App zur Früherkennung von Depressionen

MOSS – Mit einer App depressive Verstimmungen erkennen und Betroffenen helfen

App zur DepressionserkennungForschende des UniversitätsSpitals Zürich haben in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich, der Universität St. Gallen und der makora AG eine App zur Früherkennung von Depressionen entwickelt. Betroffene werden damit mobil, alltagsnah und mit individuellen Verhaltensempfehlungen unterstützt.

​ Depressionen beginnen oft schleichend, das frühzeitige Erkennen erster Symptome ist jedoch für den Verlauf der Krankheit entscheidend. An diesem Punkt setzte das Entwicklerteam der MOSS App um die Psychiaterin Dr. Steffi Weidt (UniversitätsSpital Zürich) und Prof. Elgar Fleisch (ETH Zürich und Universität St. Gallen) an. Ziel der App ist es, eine beginnende Depression frühzeitig zu erkennen und individuelle Verhaltensempfehlungen zu geben, um die Depression abzuschwächen oder sogar zu vermeiden. MOSS wurde in Kooperation mit der ETH Zürich, der Universität St. Gallen (HSG) und der makora AG entwickelt und wird von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) finanziell unterstützt.

MOSS: Mobile Sensing and Support
Die MOSS App nutzt die zeitlich und örtlich unbeschränkte Verfügbarkeit (Mobile) von Smartphones, um Menschen mit einer depressiven Verstimmung möglichst alltagsnah und individuell zu unterstützen. Dafür erfasst, sammelt und analysiert (Sensing) MOSS laufend Daten, und gibt anhand von Algorithmen ermittelte individuelle, an die Situation angepasste Verhaltensempfehlungen ab (Support). Diese Empfehlungen basieren auf medizinischen und verhaltenstherapeutischen Grundlagen zur Behandlung von Depressionen und betreffen die vier Bereiche: Körper, Gedanken, Entspannung und Soziales.

Antriebslosigkeit erkennen und bekämpfen
Energie- und Antriebslosigkeit sind typische Begleiterscheinungen von depressiven Verstimmungen. Die App erfasst deshalb unter anderem Informationen zur körperlichen Aktivität (Bewegung zu Fuss) oder zu sozialen Kontakten (Anzahl Anrufe). Aus diesen Angaben erkennt MOSS, dass ein Nutzer in den letzten Tagen das Haus nur selten verlassen hat und keine sozialen Kontakte mehr pflegte. Basierend auf diesen Informationen würde MOSS beispielsweise empfehlen, wieder einmal einen Spaziergang an der frischen Luft zu machen oder sich bei einer Freundin zu melden, um mit positiven Aktivitäten die Symptome zu überwinden oder sich präventiv vor einer Depression zu schützen.

Verbesserung der Versorgungssituation
«Da die App jederzeit und überall für Betroffene verfügbar ist, kann sie deutlich zur Verbesserung der Versorgungssituation beitragen. Die App läuft zudem bequem und selbständig im Hintergrund, die Nutzer müssen aktiv keine Eingaben machen. Für Menschen mit depressiven Verstimmungen oder Depressionen ist das eine wesentliche und hilfreiche Unterstützung», ist Steffi Weidt überzeugt.

Teststudie
Das UniversitätsSpital Zürich (USZ) führt unter der Leitung von Dr. Steffi Weidt die erste Teststudie der MOSS App durch. Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer können die neuartige Android App kostenlos testen. Der Schutz der persönlichen Daten ist dabei zentral; so werden alle Informationen verschlüsselt übermittelt und gespeichert und die Teilnehmenden sind nur über eine Identifikationsnummer erfasst. 

