Ihre Meinung Moderatorin Bettina Böttinger ©WDR/Melanie Grande

Der WDR-Zuschauertalk macht den Pflegenotstand zum Thema

Ihre Meinung: Hilflose Patienten, überfordertes Personal – Ist die Pflege noch zu retten?

WDR Fernsehen, Mittwoch, 11. Oktober 2017, 20:15-21:45 Uhr

Ihre Meinung Moderatorin Bettina Böttinger ©WDR/Melanie Grande

Ihre Meinung
Moderatorin Bettina Böttinger
©WDR/Melanie Grande

Pflegenotstand in Deutschland – wie gravierend die Situation ist, hat der angehende Krankenpfleger Alexander Jorde vor Kurzem gegenüber Bundeskanzlerin Merkel auf den Punkt gebracht: „In deutschen Krankenhäusern und Altenheimen wird die Menschenwürde tagtäglich tausendfach verletzt.“

„Ihre Meinung“, der WDR-Zuschauertalk mit Bettina Böttinger, macht die Situation in Pflegeheimen und Krankenhäusern zum Thema. 90 Minuten lang diskutieren 100 Zuschauerinnen und Zuschauer aus ganz Nordrhein-Westfalen mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, dem Pflegekritiker Claus Fussek und der Pflegeexpertin Dr. Tanja Segmüller darüber, was bei der Pflege in Deutschland schiefläuft, und was sich verändern muss.

Insgesamt gibt es nach Verdi-Schätzungen in deutschen Krankenhäusern 70.000 Pflegerinnen und Pfleger zu wenig. Die Gewerkschaft fordert deshalb gesetzliche Regelungen für die Personalausstattung in Kliniken. Aber woher soll das neue Personal kommen? Höhere Gehälter würden den Pflegeberuf sicherlich attraktiver machen. Doch wer soll das bezahlen? Stehen wir vor einer massiven Erhöhung der Pflegeversicherung, obwohl die letzte Bundesregierung den Pflegebeitrag schon aufgestockt hat? Wird eine mögliche Jamaika-Koalition bzw. die neue Regierung das Thema anfassen und endlich handeln? Die Misere in der Pflege – ein Thema, das jeden Menschen im Alter betreffen könnte.

Reizdarm und der lange Leidensweg

Buchempfehlung

„Reizdarm – Heilung von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und Verdauungsproblemen“


Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen: Das Thema Reizdarm und Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Erkrankung ist weit verbreitet, Tendenz steigend. Der Leidensdruck ist oft enorm. Dirk Schweigler beschreibt die häufigsten Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, verschiedene Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sowie seine eigene Leidensgeschichte und Heilung. Auf seiner mehr als dreijährigen Suche nach der Lösung des Reizdarmproblems hat er viele Therapien selbst ausprobiert, intensiv recherchiert und sich mit Betroffenen ausgetauscht. Heute ist er beschwerdefrei, kommt ohne Medikamente aus und kann wieder alles beschwerdefrei essen. Er legt einen Leitfaden vor, der wissenschaftlich fundiert ist und gleichzeitig Lösungen zur Heilung enthält, die man sofort umsetzen kann. Mit einer gezielten Herangehensweise sind die Beschwerden gut heilbar. Die im Buch empfohlenen Therapiekonzepte stammen hauptsächlich aus der Naturheilkunde. Im Vordergrund steht die Suche nach der Krankheitsursache auf Basis umfassender Laborwerte. Das Buch ist auch für medizinische Laien verständlich und leicht lesbar.


Dirk Schweigler
Reizdarm
Heilung von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und Verdauungsproblemen
164 Seiten
Euro (A/D) 18,90 / CHF 25,50
Hardcover, Format: 13,5 x 21 cm
ISBN 978-3-85068-980-9

Autorenporträt:

Dirk Schweigler

Dirk Schweigler, Foto: Fotografdd/Andreas Keck

Dirk Schweigler
1984 in Freiberg (Sachsen) geboren. Schon während des Studiums der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden zeigte sich seine Leidenschaft fürs Schreiben. Dirk Schweiglers Diplomarbeit wurde für den Friedrich-List-Preis der Fakultät nominiert, er stellte seine Ergebnisse auf mehreren internationalen Konferenzen vor. Während des Studiums lebte er mehrere Monate in Japan und Mexiko sowie eineinhalb Jahre in den USA. Nach Abschluss des Studiums verbrachte er über ein Jahr in Indien, um die alten Schriften des Hinduismus zu erlernen. Während seiner anschließenden Tätigkeit in der Krebsforschung am Universitätsklinikum Dresden war er an mehreren wissenschaftlichen Publikationen beteiligt. Als ehemaliger Reizdarm-Patient möchte er mit seinem Buch anderen Betroffenen Mut machen.
Kontakt: reizdarm-heilen[at]gmx.de

 

Ängste überwinden – Hilfe zur Selbsthilfe

Ängste überwinden –
Hilfe zur Selbsthilfe vom bekannten Angstforscher

Buchcover

„Die Angst ist und bleibt eine Kraft – eine Kraft, die man auch zu ihrer eigenen Zähmung positiv nutzen kann.“
Dr. med. Dietmar Hansch

 

