Stuttgart – Armut ist auch in Deutschland ein Herz-Kreislauf-Risiko. Experten führen die erhöhte Zahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen bei Menschen mit benachteiligtem sozioökonomischen Hintergrund unter anderem auf soziale Stressoren zurück. In der Fachzeitschrift „Aktuelle Kardiologie“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2018) erklären sie, dass diese auch schon im Kindes- und Jugendalter auftreten und langfristige Auswirkungen haben können. Die Vorbeugung kardiovaskulärer Erkrankungen sollte daher bereits in Kindheit und Jugend ansetzen.
Die internationalen Studienergebnisse, auch aus Deutschland, sind eindeutig. Menschen aus sozial benachteiligten Verhältnissen erleiden zwei- bis dreimal häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als Menschen, die unter besseren Bedingungen leben. Trotz weitgehend gleicher Behandlung im Krankenhaus erholen sie sich schlechter. „So verkürzt ein Herzinfarkt das Leben der Betroffenen in ärmeren Bevölkerungsschichten um rund fünf Jahre. Patienten mit höherem Einkommen verlieren nur etwa dreieinhalb Jahre“, erläutert Privatdozent Dr. Thomas Lampert vom Robert Koch-Institut in Berlin. Ärmere Menschen haben in Deutschland insgesamt eine um mehr als fünf Jahre kürzere Lebenserwartung. Betrachtet man ausschließlich die Lebensjahre, die in guter Gesundheit verbracht werden, so beträgt der Verlust sogar mehr als zehn Jahre.
Ein ungesünderer Lebensstil erklärt den Unterschied nach Einschätzung von Dr. Lampert nur teilweise. Es sei richtig: Ärmere Menschen rauchen in Deutschland häufiger und sind eher übergewichtig. Sie ernähren sich ungesünder und bewegen sich weniger. Zum Teil sind sie am Arbeitsplatz auch ungesunden Belastungen ausgesetzt. Es gibt aber auch psychische Stressoren. Dazu zählt Dr. Lampert beispielsweise hohe Arbeitsanforderungen in Kombination mit geringer Selbstbestimmung. Experten sprechen hier von „Job Strain“. Aber auch „Gratifikationskrisen“ erhöhen das Herzinfarktrisiko: Solche entstehen durch das empfundene Missverhältnis von persönlichem Engagement am Arbeitsplatz und dem gezahlten Lohn oder das fehlende Lob durch Kollegen und Vorgesetzte.
Vielen ärmeren Menschen fehlt es zudem an sozialen Kontakten. Diese sind wichtig, um in schwierigen Situationen Rückhalt zu haben. Der Verlust des Partners oder des Arbeitsplatzes führten bei ihnen schneller zu Lebenskrisen. Die fehlende soziale Unterstützung ist vermutlich aber nicht nur für die Bewältigung solcher Erlebnisse wichtig. Sie trägt auch zu einer adäquaten Wahrnehmung und Bewertung dieser Belastungen bei und steuert so die Intensität und die Dauer der Stressreaktion: Ärmere Menschen gehen seltener zum Arzt und reagieren später auf gesundheitliche Beschwerden, so Lampert.
Dr. phil. Morten Wahrendorf rückt Stresserfahrungen in Kindheit und Jugend als Ursache für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Fokus. Zu den Belastungen, die für Kinder das Herzinfarktrisiko im Alter erhöhen, zählen Konflikte in der Familie, Misshandlungen, traumatische Erlebnisse und emotionale Vernachlässigung. In seinem Beitrag zieht der Medizinsoziologe vom Institut für Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Düsseldorf auch Daten aus der europaweit durchgeführten Studie “Survey of Health Ageing and Retirement“ kurz SHARE heran. Über 27000 Menschen über 50 Jahren wurden dabei zu Kindheitserfahrungen interviewt und ihre Antworten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Alter in Beziehung gesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass eine geringe berufliche Qualifikation des Vaters, ein niedriger Bildungsstand und schlechte, beengte Wohnbedingungen langfristig das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen, so Dr. Wahrendorf. „Kindern und Jugendlichen ein sicheres, stabiles und von Armut freies Umfeld zu ermöglichen, könnte deshalb effizienter als die Behandlung einer Erkrankung im Alter sein“, gibt er zu bedenken.
Die Kindheit könnte eine kritische Phase sein, in der Handlungsmuster erlernt werden oder der Körper auf eine vermehrte Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Kortison geprägt werde. Diese Hormone werden für die Schädigung der Blutgefäße mitverantwortlich gemacht, die im Alter zur Gefäßverkalkung führt. Es könnte aber auch sein, dass für manche Menschen die Kindheit nur der Beginn eines stressgeprägten Lebenslaufs ist, der mit einer ständigen Zunahme der Gesundheitsbelastung verbunden ist.