Information und Anmeldung unter: http://www.health-is.ch/MOSS

Ansprechpartner:
Dr. Steffi Weidt, Projektverantwortliche MOSS
UniversitätsSpital Zürich, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
044 255 52 80, mossde@usz.ch

„Medizinwissen für Kinder“

Start einer neuen Vortragsreihe speziell für Kinder

Medizinwissen für KinderMit einer Vorlesung zum Thema Hören startet das Universitätsklinikum Freiburg am 25. Juni 2015 um 15 Uhr im Hörsaal der Universitäts-Frauenklinik die Reihe „Medizinwissen für Kinder“

Schwierige medizinische Themen für Schulkinder verständlich machen und sie für dieses Feld zu begeistern, das sind die Ziele der neuen Vorlesungsreihe „Medizinwissen für Kinder“ am Universitätsklinikum Freiburg. Bei der ersten Veranstaltung am Samstag, den 25. Juli 2015 um 15 Uhr, im Hörsaal der Universitäts-Frauenklinik (Hugstetter Straße 55, Freiburg) dreht sich alles rund um das Thema Hören. Prof. Dr. Antje Aschendorff, Leitende Oberärztin an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg sowie Sektionsleiterin des Implant Centrums Freiburg (ICF), wird in einer 45-minütigen Vorlesung unter anderem erklären, wie das Gehör funktioniert, was es kann und was ihm schadet. Darüber hinaus zeigt sie, wie taube Kinder wieder hören lernen können. Die Kinder haben während der Vorlesung die Möglichkeit, ihre Fragen direkt an die Expertin zu richten.

Bitte beachten: Teilnehmen können nur Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren. Jedes Kind darf eine erwachsene Begleitperson mitbringen.

Nach der 45-minütigen Vorlesung gibt es ein kleines Picknick im Klinikpark.

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Veranstaltung bildet den Auftakt für weitere medizinische Vorlesungen für Kinder.

Das kleine Buch vom achtsamen Essen

Mit 7-Tage-Programm, Übungen und Rezepten

Das kleine Buch vom achtsamen EssenGute und achtsame Ernährung macht nicht nur gesünder, sondern auch glücklicher. Bewusstes Essen und achtsame Zubereitung, verbunden mit den Prinzipien der chinesischen Medizin, stärkt Ihre „Mitte“. Die Ernährungsexpertin Dr. Antonie Danz zeigt, dass dies nicht nur unsere Freude am Leben fördert, sondern auch die Vitalität stärkt und mehr Gelassenheit im Alltag schenkt. Dafür stellt sie hier einige einfache Grundregeln auf, mit denen es Ihnen spielerisch gelingt, Essen wieder sinnlicher und zufriedener zu erleben.

Man kann ein schöes Essen sogar allein genießen, wenn mal gerade niemand da ist, der Gesellschaft leistet. Probieren Sie es einfach einmal aus. Sie werden überrascht sein.

Bereiten Sie sich ihr Lieblingsessen zu. Decken Sie den Tisch mit ihrem schönsten Geschirr und konzentrieren Sie sich ganz und gar auf ihr gutes Essen. Sie werden sehen, dass dies viel Freude machen kann.

Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Konstantin Wecker singt in einem seiner Lieder: „Wer nicht genießt, ist ungenießbar“.

 

 

Brustkrebs-Diagnostik: Neue Methode weist Tumor über Urin nach

Test erkennt veränderten Zell-Stoffwechsel

Pilotstudie bringt über 90 Prozent Prognosesicherheit

 Mit Hilfe so genannter Microarrays können Wissenschaftler die Konzentration von Hunderten Molekülen, in diesem Fall von Mikro-RNA, gleichzeitig bestimmen. Jeder Punkt steht hierbei für ein Molekül, die Farbintensität wird durch die Konzentration bestimmt.   Bildrechte: Universitätsklinikum Freiburg

Mit Hilfe so genannter Microarrays können Wissenschaftler die Konzentration von Hunderten Molekülen, in diesem Fall von Mikro-RNA, gleichzeitig bestimmen. Jeder Punkt steht hierbei für ein Molekül, die Farbintensität wird durch die Konzentration bestimmt.
Bildrechte: Universitätsklinikum Freiburg