Leiden Sie unter Angstanfällen im Bus oder im Einkaufszentrum? Unter Panikattacken im Aufzug? Unter Zittern und Erröten wenn Sie einen Vortrag vor Publikum halten? Oder verderben Ihnen ständige Sorgen über die Zukunft den Tag?
Panikattacken, Platzangst, soziale Phobien und generalisierte Angst: Ängste sind in Deutschland die häufigste seelische Störung, noch vor Alkoholismus und Depressionen. Als einer der erfahrensten Angsttherapeuten im deutschsprachigen Raum zeigt Dr. med.  Dietmar Hansch in seinem neuen Ratgeber „Angst selbst bewältigen “ fundiert und klar, wie man seine Ängste selbst in den Griff bekommen kann. Aus seiner langjährigen Praxiserfahrung und der aktuellen Angst-Forschung vermittelt er ein umfassendes Hintergrundwissen zur Entstehung von Ängsten und gibt detaillierte Anleitungen mit Hilfe der Synergie-Methode, die die erfolgreichsten wissenschaftlichen Ansätze zu einem praxistauglichen Konzept der Selbstbehandlung verbindet.

Unabhängig davon, ob es sich um eine Panikstörung, um Phobien oder anhaltendes Sich-Sorgen handelt: Angsterkrankungen schränken die Lebensqualität erheblich ein. Sie haben die Tendenz, sich auszuweiten und chronisch zu werden und man sollte deshalb sofort und effektiv gegen sie vorgehen. Langfristig erfolgsentscheidend bei der Behandlung von Ängsten ist vor allem die tägliche Selbstkorrektur in den vielfältigen Situationen des Alltags, das Umlernen und Üben von Verhaltensmustern in kleinen Schritten. Dietmar Hansch stellt daher konkrete Anti-Angst Maßnahmen vor, die er in der Synergie-Methode verbindet, die aus der aktuellen Angstforschung entwickelt wurde. Sie integriert die wirksamsten Techniken zu einem stimmigen Gesamtkonzept und zeigt die wichtigsten Maßnahmen, um Ängste im täglichen Leben selbst zu überwinden. Dieser sehr fundierte und weitgreifende Ansatz bietet auch Betroffenen mit bereits chronischen Angsterkrankungen eine neue Chance. Mit einem Selbsthilfe-Tool  können die Leser ihre eigenen Ängste erkennen und so den ersten positiven Schritt tun, sie selbst zu bewältigen und sich nicht von ihnen einschränken und kontrollieren zu lassen.

Buchpremiere in Berlin mit Dr. med. Dietmar Hansch:

Mittwoch, 15. November
Urania Berlin, An der Urania 7
Beginn: 19:30 Uhr

© Lee Li Photography

© Lee Li Photography

Dr. med. Dietmar Hansch , geb. 1961, leitet den Schwerpunkt Angsterkrankungen an der Privatklinik Hohenegg in Meilen am Zürichsee. Zuvor war er langjährig im Bereich der Burnout-Behandlung tätig. Er ist Facharzt für Innere Medizin und Psychotherapeut mit verhaltenstherapeutischer Ausrichtung. 2003 wurde er ins Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM) gewählt. Dietmar Hansch verfügt über langjährige Erfahrungen in Wissenschaft, Lehre und Behandlungspraxis. Bekannt wurde er auch als Autor von Standardwerken zum Themenkreis Selbstmanagement und Persönlichkeitsentwickelung. Zuletzt ist bei Knaur Menssana sein Ratgeber Burnout (2014) erschiene

 

Das Buch erscheint am ab 2. November bei Knaur Menssana

Klappenbroschur, Knaur MensSana HC
02.11.2017, 448 S.

ISBN: 978-3-426-65803-1
Diese Ausgabe befindet sich in Herstellung
19,99

Starke Musik für starke Familien

Rockfestival „Heart of the Tiger“

Tigerherz Rocknrollam Freitag, 13. Oktober 2017, zugunsten von „Tigerherz… wenn Eltern Krebs haben“ der Psychosozialen Krebsberatung am Universitätsklinikum Freiburg

Mit Feiern etwas Gutes tun: Vier Rock-Bands spielen am Freitag, 13. Oktober 2017, ab 20.30 Uhr in der Wodan Halle Freiburg (Leo-Wohleb-Straße 4) beim „Heart of the Tiger“-Festival für eine gute Sache. Die Bands „Slow Racer“, „Bail“, „Cover Nostra“ und „Ive & T.BO“ vom Plattenlabel N13 Music verzichten an diesem Abend auf ihre Gage. Die Eintrittsgelder kommen direkt dem Angebot „Tigerherz… wenn Eltern Krebs haben“ der Psychosozialen Krebsberatung am Universitätsklinikum Freiburg zugute. Das Team von Tigerherz unterstützt Familien, in denen ein Elternteil an Krebs erkrankt ist. Es begleitet die Eltern beratend und geht auf die Bedürfnisse ihrer Kinder ein – im Einzelkontakt, in Geschwisterstunden oder in Gruppen.

