Kyocera Corporation bestätigte Modelle)

*5  Zur Verwendung muss die App auf ein Smartphone heruntergeladen werden.

*6  Zur Verwendung dieses Services ist eine spezielle App erforderlich.

„Daily Support“ und „TSUC“ sind eingetragene Marken von Kyocera Corporation, Japan. TM und ©2014 Apple Inc. Alle Rechte vorbehalten. „iPhone“ ist eine Marke von Apple Inc. Die Marke „iPhone“ wird von AIPHONE CO., LTD unter Lizenz verwendet. „iOS“ ist eine Marke oder ingetragene Marke von Cisco in den USA sowie anderen Ländern und
wird unter Lizenz verwendet. Android ist eine Marke von Google Inc. Bluetooth® und das Bluetooth-Logo sind Marken von Bluetooth SIG, Inc., für welche Kyocera die Nutzungsgenehmigung erhalten hat. Alle hier angegebenen Firmen-, System- und Produktnamen sind die Marken oder registrierten Marken der entsprechenden Eigentümer. Merkmale,
Funktionen und technische Daten können ohne Vorankündigung geändert werden.

 

 

Patientinnentag

Patientinnentag in der Universitäts-Frauenklinik

Patientinnen-tag Uni-KlinikInfoveranstaltung am 21. Oktober 2015 zu Brustkrebs und Beckenbodenschwäche mit Vernissage von kunsttherapeutischen Arbeiten

Ein Abend für Frauen: Beim Patientinnentag in der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg am Mittwoch, den 21. Oktober 2015, von 17 Uhr bis 20 Uhr stehen die Themen Brustkrebs und Beckenbodenschwäche im Fokus.

In verschiedenen Kurzvorträgen informieren Experten des Universitätsklinikums Freiburg über Behandlungsmethoden sowie ergänzende und unterstützende Therapiemaßnahmen. Dazu zählt auch die Kunsttherapie, die sich am Patientinnentag mit einer Eröffnung der Ausstellung „Der verlängerte Blick“ präsentiert. Hanna Nöthig, Kunsttherapeutin am Universitätsklinikum Freiburg, beantwortet Interessierten ihre Fragen zur Therapie und führt in die Ausstellung der kunsttherapeutischen Arbeiten von onkologischen Patientinnen und Patienten ein.

Die Vorträge reichen thematisch von „Erblicher Brustkrebs – defektes Gen mit riskanten Folgen“ über „Was kann ich zusätzlich tun? Integrative und komplementäre Medizin bei Krebserkrankungen“ bis hin zu „Therapievielfalt bei Beckenbodenschwäche“.

Weitere Informationen erhalten Interessierte Teilnehmer des Patientinnentags an verschiedenen Infoständen: Frauenselbsthilfe nach Krebs, BRCA-Netzwerk, Krebsberatungsstelle und Selbsthilfegruppe Inkontinenz e.V.

Interessierte Betroffene sind herzlich zum Patientinnentag eingeladen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.  

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Alzheimer: entscheidender Durchbruch fehlt noch

Die Müllabfuhr im Gehirn ankurbeln
Können körpereigene Abwehrzellen für den Kampf gegen Alzheimer mobilisiert werden?

Berlin, Oktober .2015 Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben untersucht, inwieweit spezielle Zellen des Immunsystems, sogenannte Makrophagen oder Fresszellen, für die Entsorgung der alzheimertypischen Eiweißablagerungen im Gehirn genutzt werden können. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals The Journal of Experimental Medicine* veröffentlicht.

Mehr als 20 Prozent der über 85-jährigen Menschen weltweit leiden an einer Alzheimer-Demenz. Wichtiger Ansatzpunkt für die Erforschung der Krankheit sind die Beta-Amyloid-Plaques (Aβ-Plaques). Diese Eiweißfragmente lagern sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten ab und stehen im Zentrum der Krankheitsentstehung. Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Frank Heppner, Direktor des Instituts für Neuropathologie an der Charité, konnte bereits in früheren Arbeiten zeigen, dass die Immunzellen des Gehirns, die Mikroglia, bei Alzheimer-Patienten nicht mehr richtig funktionieren und sozusagen erlahmen. Sie kommen ihrer Aufgabe des Abräumens fremder Substanzen, wie dem krankhaften Aβ-Eiweiß, nicht mehr nach.