Forscherinnen und Forscher der Klinik für  Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg haben einen Ansatz entwickelt, Brustkrebs anhand von Urinproben nachzuweisen. Dafür ermittelten sie die Konzentration von Molekülen, die den Zell-Stoffwechsel steuern und in Krebszellen oft fehlreguliert sind. Diese als Mikro-RNA bezeichneten Moleküle gelangen über das Blut auch in den Urin. Anhand der Mikro-RNA- Zusammensetzung im Urin konnten die Wissenschaftler mit einer Sicherheit von 91 Prozent feststellen, ob eine Probandin gesund oder krank war. Für die Messung genügte die Bestimmung von nur vier Mikro-RNAs. Sollte sich das Verfahren in weiteren Studien bestätigen, könnte es künftig zur Kontrolle des Behandlungserfolgs und möglicherweise auch in der Früherkennung von Brustkrebs eingesetzt werden. Die Freiburger Wissenschaftler haben die Ergebnisse in der Fachzeitschrift BMC Cancer veröffentlicht und die Methode als Patent angemeldet.

Jede achte Frau in Deutschland erkrankt an Brustkrebs, der häufigsten Tumorart bei Frauen. Mehr als 17.000 Frauen sterben jährlich daran. Bislang wird die Erkrankung meist durch Mammografie oder Ultraschall festgestellt und mit einer Gewebeentnahme gesichert. Doch Strahlenbelastung, falsch-positive Befunde und die Belastung durch einen invasiven Eingriff bringen die Methoden immer wieder in die Kritik.

Experimenteller Test bringt bereits hohe Sicherheit

Prof. Dr. Elmar Stickeler, Ärztlicher Leiter der Senologie, Klinik für Frauenheilkunde und Leiter des Brustzentrums des Universitätsklinikums Freiburg, hat nun mit seinem Team einen Urin-Test entwickelt, mit dem der Tumor aufgrund des veränderten Stoffwechsels nachgewiesen werden kann. Die Forscher maßen die Konzentrationen von neun Mikro-RNAs im Urin, kurzen Erbgut-Abschriften, die den Zell-Stoffwechsel steuern. Vier der neun Moleküle wiesen zwischen Gesunden und Erkrankten deutliche Konzentrationsunterschiede auf.

„Wir konnten erstmals zeigen, dass bei Brustkrebs das Mikro-RNA-Profil im Urin charakteristisch verändert ist“, sagt Prof. Stickeler. „Mikro-RNAs dürften sich also grundsätzlich für einen Brustkrebs-Test eignen.“ Anhand des Mikro-RNA-Profils konnten die Forscher wiederum mit einer Sicherheit von 91 Prozent darauf schließen, ob eine Probandin gesund oder krank war. „Die Diagnose-Sicherheit unserer Methode war damit  sehr hoch“, sagt Prof. Stickeler.

Die Studie umfasste 24 gesunde Probandinnen und 24 Frauen, bei denen kürzlich ein Brusttumor diagnostiziert worden war. Die Patientinnen befanden sich in den Tumorstadien 1, 2 oder 3. In weiteren Untersuchungen muss die Methode nun mit größeren Patientengruppen bestätigt werden.

Methode bereits als Patent angemeldet

Das Verfahren wurde von den Wissenschaftlern bereits als Patent angemeldet. „Der große Vorteil unserer Methode ist, dass wir nur ein paar Milliliter Urin benötigen und kein Blut oder gar Gewebe“, sagt Prof. Stickeler. Das macht das Diagnose-Verfahren sehr attraktiv für kontinuierliche Messungen, etwa zur Kontrolle des Therapieerfolgs.  „Unser Verfahren könnte dazu führen, dass mehr Frauen eine solche Untersuchung wahrnehmen und so Brustkrebs früher erkannt wird“, so Prof. Stickeler weiter. Das hätte enorme Vorteile: „Je früher der Brustkrebs erkannt wird, desto besser können wir ihn behandeln. Frühzeitig festgestellt ist er heute in den meisten Fällen heilbar“, sagt Prof. Stickeler.