Der Einlass beginnt um 19.00 Uhr. Karten kosten im Vorverkauf 12 Euro und an der Abendkasse 15 Euro. Vorverkaufsstellen sind:

 

–  Caféhaus im Friedrichsbau, Kaiser-Joseph-Straße 268, Telefon: 0761 383235 (keine VVK-Gebühr)

–  Gasthaus Kybfelsen, Schauinslandstraße 49, Telefon: 0761 21119926 (keine VVK-Gebühr)

–  BZ-Kartenservice, Bertoldstraße 7, Telefon: 0761 4968888 (+VVK-Gebühr)

–  www.reservix.de (+VVK-Gebühr)

Heart of the Tiger - Benefiz-Musikveranstaltung

Lesung mit Tatortkommissar Charles Brauer

Gottfried Benn-Lesung mit Tatortkommissar Charles Brauer und Schauspieler Gerd Heinz

Leseung mit Charles Brauer in FreiburgAm Mittwoch, 11. Oktober 2017, lesen die Schauspieler Charles Brauer und Gerd Heinz Gedichte und Prosa von Gottfried Benn in der Lutherkirche bei einer Veranstaltung des Universitätsklinikums Freiburg

Gemeinsam mit der Gottfried Benn-Gesellschaft veranstaltet das Universitätsklinikum Freiburg am Mittwoch, 11. Oktober 2017, um 20 Uhr in der Lutherkirche am Friedrich-Ebert-Platz eine Lesung der Werke des bekannten Arztes und Schriftstellers Gottfried Benn (1886-1956). Vorgetragen werden die Gedichte und Prosastücke von Charles Brauer, bekannt durch seine Rolle als Hamburger Tatortkommissar, und von Gerd Heinz, Schauspieler und Regisseur für Oper und Schauspiel. Musikalisch begleitet wird die Lesung vom renommierten „Trio Amanti della Musica“ mit Williy Freivogel (Querflöte), Rainer Schumacher (Gitarre) und Siegfried Schwab (Klarinette). Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Gottfried Benn gilt als einer der einflussreichsten deutschen Lyriker des 20. Jahrhunderts. Die Gottfried-Benn-Gesellschaft hat sich zur Aufgabe gemacht, die Bekanntheit der Werke des Dichters zu fördern.

Die Feldenkrais-Methode sorgt für mehr Beweglichkeit

„Wenn du weißt, was du tust, kannst du tun, was du willst“: die Feldenkrais-Methode

Es gibt viele Methoden und Konzepte, um etwas für Körper und Seele, kurz für das Wohlbefinden insgesamt zu tun. Eine landläufig weniger bekannte, von Kennern jedoch sehr geschätzte Art von Übungen, die helfen sollen, krank machende Bewegungs- und Verhaltensmuster aufzuspüren und zum Positiven zu verändern, ist die Feldenkrais-Methode. Diese von dem Physiker und Judolehrer Moshé Feldenkrais entwickelte und nach ihm benannte Therapie versteht sich eigentlich nicht als eine Behandlungsform, sondern mehr als eine Art Unterricht. Deshalb ist bei Feldenkrais auch nicht von Patienten die Rede, sondern von Schülern. Sie sollen sich ihrer eigenen Bewegungen bewusst werden und sie so zu verbessern lernen.

Doch der Feldenkrais-Ansatz greift noch weiter: Er will erreichen, dass die Schüler durch Veränderung der eigenen Wahrnehmung, also des Bildes, das sie sich im Laufe ihres Lebens von sich selbst gemacht haben, in die Lage versetzt werden, ihr Verhalten zu korrigieren und so neue Lösungen für Probleme in ihrem Leben zu finden. Dieses Konzept mag auf den ersten Blick recht esoterisch erscheinen, doch Feldenkrais wollte es so nicht verstanden wissen. Er sah in seiner Methode vielmehr eine pädagogische Bewegungstherapie, um Erkrankungen zu lindern bzw. vorzubeugen, die mit einer falschen Körperhaltung einhergehen. Dieser schädlichen Bewegungsmuster sollen sich die Feldenkrais-Schüler bewusst werden, sie durch „Umlernen“ gezielt verbessern und sich auf diese Weise neue körperliche Fähigkeiten erschließen. Allerdings meint Feldenkrais ein sehr umfassendes „Lernen“, ein „organisches Lernen“, wie er es nennt – so wie Kinder beim Entwickeln ihrer Bewegungsfähigkeiten lernen.

Es geht also um ein nicht-akademisches Lernen, bei dem Bewegung als Medium dient. Dabei sollen jedoch nicht nur schädliche Bewegungsmuster durch bessere ersetzt, sondern gleichzeitig auch geistige Fähigkeiten weiterentwickelt werden, etwa um die negativen Folgen von schlechten Angewohnheiten oder Zwängen zu erkennen, ihnen entgegenzuwirken und dabei zugleich die eigenen Grenzen zu erweitern.

Die Feldenkrais-Übungen zielen darauf ab, durch das Aufzeigen von Alternativen zu nachteiligen Bewegungs- (und Verhaltens-)mustern die Beweglichkeit von Körper und Geist gleichermaßen zu optimieren. Denn Feldenkrais geht davon aus, dass Bewegung Ausdruck einer gesamten Person ist und daher der geeignetste Ansatz für Verbesserungen: Sprich, wer seine Bewegungsdefizite erkennt und gezielt daran arbeitet, erlangt durch die Fähigkeit zur Selbstreflexion ebenfalls mehr Bewusstheit über sein Denken, Fühlen, Wahrnehmen und Handeln. Im Wesentlichen ist es die Anleitung zur Verbesserung der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit, welche die Feldenkrais-Methode von anderen Körpertherapieformen, wie etwa Pilates oder Yoga, unterscheidet. Getreu dem Motto ihres „Erfinders“: „Wenn du weißt, was du tust, kannst du tun, was du willst!“