Patientenforum zum Thema „Chronischer
Schmerz“ am Universitätsklinikum Freiburg / Vorträge und Workshops für
Betroffene und Angehörige
Im Rahmen des 17.
Schmerztherapeuten-Treffens 2018 lädt das Interdisziplinäre
Schmerzzentrum des Universitätsklinikums Freiburg Betroffene und
Interessierte ein
am Samstag, 17. November 2018 ab 14 Uhr zu einem Patientenforum „Chronischer Schmerz“ im Gebäude der Klinik für Tumorbiologie des Universitätsklinikums Freiburg, Breisacher Str. 117.
Referenten der Selbsthilfegruppen SchmerzLOS e.V.
und des Bundesverbands Clusterkopfschmerz zeigen gemeinsam mit Ärzten
und Physiotherapeuten des Universitätsklinikums Freiburg in Vorträgen
verschiedene Perspektiven zum Thema „Schmerz und Schmerztherapie“ auf.
Heike Norda, Vorsitzende der Patientenselbsthilfegruppe SchmerzLoS e.V., und Eileen Kölble,
Fachbereich Schmerz der Zentralen Physiotherapie am Interdisziplinäres
Schmerzzentrum des Universitätsklinikums Freiburg, sprechen um 14 Uhr im Konferenzraum E079/1 über „Wege aus der Schmerzfalle“ und „Physiotherapie im multimodalen Konzept“.
Nach den Vorträgen gibt es die Möglichkeit Fragen zu stellen. Ebenfalls um 14 Uhr findet
der Clusterkopfschmerz-Patiententag des Bundesverbands der
Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppe (CSG) im Konferenzraum E079 statt.
Dr. U. Pec Z. Molnar wird zum Thema „Blockade des Pterygoplatinums“ sprechen. Des Weiteren hält Thomas Dietrich, Apotheker aus Freiburg, einen Vortrag über Triptanspritzen zur Behandlung von Clusterkopfschmerzen. Im Anschluss erklärt Andrea Bihler vom Sozialverband VdK, welche Aspekte beim Grad der Behinderung zu beachten sind.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei. Da die Plätze begrenzt sind, wird um Anmeldung unter 0761 270-50200 oder -93490 gebeten.
Kriterienkatalog unterstützt die Bewertung von Gesundheits-Apps
Im Forschungsprojekt »APPKRI – Kriterien für Gesundheits-Apps«, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG), hat Fraunhofer FOKUS einen umfassenden Kriterienkatalog für die Bewertung von Gesundheits-Apps entwickelt. Die frei zugängliche Webanwendung wurde am 6. November freigeschaltet.
Derzeit nutzen in Deutschland etwa 81% der Menschen älter als 13
Jahre Smartphones. Etwa ein Drittel der Bevölkerung hat bereits eine App
mit Bezug zu Gesundheitsthemen auf dem Smartphone oder Tablet
installiert. Das Angebot von weit über 100.000 Gesundheits-Apps in den
App-Stores von Google und Apple erstreckt sich über verschiedene
Anwendungsbereiche von der Bereitstellung von Informationen und
Schulungen zu Gesundheitsthemen über die Verwaltung von Gesundheitsdaten
oder die Einschätzung von Gesundheitszuständen bis hin zu
diagnostischen und therapeutischen Ansprüchen.
Bisher besteht der Großteil der verfügbaren Informationen zu Inhalten
von Apps aus Werbetexten, Beschreibungen und Rezensionen anderer
App-Nutzer. Neutrale, transparente Bewertungsangebote, welche die Nutzer
bei der Entscheidung für eine geeignete Gesundheits-App unterstützen
können, fehlen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurde im Rahmen des vom
Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekts »AppKri –
Kriterien für Gesundheits-Apps« ein umfassender Meta-Katalog von
Kriterien entwickelt. Er kann Akteure wie Patientenverbände,
medizinische Fachgesellschaften und andere bei der systematischen
Bewertung und Empfehlung von Gesundheits-Apps unterstützen.