In ihrer aktuellen Studie haben die Forscher nun untersucht, ob möglicherweise die „Schwesternzellen“ der Mikroglia, die Makrophagen, das sind Immunzellen des Blutes und innerer Organe, ins Gehirn geschleust werden könnten, damit sie dort die Aufgabe der funktionsuntüchtigen Mikroglia übernehmen. Dazu entwickelten die Forscher zunächst ein Mausmodell, in dem die Mikrogliazellen der an Alzheimer erkrankten Mäuse ausgeschaltet waren. Angesichts dieser Notsituation setzte das Gehirn eine Art Zuwanderungsprogramm in Kraft: Innerhalb kurzer Zeit wurde es von aus der Peripherie stammenden Makrophagen bevölkert, die aus dem Blutstrom eingewandert sind. Anschließend entwickelten sie sich zu Mikroglia-ähnlichen Zellen, die die Pathologie der Krankheit jedoch nicht veränderten; sie ignorierten die krankhaften Aβ-Eiweiße und lagerten sich nicht einmal an diese an. Zu einem identischen Ergebnis kommt auch die Studie einer Arbeitsgruppe der Universität Tübingen, die ebenfalls in der aktuellen Ausgabe des Journal of Experimental Medicine veröffentlicht ist.

„Um die neuen, aus der Peripherie stammenden Makrophagen für das Aβ-Eiweiß zu interessieren, haben wir den Alzheimer-Mäusen, deren Mikrogliazellen durch periphere Fresszellen ausgetauscht waren, eine Aβ-Impfung verabreicht“, erläutert Prof. Heppner. „Ein Verfahren, das derzeit auch in diversen klinischen Studien untersucht wird und Gegenstand intensiver Diskussionen ist“, fügt er hinzu. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Makrophagen auch unter dieser zusätzlichen Stimulation nicht effizienter als die hirneigenen Mikrogliazellen sind. „Offensichtlich bedarf es eines anderen oder weiteren Stimulus, damit residente Mikroglia oder deren aus der Peripherie stammende Schwesternzellen ihr eigentlich vorhandenes Potenzial abrufen können“, so Prof. Heppner. „Unsere Daten sind jedoch insofern relevant, da viele aktuelle Studien unabhängig voneinander zeigen, dass insbesondere der Mikroglia eine große Bedeutung bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung zukommt. Deshalb ist, nicht zuletzt für die Entwicklung neuer Therapieansätze, eine detaillierte Aufklärung von Rolle und Funktion der Mikrogliazellen und Makrophagen bei der Alzheimer Erkrankung fundamental.“

In Folgestudien wollen die Wissenschaftler nun versuchen, diesen fehlenden Stimulus zu identifizieren, damit die Fresszellen ihrer eigentlichen Funktion wieder nachkommen können.

*Impact of peripheral myeloid cells on amyloid-ß pathology in Alzheimer’s disease–like mice. Stefan Prokop, Kelly R. Miller, Natalia Drost, Susann Handrick, Vidhu Mathur, Jian Luo, Anja Wegner, Tony Wyss-Coray and Frank L. Heppner. J. Exp. Med. 12. Oktober 2015. DOI: 10.1084/jem.20150479.

Implantatpass für jeden operierten Patienten

Pressemitteilung zum DKOU 2015

Gelenkersatz wird immer sicherer
DKOU-Präsidenten begrüßen Implantatpass für jeden operierten Patienten

Berlin – Seit dem 1. Oktober ist eine Gesetzesänderung für Implantate in Kraft. Gemäß der neuen Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) müssen Kliniken ab sofort jedem Betroffenen nach der Operation einen Implantatpass aushändigen. Somit soll die Patientensicherheit weiter verbessert werden. Die Qualität des künstlichen Gelenkersatzes wird hierzulande durch das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) erfasst und hat sich durch das Zertifizierungsverfahren für behandelnde Kliniken, EndoCert, bereits deutlich verbessert. Welche weiteren Pflichten und Vorteile für Kliniken und Patienten das neue Gesetz mit sich bringt, berichten Experten am 21. Oktober 2015 anlässlich des deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU).