Konkret wird die Feldenkrais-Methode zur Behandlung von Haltungsschäden aller Art eingesetzt sowie von orthopädischen Defiziten, speziell von Rückenleiden. Die Übungen haben sich jedoch auch als Therapie bei Nervenleiden, bei chronischen Schmerzen sowie zum Stressabbau bewährt. Wobei erwähnt werden muss, dass es für die Wirksamkeit der Feldenkrais-Übungen bislang keinerlei wissenschaftliche Belege gibt. Doch aus Sicht seiner Schüler geben die positiven Erfahrungen mit der Methode dem „Therapeuten“ recht. Zudem fußt das Konzept auf den nachgewiesenen Erkenntnissen von Gehirnforschern zu der untrennbaren Verbindung zwischen Körper und Geist: Deshalb kann das Gehirn auch durch Bewegungsabläufe beeinflusst werden.

Die Feldenkrais-Bewegungsmuster können im Einzel- oder Gruppenunterricht erlernt und geübt werden. Die Übungen sind nicht anstrengend und daher von jedermann gut erlernbar.

 

Medizin trifft Technologie

Die Therapien von morgen beginnen heute“

Medizin trifft TechnologiePublikumsveranstaltung mit acht Kurzvorträgen zu Zukunftstrends aus dem Schnittfeld von Medizin und Technologie / Experten von Universitätsklinikum Freiburg, Universitäts-Herzzentrum Freiburg · Bad Krozingen und Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Wie sieht die Medizin von morgen aus? Und was ist dank technologischer Fortschritte schon heute möglich? Acht Referentinnen und Referenten des Universitätsklinikums Freiburg, des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg geben am Samstag, 7. Oktober 2017, ab 15.30 Uhr, vor interessiertem Publikum Einblicke in ihre Forschung und in die Entwicklung neuer Behandlungsansätze. In jeweils zehnminütigen Vorträgen werden die Experten unter anderem darüber berichten, wie die Krebsdiagnostik der Zukunft aussehen könnte, wie sich mit elektrischen Impulsen im Gehirn Krankheiten behandeln lassen und wie Menschen eines Tages gesund zu Mond und Mars gelangen könnten. Durch das Programm führt die SWR-Moderatorin Kristin Haub. Die rund zweistündige Veranstaltung findet in der Lutherkirche, Friedrich-Ebert-Platz in Freiburg, statt. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Vortragsthemen und Referenten

Den Krebs im Blut aufspüren

Krebs ist nicht gleich Krebs. Je besser die Ärzte den Tumor kennen, desto besser kann er behandelt werden. Bisher mussten Ärzte dafür Gewebeproben nehmen. „Liquid Biopsy“ oder Flüssigbiopsie heißt ein neues Verfahren, mit dem Ärzte Krebszellen im Blut aufspüren und untersuchen können. So lässt sich im Idealfall die Therapie besser auf den Tumor abstimmen und überwachen, wie gut sie anschlägt.

Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff ist Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg. 2015 richtete er den ersten internationalen Kongress zu „Liquid Biopsy“ aus.

Gesund zu Mond und Mars

Was passiert mit unserem Körper in der Schwerelosigkeit? Warum schwinden bei Astronauten Muskeln und Knochen? Und wie lässt sich das verhindern? Vor langen Reisen ins All, etwa zum Mars, müssen solche Fragen geklärt sein. Dr. Ramona Ritzmann erforscht dies unter anderem in Parabelflügen, bei denen mehrfach für einige Sekunden Schwerelosigkeit herrscht. Mit ihrer Weltraum-assoziierten Forschung sucht sie auch nach Wegen, um alten Menschen oder Patienten nach langer Bettlägerigkeit zu helfen.

Dr. Ramona Ritzmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Sie war in der Endauswahl zu Deutschlands erster Astronautin.

Fühlende Prothesen

Moderne Prothesen für Hände und Beine sind schon heute technisch ausgeklügelte Systeme. Doch künftig sollen Betroffene mit ihnen sogar fühlen und sie per Gedanken ansteuern können. Doch wie lassen sich Technik und Nervensystem verbinden, ohne dass eine Seite langfristig Schaden nimmt? Wie dies unter anderem mit ultradünnen Kunststoffen gelingen könnte, erforscht Paul Cvancara.

Paul Cvancara ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Biomedizinische Mikrotechnik (Leiter: Prof. Dr. Thomas Stieglitz) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Genchirurgie – Präziser Eingriff ins Erbgut

Kranke Gene schnell und präzise ersetzen: Am Institut für Transfusionsmedizin und Gentherapie arbeiten Forscher intensiv daran, mit Hilfe von Genscheren zukünftig Krebs, Erbkrankheiten oder HIV heilen zu können. Wie funktionieren Genscheren? Welche Möglichkeiten bieten derartige Therapien schon heute und wie wird sich die Medizin durch sie in den nächsten zehn Jahren verändern?

Prof. Dr. Toni Cathomen ist seit 2012 Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin und Gentherapie des Universitätsklinikums Freiburg.

Mit der Datenbrille in den OP der Zukunft

Vom Beginn der Endoskopie vor 200 Jahren bis zur robotischen Chirurgie: die Fortschritte in der modernen Chirurgie sind untrennbar mit dem technischen Fortschritt verbunden. Auch die Technologie der „Augmented reality“ (AR) oder ‚Erweiterten Realität‘, bietet für Chirurgen großes Potenzial. Damit ließen sich zum Beispiel Magnetresonanzbilder direkt in die Datenbrille des Operateurs einspielen, so dass ein noch präziserer Eingriff möglich wird. Derartige Verfahren sollen die Patientenversorgung im Operationssaal der Zukunft deutlich verbessern.