Der Leiter des Innovationszentrums »Telehealth Technologies« am
Fraunhofer FOKUS und Projektleiter von AppKri, Dr. Jörg Caumanns,
betont: »Unser Ziel ist es, eine fundierte und transparente Bewertung
von Gesundheits-Apps zu unterstützen, damit gute Produkte für die Nutzer
leicht erkennbar werden. Im Dialog mit der Fachöffentlichkeit haben wir
den Meta-Kriterienkatalog in der Pilotphase über mehrere Monate hinweg
getestet und ergänzt. Weitere Hinweise und Vorschläge von Nutzerseite
sind für uns sehr willkommen und werden über ein Kommentierungsformular
von uns entgegengenommen.«
Im Projekt wurde auf Basis vorliegender Arbeiten eine offene Sammlung
von möglichen Qualitätsanforderungen an Gesundheits-Apps vorgenommen
und in Form von ca. 300 Kriterien über ein semantisches Netz
systematisiert. Die auf dem Ontologieserver CTS2-LE des Fraunhofer FOKUS
aufsetzende Webanwendung stellt diese zur Verfügung und unterstützt
Multiplikatoren wie Organe der Selbstverwaltung, einzelne Kostenträger,
medizinische Fachgesellschaften, medizinische Verbände und Einrichtungen
des Verbraucherschutzes bei der App-Bewertung: Aus einem sehr breiten
Spektrum an Themen und Perspektiven, das von Datenschutz und
Datensicherheit über Interoperabilität und Funktionalitäten bis hin zu
Verbraucherschutz, Gesundheitskompetenz und Nutzerfreundlichkeit reicht,
können nach dem Baukastenprinzip Kriterien ausgewählt und zu einem
Prüfkatalog zusammengestellt werden, der spezifisch auf die jeweils in
den Blick genommene Indikation,
Zielgruppe, Einsatzsituation etc. zugeschnitten ist. Die so erstellten
Kataloge können im PDF- oder FHIR-Format exportiert und
weiterverarbeitet werden.
Der mit einer Zuwendung des BMG entwickelte Meta-Kriterienkatalog für
Gesundheits-Apps steht als Web-Anwendung ab sofort zur freien Nutzung
zur Verfügung. Der Katalog ist erreichbar unter: http://www.appkri.de
Der Ontologieserver CTS2-LE
Der Ontologieserver CTS2-LE bietet eine vollständig auf internationalen
Standards basierende Plattform zur Verwaltung und Bereitstellung von
Terminologien und semantischen Netzen. Neben Import-Adaptern für
Standard-Terminologien wie z. B. ICD, LOINC, OPS, ATC oder SNOMED CT
bietet CTS2-LE vielfältige Möglichkeiten zur Definition eigener
Terminologien und Wertemengen sowie deren Vernetzung zu beliebig
komplexen semantischen Netzen. Standard-Schnittstellen (IHE SVS, HL7
CTS2, FHIR REST, SPARQL REST) erlauben Web-Portalen und anderen
Anwendungen einen performanten Zugriff auf die im CTS2-LE verwalteten
Vokabulare, z. B. zum dynamischen Aufbau von Auswahllisten, zur
Einbindung externer Wissensnetze oder zur Umsetzung mehrsprachiger
Web-Angebote.
Fraunhofer FOKUS
Fraunhofer FOKUS erforscht die Digitale Vernetzung und ihre Auswirkungen
auf Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie. Seit 1988 unterstützt es
Wirtschaftsunternehmen und öffentliche Verwaltung in der Gestaltung und
Umsetzung des digitalen Wandels. Dazu bietet Fraunhofer FOKUS
Forschungsleistungen von der Anforderungsanalyse über Beratung,
Machbarkeitsstudien, Technologieentwicklung bis hin zu Prototypen und
Piloten in den Geschäftsbereichen Digital Public Services, Future
Applications and Media, Quality Engineering, Smart Mobility,
Software-based Networks, Vernetzte Sicherheit, Visual Computing und
Analytics an. Mit rund 430 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Berlin
und einem jährlichen Budget von 30 Millionen Euro ist Fraunhofer FOKUS
das größte IKT-Institut der Fraunhofer-Gesellschaft. Es erwirtschaftet
rund 70 Prozent seines Budgets aus Aufträgen der Industrie und der
öffentlichen Hand.
WIESBADEN – Im Jahr 2017 waren 62 % der erwachsenen Männer in
Deutschland übergewichtig. Gegenüber der letztmaligen Erhebung von 2013
bleibt der Anteil damit unverändert. Dies teilt das Statistische
Bundesamt (Destatis) anlässlich des Weltmännertags am 3. November mit,
einem internationalen Aktionstag zur Gesundheit von Männern. Der Anteil
übergewichtiger Frauen lag sowohl 2017 (43 %) als auch 2013 (44 %)
deutlich niedriger.
Übergewicht wird in der Regel anhand des sogenannten Body-Mass-Index
bestimmt. Dazu wird das Körpergewicht (gemessen in Kilogramm) durch das
Quadrat der Körpergröße (gemessen in Metern) geteilt. Diese Angaben
beruhen auf einer Selbstauskunft der im Mikrozensus befragten Personen.
Die Weltgesundheitsorganisation stuft Erwachsene mit einem
Body-Mass-Index über 25 als übergewichtig ein. Mit einem Wert über 30
gelten Erwachsene als stark übergewichtig oder adipös. Dies traf 2017
auf 18 % der Männer zu (2013: 17 %).
Der Anteil der Personen mit Übergewicht steigt mit zunehmendem Alter:
Mehr als 70 % der Männer ab 55 Jahren waren im Jahr 2017 übergewichtig.