Mehr als 150.000 Gelenkersatz-Operationen sind inzwischen im EPRD dokumentiert. Der größte Teil bezieht sich mit rund 88.000 Eingriffen auf Hüftprothesen, weitere rund 67.000 auf Operationen des Knies. „Mit mehr als 630 angemeldeten Kliniken ist nun etwa die Hälfte aller infrage kommenden Krankenhäuser zur Teilnahme registriert“, sagt Professor Dr. med. Rüdiger Krauspe, Kongresspräsident des DKOU 2015. Dank EndoCert konnten Orthopäden und Unfallchirurgen bereits in den letzten Jahren die Infektionsraten senken und die Haltbarkeit der Implantate deutlich steigern. Dieser hohe Qualitätsstandard und die detaillierte Erfassung der Implantate im EPRD seien weltweit einzigartig. „Mehrere Nationen und Fachgesellschaften haben bereits Kontakt mit uns aufgenommen, um mit dem EPRD zu kooperieren“, berichtet der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf.

Um die Patientensicherheit weiter zu verbessern hat sich die DGOOC in den letzten Jahren auch für die Änderungen der Medizinprodukte-Betreiberverordnung eingesetzt – mit Erfolg: Der jetzt verpflichtende Implantatpass enthält neben dem Patientennamen und dem Datum der Implantation Details des implantierten Medizinprodukts wie etwa den genauen Typ und die Seriennummer. Das betrifft Knie- oder Hüftendoprothesen, aber auch Herzschrittmacher, Stents oder Brustimplantate. „Zwar haben durch EndoCert zertifizierte Kliniken Implantatpässe für Endoprothesen schon zuvor ausgestellt“, so Dr. med. Holger Haas, Vorsitzender der Zertifizierungskommission EndoCert der DGOOC. Dennoch sei es wichtig, dass dies nun auch gesetzlich verankert sei.

Denn der Pass und die Dokumentation der Implantate böten entscheidende Vorteile für die Patientensicherheit, so Haas, Chefarzt am Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin des Gemeinschaftskrankenhauses Bonn. „Neu ist etwa, dass die Kliniken verpflichtet sind, die Daten digital aufzubewahren und diese auf Anfrage innerhalb von drei Tagen zu ermitteln.“ So können sie etwa bei Rückrufaktionen von Herstellern oder einer notwendigen Korrektur schneller als bisher allein anhand der Chargen- oder Seriennummer oder des Implantat-Typs betroffene Patienten ausfindig machen.

Welche Fortschritte EndoCert und das EPRD in den letzten Jahren erzielen konnten und was die neue Implantatpass-Pflicht Patienten bringt, diskutieren Orthopäden und Unfallchirurgen anlässlich des DKOU 2015 in Berlin, der von DGOOC, der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), sowie dem Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) ausgerichtet wird. Es werden zudem Langzeitergebnisse vorgestellt, welche Implantatmaterialien sich bei welchen Patienten bewährt haben.

Big Data und personalisierte Medizin

Ein Artikel im Laborjournal von Prof. Dr. Gerd Antes, Biometriker und Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums am Universitätsklinikum Freiburg

Big Data - AntesAntes sieht Big Data kritisch. Dies brachte er auch am vergangenen Freitag bei einem Journalistenworkshop zum Thema „Mythen und Fakten in der Ernährung“ in München deutlich zum Ausdruck.

Hier geht es zum Laborjournal: http://www.laborjournal.de/editorials/981.lasso

Das Buch „Wo ist der Beweis“ ist für Patienten quasi eine Pflichtlektüre, um sich im Dschungel der medizinischen Angebote einigermaßen zurecht finden zu können.

 

 

 

 

 

Ärzte lernen von Piloten

Es hat eingie Jahre gedauert, aber jetzt ist es endlich soweit.

Interpersonal Competence by DGOU and Lufthansa Flight Training – Neue Wege in der Medizin für mehr Patientensicherheit

um die Patientensicherheit zu verbessern, haben bereits Checklisten und Fehlermeldesysteme Einzug in die Praxisroutine erhalten. Mit einem neuen Kursformat –IC – Interpersonal Competence – nehmen Orthopäden und Unfallchirurgen jetzt auch den „Faktor Mensch“ unter die Lupe und wollen so eine neue Sicherheitskultur etablieren. Denn Zeitdruck, mangelnde Kommunikation und Stress sind die häufigsten Fehlerursachen im Klinik- und Praxisalltag.