Dr. Dominik Schöb ist Forschungsgruppenleiter in der Sektion für Urotechnologie (Leitung: Prof. Dr. Dr. Arkadiusz Miernik) an der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Impulse fürs Gehirn

Sie wird schon lange bei Parkinson angewendet und ist auch bei schwerster Depression sehr erfolgreich: die Tiefe Hirnstimulation. Dabei wird mit feinsten Elektroden ein präzise festgelegter Bereich im Gehirn stimuliert. Bislang ging man davon aus, dass einzelne Zentren im Gehirn aktiviert werden müssen. Doch neueste nicht-invasive Bildgebungsmethoden zeigen, dass große, über das Gehirn ausgebreitete Netzwerke für die Entstehung derartiger Krankheiten verantwortlich sind. Dieses Wissen könnte noch wirksamere Therapien für Krankheiten des Gehirns ermöglichen.

Prof. Dr. Volker A. Coenen ist Leiter der Abteilung Stereotaktische und Funktionelle Neurochirurgie der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Freiburg.

Mit CARL zurück ins Leben

Die Chance, einen Herz-Kreislaufstillstand zu überleben, liegt selbst im Krankenhaus nur bei 20 Prozent. Denn der Körper wird gleich doppelt geschädigt: zunächst durch den Sauerstoffmangel. Doch auch der Sauerstoff selbst ist gefährlich. Kehrt er nach erfolgreicher Reanimation ins Körpergewebe zurück, entstehen hochgiftige Stoffe, die oft zum Tod des Patienten oder zu einer schweren Hirnschädigung führen. Mit dem neuartigen Verfahren „CARL“ haben Freiburger Ärzte und Ingenieuren einen Weg gefunden, diese Schäden zu vermeiden.

Prof. Dr.-Ing. Christoph Benk ist leitender Kardiotechniker an der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Universitäts-Herzzentrum Freiburg ∙ Bad Krozingen.

Ersatzgewebe aus dem Labor

Prof. Dr. Bernd Rolauffs ist Professor für Gewebeersatzforschung an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg

Der lange Schatten von Gewalt im Kindesalter

ERC Starting Grant zur Erforschung generationsübergreifender Folgen früher Traumata

Berlin, 25.09.2017 Übertragen sich Kindheitstraumata, wie beispielsweise frühe Gewalt- und Missbrauchserfahrungen, auf folgende Generationen? Lassen sich die Spätfolgen von Kindheitstraumata in darauffolgenden Schwangerschaften nachweisen? Und haben Kinder von Müttern, die solche Erfahrungen gemacht haben, aufgrund dieser veränderten pränatalen Bedingungen ein erhöhtes Krankheitsrisiko? Diesen Fragen gehen Forscher um Prof. Dr. Claudia Buß an der Charité – Universitätsmedizin Berlin in den kommenden fünf Jahren nach. Mit 1,48 Millionen Euro fördert der Europäische Forschungsrat die geplanten Untersuchungen. Die Arbeiten beginnen in diesem Monat und erste Frauen werden in die Studien aufgenommen.

Der lange Schatten von Gewalt im Kindesalter

Laut EU-Statistik hat eine von drei Frauen in ihrem Leben physische oder sexuelle Gewalt erlebt. Die Spätfolgen kindlicher traumatischer Erfahrungen können vielseitig sein und ein verändertes Stressverhalten, Fettleibigkeit oder auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, im Verlauf des Lebens wiederholt Gewalt ausgesetzt zu sein, umfassen. Kinder von Frauen mit Gewalt- und Missbrauchserfahrungen haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für psychische und auch körperliche Erkrankungen, auch wenn sie selbst keine traumatischen Erfahrungen gemacht haben. „Es ist wie ein langer Schatten, den Gewalt- und Missbrauchserfahrungen im Kindesalter auslösen“, sagt Prof. Dr. Claudia Buß. „Inwiefern dieser auch in die folgende Generation hineinreicht, das wollen wir herausfinden, beispielsweise anhand von Beobachtungen der Gehirnentwicklung des Kindes.“

Bisher wurden die Ursachen einer möglichen Übertragung mütterlicher früher Lebenserfahrungen in der postnatalen Entwicklungsphase des Kindes gesucht, denn häufig leiden betroffene Frauen unter postpartaler Depression oder haben Schwierigkeiten, eine enge Bindung zu ihrem Kind aufzubauen, was eine optimale kindliche Entwicklung beeinträchtigen kann. Die Charité-Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieser Übertragungsprozess jedoch bereits viel früher beginnt. Zeigen sich während der Schwangerschaft Veränderungen in der Stressbiologie der Mutter, die die Entwicklung des Ungeborenen beeinflussen könnten? Sind daher Kinder von Müttern mit traumatischen Kindheitserfahrungen in ihrem späteren Leben anfälliger für Krankheiten? Lassen sich Veränderungen in der Gehirnstruktur von Neugeborenen feststellen, deren Mütter traumatische Erfahrungen gemacht haben, als sie selbst Kind waren? Fragen wie diese zu den langfristigen Auswirkungen von Kindheitstraumata und deren Übertragung während der Schwangerschaft auf die nachfolgende Generation wollen Prof. Buß und ihr Team anhand umfassender Studien beantworten.