Im Vergleich dazu lag der Anteil beispielsweise bei den 20- bis unter
25-jährigen Männern bei 33 %.
Erfreulich ist die Entwicklung bei den Rauchgewohnheiten: Im Jahr
2017 rauchten 27 % der erwachsenen Männer regelmäßig oder zumindest
gelegentlich. Der Anteil ist im Vergleich zu 2013 (30 %) gesunken.
Mit dem Alter nimmt die Regenerationsfähigkeit des Nervensystems ab; das Risiko für Nervenerkrankungen (Neuropathien) steigt. Forscher des Leibniz-Instituts für Alternsforschung in Jena haben mit Kollegen des Jenaer Universitätsklinikums und der Universität Bonn die Regeneration alternder Nerven untersucht. Sie fanden heraus, dass daran maßgeblich eine gestörte Immunantwort beteiligt ist, die zu einem chronischen Entzündungszustand führt. Zur Verbesserung der Nervenregeneration im Alter wiesen die Forscher die Wirksamkeit einer entzündungshemmenden Therapie nach und identifizierten vielversprechende Alternsmarker, die derzeit auf ihre Eignung als spezifische Therapieziele getestet werden.
Jena. Unzählige Nerven durchziehen den menschlichen Körper. Gemeinsam bilden sie das periphere Nervensystem, welches Gehirn und Rückenmark (das zentrale Nervensystem) mit dem Rest des Körpers verbindet, um Schmerz- und Sinneswahrnehmungen und Bewegungssignale weiterzuleiten. Störungen des peripheren Nervensystems haben große Auswirkungen auf die Lebensqualität und führen zu Beeinträchtigungen verschiedener Organfunktionen, reduzierter Sinneswahrnehmung und unspezifischem Schmerzempfinden. Umso wichtiger ist daher die gute Regenerationsfähigkeit, die einen lebenslangen Erhalt der Nervenfunktionen ermöglicht und sie nach Verletzungen wiederherstellt. Mit dem Alter nimmt diese Regenerationsfähigkeit jedoch ab, und mit ihr auch die Funktionalität des Nervensystems.
Bei der Regeneration peripherer Nerven spielt das Immunsystems eine wichtige Rolle. Im Alter ist die Immunantwort gestört und führt zu einer andauernden Entzündung, die die Regeneration stört. (Grafik: Lars Björn Riecken / FLI, Quelle: u.a. http://de.freepik.com)
Obwohl die altersbedingt abnehmende Regenerationsfähigkeit bereits
seit längerem bekannt ist, sind deren Ursachen größtenteils noch
unerforscht und Therapien bisher schwierig bis unmöglich. Forscher des
Leibniz-Instituts für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in
Jena konnten nun zusammen mit Kollegen des Jenaer Universitätsklinikums
und der Universität Bonn wichtige Einblicke in die zugrundeliegenden
molekularen und zellulären Vorgänge des Alterns von Nerven erlangen und
mögliche Therapieansätze identifizieren. Die Ergebnisse der Studie
wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Aging Cell veröffentlicht.
Chronische Entzündungsprozesse beeinträchtigen die Regeneration im Alter
Die Forscher untersuchten zunächst die Regenerationsfähigkeit des
peripheren Nervensystems im Mausmodell. Junge Mäuse regenerierten nach
einer Nervenverletzung deutlich schneller als alte Mäuse und zeigten
auch schneller eine vollständige Genesung. Alte Mäuse zeigten auch nach
längerer Regenerationszeit keine vollständige Wiederherstellung der
Nervenfunktionen.
„Das periphere Nervensystem ist ein sehr komplexes System, in dem
verschiedene Zelltypen eng miteinander kommunizieren und
zusammenarbeiten müssen,“ erläutert Dr. Helen Morrison,
Forschungsgruppenleiterin am FLI. „Dies ist umso wichtiger beim
Regenerationsprozess der Nerven, der zeitlich und räumlich hoch
koordiniert ablaufen muss, um erfolgreich zu sein.“ Die Hauptdarsteller
der Regeneration sind auswachsende Nervenzellen, unterstützende
Schwannzellen sowie Immunzellen – insbesondere Fresszellen -, die
helfen, den verletzten Nerv abzubauen und Zelltrümmer zu beseitigen, um
den Platz für regenerierende Nerven zu schaffen.
Frühere Studien haben gezeigt, dass speziell die Funktion von
Schwann- und Immunzellen durch den Alternsprozess beeinträchtigt wird.
Forscher waren bisher davon ausgegangen, dass das gealterte Immunsystem
in Folge einer Nervenverletzung nur unzureichend aktiviert werden kann,
bzw. dass deren Zellfunktion herabgesetzt ist. Es wurde eine
abgeschwächte Immunantwort als Ursache der verringerten Regeneration
vermutet, die den Bereich der Verletzung für die regenerierenden Nerven
nur unzureichend frei räumen kann.