Das neue Training für Ärzte haben die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und Lufthansa Flight Training (LFT) gemeinsam nach dem Vorbild der Sicherheitstrainings in der Luftfahrt entwickelt. Ein Pilotkurs hat bereits im Trainings- und Konferenzcenter der Lufthansa in Seeheim stattgefunden. Wie das IC-Training die Kommunikation, den Umgang mit Fehlern und das Konfliktmanagement verbessern kann, berichten Beteiligte der DGOU und des Lufthansa Flight Trainings erstmals am 20. Oktober 2015 im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2015) in Berlin.

Darüber hinaus findet am Mittwoch, dem 21. Oktober 2015 der offizielle Launch des Kurses mit anschließender Podiumsdiskussion auf dem DKOU statt.

„Move against Depression“

Aus der Abwärtsspirale entkommen: Bewegung hilft gegen Depression

12. Europäischen Depressionstags am Donnerstag, 01. Oktober

Herbst-u-Depression: Mit den dunklen Monaten kehrt der Herbst- und Winterblues ein. Die saisonal abhängige Depression tritt allerdings bei nur etwa 10 Prozent der Betroffenen auf.

Herbst-u-Depression: Mit den dunklen Monaten kehrt der Herbst- und Winterblues ein. Die saisonal abhängige Depression tritt allerdings bei nur etwa 10 Prozent der Betroffenen auf.

Unter dem Motto „Move against Depression“ wollen Forscher, Patienten und medizinische Fachkräfte am „12. Europäischen Depressionstag“ das Bewusstsein für die Volkskrankheit stärken. Auch der leitende Psychologe Dr. Andreas Schmidt der Dr. Becker Burg-Klinik hilft Betroffenen dabei, aus ihrer emotionalen Abwärtsspirale auszubrechen. Bewegung ist dabei eines der wichtigsten Mittel.

4,9 Millionen Menschen erkranken in Deutschland jährlich an einer behandlungsbedürftigen Depression, so die Zahlen der Deutschen Stiftung Depressionshilfe. Von 100 Menschen leiden etwa 20 mindestens einmal in ihrem Leben an einer Depression oder depressiven Verstimmung (Dysthymie). Sie verlieren ihren Antrieb, haben plötzlich kein Interesse mehr an Dingen, die ihnen früher Freude bereitet haben, sind häufig müde und bedrückt. Viele fühlen sich wie Gefangene in einem dunklen Loch, weil sie keinen Ausweg mehr aus der Antriebslosigkeit und der negativen Abwärtsspirale ihrer Gedanken und Gefühle finden.

„Die Depression wirkt wie ein permanenter innerer Stress und führt zu Anspannungssymptomen, die abgebaut werden müssen“, erklärt Dr. Andreas Schmidt, leitender Psychologe in der Dr. Becker Burg-Klinik. Jährlich kommen etwa 1.500 depressive Patienten in die psychosomatische Rehaklinik in Stadtlengsfeld, Thüringen. „Wir versuchen in der Rehabilitation ganzheitlich Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen und depressive Menschen zu aktivieren“, so Schmidt. Regelmäßige sportliche Betätigung helfe dabei, die krankheitstypischen Anspannungssymptome abzubauen und die Stresshormone zu ‚verbrennen’. Neben einer Verbesserung des Körpergefühls wirke körperliche Bewegung auch psychisch entspannend: Dunkle Gedanken werden vertrieben und die emotionale Abwärtsspirale wird unterbrochen. „Sport wirkt wie eine positive Selbstverstärkung: Ich schaffe etwas, ich komme wieder in Bewegung und finde Wege aus einer erlebten Starre heraus“, erklärt Dr. Schmidt.

Bewegung wirkt antidepressiv

Dass regelmäßige Bewegung eine stimmungsaufhellende Wirkung hat, konnte mittlerweile empirisch belegt werden. In einer Analyse von 39 Studien aus den vergangenen 23 Jahren, haben Forscher der Medical School Hamburg (MSH) die antidepressiven Effekte von Sport nachgewiesen. Zurückzuführen seien diese u. a. auf die erhöhte Ausschüttung von bestimmten Hormonen wie Serotonin und Noradrenalin, die beim Sport freigesetzt werden. Bei depressiven Menschen ist die Produktion von „Glücksbotenstoffen“ gehemmt, so dass sie einen niedrigeren Serotonin-Spiegel aufweisen.