Der ERC Starting Grant fördert wissenschaftlichen Nachwuchs und wird vom Europäischen Forschungsrat (ERC) im Zuge des Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020 vergeben. Für den Aufbau der Arbeitsgruppe am Institut für Medizinische Psychologie der Charité stehen 1,48 Millionen Euro zur Verfügung (Grant Agreement)

Wechselwirkungen von Medikamenten prüfen

Wenn mehrere Medikamente gleichzeitig genommen werden müssen: Computerprogramme sollen Ärzte unterstützen

Das schafft kein Arzt ohne Hilfsmittel: Dosierungen, spezifische Indikationen und Kontraindikationen von tausenden Medikamenten durchsuchen, Wechselwirkungen prüfen und die individuell beste Kombination für den Patienten zusammenstellen. Wenn der Patient gar wie knapp jeder zweite Deutsche über 65 Jahren fünf oder mehr Medikamente einnimmt, kann die individualisierte Therapie zur zeitraubenden Herausforder

Professor Dr. med. Walter E. Haefeli ist Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie des Universitätsklinikums Heidelberg

Professor Dr. med. Walter E. Haefeli ist Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie des Universitätsklinikums Heidelberg

ung werden. „Bei Polypharmazie erreichen die ärztlichen Entscheidungen eine solche Komplexität, dass ich mich frage, wie man sie ohne Hilfe im Kopf lösen will“, sagt Professor Walter E. Haefeli (Foto), Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie des Universitätsklinikums Heidelberg. Der ausgewiesene Experte für Klinische Pharmakologie plädiert deshalb dafür, sich zum Wohle der Patienten von Computerprogrammen bei Entscheidungen zur Arzneimitteltherapie helfen zu lassen. In seiner Keynote-Lecture beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) in Frankfurt wird Haefeli die Herausforderungen im Umgang mit aktuellen Arzneimittelinformationssystemen detailliert erläutern. Außerdem wird er aufzeigen, wie die Verordnungen mithilfe von IT-Unterstützung in Zukunft sicherer werden und sich stärker an den Präferenzen der Patienten orientieren könnten.

Viele der gängigen Informationssysteme, die Ärzte und Apotheker bereits nutzen, um Verordnungen auf mögliche Wechselwirkungen und andere Risiken zu prüfen, haben aus Haefelis Sicht einen erheblichen Schwachpunkt: „Sie produzieren unzählige Warnungen, von denen die allermeisten auf den jeweiligen Patienten gar nicht zutreffen.“ Diese Programme, die im klinischen Alltag Entscheidungen unterstützen sollen, führen häufig vor allem zu einer Entscheidung: sie wieder abzuschalten. „In manchen Studien werden 95 Prozent der Warnungen, die das Programm ausgibt, weggeklickt“, kritisiert Haefeli. Für die Folge dieses unnützen Warnens gibt es bereits einen Begriff: „alert fatigue“. Auf Deutsch: Alarmmüdigkeit. Unpassende Gefahrenhinweise könnten zudem dazu führen, dass ein Medikament vorsorglich abgesetzt wird, obwohl es dem Patienten nützt.

Arzneimittelinformationssysteme müssen intelligenter werden

Haefeli weist zudem auf die Schwächen von verbreiteten Stand-alone-Systemen hin, die nicht an die Klinik- oder Praxissoftware angeschlossen sind. Sie könnten die Kofaktoren wie Begleiterkrankungen und aktuelle Laborwerte der Patienten nicht oder nur unzureichend berücksichtigen. Trotzdem rät der Klinische Pharmakologe zum Einsatz von Unterstützungssystemen. „Die Erfahrung zeigt, dass mithilfe des Computers eher evidenzbasiert behandelt wird“, sagt Haefeli, „weil Ärzte in diesen Situationen häufiger in der Literatur nachschlagen.“

Für die Zukunft wünscht sich Haefeli jedoch intelligentere IT-Unterstützung. Er forscht zusammen mit Kollegen an praxistauglichen Programmen. „Wir brauchen raffiniertere Software, die individualisierte Empfehlungen ausgibt“, so Haefeli. „Dafür muss sie tief in die Informationssysteme der jeweiligen Klinik oder Praxis integriert sein.“ Nur so könnten die Programme alle relevanten Daten des Patienten einbeziehen und dem Arzt Arbeit abnehmen. Dafür muss aber gewährleistet sein, dass entscheidungsrelevante Kofaktoren, wie zum Beispiel Allergien, verlässlich und maschinenlesbar kodiert und über Schnittstellen verfügbar sind.

Das funktioniert: Untertherapie vermeiden und zugleich Nebenwirkungen verringern

Ein ideales Unterstützungssystem würde laut Haefeli zuerst anhand der Diagnosen, Beschwerden und Präferenzen eines Patienten seine Therapiebedürftigkeit einschätzen und ermitteln, welche Medikamente zur Behandlung seiner Krankheiten infrage kommen. Anschließend würde es anhand eines möglichst vollständigen Medikationsplans prüfen, ob in den aktuellen Verordnungen ein notwendiges Medikament fehlt. Ein Programm mit dieser Funktionalität gebe es bislang nicht auf dem Markt, so Haefeli. Es sei aber notwendig, um Untertherapie zu vermeiden. Erst danach sollte das Programm Doppelverordnungen, Dosierungsfehler und Wechselwirkungen überprüfen. „Das Programm muss dabei nicht nur Wirkstoffpaare anschauen, sondern auch riskante oder interagierende Dreier- und Viererkombinationen.“ Außerdem müsse die Software auch Begleiterkrankungen wie Nierenfunktionsstörungen berücksichtigen und gegebenenfalls die Dosierungsempfehlung entsprechend anpassen.