„Dies scheint jedoch nur ein Teil der Geschichte zu sein“, so Robert
Büttner, der das Thema im Rahmen seiner Doktorarbeit am FLI bearbeitete
und Erstautor der Studie ist. „Wir beobachteten, dass die Immunantwort
in Folge einer Nervenverletzung zwar zunächst verringert ist, bei
näherer Beobachtung jedoch nur verzögert abläuft,“ so Büttner weiter.
„Alte verletzte Nerven zeigen stattdessen im weiteren Verlauf eine
verstärkte, überschießende Immunantwort, was zu einem Zustand
andauernder Entzündung führt und den weiteren Heilungsprozess stark beeinträchtigt.“ Durch Gabe des Entzündungshemmers Acetylsalicylsäure
(ASA, auch bekannt unter dem Markenname Aspirin®) gelang es den
Forschern, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und die
Nervenregeneration bei alten Mäuse deutlich zu steigern.
Identifikation alternsassoziierter Entzündungsmarker – neue Therapieansätze
Das Team ging der Frage nach, wie die überschießende Immunantwort die
Regeneration beeinträchtigt und untersuchte dafür gezielt die
Botenstoffe, die die Kommunikation zwischen den beteiligten Zellen
vermitteln. „Das Zytokin CCL-11 war für uns am interessantesten“, fasst
Dr. Michael Reuter, Postdoktorand in der Forschungsgruppe Morrison, die
Ergebnisse zusammen. Dieses Zytokin ist vor allem im Zusammenhang mit
Allergien und der Parasitenabwehr bekannt; auch eine Rolle bei der
alternsbedingten Abnahme kognitiver Leistung wurde beschrieben. „Eine
Funktion bei der Nervenregeneration ist jedoch neu“, unterstreicht Dr.
Reuter das Ergebnis.
Nachfolgend konnten die Forscher zeigen, dass CCL-11 auf die Schwannzellen einwirkt und deren Differenzierung
verhindert, so dass sie nicht mehr in der Lage sind, die Regeneration
optimal zu unterstützen. Diese Schwannzellen rekrutieren vermutlich
beständig weiter neue Immunzellen, was den andauernden
Entzündungszustand erklären könnte; ein Teufelskreis.
„Die Identifizierung einzelner, ursächlich beteiligter Signalmoleküle
eröffnet in diesem Zusammenhang ganz neue Therapieansätze“, betont Dr.
Morrison. „Im Gegensatz zu dem unspezifischen Entzündungshemmer ASA mit
seinen bekannten Nebenwirkungen, haben wir hier die Möglichkeit, ganz
präzise in den Regenerationsprozess einzugreifen.“ In diesem
Zusammenhang ist besonders interessant, dass sowohl Mäuse als auch
Menschen altersbedingt chronisch erhöhte CCL-11 Werte im Blut aufweisen.
CCL-11 könnte somit ein spezifischer Alternsmarker sein. In weiteren
Arbeiten prüfen die Forscher um Dr. Morrison nun, ob sich das Zytokin
CCL-11 tatsächlich als therapeutisches Ziel eignet und zur Verbesserung
der Nervenregeneration im Alter genutzt werden kann.
Publikation
Inflammaging impairs peripheral nerve maintenance and regeneration.
Büttner R, Schulz A, Reuter M, Akula AK, Mindos T, Carlstedt A, Riecken
LB, Baader SL, Bauer R, Morrison H. Aging Cell 2018, e12833. doi:
10.1111/acel.12833.
Hintergrundinformation
Das Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut
(FLI) in Jena widmet sich seit 2004 der biomedizinischen
Alternsforschung. Über 330 Mitarbeiter aus 30 Nationen forschen zu
molekularen Mechanismen von Alternsprozessen und alternsbedingten
Krankheiten. Näheres unter http://www.leibniz-fli.de.
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 93 selbständige
Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-,
Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und
Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute
widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten
Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung,
auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder
unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten
forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt
Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den
Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik,
Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen
pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der
Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im
In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen
Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung
fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft
gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 19.100 Personen,
darunter 9.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat
der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro (http://www.leibniz-gemeinschaft.de).
Originalpublikation:
Inflammaging impairs peripheral nerve maintenance and regeneration.
Büttner R, Schulz A, Reuter M, Akula AK, Mindos T, Carlstedt A, Riecken
LB, Baader SL, Bauer R, Morrison H. Aging Cell 2018, e12833. doi:
10.1111/acel.12833.