Nach einer Diagnose wird das bösartige Gewebe in der Regel operativ entfernt. Anders als früher können die Ärzte mittlerweile meist die Brust erhalten. An die Operation schließt oft eine Chemo-, Antihormon- oder Antikörpertherapie an. Bei inoperablen Tumoren kann eine Hochpräzisionsbestrahlung in Erwägung gezogen werden.

Original-Titel der Arbeit: Feasibility of urinary microRNA detection in breast cancer patients and its potential as an innovative non-invasive biomarker.

DOI: 10.1186/s12885-015-1190-4

Dies scheint wirklich ein enormer Fortschritt in der Brustkrebsdiagnose zu sein. Bleibt zu hoffen, dass sich die Ergebnisse mit einer größeren Anzahl von Probandinnen bestätigen werden.

Professionelles Rauchfrei-Programm

Kurs zur Raucherentwöhnung im Universitäts-Herzzentrum

Möchten Sie gerne mit dem Rauchen aufhören? Ärgern Sie sich über die steigenden Tabakkosten? Spüren Sie, dass Ihnen schneller die Puste ausgeht? Ist Ihnen das Rauchen vor Ihren Kindern peinlich? Haben Sie Angst vor Gesundheitsschäden durch das Rauchen? Eine von den Krankenkassen anerkannte Maßnahme zur Tabakentwöhnung ist das Rauchfrei-Programm der IFT-Gesundheitsförderung und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA (www.rauchfrei-programm.de).

Im Universitäts-Herzzentrum Standort Bad Krozingen (Südring 15, Bad Krozingen) wird am Dienstag, den 16. Juni 2015, um 19 Uhr eine Informationsveranstaltung zu diesem Rauchfrei-Programm angeboten. Der Kompaktkurs zu Raucherentwöhnung findet dann an folgenden Dienstag-Terminen statt: 23. Juni, 30. Juni und 07. Juli 2015 jeweils von 18.00 Uhr bis 21.00 Uhr. Die Kosten von 250 Euro werden bei vollständiger Teilnahme von den gesetzlichen Krankenkassen teilerstattet (75 Euro bis 120 Euro). Individuelle Telefontermine und das Teilnehmerhandbuch des IFT sind in der Kursgebühr enthalten.

Nähere Informationen und Anmeldung
beim Patienten-Informations-Zentrum des UHZ:
Telefon: 07633 402-5300
piz@universitaets-herzzentrum.de

Stiftung Gesundheit zeichnet Radio-Feature über Zucker aus

Publizistik-Preis 2015 für Ulrike Klausmann

Der Publizistik-Preis 2015 geht an Ulrike Klausmann für ihren Hörfunkbeitrag „Die Achse des Süßen – Eine kleine Kulturgeschichte des Zuckers“, gesendet am 30.11.2014 im Deutschlandfunk. Der Preis wurde auf dem Jahresempfang der Stiftung Gesundheit am 20. Mai 2015 in Berlin verliehen.

Er macht glücklich, kann trösten, aber auch Krankheiten fördern: der Zucker. Das Feature erzählt seine Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Menschen aus verschiedenen Kulturen berichten, was das weiße Gold für die Menschen in ihrer Heimat bedeutet. Zu Wort kommen auch ein Vertreter der Zuckerwirtschaft und ein Kritiker der Nahrungsmittelindustrie. „Ein wundervoll vielschichtiger, abwechslungsreicher, intelligenter, informativer und dabei extrem unterhaltsamer Feuilleton-Beitrag zu einem uralten Thema, das immer brisanter wird“, so das Urteil die Jury.

Mit dem zweiten Platz würdigt die Jury das Buch „Nüchtern – Über das Trinken und das Glück“ von Daniel Schreiber, erschienen im Hanser Berlin Verlag. Den dritten Platz erreichte Sarah Bernhard mit der Artikelreihe „Tod und Sterben – Übers Sterben reden“, erschienen im Nordbayerischen Kurier.