Eine so individuell optimierte Therapie führt jedoch nicht zwangsläufig zu weniger Verordnungen, wie Haefeli betont: „Nicht die Zahl der Medikamente ist entscheidend für eine gute Behandlung, sondern die richtige Gesamtmedikation, die den Lebenszielen des Patienten am besten entspricht.“ Ziel sei es, die Nebenwirkungen für die häufig multimorbiden Patienten zu verringern. Dass dies möglich ist, wurde sowohl anhand der deutschen FORTA-Liste, einer Positiv- und Negativliste für die Arzneimitteltherapie älterer Menschen, als auch mit den in Irland entwickelten STOPP/START-Kriterien, eines Tools zur Vermeidung von Untertherapie und riskanten Verordnungen, bereits gezeigt. Dabei erhielten die Studienteilnehmer nach der Umstellung im Schnitt genauso viele Medikamente wie zuvor, vertrugen diese jedoch besser. Allerdings ist eine solche händische Überarbeitung des Medikationsplans zeitaufwändig. „Für die FORTA-Liste dauert die Anpassung pro Patient etwa eine halbe Stunde“, so Haefeli. „Mit Software ginge das schneller. Der Arzt könnte in der gewonnenen Zeit andere Fragen klären, zum Beispiel die ständig wechselnden Therapieziele seines Patienten.“

Der Nutzen neuer Systeme muss durch Studien belegt werden

Für die meisten der derzeit angewandten oder in Entwicklung befindlichen Unterstützungssysteme fehlen bislang gute Studien, die ihren Nutzen belegen. In einem ersten Schritt müssen Entwickler zeigen, dass ihr System so arbeitet wie vorgesehen. Anschließend müssen Studien belegen, dass die Anwender, also Ärzte und Apotheker, sich in ihren Entscheidungen von dem Hilfsprogramm beeinflussen lassen. „Für viele Systeme wurde dieser zweite Schritt gar nicht geprüft“, sagt Haefeli. In einem dritten Schritt sollte schließlich überprüft werden, ob die technische Entscheidungshilfe den Patienten einen Vorteil bringt. „Dabei kommt es auf Endpunkte an, die für geriatrische Patienten relevant sind“, so Haefeli, „also die Lebensqualität oder die Frage der Autonomie, also ob ein Umzug ins Pflegeheim vermieden werden kann. Solche Endpunkte wurden bislang in Studien aber kaum untersucht und sind selten das Behandlungsziel in Leitlinien.“

Auf dem Weg zu besseren Unterstützungssystemen für die ärztliche Entscheidungsfindung erhofft sich Haefeli einen Impuls aus der aktuellen Forschung zur Krebsbehandlung. In der Onkologie werden bereits heute für ausgewählte Patienten maßgeschneiderte Therapien mit Computerhilfe zusammengestellt. Das dort gewonnene Know-how müsse man auch in die Routineanwendung für andere Patientengruppen übertragen, so Haefeli.

Zur Person

Professor Dr. med. Walter E. Haefeli ist Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie des Universitätsklinikums Heidelberg. Nach dem Medizinstudium in Basel und Weiterbildungsaufenthalten an den Universitäten Stanford und Harvard habilitierte er sich 1995 an der Universität Basel in Innerer Medizin. 1999 wurde Haefeli auf den Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie an der Universität Heidelberg berufen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen die Erforschung von Arzneimittelwechselwirkungen und die Entwicklung von Techniken zur Individualisierung von Arzneimitteltherapien, unter anderem hinsichtlich der Bedürfnisse des einzelnen Patienten. Zur Bearbeitung dieser Herausforderungen forscht Haefeli bevorzugt nach IT-basierten Lösungen.

Termin:

Professor Walter E. Haefeli, Universitätsklinikum Heidelberg
Keynote-Lecture: „IT-Unterstützung bei Polypharmazie – Herausforderungen, Hoffnungen und Träume”
DGG-Jahreskongress
Campus Westend – Hörsaal 4
Donnerstag, 28. September 2017, 14:15-15:00 Uhr
Frankfurt am Main

Neuro-endokriner Reflex führt zu Infektionen

Verbindung zwischen Nerven- und Immunsystem: Neuro-endokriner Reflex führt zu Infektionen

Neuroendokriner_Reflex_5b3a1a342fWissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), der Harvard Medical School in Boston und der Ohio State University in Columbus zeigen, dass die erhöhte Infektionsrate nach Rückenmarksverletzungen durch eine direkte Fehlsteuerung des geschädigten Nervensystems verursacht wird. Über einen neu entdeckten Reflexbogen kommt es zu einer gestörten Hormonfreisetzung in der Nebenniere, die die Abwehrkräfte des Organismus gegenüber Bakterien schwächt. Die in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature Neuroscience veröffentlichten Ergebnisse sind wegweisend für die Entwicklung neuer Therapieansätze zur Reduktion von Infektionen.