Angsterkrankungen im Kindes- und Jugendalter sind weit verbreitet und
bedeuten für die Betroffenen einen erheblichen Leidensdruck. Welche
Ängste bei Kindern und Jugendlichen „normal“ sind, wann sie
behandlungsbedürftig werden und welche Möglichkeiten es gibt, um zu
helfen, erklären Eva-Maria Fassot und Dr. Julia Asbrand von dem Forschungsprojekt „KibA“ („Kinder bewältigen Angst“) der Universität Freiburg bei einem Informationsabend.
Des Weiteren bieten die Mitarbeitenden der „Hochschulambulanz Kinder,
Jugendliche und Familien“ neuerdings eine wöchentliche
Angstsprechstunde an. Darin führen sie gemeinsam mit den Kindern und
Eltern ein eingehendes Gespräch, nehmen eine erste diagnostische
Einschätzung vor und beraten dazu, ob eine Behandlung notwendig ist.
Informationsabend:
23.10.2018, ab 18 Uhr
Institut für Psychologie Engelbergerstr. 41c (Hörsaalgebäude) https://www.uni-freiburg.de/universitaet/kontakt-und-wegweiser/lageplaene/gebaeude/0570 79085 Freiburg
Sprechstunde:
Ab Oktober, immer montags, 10-11 Uhr
Institut für Psychologie Hochschulambulanz für Kinder, Jugendliche und Familien Engelbergerstr. 41 79085 Freiburg
Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten.
Vortrag am 18.10.2018 zu Mechanismen und Möglichkeiten der Handlungskontrolle
Psychologe Prof. Dr. Bernhard Hommel von der Universität Leiden/Niederlande
Ernährungs-, Gesundheits- und Lebensratgeber erwecken den Eindruck:
Ein Mensch, der seine Gefühle und Handlungen gut kontrollieren kann, ist
beruflich erfolgreicher, zufriedener, sozialer und gesünder. Die
Psychologie unterscheidet traditionell zwischen der willentlichen
Kontrolle von Handlungen und automatisiertem, gewohnheitsmäßigem Handeln
– was jüngeren Untersuchungen zufolge jedoch nicht haltbar ist.
Unterschiede innerhalb und zwischen Personen sind vielmehr darauf
zurückzuführen, dass die Handlungskontrolle zwischen der
ausschließlichen Fokussierung auf eigene Ziele und der starken
Berücksichtigung situationsbedingter Umstände variieren kann. In der
Reihe „Freiburger Horizonte“ spricht der Psychologe Prof. Dr. Bernhard Hommel
von der Universität Leiden/Niederlande über Grundlagen und
Einflussfaktoren menschlicher Handlungskontrolle. Er wird insbesondere
auf die Frage eingehen, ob und wie der Mensch sein Handeln
beispielsweise durch Meditation, Ernährung oder Hirnstimulation
beeinflussen kann. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion
und zum Austausch mit dem Referenten.
Präventionsprogramm hilft, die Gesundheit im Schulalltag zu bewahren / Jetzt kostenlos anmelden
Schulische Lehrkräfte gehören nach wie vor zu den
gesundheitlich besonders belasteten Berufsgruppen. Zu den wenigen
wissenschaftlich evaluierten und erwiesenermaßen wirksamen
Gesundheitsschutzmaßnahmen für diese Berufsgruppe zählen die am
Universitätsklinikum Freiburg entwickelten „Lehrer-Coachinggruppen nach
dem Freiburger Modell“. Ein verbesserter Umgang mit Stress ist das Ziel
der Coachinggruppen, die im Schuljahr 2018/2019 bereits im siebten Jahr
landesweit allen Lehrerinnen und Lehrern angeboten werden. Auftraggeber
ist das Kultusministerium Baden-Württemberg.
Die Lehrkräfte nehmen an einem speziellen
Gesundheitsprogramm teil, das unter neuer wissenschaftlicher Leitung von
Dr. Alexander Wünsch an der Klinik für Psychosomatische Medizin und
Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg organisiert wird. In
Studien der Freiburger Arbeitsgruppe Lehrergesundheit und des
renommierten Bildungsforschers John Hattie hat sich eine erfolgreiche
interpersonelle Beziehungsgestaltung als wichtigste Voraussetzung für
die Bewahrung der Lehrergesundheit erwiesen. Das Freiburger Modell
stärkt daher insbesondere die innerschulische Beziehungskompetenz. Die
Coachinggruppen werden von Psychologen und Ärzten geleitet, die zuvor
ein spezielles Moderatorentraining durchlaufen haben.
Anmeldung bis 20. Oktober möglich
In diesem Jahr können Lehrkräfte und
Leitungsverantwortliche öffentlicher Schulen erstmals das Anmeldeportal
auf der Projektseite https://lehrer-coachinggruppen.de
nutzen. Eine interaktive Karte aller Gruppen macht die Suche nach einem
wohnortnahen Angebot deutlich einfacher und attraktiver. Die Anmeldung
ist noch bis zum 20. Oktober möglich, bei weiterer Verfügbarkeit von
Plätzen auch darüber hinaus. Die Maßnahme wird vom Kultusministerium
finanziert und ist daher für Lehrkräfte kostenlos.
Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen
Das „Lehrer-Coaching nach dem Freiburger Modell“ ist
eine der wenigen Gesundheitsschutz-Maßnahmen für Lehrkräfte, deren
Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist: Der Anteil der durch
medizinisch relevante Stresssymptome gesundheitlich stark belasteten
Lehrerinnen und Lehrer reduziert sich durch die Maßnahme von rund 50
Prozent auf 25 Prozent. Eine wissenschaftliche Evaluation konnte darüber
hinaus die Nachhaltigkeit der Maßnahme belegen und zeigen, dass der
positive Effekt auf die Gesundheit auch nach drei Jahren noch
nachweisbar ist.
Die Werbung verspricht, dass sie angeblich Flügel verleihen: die so genannten Energy-Drinks.
Regensburg (obx-medizindirekt) Eine Dose genüge, um höher, schneller, weiter zu kommen – und möglichst auch nicht müde zu werden. All das sind leere Versprechen, wie die Analyse der meist übersüßten Power-Mixturen zeigt – auch wenn die Industrie mit der flüssigen Energie aus der Dose Milliardenumsätze macht.
Für Schwung sollen in diesen Drinks klassische Aufputscher wie Koffein, Taurin oder Guarana sorgen. Ideal für Autofahrer? „Ein Tasse Kaffee oder eine kurze Pause sind diesen Getränken in jedem Fall vorzuziehen“, meint Eva Schnabel von der Universität Würzburg, die diese Getränke-Mixturen untersuchte. Energy-Drinks können offensichtlich auch das Herz gefährden. Ein Forscher-Team des Henry-Ford-Hospitals wies bei Versuch über mehrere Tage deutlich erhöhte Puls- und Blutdruckwerte nach. Der wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU hält es zudem für ungeklärt, ob der längerfristige Konsum von Taurin giftig ist. Taurin, zu Deutsch „Stiergalle“, ist eine Aminosulfonsäure, die den Stoffwechsel beschleunigen soll. Die deutsche Gesetzgebung erlaubte lange Zeit nur 300 Milligramm Taurin pro Liter. Tests zeigten seinerzeit, dass fast drei Viertel der getesteten Energy-Drinks überhöhte Taurinwerte von rund 4.000 Milligramm enthielten – 13 Mal mehr als erlaubt. 2013 hob der Gesetzgeber die Grenzwerte an – auf exakt 4.000 Milligramm pro Liter, niederge-schrieben in der „Fruchtsaft-und Erfrischungsgetränkeverordnung“. Fatal ist die Wirkung der Energy-Drinks in jedem Fall, wenn sie mit Alkohol gemischt werden. Bei den Jugendlichen gilt die Mixtur etwa aus Wodka und den oft kaugummiartig schmeckenden Powerdrinks als absolut „in“ und als Nachfolger der früher so beliebten Alcopops – auch weil diese Cocktails im Ruf stehen, die Stimmung zu heben und gleichzeitig die Wirkung des Alkohols zu neutralisieren. Falsch, haben Wissenschaftler der Brasilianischen Universität Sao Paolo festgestellt, die Testpersonen die Mixtur verabreichten. Die fühlten sich zwar so fit und fahrtüchtig wie Teilnehmer einer nüchternen Kontrollgruppe. In Seh- und Koordinationstests schnitten sie aber ebenso schlecht ab wie andere Testpersonen, die unverdünnten Schnaps getrunken hatten. Was wiederum beweist: Energy-Alkohol-Cocktails verleihen eben keine Flügel, können aber ganz schnell zu einer Landung im Straßengraben verhelfen.
Anlässlich des Tags der älteren Generation am 1. Oktober 2018 geben die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)Tipps zur Vermeidung von Stürzen im hohen Alter. Denn bereits ab dem 50. Lebensjahr nehmen Balance, Muskelkraft, Ausdauer und Beweglichkeit ab, sodass mit zunehmendem Alter das Risiko steigt, zu stürzen und sich dabei zu verletzen. Senioren können dem entgegenwirken: mit gezieltem Training von Kraft und Balance. Dennoch werden derzeit in Deutschland jährlich mehr als 400.000 ältere Menschen nach einem Sturz im Krankenhaus behandelt, häufig wegen einer Hüftfraktur.