Mit dem Publizistik-Preis zeichnet die Stiftung Gesundheit jährlich journalistische Arbeiten aus, die gesundheitliches Wissen insbesondere für Laien in hervorragender Weise anschaulich vermitteln und Zusammenhänge transparent machen. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.

Darmbakterien sorgen für gesundes Gehirn

Darmbakterien steuern Reifung und Funktion von Immunzellen des Gehirns / Zersetzte Ballaststoffe dienen als Botenstoffe zwischen Darm und Gehirn / Veröffentlichung in Nature Neuroscience

gesunde Mikroglia eines Tieres mit Darmflora; Mitte: ohne Darmflora sind die Mikroglia unreif; Rechts: Tiere ohne Darmflora, die ein bakterielles Abbauprodukt fressen, besitzen gesunde Mikroglia Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg

Gesunde Mikroglia eines Tieres mit Darmflora; Mitte: ohne Darmflora sind die Mikroglia unreif;
Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg

(01.06.2015) Die Besiedlung des Darms mit Bakterien beeinflusst lebenslang die Immunabwehr des Gehirns und damit möglicherweise auch den Verlauf von Hirnerkrankungen wie Alzheimer und Multipler Sklerose. Dies hat  ein Team um Neuropathologen des Universitätsklinikums Freiburg erstmals an Mäusen festgestellt. Wie die Wissenschaftler nun zeigen konnten, wird die Funktion von Fresszellen des Gehirns, so genannte Mikroglia, durch Abbauprodukte von Darmbakterien gesteuert. Insbesondere bei der Zersetzung von Ballaststoffen produzieren Bakterien kurzkettige Fettsäuren, die für die korrekte Funktion der Mikroglia benötigt werden. Mäuse, deren Darm keine Bakterien enthielt, entwickeln unreife und verkümmerte Mikroglia. Wurde  später eine Darmflora etabliert, waren auch die Mikroglia-Zellen wieder gesünder. Die Studie gibt nicht nur Hinweise auf die mögliche Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen, sondern auch auf die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung für die Vorbeugung von Gehirnerkrankungen. Ihre Ergebnisse präsentieren die Forscher in der Juli-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature Neuroscience und vorab in der Online-Ausgabe der Zeitschrift.

Mikroglia sind die sogenannten Fresszellen des Gehirns, auch Gehirn-Makrophagen genannt. Sie beseitigen eingedrungene Keime und abgestorbene Nervenzellen und sind an der lebenslangen Formbarkeit des Gehirns beteiligt. Fehlgesteuerte Mikroglia-Zellen spielen bei mehreren Hirnerkrankungen eine Rolle. Wie die Reifung und Aktivierung dieser Zellen gesteuert wird, war bislang unklar.

Ohne Darmbakterien verkümmern die Immunzellen des Gehirns

Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg

Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg

Prof. Dr. Marco Prinz, Ärztlicher Direktor des Instituts für Neuropathologie am Universitätsklinikum Freiburg und assoziiertes Mitglied des BIOSS Centre for Biological Signalling Studies Freiburg, leitete die Forschungsgruppe mit Mitgliedern aus Freiburg, Rehovot (Israel), München, Mainz, Köln, und Bern (Schweiz). Gemeinsam mit den Erstautoren Dr. Daniel Erny und Anna Lena Hrabě de Angelis konnte er erstmals bei Mäusen zeigen, dass ein intaktes Immunsystem des Gehirns von einer gesunden bakteriellen Darmflora abhängt. Dafür untersuchten sie Tiere, die in einer komplett sterilen Umgebung aufgezogen und gehalten wurden. Diese besaßen verkümmerte und unreife Mikroglia, die auf Entzündungsreize im Hirn kaum reagierten. „Unsere Ergebnisse weisen auf einen ständigen Informationsfluss zwischen Darmbakterien und Hirnmakrophagen hin“, sagt Prof. Prinz.