Nach Verletzungen des Gehirns oder des Rückenmarks, beispielsweise durch einen Schlaganfall oder Unfall, kommt es zu einer bedeutenden Schwächung des Immunsystems, die häufig zu schweren Infektionen wie Lungenentzündungen oder Harnwegsinfekten führt. Dies wiederum erschwert die Regeneration des verletzen Nervengewebes und die Rehabilitation der betroffenen Patienten. Wie genau die Verletzung des Nervensystems zu den Infektionen führt und welche physiologischen Parameter verantwortlich sind, ist bisher nur sehr ungenau verstanden. Das Forscherteam um Privatdozent Dr. Harald Prüß von der Klinik für Neurologie der Charité und dem DZNE Berlin und um Prof. Dr. Dr. Jan M. Schwab, Leiter der Abteilung für Neuroparaplegiologie der Charité, konnten diesen Ablauf nun erstmalig entschlüsseln.

„Ausgangspunkt unserer Studie war die Vermutung, dass aus dem Rückenmark kommende Nervenbahnen einen direkten Einfluss auf die Funktion von Immunorganen wie Lymphknoten oder Milz haben“, erklärt Privatdozent Dr. Prüß. Er fügt hinzu: „Zu unserer Überraschung zeigte sich jedoch, dass diese direkte Ansteuerung nicht für die Fehlfunktion der Immunorgane verantwortlich ist und es stattdessen zu einer immunologischen Fehlsteuerung kommt, die den gesamten Körper betrifft.“

Die Wissenschaftler wiesen nach, dass das Nervensystem über die Hormonproduktion der Nebenniere einen indirekten Kommunikationsweg nutzt, der zu einem starken Abbau vieler Immunzellen führt. Im gesunden Organismus werden die Nebennieren vom Nervensystem sowie von übergeordneten Hormonzentren kontrolliert. Man ging bisher davon aus, dass eine Verletzung des Zentralnervensystems über die Hormonachse zur Freisetzung von Kortison in der Nebenniere führt, während eine traumabedingte Stressreaktion die Ausschüttung der Nebennieren-Hormone Adrenalin und Noradrenalin verursacht. „Unsere Daten zeigen, dass die Fehlfunktion der Nebenniere unter direkter Kontrolle des verletzten Nervengewebes steht“, ergänzt der Wissenschaftler und Neurologe. Dadurch komme es im Gegensatz zur gängigen Lehrmeinung infolge einer traumatischen Rückenmarkverletzung sogar zunächst zu einem Abfall der Stresshormone und zu einer gesteigerten Kortisonproduktion.

Die veränderten Hormonspiegel führten zu einem dramatischen Abbau vieler Immunzellen, insbesondere von Vorläuferzellen der T- und B-Zell-Reihen. Dadurch schrumpften Milz, Thymus oder Lymphknoten um teilweise 50 bis 80 Prozent ihrer Größe. Durch eine experimentelle Ausschaltung der Nebennieren ließ sich dieser massive Verlust von Immunzellen umkehren, allerdings waren die untersuchten Mäuse weiterhin anfällig für Infektionen. Wurde diesen Tieren hingegen Nebennieren-Gewebe auto-transplantiert, waren sie vor Infektionen geschützt. Die Nebennieren-Transplantate produzieren dabei die für den Körper notwendigen Hormone, stehen aber nicht mehr unter der dysfunktionalen Kontrolle des Nervensystems, wie sie sich sonst nach einer hohen Rückenmarkverletzung ausbildet.

Die Identifikation dieses zweiteiligen pathologischen Reflexbogens per Nervenbahnen vom Rückenmark zur Nebenniere und von dort über Hormonsignale zum Immunsystem, vertieft das Verständnis der Schnittstellen zwischen Nervensystem und Immunsystem fundamental. Die Entdeckung der Immunparalyse und der ihr zugrundeliegenden Mechanismen ist ein wichtiger Schritt hin zu einer besseren Behandlung von rückenmarkverletzten Patienten. Querschnittgelähmte Patienten leiden somit nicht nur an den offensichtlichen Lähmungen von Motorik und Sensibilität, sondern auch einer Lähmung des Immunsystems.

„In der Tat konnten umfassende Analysen der Kortison- und (Nor)Adrenalin-Spiegel bei Patienten zeigen, dass sie sich nach einer akuten Rückenmarkverletzung grundsätzlich ähnlich verhalten wie in den experimentellen Arbeiten“, erklärt Prof. Schwab. Damit könnte die therapeutische Normalisierung dieses neuro-endokrinen Reflexes eine wirksame Strategie sein, um die teils lebensbedrohlichen Infektionen nach einer Verletzung des Zentralnervensystems in den Griff zu bekommen.

*Harald Prüss, Andrea Tedeschi, Aude Thiriot, Lydia Lynch, Scott M. Loughhead, Susanne Stutte, Irina B. Mazo, Marcel A. Kopp, Benedikt Brommer, Christian Blex, Laura-Christin Geurtz, Thomas Liebscher, Andreas Niedeggen, Ulrich Dirnagl, Frank Bradke, Magdalena S. Volz, Michael J. DeVivo, Yuying Chen, Ulrich H. von Andrian, Jan M. Schwab (2017). Spinal cord injury-induced immunodeficiency is mediated by a sympathetic-neuroendocrine adrenal reflex, Nature Neuroscience. doi: 10.1038/nn.4643