In der Dr. Becker Burg-Klinik gehören sportliche Aktivitäten wie Nordic Walking, Gerätesport oder Aquagymnastik zum festen Bestandteil des Behandlungsprogramms depressiver Patienten. „Wir bieten vor allem Sportarten an, die auch Zuhause zum Einsatz kommen können. Schließlich ist es wichtig, dass Patienten den Sport auch langfristig in ihren Alltag integrieren können.“ Eine Hilfestellung dafür seien z. B. feste Wochenpläne, die nach jeder sportlichen Leistung eine kleine Belohnung vorsehen. „Sinnvoll für Menschen mit Depressionen sind neben Ausdauersporten auch Teamsportarten. Denn die fördern das soziale Miteinander und verhindern den sozialen Rückzug, der bei vielen depressiven Menschen einsetzt“, so Dr. Schmidt.

Mit schweren Depressionen zum Arzt

Dr.  Andreas Schmidt: Dr. Andreas Schmidt, leitender Psychologe in der Dr. Becker Burg-Klinik, weiß wie wichtig Bewegung für depressive Menschen ist. In der Rehabilitation gehört die sportliche Betätigung fest zum Behandlungsplan.

Dr. Andreas Schmidt: Dr. Andreas Schmidt, leitender Psychologe in der Dr. Becker Burg-Klinik, weiß wie wichtig Bewegung für depressive Menschen ist. In der Rehabilitation gehört die sportliche Betätigung fest zum Behandlungsplan.

Bei depressiven Verstimmungen leistet die regelmäßige körperliche Betätigung einen wichtigen Beitrag zum Spannungsabbau, zur Stabilisierung und Stimmungsverbesserung. Für Menschen mit mittelschweren bis schweren Depressionen reicht der Sport allein als Behandlungsmethode nicht aus, sondern wird ergänzend zu medikamentösen und psychotherapeutischen Verfahren eingesetzt. Dies kann auch bei leichteren depressiven Symptomen bereits sinnvoll sein.

Sehschwäche bei Kindern dank Smartphone & Co

Smartphone & Co: Experten erwarten deutlichen Anstieg der Kurzsichtigkeit

Berlin – Ganze Schulklassen voller Brillenträger? Augenärzte rechnen in Deutschland mit einem deutlichen Anstieg von Kurzsichtigkeit bei Kindern. Ursachen sind vermutlich veränderte Spiel- und Freizeitaktivitäten. Warum der Nachwuchs mehr Spielplatz und weniger Smartphone braucht und welche Augentropfen vor dicken Brillengläsern schützen können, erläutern Experten auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Experten beobachten weltweit eine deutliche Zunahme der Kurzsichtigkeit, auch Myopie genannt. „Besonders die asiatischen Länder sind von dem unscharfen Sehen in der Ferne betroffen“, sagt Professor Dr. med. Karl Ulrich Bartz-Schmidt, Kongress-Präsident und Ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen. In China etwa sind in manchen Regionen bis zu 90 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen kurzsichtig.

In Deutschland beträgt der Anteil derzeit 35 bis 40 Prozent. „Wir rechnen aber auch hierzulande mit einem starken Anstieg“, erklärt Professor Dr. med. Wolf Lagrèze, Leitender Arzt der Sektion Neuroophthalmologie, Kinderophthalmologie und Schielbehandlung von der Universitäts-Augenklinik Freiburg. „Die Gründe sind vermutlich veränderte Spiel- und Freizeitaktivitäten mit vermehrter Nutzung von Smartphones und iPads, verbunden mit intensivem Lernverhalten in Räumen, die wenig Tageslicht bieten“, so Lagrèze. In Asien verbringen Kinder viele Stunden täglich am Schreibtisch, um den Anschluss im Bildungsbereich nicht zu verpassen.