Auch Tiere, deren Darmbakterien durch eine vierwöchige Antibiotika-Therapie abgetötet worden waren, wiesen eine gestörte Immunantwort auf. Im Kontakt mit gesunden Tieren etablierte sich bei den zuvor steril gehaltenen Tieren schnell eine Darmflora. Dies hatte einen positiven Einfluss auf die Immunabwehr. Dabei galt: „Je größer die Vielfalt der Darmbakterien war, desto besser entwickelten sich auch die Mikroglia“, fasst der Neuropathologe zusammen

Zersetzte Ballaststoffe steuern Immunreaktion im Gehirn

Die Forscher zeigten, dass kurzkettige Fettsäuren als Botenstoff zwischen Darmflora und Mikroglia dienen. Diese werden bei der bakteriellen Verwertung von Ballaststoffen, Milchprodukten und weiteren Nahrungsmitteln produziert. Über das Blut könnten sie ins Gehirn gelangen und dort Mikrogliazellen helfen, Entzündungsreaktionen schnell und effizient zu bekämpfen. „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, wie wichtig für die geistige Gesundheit eine ausgewogene Ernährung ist, die zur bakteriellen Bildung von kurzkettigen Fettsäuren beiträgt“, sagt Prof. Prinz.

Hat die Darmflora auch Einfluss auf Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose?

Die Studie dürfte auch für den Menschen eine hohe Relevanz haben. „Die Ergebnisse passen sehr gut zu früheren klinischen Studien und zu Untersuchungen anderer Forschungsgruppen“, so Prof. Prinz. So werden Autoimmunerkrankungen des Darms wie Morbus Crohn mit einem Mangel an kurzkettigen Fettsäuren in Verbindung gebracht. Hier wird seit einiger Zeit die Behandlung durch eine so genannte Stuhltransplantation geprüft, bei der die Darmflora von einem auf einen anderen Menschen übertragen wird. Wie groß der Einfluss der Darmflora auf Funktion und Entwicklung des Gehirns beim Menschen genau ist, müssen zukünftige Studien prüfen.

Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg

Original-Titel der Arbeit: Host microbiota constantly control maturation and function of microglia in the CNS

DOI: 10.1080/15592294.2015.1039216

Link zum Journal: www.nature.com/neuro/index.html

Kurzes Video-Interview zur Studie mit Prof. Marco Prinz

Rückenschmerzpatienten für Studie gesucht

Universitätsklinikum Freiburg untersucht Wirksamkeit von medizinischen Tapeverbänden

Die Sektion Komplementärmedizinische Evaluationsforschung an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und das Uni-Zentrum für Naturheilkunde am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg starten eine gemeinsame klinische Studie zur Wirksamkeit des sogenannten Medi-Tapings bei Rückenschmerzen und suchen dafür Probandinnen und Probanden, die unter chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich leiden. Die Studie läuft ab Juni 2015 und dauert drei Monate.

Die Medi-Taping-Methode wurde vom Allgemeinmediziner Dr. Dieter Sielmann entwickelt und setzt sich aus einer Triggerpunktbehandlung entlang der Halswirbelsäule und dem Anbringen von elastischen Tapes zusammen. In der bisherigen Erprobung im Praxisalltag zeigte das Verfahren gute Effekte und führte bei vielen Patienten zu einer deutlichen Schmerzreduktion.

Die Studienteilnehmer werden zufällig auf zwei Gruppen verteilt. Eine Patientengruppe wird mit den Tapeverbänden behandelt, die andere Gruppe erhält Physiotherapie. Die Teilnehmenden der Gruppe, die Physiotherapie erhält, bekommen  nach Abschluss der Studie (3 Monate) die Möglichkeit, ebenfalls die kombinierte Behandlung aus medizinischen Tapeverbänden und Triggerpunkttherapie zu erhalten.