Jeder Dritte über 65 Jahre stürzt mindestens einmal pro Jahr, bei den über 80-Jährigen sogar fast jeder Zweite (1). Laut Robert Koch-Institut passieren mehr als die Hälfte der Sturzunfälle bei Personen ab 60 Jahre zu Hause oder in der unmittelbaren Umgebung, zum Beispiel im Garten oder in der Garage. „Die häufigsten Ursachen sind eine schwache Muskulatur und Probleme mit der Balance. Aber auch Seh- und Höreinschränkungen oder Medikamente, die die Reaktionsfähigkeit einschränken, tragen dazu bei“, sagt DGU-Präsident Professor Dr. Joachim Windolf, Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie der Universitätsklinik Düsseldorf.
old woman wrinkled hands holding of handrail
Um Verletzungen durch Stürze zu vermeiden, ist es wichtig, auch im Alter eine gute körperliche Fitness zu erhalten. „Schon mit einem einfachen Gleichgewichts- und Krafttraining kann die Sturzgefahr erheblich gemindert werden“, erklärt Professor Dr. Clemens Becker, Leiter der Bundesinitiative Sturzprävention. Der Chefarzt der Abteilung für Geriatrie und Klinik für Geriatrische Rehabilitation des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart ergänzt: „Häufige Stürze verursachen auch hohe Kosten für Operationen und anschließende Rehabilitation. Maßnahmen zur Prävention wirken sich also nicht nur positiv auf die individuelle Lebensqualität aus, sondern entlasten auch das Gesundheitssystem.“
Generell ist jede Art von Aktivität und Bewegung sinnvoll, auch wenn es sich dabei nicht um ein spezielles Training handelt. „Entscheidend ist es, aktiv zu bleiben“, betont Professor Dr. Ulrich Liener, Leiter der DGU-Arbeitsgemeinschaft Alterstraumatologie und Leiter der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Marienhospital Stuttgart. Er ergänzt: „Wer sicher auf den Beinen ist, fällt nicht so schnell hin.“
Orthopäden und Unfallchirurgen sowie Altersmediziner (Geriater) geben Tipps für Übungen, die Senioren in ihren Alltag einbauen können, um Balance und Kraft zu trainieren und so Stürze zu verhindern. Für den schnellen Überblick eignet sich das Poster „Sicher auf den Beinen – Stürze vermeiden“.
Regelmäßige Bewegung im Alltag:
Spazierengehen und Wandern
Treppensteigen
Tanzen gehen
Täglich Balanceübungen durchführen, zum Beispiel auf einem Bein stehen und Zähne putzen.
Täglich Kraftübungen durchführen, zum Beispiel wiederholt gegen eine Wand drücken (Wandliegestütz).
Neues ausprobieren:
Tai Chi (chinesische Bewegungsübungen)
Kegeln
Boule spielen
Aktiv werden:
Regelmäßiges Kraft- und Balance-Training mindestens zwei oder drei Mal pro Woche allein oder in der Gruppe, auch im Herbst und Winter – gut ist, wenn regelmäßiges Muskeltraining bei älteren Menschen zum Alltag gehört wie essen und trinken. Ein ausführliches Übungsprogramm inklusive Übungstagebuch finden Interessierte in der Broschüre „Das Übungsprogramm – Fit und beweglich im Alter“
Weitere Tipps und Hilfen aus der Broschüre „Einführung in die Sturzprävention“:
Unfallquellen im Heim beseitigen: Zu Hause für gute Beleuchtung sorgen und auf dicke Teppiche und andere Stolperfallen, wie herumliegende Gegenstände, verzichten.
Warnzeichen ernst nehmen: Beeinträchtigen Seh- und Hörprobleme sowie Schwindel den Alltag, sollte der Arzt aufgesucht werden.
Gute Ernährung: Auf einen ausgeglichenen Vitamin D- und Kalziumhaushalt achten. Das stärkt die Knochengesundheit.
Anmerkung von Dr. Artur Hornung
Der Beitrag über Tipps zur Vermeidung von Stürzen im hohen Alter hat mir gut gefallen,
den die dort aufgeführten Dinge gelten nicht nur für ältere Menschen, sondern für Stürz/Sturzvermeidung
in jedem Alter!
Der wichtigste Unterschied ist, dass bei älter werdenden Menschen die Folgen des Sturzes,
von der Genesungsdauer bis zu den Angstauswirkungen für weitere Stürze, dramatisch belastender sind.
Ergänzende Aspekte aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und eigenem, inzwischen 14 Jahre betriebenen, Sturzprävention-Training:
– Stürze sind immer ein komplexes Geschehen, so dass eine Trainingsart (z. B. Krafttraining) nicht zur Vermeidung/Abmilderung ausreicht!
– Neben Kraft und Balance ist mit zunehmendem Alter vor allem die Reaktionsgeschwindigkeit zu trainieren!
– Vermeiden von (Sinnes-)Ablenkungen und das bewusste Wahrnehmen von Übergängen (Stufen, Untergrundwechsel..) sind wichtig!
– Das Ziel eines alltagintegrierten (täglichen!) Trainierens abnehmender Fähigkeiten sollte automatisch richtiges Reagieren sein!