Aus der Analyse leiten sich Gegenmaßnahmen ab. So zeigt eine Studie in Taiwan, dass Schulkinder weniger kurzsichtig werden, wenn sie die Pausen draußen statt drinnen verbringen – Tageslicht schützt vor Brillenbedürftigkeit. „Untersuchungen belegen, dass es mindestens zwei Stunden Aufenhalt im Freien pro Tag sein sollten, wobei Lichtstärken von mindestens 10.000 Lux erreicht werden sollten“, erklärt Lagrèze. Zum Vergleich: Ein bewölkter Tag kann diesen Wert unterschreiten, ein gut beleuchteter Klassenraum bringt es auf maximal 500 Lux. „Um die Lichtintensität zu erhöhen, werden deshalb etwa in Singapur taghelle Schulzimmer erprobt“, so Lagrèze.

Ein zweiter Hebel setzt am Nutzungsverhalten von Smartphone & Co an. „Die Nutzung erfordert eine Nahsicht und findet häufig in Innenräumen statt – zwei Faktoren, die Kurzsichtigkeit fördern können“, erläutert Lagrèze. „Eltern sollten die Online-Nutzung ihrer Kinder deshalb kontrollieren und gegebenenfalls dosieren, in dem sie Alternativen anbieten und ermöglichen“, rät Lagrèze. Nach aktuellen Schätzungen sind in Deutschland zehn Prozent der Dreijährigen und 50 Prozent der Achtjährigen regelmäßig online.

Zusätzlich können medizinische Maßnahmen ergriffen werden, um das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit aufzuhalten. Zum einen hilft das Präparat Atropin, das aus der Tollkirsche gewonnen wird und das Augenärzte in einer Konzentration von 0,5 Prozent zur Weitstellung der Pupille nutzen. Jeweils ein Tropfen Atropin in einer Konzentration von 0,01 Prozent abends in beide Augen verlangsamt die Sehschwäche, wie inzwischen mehrere Studien nachgewiesen haben. „In dieser schwachen Konzentration erweitert Atropin die Pupille nicht“, betont Lagrèze.

Zum anderen steht für Jugendliche als Alternative zur Brille eine multifokale Kontaktlinse zur Verfügung, die das Fortschreiten der Myopie ebenfalls mindert. Ein Aufhalten stark voranschreitender Kurzsichtigkeit ist sinnvoll, weil eine Fehlsichtigkeit von mehr als minus sechs Dioptrien das Risiko für andere Augenerkrankungen wie Netzhautablösung, Glaukom und Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) stark erhöht.

„Zusammengefasst lautet die wichtigste Empfehlung: mehr Spielplatz, weniger Smartphone“, so Lagrèze. Zumal dieses Freizeitverhalten noch weitere positive Effekte hat – es verbessert die Stimmung und schützt vor Übergewicht. „Eine wirkungsvolle Maßnahme, die nichts kostet“, freut sich der DOG-Experte.

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

„Return to play“

„Return to play“ – Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Sportlicher Wiedereinstieg nach Verletzung häufig zu früh

Berlin – Nach dem Kreuzbandriss sechs bis neun Monate pausieren – das ist die allgemein gültige Regel. Die meisten Hobby- aber auch Spitzensportler halten sich nicht an diese Empfehlung und steigen zu früh wieder ins Training ein. Oder ihre Verletzung ist in der vorgegebenen Spanne noch nicht ausgeheilt. Aussagekräftiger als die zeitliche Faustregel sind Muskelfunktionstests. Denn sie ermitteln auch das Risiko einer neuerlichen Knieverletzung. Wie ein solcher „Return to play“-Test funktioniert und warum er auch als Präventionsmaßnahme sinnvoll ist, diskutieren Experten am 20. Oktober 2015 im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin.

Nach einer Kreuzband-OP zeigen sich Defizite bei Muskelaktivitäten in Knie, Hüfte und Knöchel – teilweise sogar noch bis zu fünf Jahre nach der Operation. „Viel zu häufig kehren verletzte Sportler zu früh ins Training oder den Wettkampf zurück“, erklärt Privatdozent Dr. med. Thore Zantop, Unfallchirurg und ehemaliger Leistungssportler der Handballbundesliga. Das kann weitere Verletzungen etwa am Meniskus ebenso wie eine neuerliche Kreuzbandruptur zur Folge haben. Die Rückfallrate beim Riss des vorderen Kreuzbandes liegt für das operierte sowie das andere Knie zwischen 3 und 49 Prozent. „Für Leistungssportler bedeutet ein zu früher Trainings-Einsatz nach einer Verletzung nicht selten das Ende der Wettkampfkarriere“, mahnt Professor Dr. med. Michael Nerlich, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Regensburg und Kongresspräsident des DKOU 2015, „denn nach erneuter langer Verletzung ist irgendwann der Zug abgefahren.“