Teilnehmen können Personen, die seit mindestens drei Monaten an unspezifischen Schmerzen im unteren Rückenbereich leiden – das bedeutet, dass keine spezifische Ursache (zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall) bekannt ist – und derzeit keine andere Behandlung in Anspruch nehmen.

Die Behandlung findet einmal wöchentlich in drei aufeinander folgenden Wochen statt und dauert jeweils ca. 20 bis 30 Minuten. Ein Kontrolltermin findet nach zwei Monaten statt. Die Studie ist kostenfrei.

Bei Interesse an der Studienteilnahme schreiben Sie bitte eine E-Mail an helene.rieche@uniklinik-freiburg.de oder hinterlassen eine Nachricht unter der Telefonnummer 0761 270 – 68823. 

Freiburger Diabetes-Forscher erhalten angesehene Förderpreise

Diabetologie des Universitätsklinikums Freiburg für Projekte zu Schwangerschaftsdiabetes und zur endoskopischen Diabetes-Behandlung ausgezeichnet / Über 22.000 Euro Förderung

Hochrangige Projektförderpreise und Reisestipendien wurden an fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg am 16. Mai 2015 auf der Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin vergeben. Ausgezeichnet wurden Projekte zu Schwangerschaftsdiabetes und zur endoskopischen Diabetes-Behandlung. Drei Nachwuchswissenschaftler erhielten für ihre Arbeiten Reisestipendien. „Die Auszeichnungen durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft mit Förderpreisen und Reisestipendien zeigt die hohe wissenschaftliche Aktualität der Forschung in unserer Abteilung, sowie deren Außenwirksamkeit“, betont Prof. Dr. Jochen Seufert, Leiter der Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg.

Portrait Dr. Katharina Laubner Bild 2 - Portrait Dr. Nikolaos Perakakis Bildrechte: Universitätsklinikum Freiburg

Portrait Dr. Katharina Laubner
Bildrechte: Universitätsklinikum Freiburg

Dr. Katharina Laubner, Oberärztin der Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie, wurde mit einem Projekt-Förderpreis über 12.000 Euro ausgezeichnet. In dem demnächst anlaufenden klinisch experimentellen Projekt wird eine neue endoskopische Methode zur Behandlung des Diabetes mellitus und zur Gewichtsreduktion untersucht. Bei der Methode wird ein dünner Schlauch in den Darm implantiert, der als physikalische Barriere zwischen Darmwand und aufgenommener Nahrung dient. Die Forscher überprüfen insbesondere den Einfluss des Eingriffs auf Zuckerstoffwechsel, Darmhormone und Darmbakterien. Hieraus können neue Erkenntnisse zur Behandlung des Diabetes mellitus bei sehr übergewichtigen Menschen gewonnen werden.

Portrait Dr. Nikolaos Perakakis Bildrechte: Universitätsklinikum Freiburg

Portrait Dr. Nikolaos Perakakis
Bildrechte: Universitätsklinikum Freiburg

Dr. Nikolaos Perakakis erhielt einen mit 10.000 Euro dotierten Projekt-Förderpreis. In diesem Projekt wird der Einfluss von Genmutationen auf den Zuckerstoffwechsel bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes untersucht. Die Ergebnisse dieser Studien können dazu beitragen, in Zukunft das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes, aber auch für eine Zuckerkrankheit im höheren Lebensalter besser vorherzusagen und früher zu behandeln.

Darüber hinaus wurden die Doktorandinnen  Lena Arend, Bojana Mihic-Necic und der Doktorand Amir Mehana für ihre Forschungsarbeiten mit Reisestipendien zur Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Berlin ausgezeichnet.   Die Deutsche Diabetes Gesellschaft vergibt jährlich Projektförderungen und Förderpreise für innovative klinische und experimentelle Forschungsprojekte in der Diabetologie. Die Projekte müssen sich in einem strengen Begutachtungsverfahren durchsetzen.

Forschungspreise der DDG

Einblick in die Liste der Geldgeber: http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/forschung/ddg-forschungspreise.html

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Aktionstag „Chronisch entzündliche Darmerkrankungen“
Morbus Crohn-Patienten brauchen individuelle Therapie

Berlin – Deutet sich bei Morbus Crohn ein komplizierter Krankheitsverlauf an, sollten Mediziner schon früh eine immunsuppressive Therapie erwägen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in ihrer neuen Leitlinie „Morbus Crohn und Colitis ulcerosa“. Dies könnte den Patienten eine Dauertherapie mit Kortison und deren schwere Nebenwirkungen ersparen. Anlässlich des bundesweiten Aktionstages „Chronisch entzündliche Darmerkrankungen“ der Gastro-Liga am 19. Mai 2015, weist die Fachgesellschaft auf besondere Risikofaktoren hin, die einen komplizierten Krankheitsverlauf der Darmkrankheit ankündigen.

Morbus Crohn hat viele Gesichter: „Die Behandlung ist deshalb immer eine Herausforderung, denn die Krankheit verläuft bei jedem Betroffenen anders und es lässt sich schwer vorhersagen, welche Patienten auf welche Therapie dauerhaft ansprechen“, erklärt DGVS- Expertin Professor Dr. med. Britta Siegmund, Direktorin der Medizinischen Klinik I mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie an der Charité Campus Benjamin Franklin, Berlin. Besonders schwierig sei zu entscheiden, wann Immunsuppressiva zum Einsatz kommen sollten. Das sind Medikamente, die die körpereigene Abwehr eindämmen und so Entzündungsprozessen entgegenwirken, beispielsweise „TNF-Antikörper“.

Bestimmte Anhaltspunkte helfen dabei, gemeinsam mit dem einzelnen Patienten die richtige Entscheidung zu treffen. Für die „frühe, intensive Therapie“ kommen insbesondere Patienten in Frage, die eine floride Entzündung im Dickdarm haben oder deren Dünndarm von der Entzündung betroffen ist, die jünger als 40 Jahre alt sind, die aufgrund der starken Entzündung bereits bei der Erstdiagnose ein „systemisch“ wirksames Kortison bekommen mussten und die unter Fisteln leiden. Sind diese Risikofaktoren vorhanden oder besteht eine aktive Erkrankung, die nicht zu kontrollieren ist, sollte frühzeitig – also unter Umständen schon in den ersten Monaten – eine immunsuppressive Therapie eingeleitet werden, so Siegmund.

„Bei Morbus Crohn-Patienten richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper“, erklärt Siegmund. „Warum das so ist, verstehen wir nicht in allen Details.“ In Teilen scheint die Krankheit vererbt, aber Umwelteinflüsse nehmen eine sehr viel größere Rolle ein. Rauchen verschlimmert den Verlauf der Krankheit und begünstigt auch das Rückfallrisiko.

In Deutschland leiden bis zu 150 000 Menschen an Morbus Crohn. Ärzte finden bei ihnen eine chronische Entzündung, die jeden Abschnitt des Verdauungstrakts befallen kann, meist jedoch den Darm betrifft. Die Krankheit bricht oft in jungen Jahren aus und kehrt in Schüben wieder. Das Ziel einer Behandlung ist es, die Symptome wie Durchfall, starke Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust zu lindern und die beschwerdefreie Phase so weit wie möglich zu verlängern, im Idealfall ein weitestgehend normales Leben zu ermöglichen.

Individualisierte Therapiekonzepte sind in diesem Jahr das zentrale Thema des Aktionstages „Chronisch entzündliche Darmerkrankungen“, der anlässlich des „World Inflammatory Bowel Disease“-Tages am 19. Mai 2015 stattfindet. Die Gastro-Liga organisiert an diesem Tag bundesweit Veranstaltungen und Experten-Hotlines. Betroffene und Interessierte können sich über das Krankheitsbild und die Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Informationen im Internet:

http://www.dgvs.de/leitlinien/

http://www.gastro-liga.de/