Bewegungsanalyse,

a) Einbeinige Kniebeuge als Provokationstest einer funktionellen X-Beinstellung
b) 3D Bewegungsanalyse mit Hilfe des Avatar zeigt sich bei schneller Richtungsänderung eine verletzungsanfällige Beinachse mit Fußaußenrotration, funktionellen Valgus und geringer Flexion
c) Auswertungsbildschirm in Echtzeit bei einer Speedcourt-Analyse 6 Monate nach
VKB Rekonstruktion: Winkelstellung der Gelenke, Visuelle Bewegungsanalyse, Avatar und plantare Druckmessverteilung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fast immer entscheide allein der Zeitfaktor über die Rückkehr auf den Sportplatz, kritisiert Zantop, „meist in Zusammenhang mit einer Beweglichkeitsprüfung oder dem Lachman-Test.“ Nur zwei von fünf der in einer Studie berücksichtigten Operateure (insgesamt: 260) führten einen Muskelfunktionstest durch. „Eine Überprüfung der passiven Stabilisatoren, bei der der Arzt das Knie bewegt und nicht der Patient selbst, reicht aber nicht aus“, betont Zantop im Vorfeld des DKOU. Zudem seien die Anforderungen an die Kniemuskulatur und die Bewegungsmuster je nach Sportart unterschiedlich. Daher überprüft der von Zantop mitentwickelte „Return to play“-Test nicht nur die Muskelstärke, sondern erstellt auch eine Art Bewegungsanalyse. Dabei geht es unter anderem darum, Schwachstellen wie eine falsche Sprung- oder Lauftechnik zu ermitteln.

Der Knieexperte empfiehlt den Test, der etwa anderthalb Stunden dauert, auch zur Prävention. „Studien haben gezeigt, dass Stabilisations- und Kräftigungsübungen oder angepasste Bewegungsabläufe wie das Landen mit dem gebeugten statt dem gestreckten Knie das Verletzungsrisiko deutlich senken können“, betont er. Als Beispiel hebt er die häufige X-Bein-Stellung bei Sportlerinnen hervor, die die Bandstrukturen des Kniegelenkes unnötig belastet. „Der Test ermöglicht es, verletzungsanfällige Sportler, gerade auch bei Jugendlichen, zu identifizieren.“

Eine Ruptur des Kreuzbandes, vor allem des vorderen, gehört zu den häufigsten Sportverletzungen. Der Anteil von Kniegelenksschäden insgesamt liegt bei etwa 18 Prozent; ein großer Teil davon geht auf das Konto von Kreuzbandrissen. Hochrisikosportarten sind Fuß-, Hand- und Basketball sowie alpiner Skilauf. Und nicht zu vergessen die vielen Fahrrad- und Motorradunfälle.

Ich empfehle nach der Genesung „Feldenkrais“. Hier lernt man die gesunden Bewegungsabläufe auf schonende Weise. Feldenkraiskurse gibt es in fast jeder Stadt. Und meist sind sie sehr preisgünstig. Leider übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kursgebühren bislang nicht.

Ich hätte heute ohne das jahrzehntelange Feldenkraistraining ein steifes Kniegelenk, da die Ärzte damals das Bein nach der Kreuzband-OP zu lange eingegipst hatten. Anstatt auf langsamen Bewegungsaufbau zu setzen, wurde das Bein in örtlicher Betäubung durchgebeugt. Dabei ist das vordere Kreuzband erneut gerissen. Daraufhin habe ich die Sache selbst in die Hand genommen. Einem speziellen Schmerztraining, Akupunktur und Feldenkrais verdanke ich, dass mein Knie – wenn auch mit Einschränkungen – beweglich ist. Obwohl die gesetzliche Unfallversicherung dadurch einen finanziellen Vorteil hat, durfte und darf ich die Kosten selbst tragen. 

R.H.